Archiv des Autors: glamourdick

29° und in fremder Unterhose am Schreibtisch

Es kappt mir den Orgasmus und auch die Imagination. Maybe the price to pay? Zumindest, was die Imagination angeht, macht das Medikament mich quasi arbeitsunfähig. Allerdings, gestern multiple Einkäufe ohne Panik. Nur, wenn keine Kreativität, dann auch kein Geld für Lebensmittel. Sollte es nicht eigentlich buzzen? Es bremst. Aber vielleicht bin ich einfach zu sehr an mich gewöhnt, meine 100% ich haben ja schon ganz andere überfordert. Klar denk ich manchmal über die nach. Glücklicherweise denke ich dann aber nichts als „history“. „Schade“ gibt es gerade nicht. Und Bedauern hab ich nur für ernstere Fälle und wie ich sie upgefuckt habe. Aber ich kann es mir nicht leisten, das Buch nicht abzugeben und für eine komplette Umarbeitung mangelt es mir gesundheitlich an Imagination.

Heute ausschließlich Bowie. Except maybe.

26.7.12

Es gibt gerade nichts zu schreiben, es ist eine Zeit des – wie heißt das? Nachhallens? Es passiert nichts, und offenbar ist das nicht verkehrt, nur etwas langweilig. Ich kaufe neue Schuhe, darin zu laufen, ohne Blasen.

24.7.2012

Ende Juli und wie oft auf dem Waser gewesen? Drei Mal? Vier? Neddless to say, was ich von diesem Sommer halte. Auf neuer Pille bin ich gerade recht schutzlos unterwegs – zehn Tage mindestens bis sie Wirkung zeigen soll, also jetzt noch vier und ab heute in doppelter Dosis. Was die Gewichtszunahme angeht bin ich froh, dass ich keine Waage besitze. Eitelkeit und Psychopharmaka verstehen sich nicht gut. Was es in den letzten Tagen ein bisschen rausgerissen hat – die neue Staffel „True Blood“. Sie könnten auch einfach eine Skarsgard-Cam installieren, ich würde 24 h davorsitzen. Sex-Angebot von einem Mittzwanziger, der irgendwie ein bisschen zu kinky rüberkommt für meinen Geschmack, und überhaupt ist mein Körpergefühl gerade nicht so. Neverthelesess: immerhin geht die Pille nicht auf die Libido, wie bei Manchen. So ist es der Bauch, der entscheidet, nicht das darunter. Bauchgefühl mal anders. Oh – und Happy birthday Miss Leighton! Und laut Aussagen der Coke-Line (so melden die sich da wirklich!) ist Light Lemon ab nächster Woche in meinem PLZ-Bereich wieder lieferbar. Dann wird´s Zeit für eine Coke-Party, mal anders. So. Jetzt Tomaten ernten.

GLAMEN

Eine mir unbekannte Pfarrerin schreibt mir. Sie bedauert meinen Austritt aus der Kirche. Und will einmal klarstellen, dass die Kirchensteuer nicht allein auf die Gehälter für PfarrerInnen verwendet wird, sondern durchaus auch wohltätigen Zwecken zugeführt würde. Mein Beitrag würde nun fehlen. Ob ich mir im Klaren sei, dass nun, nach meinem Austritt, eine kirchliche Trauung oder ein kirchliches Begräbnis nicht mehr möglich seien? Dass mit der Trauung – well, mir wäre eh keine kirchliche Trauung möglich, da die Kirche ein Problem damit hat, gleichgeschlechtliche Menschen zu trauen. Was das Begräbnis angeht – ich habe Strike gebeten mir irgendein Schaufenster zu mieten, wenn es soweit ist. Dann gab es noch eine Seite mit Kirchenaustrittsgründen zum Ankreuzen für die Statistik. Die Option „mein Gottbegriff passt in keine Religion“ fehlte. Ebensowenig „Nur weil mir Jesus als Gottes Sohn kulturell aufoktroyiert wurde, gelingt es mir immer noch nicht, ihn als solchen zu akzeptieren.“ Desweiteren bin ich in die Kirche eingetreten worden, als ich noch keine Entscheidungsgewalt hatte, wurde unter der gleichen Bedingung konfirmiert und es ist meiner Trägheit anzuschulden, dass ich nicht schon mit 18 die Entscheidung zum Austritt getroffen habe.

:-/

Wenn man sich während des Kaffeekochens fragt, wo man gerade die Tablette hingetan hat, die man einzunehmen verordnet ist, und dann den Kaffee trinkt und sich wundert, dass er nicht süß ist, obwohl man doch ein Stück Süßstoff in die Tasse getan hatte.

MAMMMMMMMMMMRIEEEEEEES


Madonna – Turn Up The Radio (Explicit Version) on MUZU.TV.

(Ich weiß, man macht ein Lied in dem das Wort „Radio“ vorkommt und hat die Garantie, dass es eben dort dann immer gespielt wird, weil die Radiomacher sich dann immer ganz doll freuen, weil ja sonst keiner an sie denkt. Aber dennoch. Sowohl Lied als auch Clip bringen eine Madonna zurück, die ich nicht nur mochte, sondern verehrte. Ich wünschte, wir hätten den passenden Sommer zum Lied.)

