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ENDLICH EIN GRUND – LOS! PANIK!

Einige der Nebenwirkungen sind ja – kurzfristig – ganz angenehm. Die Appetitlosigkeit. Die hat zur Folge, dass ich ganz wenig Müll produziere, weil ich so wenig esse. Und natürlich verliere ich auch Gewicht. Längerfristig, den Jojo-Effekt einbeziehend, ist es natürlich Scheiße, da ich, sobald ich wieder normal esse, auch wieder zunehmen werde.

Gestern eine sehr unbefriedigende Therapiesitzung, so schien es zunächst, doch dann pinpointete die Heidi in der letzten viertel Stunde ziemlich treffsicher die äußeren Faktoren, die die Panikkrise angestoßen haben. Das war nicht wirklich überraschend, das hatte ich schon selbst so empfunden, aber manchmal reicht es schon, es aus anderem Munde zu hören. Nichtsdestotrotz fällt es mir schwer, ihr klar zu machen, wie wenig die Mechanismen der Verhaltenstherapie in dem Moment greifen, wo die Attacke den Körper im Griff hat. Ein „Fuck off“ reicht in den seltensten Fällen. Dealing dealing dealing with it. Running up that hill.

KREUZBERG HORROR STORY

So im Vorbeigehen denk ich „Hm?“, dann schau ich nochmal hin, ins Gästezimmer, und sehe, dass dieser kunstvolle 4-Ebenen-50ies-Tisch-oder-wie nennt-man-eine-nierenförmige-Blumenbank? in der Mitte des Zimmers steht und nicht mehr unter dem Lagerfeld-Sissi-Nadja-Auermann-Plakat an der Wand, wo er sonst wohnt. Ein Deko-Souvenir-Elefant (der, den Modeste mir aus Thailand, glaube ich, mitgebracht hat), ist runtergepurzelt und die gläserne Milchkanne, die als Gießkanne zweckentfremdet wurde, ist umgefallen. Da ich mein Schlafwandeln satt habe und weil ich gestern „Amityville Horror“ geschaut habe, eigentlich wegen Ryan Reynolds Bauch, und weil ich nun mal Horror-Autor bin, blame ich es von nun an auf Gespenster.

SCHWANENSEE

Es fällt mir nach mehr als zehn Jahren auf dem Berliner Wasser noch immer schwer, zu formulieren, was es ist, dass es so großartig ist. Als völlig unsportlicher Mensch genieße ich den Aufwand des Paddelns um an den Lieblingsplatz in der Mitte des Sees zu gelangen, den perfekten Platz mit größtmöglicher Entfernung zum Ufer, am Besten etwas Schilf im Rücken, damit die Schwimmer in ihrer Überkreuzung des Sees uns nicht zu nah kommen. Natürlich darf man auch nicht ganz so zentral ankern, denn man will sich ja manche Schwimmer auch etwas genauer anschauen. Es hat etwas sehr demokratisches, das Wasser, die Halb- bis Nacktheit. Und dann tun wir einfach mehrere Stunden nichts als, uns vom Wasser schaukeln zu lassen, von Zeit zu Zeit selbst hineinzugleiten, Wein zu trinken, zu essen und zu rauchen. Reden ist genau so gut wie Schweigen. Die, die das begreifen, sind gern gesehene Gäste. Dann schauen wir Menschen an und wundern uns manchmal, mit welchen Füllhörnern die Götter mitunter arbeiten. Es ist etwas ganz anderes, einen Menschen auf dem Wasser (oder darin) zu sehen, als beispielsweise an der Ampel oder unter der Markise von O. Sie sind auf sich selbst reduziert und durch die Abwesenheit der Aussagekraft von Bekleidung erlebt man den Menschen anders. Weniger, wie er sich definiert, mehr wie er ist.

Entspannung setzt bei mir schon während des Ruderns ein. Perfekt ist sie ab dem Moment, wo wir ankern. Der Buzz nach zwei Glas Wein, Dösen in der Sonne, aber selbst die paar Tage, die uns der Regen erwischt hat, haben etwas Feierliches. Regen muss man ja auch mal erleben, und das geht eben nicht mit einem Regenschirm, sonder er muss kalt auf die warme Haut prasseln. Wenn Regen einen zum Lachen bringt, dann ist das Regen erleben.

Auch bei den Begegnungen mit den Schlachten-Schwänen spürt man sich. Schaunse mal wie nah die rankommen (Foto von Lucky) und die sind in der Überzahl. Mutter, Vater und sieben Halbwüchsige. Auf dem Foto Mutter und der schwule Sohn:

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Gestern wussten die allerdings, dass wir keine Pringles dabei haben, da kamen sie dann auch nicht.

