Archiv des Autors: glamourdick

THESE, TOO, SHALL PASS

10 Stunden Schlaf. Fett. Aber war wohl nötig. Vor mir: 1 Woche Urlaub, und das Wetter zickt, wo mein Plan eigentlich war, mehr Zeit auf dem Wasser als an Land zu verbringen. Wird schon. Für heute dann einfach Putztag, danach „The Perks of being a Wallflower“ lesen, dann liegt da noch „The Woman in Black“auf DVD und die zweite Staffel mit Frau Lund. Um 0.44 habe ich dann wohl noch eine Einladung an einen Fremden verschickt, die quasi bejaht wurde, heute morgen ist mir das dann doch eigentlich zu forsch, retrospektiv, und vielleicht mach ich daraus eine Dinner-Einladung. Zwei Glas Wein in Kombination mit Psychopharmaka macht mich abends so, dass ich die letzte halbe Stunde nicht wirklich erlebe – der Motor läuft weiter, aber die Erinnerung ist schwammig. Meine Abende beginnen dann damit, dass ich 20 Minuten Lund zurückspule, um mich wieder reinzufinden. Jetzt weiß ich grad noch, wer der Mörder war, aber für die Feinheiten werde ich heut Abend die letzten 20 Minuten nochmal zurückspulen. Ist ein bisschen wie beim Schlafwandeln.

Kundenkontakt und Supermarkt in den letzten Tagen sehr stabil, aber verlassen kann ich mich nicht darauf. Der Doktor sagt Dosis erhöhen, anstatt anderes Medikament. Die Höchstdosis liegt bei 60mg, ich war bei 20, demnächst 30. Könnte klappen. Die Wartezeit in seiner Praxis (beim ersten Mal 3 Stunden, beim zweiten 20 Minuten, am Donnerstag 1 Stunde) hat in seinem Fall damit zu tun, dass er sich Zeit nimmt. Er setzt medikamentös da an, wo Therapie nicht mehr half, aber er weiß, dass es da nicht aufhören kann und da offenbar noch Dämonen sind, die in irgendeiner anderen Form der Therapie herausgelockt, an der Hand genommen und verabschiedet werden müssen. Und ich merke selbst, dass ich mich in einem Maße aus der Gesellschaft zurückziehe, die dem Status von vor ein paar Jahren ähnelt. Ich muss mehr raus. Beispielsweise – selbst blöde Erlebnisse auf dem See sind gut, weil sie vorübergehen. Ich sehe ja die Nervleute sprichwörtlich an mir vorbeiziehen, weil sie nicht den Grips haben, zu ankern. Das ließe sich doch übertragen. Siehe oben.

THE KILLING

Zur Abkühlung in den vergangenen Tagen abends immer „Kommissarin Lund“ angeschaut. Staffel 1. November in Kopenhagen. Hat wunderbar funktioniert. Aber mehr als zwei Folgen am Abend gingen nicht, weil a) jede Folge Spielfilmlänge hat und b) so kondensiert die Twists und Turns schon ziemlich zahlreich sind. Ambitioniert – in jeder Folge überraschen zu wollen. Und gelungen. So gelungen, dass die BBC die Serie im Original mit Untertiteln zur besten Sendezeit zeigte und dennoch fette Quote machte. Das lies auch Jennifer Saunders nicht unberührt.

Die Ähnlichkeit in der Konstruktion zu „Borgen“ ist schon auffällig, aber genau deshalb schau ich es mir ja an. In beiden Serien das perfekt geschilderte Geflecht aus Politik, Institution und Geselschaft – hier auch wirklich alle Bereiche, wenn nicht abdeckend, dann doch anreißend. Großartig vielschichtiges niveauvolles Entertainment, ich bin froh, dass Staffel 2 schon in der Post ist. Hier aber erst Mal Trailer Season 1:

(In Deutschland wurde umgeschnitten auf zehn Folgen in Spielfilmlänge. In den Staaten sieht das folgendermaßen aus. Dort floppte die Show allerdings, weil die tatsächlich so fies waren, den Täter in der ersten Staffel nicht zu entlarven… Selbst schuld…

Fazit: schauen Sie die Dänen. Ist echter. (Langsam wäre hier eine Rubrik „Great Danes“ fällig.)

