Da schreibe ich also einem 22jährigen Kanadier, ja, sicher darfst Du auf meiner Couch surfen, aber ich empfehle Dir – such Dir besser einen Gastgeber, der in Deinem Alter ist. Wegen Party und Clubbing und so. Und dann lese ich, was vor zwei Jahren so war.
Archiv des Autors: glamourdick
9.-10.6.12
Am Samstag 5 Stunden Petra, dann wollte ich mir etwas Gutes tun und dem Videodrome ebenfalls und mir dort „Treme“ kaufen, war aber gerade ausverkauft. Der Rest des Tages wieder eine Blase aus Schlafen und schlechter Laune. Am Sonntag geputzt, mit der Schwester telefoniert – ihr versucht, zu erklären, was da psychisch gerade abgeht bei mir, das Ganze ohne sie zu erschrecken. Und immer wieder upbeat: I´m dealing with it. (Wenn es in mir schreit „I can´t deal with it“ immer wieder gegenschreien „I´m dealing with it! I´m dealing with it!“ Das ist eine furchtbar narzisstische Störung, man ist ständig mit sich selbst befasst. Und mal ist die Kraft da, um es auszuhalten, an anderen Tagen nicht. Überlegt, „Hemlock Grove“ weiter zu lesen, dann dagegen entschieden, das ist kein Buch, um gute Laune zu bekommen.
Auf Gayromeo angeschmachtet von einem Polen, dessen Fotos den Eindruck erwecken, dass seine Vorstellung von geilem Sex wäre, mich zu vivisezieren und mir das Hirn mit einem Gartengerät aus der Nase zu ziehen. Ein bisschen neugierig bin ich geworden, ich gesteh´s, aber es war mehr eine schriftstellerische als eine erotische Neugier.
„Blackout“ von Marc Elsberg zu lesen angefangen. Die ersten 100 Seiten in einem Schwung – pageturner. In Euroa geht das Licht aus. Und bleibt´s. Eine schöne Prämisse für einen multiple point of view-Roman, in dem alles so sorgfältig vernetzt ist wie das europäische Stromnetz. Glaubwürdige Figuren in einem sehr realistisch wirkenden Katastrophen-Szenario. Sehr gespannt, ob Herr Elsberg in andere Sprachen übersetzt werden wird. Verdient hätte er´s. Es ist ein sehr europäischer Roman, das ist mir bislang zu keinem Roman eingefallen. Nicht österreichisch oder deutsch – europäisch.
Das hat gerade alles nichts mehr mit Lebensqualität zu tun, das ist ein reines Aushalten.

PERFECT SENSE
100 Seiten Feinschliff, immer wieder unterbrochen von Schlaf. Erste Lesermeinung vom Miss Koma eingeholt. Sachdienliche Hinweise notiert. Das Patenkind in NY mit dem attraktivsten New Yorker vernetzt, den ich kenne. Nicht nur der attraktivste New Yorker, sondern sogar der attraktivste Mann, dem ich je begegnet bin, darüber hinaus auch noch smart, heroisch und charmant. Ich hoffe, dass dies keinen Heartbreak auslöst. Er ist darüber hinaus auch noch hetero.

Über „Perfect Sense“ sinniert, weil das ein Film ist, bei dem man das zwangsläufig tut. Die Menschheit verliert zunächst, nach einem Anfall großer Trauer, genauer – einer kurzen Trauer-Attacke, den Geruchssinn. Als die Epidemie losbricht treffen sich ein Koch und eine Epidemeologin über einer Zigarette. Es passiert eine moderne Liebesgeschichte, wie solche heutzutage passieren. Mit viel „Ich kann nicht“ und „Ich bin doch eigentlich“ und ein bisschen „so-und-so“. In der nächsten Stufe der Krankheit folgt auf einen gemeinen Wutausbruch der Verlust des Geschmacksinns. Und dabei wird es nicht bleiben. In the end, it all makes siehe Titel. Brutal schöner Film, der an mir vorbei gegangen wäre, wäre da nicht Herr Spango, der solche Preziosen an mich weiterleitet. Hatte noch nicht erwähnt, dass die männliche Hauptrolle mit Ewan besetzt ist, der, wie immer, verliebenswert ist.