Neu ist seit 1, 2 Jahren die Anwesenheit von Smartphones. Wir checken tatsächlich unsere Mails und cruisen auch mitunter nicht nur auf dem Wasser. Musik hat sich als Wasser-Entertainment-Form nicht durchgesetzt, außer wir singen selbst. Und jetzt schau ich aus dem Fenster und es ist Seewetter. Da mein Urlaub ab morgen vorbei ist vielleicht einer der letzten Tage dessen, was für mich den Berliner Sommer ausmacht. (Und ich rede mir ein – letztes Jahr waren wir auch noch bis Oktober auf dem See!) Und es wäre kein echter Berliner Sommer, wenn nicht gestern auch, und das erstmalig in dieser Saison, die Edelgard aufgetaucht wäre. Fehlt nur noch die Frost!

BOYS JUST WANNA HAVE FAUNE

Und so zum Ende des Tages hin, wo die Sonne schon hinter den Bäumen versinkt, um noch eine Spur von ihr zu erwischen, da begeben Lady Koma und der Graf und Strike und ich uns mit unserer Bootsburg ziemlich nah ans Ufer, und dann tritt ein bunter Faun aus den Schatten, legt seine Kleidung ab, steigt ins Wasser und spürt es und genießt es und lächelt süßer als Jesus; ich hätte ihn Ihnen gern von vorn gezeigt, aber es gibt ja Persönlichkeitsrechtdingsda und so sehen wir ihn nur von hinten. Ich hab mit mir gekämpft. Aber shyness can stop you from doing all the things in life you´d like to. Also schulterte ich das Boot und ging in Richtung seiner Bucht, aber da hatte er seine bunten Fahnen bereits wieder am Leib und war in anderer Richtung auf dem Weg. Devendras kleiner Bruder. Wenn Sie ihn kennen, dann geben Sie ihm bitte meine Nummer.

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Aber auch ohne mit dem Faun durch die Wildnis zu streichen war es ein weiterer schillernd schöner Endsommertag, und in der Hoffnung auf noch mehrere davon flicke ich heute ein Boot. Nein, Sie haben sich nicht verlesen.

Edit. Gesagt, nicht getan. Keine Pumpe im Haus – alle beim Strike im Auto. Und sonst so ist heute der Tag wo Sie sich berechtigterweise Sorge um meinen Geisteszustand machen können. Ich schlafwandle jetzt schon tagsüber – immer wenn ich mir eine Zigarette drehen will, liegt da bereits eine. Fragen Sie nicht, wo ich heute morgen die Beißschiene gefunden habe. Aber am Schlimmsten: ich höre den zweiten Tag in Folge Tori Amos.

GLAM UND STRIKE UNTER DER MARKISE VON O

Gerade, wo im Lucky-Mobil auf dem Weg zum See der Zeitpunkt gekommen wäre, die Wurschtbrote auszupacken und sich ein wenig daran zu laben, setzt ein unfairerweise weder von wetter.de, noch von wetteronline.de erwähnter Regen ein und macht aus Wasser viele kleine Striche durch unseren Boating-Plan. Alle Aktivitäten, die uns einfallen, sind ebenfalls draußen, fallen also auch ins Regenwasser und so finden wir uns unter einer Markise auf der O-Straße. Der Markise von O sozusagen. Über den Zeitraum von anderthalb Zigarettenlängen geben wir der Bedienung Gelegenheit, uns von Kopf bis Fuß zu bedienen, was ihr nicht einfällt und so ziehen wir weiter und finden Gefallen in einem heimeligen Lokal, das auch eine Tonne im Vorgarten hat, in die man sich setzen kann, wenn man sich mal wie eine Kuh in einer schöner-sterben-Konstruktion á la Temple Grandin oder wie sie heißt fühlen möchte. Die Kuh fühlt sich unter Druck nämlich super und auch ich habe nichts gegen Umarmungen. (Manchmal ist es festes Schuhwerk, das meinen Tag in die richtige Richtung trägt. Zur Not würde es auch fuck-me-Pumps, zu deutsch Riehmchensandalen, gut, dass ich das Wort jetzt endlich auch einmal zu schreiben Gelegenheit hatte, tun, es geht um das Gefühl, dass da was um den Fußhals drückt, kennen Sie bestimmt.) Anstelle in der Tonne Platz zu nehmen, setzen wir uns an einen Biergartentisch und binnen kürzester Zeit stehen zwei volle Gläser kalten Bieres vor uns. Herr Strike berichtet von seinem Vormittag im Fetischraum (ha ha, der musste sein;-), ich zeige indiskrete Fotos auf Craigslist und ansonsten sinnieren wir verbal, wie wir das zu tun pflegen. Das müssen Sie sich mal vorstellen, dass wir und praktisch seit 2005 ca jeden Ta sehen und uns der Gesprächsstoff partout nicht ausgehen will. Gestern zum Beispiel haben wir uns darüber ausgetauscht wo man Kinder am Besten schlägt, dass es nicht so auffällt. Ja, der Mann heißt aus guten Gründen Strike.

