.
Archiv des Autors: glamourdick
Aus der Reihe GREAT DANES
Love!
Douglas Coupland, „Player One“
„The TV screen shows the remains of a Florida zoo recently pummeled by a hurricane. An array of animals and birds stand amid and on top of broken walls and mangled metal, yet none of them knows it´s wreckage; it´s merely the world.“
SINISTER
Hochgradig atmosphärisches production design. Meisterlicher Schnitt. Erfrischende Besetzung. Sequenzen, bei denen ich vor Schreck so zusammengezuckt bin, dass ich ein Weinglas über mich ausgeschüttet habe. Horror auf höchstem Niveau.
IN TUNE WITH ITUNES
Nach zwei Wochen des Hin- und Her-mailens mit dem sehr freundlichen Itunes-Store-Supporter Herrn R., der es sich zur Aufgabe gemacht hatte, die 200 Songs, die beim Wechsel vom Ibook auf´s MacBook Pro verloren gegangen waren, wiederzufinden, hatte ich einen Vorschlag. „Lieber Herr R., vielen Dank für Ihre Bemühungen. Sie haben mein Problem immer gestreift, aber leider haben Ihre Hinweise und Anregungen nicht den Kern getroffen oder zu einer Lösung geführt. Gibt es vielleicht Kollegen, die mit Präzedenzfällen zu tun hatten?“
Die nächste Mail kommt von Senior Supervisor Frau P. Ich liste ihr sämtliche verloren gegangenen Alben und Songs, bleibe immer noch erstaunlich gelassen und ruhig und freundlich und nehme ihre Aussage ernst, dass Sie sich um meinen Fall gern kümmern wird. Und tatsächlich – zwei Mails später stehen meine verloren gegangenen Einkäufe als Download in der Warteschleife. Genau gesagt alle meine Ituneskäufe mit Ausnamhe derer, die nicht mehr verfügbar sind. Desweiteren listet sie mir sämtliche nicht mehr verfügbaren Songs einzeln auf. (Der Großteil hier hatte allerdings den Transfer unbeschadet überstanden.) Ein einzelner Verlust schmerzt – sollte ich also jemandem von Ihnen irgendwann eine Mix-CD gemacht haben, auf der das Lied „Much like Jessica Lange“ enthalten ist, würde mich eine Mail mit Anhang wahnsinnig freuen.
Als jemand, der häufig Kontakt mit unzufriedenen Kunden (oft auch sehr zufriedenen) hat, funktionierte für mich die Taktik der Freundlichkeit wie ein Sesam öffne Dich. Gelassen bleiben und den Leuten eine Chance geben, einem zu helfen, nicht auszurasten oder zynisch werden führte letztlich zum Erfolg. In meiner abschließenden Mail bestellte ich dann auch noch Herrn R. einen lieben Gruß und so sind drei Leute glücklich und keinem wurde die Laune vermiest. Ich kann Ihnen Citalopram nur empfehlen.
Lausitzer 8
Kurz vor 6, noch vorm Weckerklingeln wach. Trommeln. Früher als geplant hat die Sitzblockade in der Lausitzer 8 begonnen. Kurze Zeit später die ersten Wannen. In den Häusern gegenüber und im Hinterhaus gehen die Lichter an. Einige haben Transparente aus dem Fenster gehangen. Schau ich nach vorn raus – Demonstanten und Polizei, nach hinten – Nachbarn im Hinterhof, die Kaffee ausschenken. Im Hinterhof nebenan bald auch die ersten Polizisten.
Unten unterhalte ich mich mit Nachbarn. Im Hof zieht ein junger Mann, Typ BWL-Student, seine Hose aus, um eine lange Unterhose drunter zu ziehen. Auf der Straße jetzt geschätzt 500 Leute, friedlich, bunt gemischt, viele, die ich aus der Straße kenne, 60% junge Leute, Studis. Über uns Hubschrauber. Die Nachbarn in der Remise habe ihre Wohnung geöffnet und stellen ihr Klo den Demonstranten zur Verfügung. Ich stehe irgendwann ziemlich eingekeilt auf der Straße, da tippt mir der Remisen-Mieter auf die Schulter, gerade, als ich denke „Was soll ich bloß tun – man muss doch etwas tun können!“
„Glammy,“ sagt er – „kannst Du uns vielleicht mit Klopapier aushelfen?“ Dann stiefele ich nach oben, zwei Stufen auf einmal, und hole Klopapier.