(Der Trailer wird dem Film nicht gerecht.)
MY NAME IS LUKA
Die Generalstaatsanwaltschaft bemüht sich nun also um einen Auslieferungsantrag. Das ist vermutlich besser so, denn ansonsten würde Psycho-Luka wohl nach sechs Wochen ein Anschreiben erhalten, in dem ihm mitgeteilt wird, dass das Verfahren mangels Beweisen eingestellt wird, wie in Berlin üblich. Ist ja auch so. Die Beweise liegen ja irgendwo in Kanada und nicht hier. Auch schön, wie erst der zweite Polizeiwagen anhält. Ist ja Neukoelln. Wenn da ein schreiender Türke am Straßenrand steht, dann ruft der nur laut nach seinem Tilidin-Dealer. Schlimmstenfalls könnte das ja auch in Arbeit ausarten, und das, wo man sich gerade einen Spaß damit gemacht hat, Autofahrer darauf hinzuweisen, dass ihr TÜV in einem halben Jahr ausläuft.
Dass Luka sich in Berlin Neukoelln wiederfindet, nach Paris, ist irgendwie auch so obvious. Es wundert mich, dass es nicht Kreuzkoelln war, wo es ja bekanntlich gerade alle hinzieht. Nächste Station wäre dann Prag gewesen. Der Mann wollte offenbar gefunden werden. Wenn Sie heute ein seltsam riechendes Paket in der Post haben – nicht aufmachen, nicht die Polizei rufen, geich nach Kanada weiterleiten.
(Was mich aber brennend interessiert ist, ob Suzanne Vega gestern im Heimathafen Neukoelln „My name is Luka“ gesungen hat. Ermitteln Sie!)
(P.S.: Interessanterweise fand sich am 3.6. um 2.12 Uhr eine Warnung, dass Psycho-Luka möglicherweise in Berlin sei, auf der Berliner Craigslist. Hat er vermutlich selbst reingestellt: http://berlin.de.craigslist.de/cas/3053900244.html)
VORHANG
Optionale Steerpike-Szene, neobarocker Schlenker. Und „Ende“ drunter geschrieben. In diesem Fall siehe Titel.
ODP
Rohfassung fertig. Eine optionale Steerpike-Szene vielleicht noch. Puh.
META-MARILYN
Nach einer wieder einmal ziemlich wunderschönen Geburtstagsfeier ein ebefalls wunderschöner Tag mit dem Skailight. Shopping die Oranienstraße entlang, Kirschbier und Belgische Waffeln, dann ein Kaffee und köstlichstes Gebäck im Gouter. Zu Hause blätterte das Skailight in Magazinen, während ich das neueste Marilyn-Buch las, das mir die wunderbare Lieblingskollegin geschenkt hatte. Es ist DAS Marilyn-Foto-Buch überhaupt. Unglaublich liebevoll gestaltet, aufwändigst bearbeitete Fotografien, sorgsam ausgesucht und versehen mit den Zitaten von Zeitgenossen. Ich hatte keine Ahnung, wie bewegend und anerkennend sich beispielsweise Bette Davis über Marilyn geäußert hat. Auch Lauren Bacall hat jetzt einen Platz in meinem Herzen. Zum Ende des Buches, ich gesteh, flossen Tränen. Das musste ich dem Skailight erklären, wobei ich gleichzeitig lachen musste. Und Lachen und Weinen gleichzeitig, das ist ja das Steel Magnolias-Gefühl, das man immer nur mit den besten Menschen erleben kann.
PUPPY OFF
„Deine Freunde finden, Du bist dick geworden.“ Als letzter Satz zum Abschied. Es war ein bisschen Sippenhaft, dass ich die Geschenke desjenigen, der diese menschliche Katastrophe mit auf die Party gebracht hat, vom Balkon geschmissen habe. Ansonsten war alles fabulous.
If you can´t handle my worst, you ain´t getting my best.