Archiv des Autors: glamourdick

OGLAMPICS

Da war ich ganz sentimental, letztes Jahr, gleiche Zeit. Weil ich meine Babies auf die Reise geschickt hatte. Zeitgleich hatte ich begonnen, sie wieder abzuholen und mittlerweile ist die Rückkehr geschrieben und es fühlt sich an, als hätte ich zumindest einige von ihnen erlöst, und ein dritter Teil ist noch nicht in Sicht, weil sie alle gerade in Plätzen sind, wo es ihnen gut geht. Ein paar Wochen hatte ich kein Gefühl zum ODP-Roman, blame it on the Psychopharmaka.

Ich schau aus dem Fenster, die Bougie ist so quietschpink wie nie, die Tomate bald abgeerntet, der Himmel lacht und es sieht nach einem Tag auf dem See mit Herrn Strike aus. Derweil werde ich, wie in den vergangenen Tagen, verschwörerisch heraufbeschwörend Kate Bush auf Shuffle hören, damit sie heute Abend wirklich aufttritt und ich erstmals seit Poprock oder wie die Sendung hieß, ihr zeitgleich bei einem Auftritt zuschauen kann („Babooshka“ war es. Und „Army Dreamers“, oder?). Und ein Couchie ist auf dem Weg, der Arme muss das dann auch irgendwie aushalten, Spice Girls, The Who und werweißwasnoch.

BORGEN oder GREAT DANES

Der dänische Ministerpräsident wird einen Tag vor der Wahl zu Fall gebracht. Seine medikamentöse Gattin hatte einen Shoppingrausch auf Staatskosten. Der Pressesprecher des Präsidenten erliegt einem Herzinfarkt. Im Bett der angehenden TV-Polit-Journalistin, deren Ex als Spin Doctor für die Oppositionspartei „Die Moderaten“ arbeitet und der am Fundort die Shopping-Belege findet, die den Präsidenten zum Fall bringen werden. Als die Parteichefin, Ehefrau und Mutter zweier Kinder im TV-Duell die Konfrontation des Präsidenten mit den Vorwürfen erlebt, durchschaut sie die Intrige und feuert ihren Spin Doctor. Womit sie nicht rechnen konnte – dass sowohl die Regierungspartei als auch die Opposition durch diesen Intrigenkurs Wählerstimmen eingebüßt haben, die nun den „Moderaten“ zukommen. Bei der Wahl gewinnt sie die Mehrheit der Mandate. Und so steht Birgitte Nyborg in den Startschuhen für die Präsidentschaft, wenn es ihr gelingt, mit den anderen Parteien zu dealen und eine Regierung zu bilden.

Vorweg – Politserien sind nicht mein Ding und so hatte ich eine Minute gezögert, bevor ich sie bestellte. Grund für den Entschluss war die Besetzung der Hauptrolle mit einer der großartigsten europäischen Schauspielkünstlerinnen – Sidse Babett Knudsen. Ich bin der Frau verfallen. Die Wahrhaftigkeit, mit der sie ihre Rollen gestaltet, ist in der Tat einzigartig. Es ist eine ganz andere Form der Schauspielkunst als die amerikanische Tradition (die ich ebenso schätze), aber bei Frau Knudsen sehe ich nie eine Schauspielerin, die eine Rolle spielt, ich sehe die Figur, die sie spielt und glaube ihr. In den gerade gesehenen ersten beiden Folgen von „Borgen“ ist sie fast unterfordert, denkt man, weil ihr Spiel so leicht ist. Wie diese Figur sich durch die Intrigen manövriert und von ihnen möglichst unberührt zu bleiben versucht, das ist so echt und sympathisch, das man wieder vergisst, dass man einer Schauspielerin zuschaut. „Borgen“ ist dänisches TV-Entertainment auf höchstem Niveau. Es wird gezeigt das Tun von Menschen und einer Frau, die entschlossen ist, moralisch zu handeln. Ich freu mich jetzt schon auf heute abend und die nächsten acht Folgen und Staffel 2.

GLAM HEARTS MADGE, FRANKIE AND HERR STADLOBER

Dem muss man nichts hinzufügen, das hat sie sehr schön gesagt:

Desweiteren gestern ein hochinspiratives Treffen mit dem Lieblingsfotografen gehabt und gemeinsam ein äußerst brilliantes Cover-Konzept für ODP mal ebenso zack am Cafétisch entwickelt. Danach mangels Sommer „Sommersturm“ angeschaut. Dabei eingeschlafen, danach nochmal von vor angeschaut. Love love love it. Kate angeblich bei Olympiaproben gespottet. Love love love that ebenso.