Heute möchte ich Ihnen mal wieder dringlichst ans Herz legen, beim Herrn Herrmann vorbei zu schauen, wo ich lernte, was ich immer vermutete – dass die Erde innen hohl ist und die Wesen, die dort wohnen, 800 Jahre alt werden können. Die lachen über uns! Aber existenziell noch tiefer hat mich getroffen, dass die Erde nichts als eine intergalaktische Strafkolonie ist. Endlich ist es bewiesen!

MAUERBLÜMCHEN DES BÖSEN

Jemand, der nicht so ganz richtig ist, der zu viel weint, der Stress mit seiner Schwester hat, der außen vor steht und quasi keine Freunde hat, alle möglichen Drogen ausprobiert, sich aber dann die besten Freunde aussucht – das war ja klar, dass ich das Buch lieben würde, weil es mein Teenage beschreibt. Dass es dann aber auf einmal eine Auflösung findet, die zu nah dran ist, damit hab ich nicht gerechnet und ich weiß nicht, ob es wirklich das perfekte Geschenk ist. Genau so gut hätte ich Eintrittskarten zu den schmerzlichsten Therapiesitzungen ever verschenken können. Zu spät, es ist in der Post. In einem Fall liegt sogar der im Buch gelistete Soundtrack bei. Die Lieder, die ich in meinem Itunes nicht hatte, habe ich sinnvoll ausgetauscht und mich – das war noch bevor ich das Ende gelesen hatte – gefragt, ob „Oh God please help me“ von Marianne nicht vielleicht too much wäre. Von wegen. Ich werde es jetzt sicher nicht gleich noch einmal von vorne lesen, nicht, weil es auf einmal schlecht ist, sondern, weil ich gemerkt habe, dass es zu nah dran ist, dass ein Trauma tatsächlich nie behoben wurde, therapeutisch, und dass ich immer noch zusammenzucke, wenn es angerührt wird. Das könnte ich auch mit der Therapeutin nicht, und ich habe immer gemerkt, dass auch sie es nicht kann und will. Die Vorteile des Mauerblümchens, das beschreibt vielleicht Charlie. Aber auch Tante Helen.

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THE PERKS OF BEING A WALLFLOWER

Ich sag noch zum Strike, „Sie, wenn ich dieses Buch durch habe, dann lese ich es gleich nochmal. “ Da bekommt der Erzähler, Charlie, den „Fänger im Roggen“ geschenkt und liest ihn dreimal hintereinander weg. Und es ist ein Fänger-Buch, eines, das einen anpackt, einem die Emotionen twistet; was Stephen Chbosky auf zwei, drei Seiten gestaltet, in seiner schlichten Sprache und durch die Augen eines 15jährigen betrachtet, kommt mit einer Wirkmacht daher, wie ich sie eigentlich nur von Coupland in Bestform kenne. Ich habe jedenfalls heute nochmal drei Exemplare geordert, zum Verschenken. Und möchte am Liebsten immer nur maximal zehn Seiten am Stück lesen, damit die sich entfalten können und nicht gleich wieder von den nächsten zehn Seiten getoppt werden. Sie müssen nicht viel wissen über den Inhalt der Geschichte, außer vielleicht, dass Charlies Lieblingslied „Asleep“ von The Smiths ist. Und wenn das ihre Sympathie erweckt, dann kaufen Sie sich „The perks of being a wallflower“ und setzen Sie sich damit in ein Boot, auf das es gleichzeitig regnet während aufmüpfig die Sonne strahlt. Das war ein Moment von Schönheit gestern, am Seeufer, der so ein ähnliches Gefühl von Begeisterung in mir ausgelöst hat, wie das Buch.

EINS SIEBZIG

„Woman in Black“ angeschaut. Sehr atmosphärisch, Story aber wirklich alt. Egal, ich schau gern kleinen Männern zu, auch wenn ich mich ein bisschen dabei schäme – ist ja immerhin Harry Potter und der ist ja sowas wie Familie, weil man ihm beim Großwerden zugeschaut hat. Dass ich gerne kleinen Männern zuschaue und gern andere Dinge mit ihnen mache hat nicht damit zu tun, dass ich mich als größer fühlen möchte, sondern, dass ich es so schön finde, wenn man jemanden so längs umarmen kann.