GLAM MEETS THE GIPSY KING

Der Höhepunkt des Tages, morgens um 10 – eine Spontanerektion angesichts eines Passanten. Mitte, Ende 30, 185cm, langes braunes welliges Haar, schmales Gesicht, Vollbart. Trägt einen schwarzen Anzug (etwas zu groß) und ein weißes T-Shirt. Telefoniert. Erst kommt er mir entgegen, dann dreht er und überholt mich und da geschieht´s. Ständer. Ich würde ihm gern das Handy abnehmen und mich mit ihm schnellen Schrittes entfernen und Sachen tun, wie in meinen Romanen. Inklusive paranormale Aktivitäten vertuschen, aber auch ganz irdisch überirdischen Sex. Aber da ist er auch schon über die Straße und ich erreiche pünktlich (und abgeschwollen) meinen Arzttermin.
„Beim Nervenarzt gehen die Uhren anders“, werde ich begrüßt, „kommse in zwee Stunden wieder. Machense sich n schön Vormittach.“
Leicht gesagt in dieser Gegend… Also stiefele ich lustlos durch die Neukoelln Arkaden, kauf mir einen Roman, einen Kaffee und etwas Geschmacksneutrales, das sich als Tomaten-Mozarella-Stange bezeichnet und setz mich in den Wind vorm Rathaus, wo ich immer wieder (erfolglos) nach dem Gipsy King Ausschau halte. Gegen 12 bin ich zurück in der Praxis. Nach einer weiteren Stunde verlasse ich sie mit einem Rezept in der Hand. Weder das Wartezimmer, noch die Einkäufe haben mich aus der Fassung gebracht, und auch, wenn ich mich im Arztgespräch fühle wie jemand, der sich vorsichtig nach Morphium oder klinischem Kokain erkundigt, es ist ein weiterer recht stabiler Tag. (Was mich nicht davon abhält, das neue Medikament zu testen. Er ist noch sehr fragil, der Status.)

KEATS AND YEATS ARE ON YOUR SIDE, WHILE RILKE IS ON MINE

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Es hat etwas sehr Feierliches, an diesem Wetter-unberechenbaren Sonntag über den Friedhof zu spazieren. Die Stille, Produkt der Abwesenheit von Lärm und Lärmenden, das Unaufgeregte, die in Stein geschlagene Würde, die dieser Ort ausstrahlt. Irgendwo, da, wo die Asphaltierung aufhört, gerät der Friedhof zum Museum. Auf den Dächern von Mausoleen wuchern Bäume. Grapbepflanzungen außer Rand und Band überdecken Grabplatten und beschatten die Beschriftungen. Es ist ein unsagbar verwunschener Ort mit Jesus und Maria-Statuen in allen Stadien des Verfalls. Engel mit geknickten Flügeln. Knochentrockene Grabinschriften.

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Und plötzlich ist man wieder im apshaltierten Bereich, da steht eine Frau, Mitte 60, in schicker Jacke, und weint bitterlich, reibt sich mit einem Taschentuch die Augen. Vor ihr ein frisch und bunt bepflanztes Grab. Und dann bleibt einem nicht nur der Atem stocken, sondern es entfaltet sich die gesamte Wirkmacht des Ortes und erschlägt einen. Ein paar Schritte weiter denke ich, hingehen und in den Arme nehmen und selber ein bisschen mitweinen. Mach es dann aber doch nicht. Es gib ein Alleine, das heißt dann wirklich allein. Da gibt es keinen Trost zu spenden.

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RELEVANZ

Komisch, dass man mit Mitte 20 überzeugt ist, für immer Mitte 20 zu sein. Die 30 ist dann schon seltsam und man macht sich allerlei blöde Gedanken, dabei ist das eigentlich das (bis auf weiteres) spannendste Jahrzehnt und dann kommt die nächste Etappe und man muss sich plötzlich Identifikationspersonal suchen, Bezugspunkte dafür, dass ein Leben auch dann noch Sinn macht, wenn der jugendliche Schmelz komplett weggeschmolzen ist. Coupland hat mal gesagt, dass man im Kopf und der Selbsteinschätzung so bei 30 hängenbleibt. Bei mir so 35/36, ich war ein Spätzünder. Vielleicht war es auch gar nicht Coupland. Egal wer, es ist was dran. Ich fühl mich nicht gern außen vor. Und halte es mit Dalida und schminke und frisiere misch ein bissschen mähr auf jugendlisch. Pathetisch, ich weiß. Aber ich schaue zurück auf meine Freunde und Bekannte Mitte 20 und vorwärts auf Menschen wie die Lieblingsdänin und andere Großartigkeiten (Jessica Lange) und dann schaue ich auf die Menschen in meinem Alter, mit denen ich mehr oder weniger lange Wege gegangen bin, und die Menschen, die ich jetzt um mich habe, mit denen werde ich gerne – besser. Noch besser. Das Verbuchen von Erfahrungen hört nicht auf. Und in diesem Zusammenhang der neue John Irving, eine sprichwörtlich reife Leistung. Das ist so ein Buch, auf das der Autor nicht stolzer sein könnte. Es ist so weise und so klug und so voller Herz. Und es weist auch irgendwie den Weg. Es mag sein, dass die Jugend vergeht, aber im Alter hat man mitunter, bestenfalls eine gewisse Weisheit auf seiner Seite, und von dieser profitiert auch die Jugend. Das wäre mein größter Wunsch als Autor – eines Tages ein Buch zu schreiben, das festhält, was sich im Lauf eines Lebens verändert, was sich bewährt, was überflüssig war, aber trotzdem mitgenommen werden musste und was relevant bleibt. Relevant bleiben. Das Ziel für die nächsten Etappen.