ANGELICS

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Auf Empfehlung von Herrn Strike „The Fades“ angeschaut und jetzt gar nicht so sicher, ob eine dänische Politserie, selbst wenn Sidse Babett Knudsen mitspielt, mein nächstes Abend-Entertainment sein kann. Und mir fällt ein, wie sich mal jemand nach meinem Studium (Anglistik) erkundigt hat und auf meine Antwort erwiderte „Mit Religion hab ich´s ja nicht so.“ Nichtsdestotrotz und anyhow. „The Fades“, wo die Toten nicht den Weg nach oben finden und erkennen, dass sie wieder einen Körper bekommen können, wenn sie Menschenfleisch essen, und wo der Protagonist statt eines Ständers Flügel bekommt, weil er zu den im Titel Genannten gehört, die die Himmelfahrten kontrollieren, kann ich Ihnen ans Herz legen. (Ich frage mich allerdings, was die englische Fernsehlandschaft mit all dem Talent, das sie züchtet, anstellt – das sind mittlerweile so viele, so gute Kids, dass man hofft, dass auch ausreichend gute Stoffe für sie entwickelt werden. Immerhin beschäftigt „The Fades“ auch zwei Schauspieler aus „Skins“, so sind die schon mal ne Weile von der Straße weg. Bedauerlicher- und unverständlicherweise hat es die Show nur auf eine Staffel gebracht, immerhin sechs Stunden prächtigsten Entertainemnts. Anschauen!)

CRUISING

Drei Marilyn-Dokus, eine ziemlch ärgerlich, eine letztlich über Bert Stern, aber dennoch sehr gut und die eine am Vorabend – ich liebe es, wie die Franzosen ihre Liebe für Marilyn vortragen. Am Nachmittag das schlechte Wetter genutzt und „Cruising“ angeschaut. Atemberaubend gut, nach all den Jahren und all den Protesten der damals noch recht jungen Schwulenbewegung, die sich seinerzeit diffamiert wähnte, tatsächlich aber haargenau getroffen wurde. SM, Bondage, Fisten zählen zugegeben nicht zum alltäglichen Sexleben jedes Schwulen, aber die Promiskuität der Szene, die durch Stonewall frisch erbeutete Befreiung, die ist perfekt eingefangen und entspricht genau dem, was die Doku „Gay Sex in the 70ies“ ganz ehrfürchtig portraitiert. Angesichts „Cruising“ wurde seinerzet empört gekrischen, heute wird die Zeit zwischen Stonewall und AIDS glorifiziert. „Crusing“ lohnt sich aber nicht nur wegen des Einblicks in die damalige Szene, sondern funktioniert nach wie vor als solider Thriller. Hetero-Cop taucht ins Milieu ein, um einen Serienmörder zu fassen, der es auf schwule Bondage-Freaks abgesehen hat. Al Pacino spielt diesen Cop ohne Vorurteile mit einem vorsichtigen Interesse. Was er da sieht verwirrt ihn, befremdet ihn, aber irgendwie macht es ihn auch geil – freilich lebt er dann den Sex mit seiner Freundin aus. Aber die Erlebnisse stellen auch eine Belastung für die Beziehung dar. Der Film geht nicht so weit, dass Pacino am Ende zum Schwulen bekehrt wird, aber seine sexuelle Identität hat sich fraglos weiterentwicklt. Cinematographisch beeindruckend und einer der letzten Filme, in dem Farbe ein wichtiges dramaturgisches Element ist. Desweiteren gibt es lustige Begegnungen: kuckmal, da ist Al Bundy, als er noch nicht im Schuhladen arbeitete. Und da! Dexters Daddy war eine geile Rocker-Schnecke! Ich will ihn! Sofort!

REST IN FREEDOM, BEAUTY, TRUTH AND LOVE

mm

Ja, Sie werden überall nachlesen können, dass es der 5. August war, aber wenn Sie sich die Mühe machen, einige verlässliche Biografien zu lesen, dann wird klar, dass sie am 5. August bereits tot war, gestorben vermutlich am Vorabend, ca 22h. Sie mussten erst Robert Kennedy aus der Stadt bekommen, den Fundort der Leiche pressetechnisch herrichten, Wäsche waschen, Anwälte, Pressechefs und Produzenten auf den aktuellen Stand bringen. Also wurde es 4 Uhr morgens, bis man sie offiziell auffand, und das ist das Datum, das als Todestag angegeben wurde. Ich habe versucht, einen schönen, würdigen, aktuellen Clip zu finden, aber die Reportagen sind schlampig. Selbst die FAZ ordnet die Szene auf dem Ubahn-Schacht „Manche mögen´s heiß“ zu, bei arte zeigt man ein Foto ihres ersten Mannes, James Dougherty, und erklärt ihn zu Arthur Miller. Solche Fehler ärgern mich. Auf der anderen Seite bin ich froh, dass es diese Berichterstattung gibt, dass Marilyn noch ein Thema ist. Und so mag ich auch Nicki Minajs Marilyn-Lied und die „Week with Marilyn“-Fantasie. Weil Marilyn einerseits fehlt – was hätte sie noch alles Großartiges machen können? Und andererseits immer noch präsent ist. Gedanken über diesen letzten Tag in ihrem Leben füllen mich mit Grauen – sie hatte gerade ihre Karriere versenkt, war unglücklich verliebt, aber Rettungsanker waren ausgeworfen – die Arbeit am abgebrochenen Film sollte wieder aufgenommen werden. Aber wenn das, was Dein Beruf ist gleichzeitig das ist, was Dich in Deinen grotesken Selbstzweifeln befeuert, dann ist das kein leichtes Leben. Sich es dann noch mit den Kennedys zu verscherzen – das war entschieden zuviel.