20.08.2012

Das Skailight zum Flughafen gebarcht, dann ein Walk through 10961. Eigentlich Lust auf Café, aber kaum dass ich stehenbleibe läuft mir der Schweiß. Das Wasser am Fuß des Wasserfalls ist leider extrem brackig und taugt nicht zum Füße reintauchen. Also kauf ich mir eine kalte Coke und setz mich auf eine schattige Bank auf dem Kreuzberg und lese Neon und frage mich, ob es hier irgendwo ne Cruising Area gibt, aber es ist 11h und 32°, beide Zahlen sprechen gegen Rummachen in irgendwelchen Büschen. By the time of Arbeitsbeginn ist mein Make up runtergeschmolzen, aber es ist okay – ich bin von 2 Tagen See gebräunt, wenn auch, Dank Sonnenbrille, ein wenig gescheckt. Der Arbeitstag verläuft in Zeitlupe und in extremer Hitze, der Regen am Abend bringt kaum Milderung. Zu Hause reiße ich alle Fenster auf und versuche trotz immer noch 30° unterm Dach der Kommissarin Lund zu folgen. Nach zwei Folgen leg ich mich zum Schlafen in die Hollywoodschaukel. Irgendwann werde ich wach, finde mich im Bett wieder und fröstele ein bisschen unter der dünnen Decke. Genieße das sehr und schlafe wieder ein.

GOSLING AGAIN

Und ein weiterer Tag, der sich anderswo auch nicht hätte zubringen lassen, es sei denn, Sie kennen einen besserern Ort, wo man sich von der Luftmatratze einmal nach rechts (wahlweise auch links) dreht und man ist von angenehm kühl temperiertem Wasser umgeben, umhüllt, verpackt. Mit dem Skailight erst gerudert, dann gechillt, anschließend im Spätzle-Express mit Bodenständigen eingedeckt und dort eine Flasche köstlichen Rieslings erworben. Nach dem Dinner zurück zu Ryan Gosling, von dem ich dank „Drive“ nun auch weiß, dass er ein fantastischer Autofahrer ist. Mehr habe ich aus dem Film nicht mitgenommen, außer der paar schönen Bilder und der Rahmen-Symbolik. (Gosling hat immer Fenster im Rücken bei den Großaufnahmen. Seine Gegenüber entweder Türen oder Bilder. Das wird immerhin sehr konsequent durchgehalten.) Wenn ich Carey Mulligan sehe frag ich mich immer, warum es sie gibt, wo sie doch schon unter dem Namen Michelle Williams vorhanden ist. Ist ja aber ganz gut, wenn man mal mit Michelle Williams drehen möchte und die ist schon beschäftigt. (Wobei sie dann Mia Wasakowska (oder so) die Rolle wegschnappt. Was, wenn die sich mal beschwert?)

18.08.2012

Mit dem Skailight auf dem See. Unter Polizeibeobachtung. Stundenlang steht da ein Polizeiwagen im Wald. Vielleicht ist es Kommissarin Lund, und die will auch mal baden gehen oder muss das Rätsel um die Seltsame Gräfin lösen, die wieder Personalausweise nach Polen vertickt. Vielleicht gab es auch eine Wels-Sichtung. Nach ein paar Stunden fährt der Wagen dann den Weg entlang und ein übellaniger Polizist posaunt „Weg freimachen“, ich meine ein kleines „Bitte“ wäre doch angemessen. Nachdem wir schön rot gebrutzelt sind ein Abstecher in den Zehlendorfer Kaiser´s, wo es mir gelingt problemlos und angstfrei meine Einkäufe zu tätigen. Was ich brauche ist vier Stunden See täglich. Vielleicht schule ich auf Fischer* um oder Bademeister.

Danach:

Paar Mal sehr gelacht, vor allem ist Emma Stone wirklich lustig und Gosling sieht an- wie ausgezogen ziemlich atemberaubend aus. Julianne Moore hat nicht wirklich viel zu tun, aber wenn schon jemand die Filmmutter von Emma Stone sein kann, dann sie.
Und weil es gerade so lustig war:

Und heute: same procedure minus Supermarkt und mit alternativem Filmprogramm.