Als ich vor der Absperrung stehe und einen Polzisten frage, ob er mich freundlicherweise durchlässt, da ich zur Arbeit müsse, ernte ich einen Gesichtsausdruck, der „Nein“, sagt. Nach etwas Grübeln deutet er mir, durch die Absperrung zu klettern. Er eskortiert mich zum Ende der Straße und schickt mich durch die zweite Absperrung – irgendwie ein walk of shame. Auf der Wiener Straße reihen sich die Wannen aneinander. Ich fühle mich schuldig, nicht da zu bleiben.
Gedanken kreisen nach wie vor um die Familie, die da heute zwangsgeräumt wird. Aber auch um die Polizisten, die die Rechtssprechung in diesem Fall vermutlich genauso krank finden wie wir Mieter, aber auch nur ihren Job machen – manche besser als andere. Ich bin stolz auf meinen Kiez, auf das Ungerechtigkeitsbewusstsein meiner Nachbarn, auf alle, die sich vor das Haus gesetzt haben, alle die auf der Straße waren.
Offizielle Pressemitteilung vom „Bündnis Zwangsräumung verhindern“:
Ausnahmezustand wegen Zwangsräumung
Mehrere hundert Polizisten, gesperrte Straßen und U-Bahn, Hubschrauber, Polizistengruppen vor etlichen Hauseingängen, brutale Räumung der Sitzblockaden, Festnahmen, mehrere Verletzte durch Pfefferspray und Prügelattacken. Berliner Politik und Polizei beantworten Mieter_innenproteste mit einem Ausnahmezustand in Kreuzberg.
Selbst die Anwesenheit von Anwälten, dem „Arbeitskreis Kritischer JuristInnen“ und des Grundrechtekomitees beeindruckten die Polizei nicht im geringsten.
Trotz dieses unglaublichen Vorgehens waren ca. 800-1000 Menschen nicht gewillt ihren Protest gegen hohe Mieten, Verdrängung und Zwangsräumung aufzugeben. Sie blockierten weiterhin mehrere Stunden die Lausitzer Straße um der Gerichtsvollzieherin den Zugang zum Haus zu verwehren.
So war es der Polizei nicht möglich die Gerichtsvollzieherin auf direktem Weg ins Haus zu bringen. Sie versuchten sie mit einer Polizeiuniform zu tarnen und musste sie auf Umwegen über Hinterhöfe in die Lausitzer Straße 8 bringen. Der eigentliche Akt der Zwangsräumung ging dann in wenigen Minuten vor sich.
Obwohl der Aktionskonsens des Bündnisses lautete „Von uns geht keine Eskalation aus“, hat die Berliner Polizei angesichts der großen Proteste, die Verhältnismäßigkeit des Einsatzes staatlicher Gewalt weit übertrieben.
Die massenhafte Teilnahme an den Protesten zeigt aber dass die Menschen sich davon nicht abschrecken lassen. Zur Zeit sammelt sich die Wut und der Protest auf der Straße.
Bündnis Zwangsräumung verhindern
zwangsraeumungverhindern.blogsport.de
zwangsraeumungverhindern@riseup.net
Facebook: Zwangsräumung verhindern
twitter.com/WirKommenAlle
PÜNKTLICH ZUM PAPST oder HIERBEI KRISCH ICH
…erscheint dieser Tage Teil 2 von dem hier. Teil 1 hatte ich mir mal für´s Wartezimmer gekauft und war ziemlich hingerissen vom Tempo. Ziemlich reißerisch, aber ein großartiges Lesevergnügen, und vor allem gerade so aktuell. Und wenn der nächste Papst sich Petrus II nennt, könnwa alle kreischen!
SÜDBLOCK RECAP
Die Vertreter sind zurück und haben verlautbart, der Handel habe das ODP-Cover abgeschmettert. Jetzt hat die Grafik sich nochmal drangesetzt, aber es ist ein bisschen B-Movie. (Then again – wann schau ich schon mal A-Movies…) Hab´s leider gerade nur als PDF, sobald jpg leg ich´s mal vor.