Marilyn, Glammy loves you forever.

FUCKATTACK

„Und, wie geht es Ihnen heute?“
„Das Medikament wirkt, was die Nebenwirkungen angeht. Aber sonst spür ich keine Wirkung.“
„Ja, das ist klar. Die richtige Wirkung setzt erst nach ein paar Wochen ein. Und ansonsten – Kopfschmerzen, Durchfall, irgendwelche anderen unangenehmen Symptome?“
„Es kappt mich etwas ab. Was Orgasmen angeht und Kreativität.“
„Das sollten Sie ein paar Wochen in Kauf nehmen.“

Und er hat ja Recht. Nebenbei, weil´s nicht schaden kann, klopfe ich mir im Gesicht herum, EFT nennt man das. Also nicht während des Gesprächs mit dem Arzt, zu Hause.

„Haben Sie in der Therapie keine Verhaltensmethoden erlernt, mit der Attacke umzugehen?“
„Doch. Aber die helfen in der Attacke nicht. Da kann ich nicht in den Bauch atmen, dazu fehlt mir die Luft, da hilft es mir auch nicht, die Attacke auf einer Skala von 10 bis 100 zu bewerten, und auch mit ihr reden bringt sie nicht zum Aufgeben. Wenn das Zittern ansetzt, dann geht es durch den ganzen Körper, das sieht dann aus, als ob mich jemand Unsichtbares schüttelt.“

Wenige Stunden später im Job der erste Publikumskontakt seit Monaten, den ich mir zutraue. Zuvor hatte ich immer andere Mitarbeiter gebeten, mir das abzunehmen. Und mittendrin setzt die Panik ein und ich schreie sie innerlich an „FUCK OFF!“ Und sie ist gebremst. Ich bringe das Gespräch zu Ende. Ein Teilerfolg. Trotzdem muss ich über mich selbst den Kopf schütteln. Es ist schwer, zu vermitteln, was da in einem abgeht und wie lächerlich das auf andere wirken muss, die unbefangen durch´s Leben gehen können.

3

Der folgende Clip firmiert als Trailer. Tatsächlich ist es aber der Film „3“ von Tom Tykwer in einer 2-Minuten-Fassung. Dennoch sehr anschauenswert, wie übrigens auch die Langfassung. Hat man ja nicht so oft, dass einem ein Film ein Lächeln auf die Lippen zaubert und einem mitunter zum Glucksen bringt. Auch eine Studie in Sympathieführung – am Anfang denkt man noch, oh Scheiße, das sind die Leute im Restaurant am Nebentisch, deren Unterhaltung man nun echt nicht mit anhören möchte. Aber dann. Aber dann. Gab´s beim Hugendubel für weniger als ne Kinokarte kostet und ist sicher ein Film, den ich noch ein zweites Mal anschauen werde, auch wegen des Berlins, in dem der spielt, das ist recht gut eingefangen. (Fast so gut wie in Modestes Manuskript, an das ich ein paar mal während des Betrachtens denken musste.)

(Darüberhinaus ist der Einsatz von Bowies „Space Oddity“ filmmusikalisch herausragend. Ja. Und ich würde sagen alles in allem ist „3“ ein Meisterwerk. Und ich bring den erst morgen mit, Herr Strike, ich muss mir den heute nochmal anschauen.)

DEXTER 6, DAMAGES 4

Eigentlich sind ja sechste Staffeln schon immer kritisch – die Gagen der Regulars so hoch, dass man keine Gaststars mehr bucht, oder preiswerte, aber in Dexters Fall hat es mal sehr gut getan, dass die Autoren sich auf das konzentriert haben, was eh unter Vertrag ist und nicht wieder eine künstliche Liebesgeschichte für Dexter erfunden werden musste, wenn es eine sehr intensive Bindungsgeschichte bereits gibt und man die ein wenig exploren kann. Weiteres Highlight der Season war die Beschäftigung mit dem Thema Glauben auf allen Ebenen. Nach dem Dexter Cliffhanger-Finale gleich weiter mit Damages. Auch hier wurde abgespeckt. Zwei sehr intensive Neuzugänge (der immer gute John Goodman und der sehr anschaubare Chris Messina) reichen, auch die Story ist zugunsten der Nachvollziehbarkeit entschlackt. Es ist nicht nett, auf Äußerlichkeiten herum zu hacken, aber Glenn Close sieht mittlerweile aus als habe man ihre Gesichtszüge auf eine Tischdecke gemalt und etwas zu straff über einen Fußball gezogen und mit einem blonden Bob in etwas verwandelt, das einem Kopft ähneln soll. Straff aber auch die Geschichte, in der Patty Hewes sogar beinahe etwas menschelt.