* Geht ja nicht. Ich find doch Fische so eklig.

ALL SORTS OF FUCKERY

Der Miggi sagt, ich soll in den Club Spiritueller Gays eintreten, das könnte helfen. Jetzt fühle ich mich aber gerade nicht sehr spirituell, sage ich ihm, der weiß, dass ich schon an eine Ebene glaube, die nicht religiös ist, aber mit Glauben und Moral und mit Geist und Körperlichkeit zu tun hat. Es ist das einzige, was hilft, sagt er. Und wenn ich mir sein Leben anschaue – für ihn funktioniert´s. There are darknesses, my Miggi, sage ich ihm, die stehen mir im Weg, die muss ich da erste wegkriegen. (Dieser Teil von mir, der schlafwandelt und Zähne knirscht, als müsse er im Schlaf größtmöglichem Druck standhalten und aus welchem Grund auch immer es nicht im Bett aushält und durch die Wohnung läuft und Gott-weiß-was macht.) Tiefer, tiefer, irgendwo in der Tiefe giebt (sic) es ein Licht sagt die Frau in dem Lied von Kate Bush. Viertel vor 9 am Morgen sage ich zu vier Kollegen „Ich habe eine Panikstörung. Es gibt bestimmte Bereiche, die ich im Job gerade nicht erledigen kann. Außerdem bin ich auf einer Pille, die mich etwas stoned macht, aber sonst nicht hilft.“ Und in der viertel Stunde bis Arbeitsbeginn bekomme ich von drei Leuten Therapieberichte, Einschätzungen, vollstes Verständnis. Ich soll auf alle Fälle den Therapeuten wechseln. Ich dachte immer, die Heidi sei auf dem richtigen Weg. Aber offenbar sind wir anderthalb Jahre voll am Thema vorbei. Und das Thema ärgert sich und rächt sich, indem es sich in den Vordergrund drängelt. Facing my fears, fear fucks with me and I fuck right back. Ficken ohne Kommen.

Der P. schreibt von Tod und Schulden und dass ich mal zu ihm auf´s Land kommen soll, chillen und ficken.

Und ich denke, wie froh ich bin über jede Affäre, die ich hatte und insbesondere diese beiden, die mir immer wieder über den Weg laufen. Und seltsamerweise sehe ich darin eine Form von Spiritualität. Wir besitzen einander nicht, wir stellen keine Ansprüche, wir sind einander Geschenke.

GRUND, LOS, PANIK

Und zack – Attacke. Nach der In*sidon-Resistenz-Erfahrung immerhin nicht wieder das Gefühl von Enttäuschung und Entsetzen. Pech gehabt, funktioniert also auch das C-Präparart nicht. Ent-nervt allerdings darüber, dass nun eventuell ein weiteres Medikament angesetzt werden muss, das ebenfalls wieder wochenlang komplett wirkungsfrei ist, außer, was die Nebenwirkungen angeht. Da es ja mittlerweile Alltag ist, mit der Angst und der Panik zu leben, erlebe ich das nicht mal mehr als Schock. Rückschlag, ja. Und den Blick in den Augen der Leute zu sehen, die mich mitten in der Attacke sehen, oh well.

14./15.8.12

Die Pille kickt. Nach ein paar sehr sehr langen Wochen. Neben dem paar-Stunden-stoned-fühlen kappt sie nun auch tatsächlich den Angst-Rezeptor. Ich, der ich eigentlich immer eher so der schnellmach-Drogen-Typ war, versuche dem Stoned-Gefühl etwas abzugewinnen. Das funktioniert immerhin in den Angst-Situationen, wo ich jetzt so durch den Supermarkt schlendere und denke – cool, Alter, wie das geht… So nimmt man auch paar Monate Orgasmus-Kappung in Kauf.

Mehr Knotenlösungen: Die VG Wort schüttet aus! Ende des Monats!

„Borgen“ zu ende geschaut, argh, can´t wait for season 2, momentan nur auf Dänisch verfügbar, leider, as much as I love the language, verstehen tu ich sie nicht. Den Abend mit Hitchcock beendet, „North by Northwest“ mit dem Johnny Depp der 50er, Cary Grant. Seltsam, wie bei Hitchcock Genialität mit schlampiger Technik Hand in Hand geht. Diese Rückprojektionen sind doch selbst für damalige Verhältnisse schlecht gelöst.