Gestern Parkplatz direkt vorm Südblock. Am Einlass „leider ausverkauft“. Aber die freundliche Dame, die mich siezte, so dass ich mich altersgerecht fühlen sollte, hat mich trotzdem noch reingelassen und die Lesung war bereits in vollem Gange. Herr Herrmann brillierte schon und im Publikum waren lauter Menschen, die ich für Studenten hielt. Es können aber auch Betreiber lustiger kleiner Um-die-Ecke-Cafés in Kreuzkoelln gewesen sein. Ein Mädchen bestellte jedenfalls heiße Zitrone und Malzbier. Wenn sie Hühnerbrühe gehabt hätte, wäre die Wahl wohl auf sie gefallen. Abwechselnd lasen junge Männer über Liebe und Leben und das war meist lustig. Neben André Herrmann und dem preisgekrönt rappenden TTZ stach noch ein junger Fast-Hipster heraus, der sich über Hipster mokierte. Und der Schwarzhaarige, der sich als Marky Mark einem Mädchen vorstellte, das sich als Christina Aguilera bekannt machte, wobei er Aguilera immer ganz lustig ein bisschen falsch aussprach. Es war so, dass die Jugend, also junge Erwachsene, die allein oder in übersichtlichen Horden leben und es genießen, dass Mutti nicht hinter ihnen steht und sie zum Zimmer-aufräumen ermahnt, die also das wilde Leben in vollen Um-die-Ecke-Cafés genießen, sich ein wenig über sich selbst lustig machen. Ich sinnierte über ihren Schreib- und Uni-Alltag und sah sie vor mir, wie sie in ihren WG-Zimmern sitzen und schreiben, während sich Geschirr, Besteck und Sterni-Flaschen auf dem Fußboden stapeln, wobei die Flaschen sich nicht stapeln, sondern anarchisch liegen und mitunter rollen wie frisch Erschossene an einem Hügel mit günstigem Gefälle.
Wenn ich direkt aus dem Büro zu einer Abendveranstaltung gehe, dann vergesse ich in der Regel, zu essen. So auch gestern. Der Hunger siegte schließlich und so kann ich nicht über der Lesung zweiten Teil schreiben, weil ich in den Spätzle-Express musste. Aber was ich gesehen und gehört habe, hat mich sehr amüsiert und nächstes Mal bin ich pünktlicher und angele mir einen der begehrten Sitzplätze!
SÜDBLOCK, HEUTE!
Am Samstag war Freundin Montgomery aus Bel Air eingeflogen, und weil wir uns nicht entscheiden konnten ob BAFTA, oder Grammys oder schlicht Berlinale blieben wir daheim und infizierten uns mit zeitgenössischer Fernsehunterhaltung und Diskussionen über den Bedarf und Zweck von Splatter-Sequenzen in Splatter-Movies. Wir kamen überein, dass ein Splatter-Movie mit ohne oder nur wenig Splatter kaum oder nur wenig Sinn macht. Wegen meiner seltsamen Schlaf- bzw Wachmuster (zwischen 3 und 6 putzmunter drei Näche in Folge) verbrachte ich den Sonntag im Liegen, während Montgomery vermutlich mit George Clooney soupierte. Mein Date mit Eddie Redmayne hatte ich wegen meiner Unpässlichkeit absagen müssen, so musste er den Tag wohl doch nur mit Amanda Seyfried oder Anne Hathaway rumkriegen. Auch Hugh Jackmann, den ich für den Nachmittag anvisiert hatte, musste zusehen, wie er ohne mich klarkommt. Ich kann mich schließlich nicht um alles kümmern, zumal ich Wentworth Miller im Fernsehen betrachtete und mir Vorfreude auf seinen Film „Stoker“ machte. Auch schien mir die dritte Staffel „Kommissarin Lund“ spannender als noch ein Abend an der Bar im Ritz Carlton und danach Soho House abzuhängen, der Plebs musste eben mal einen Abend ohne mich auskommen. Und heute wieder keine Berlinale, weil viel besser – mein geschätzter Kollege und darüber hinaus auch noch herausragendere Poetry Slammer, Herr André Herrmann bestreitet heute einen seiner legendären Auftritte, und zwar im Südblock am Kotti. Nix wie hin!
GLAM HAT DIE RETTENDE IDEE
Spinnennetze inspirieren Architekten und Klebstoffmagnaten. Dass Flugzeugflügel Flügel heißen kommt auch aus der Natur. Und ich möchte jetzt endlich die Fusselentfärbmaschine des menschlichen Bauchnabels wissenschaftlich und wirtschaftlich urbar machen. Ich suche daher wissenschaftliche Mitarbeiter, die mit mir daran arbeiten, dass der Bauchnabel auch andere Farben als grau machen kann. Sobald wir das geschafft haben, werden wir geeignete Bauchnabel (Outies) klonen (Stammzellen?) und ihre DNA manipulieren. Was bei Tomaten klappt, geht auch bei Bauchnabeln. Die so geschaffenen Fleischkappen stülpt man sich dann aufs Haupt und viele Coloristen können dicht machen. Und im Winter wärmen sie! Und man muss nie wieder eine Badekappe kaufen.