In another case of weird timing klickt mich gerade der Miggi an. Und gestern noch fragte das Skailight, was er mir aus Zuerich mitbringen kann. Well.

CRUISE ON…

Klicke mich durch´s Blog und sehe Krisenzustand von vor 2 Jahren. Und Blondie performt „Heart of Glass“ und dann sagt sie in die Kamera „Cruise on“ und ich glaube genau das ist, was der Miggi vor 2 Jahren gemacht hat, und dann kam er doch noch rum und wir verbrachten einen ineinander vergrätschten Abend und dann war er wieder weg, love had gone behind. Lost inside adorable illusions. Später dann stellte sich heraus, dass er ADHS und dass er AIDS, das war bekannt, aber er hat auch ganz einfach ganz entschieden einen an der Waffel, gleichzeitig und ungeacht dessen aber auch die physischste Präsenz, die ich je bei einem Menschen erlebt habe. Er hat ein Herz in seinem Penis oder umgekehrt, wahrscheinlich. Das nächste Mal sah ich ihn in einem Internetporno, er machte seine Sache wie gewohnt gut, wenn auch die anderen Mitwirkenden etwas leidenschaftslos wirkten. Ihm verdanke ich den Dialog, den ich bislang noch nicht in einem Roman unterbringen konnte:
„Will I see you at Burning Man this year?“
„No. You´ll see me at Crying Woman.“
Und trotzdem oder wegen all dem, ich würde jederzeit wieder mit ihm grätschen, denn wenn er da ist, ist er da. Chances are. Er ist auf dem Kontinent. Und das freakigste an der Geschichte ist ja, I don´t seem to have a Heart of Glass. Or the shattered fragments are functioning perfectly fine. Mein Herz ist ein Kaleidoskop. Mit zunehmendem Alter und entsprechender Erfahrung passen da immer mehr Prismen rein. Deshalb ist so ein fragmentiertes Herz nicht notwendigerweise eine Kalamität, sondern eine Qualität.

NO PROBLEM

„Es ist einfach der perfekte Popsong. Da gibt et nüscht.“ Schon auf der Fahrt zum See sind Strike und ich etwas psyched ob der Neufassung von „Running up that hill“. Neufassung heißt Neufassung, nicht wirklich remix. Die Drumloops, die backing vocals sind geblieben, der seltsame langgezogene Abwarte-Sound am Anfang und Ende ist ein bisschen in die Länge gezogen. Die Lead Vocals sind neu. Und ich liebe Kates Stimme in diesem Alter. More operatic. Less crisp. „Sie singt nicht mehr „no problems. Jetzt singt sie „no problem“, fällt Strike auf. Ein Mann für Feinheiten und eine Frau für Feinheiten. So kann sie sich auch hinter den Athleten zurückstellen und nur ihren Gesang tragen lassen (bis in die Itunes Charts auf Platz 14). (Klar. Sie ist ein bisschen feige, aber siehe oben.)

http://gawker.com/5934102/heres-the-kate-bush-song-that-was-cut-from-the-us-broadcast-of-the-london-olympics-closing-ceremony

Und sonst so, ein weiterer dieser wenigen wunderschönen nicht-mal-mehr-wirklich-Sommertage, mit top-billing (Strike und Dick) und ohne special guests. Der See wärmer als die Luft, pöbelnde, überhormonige Türkenjungs: „Ey – seid Ihr auch auf gayonline, ey?!“ „Da kenn ich Dich doch her!“ Und schon sind sie verstummt und ziehen weiter. Perfekte Popsongs. Turn around bright eye. Dann mach ich einen Snapshot, in die Sonne blinzelnd, stelle ihn bei Facebook rein und bekomme ein like von meinem Lieblingsmenschen auf der anderen Seite der Welt, mit dem ich irgendwie auf diversen Plattformen verlinkt bin und der den Nachnamen trägt, in den ich so gerne einheiraten würde. In einer gerechten Welt würde der nicht in Neuseeland leben oder ich nicht in Berlin, aber in einer gerechten Welt wäre Kate auch live aufgetreten. Aber. Siehe Titel.