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PUTTING THE DICK BACK INTO GLAMOURDICK

Und beim Sex – ich mag nicht „Ficken“ schreiben, das wäre zu profan, „Sex“ ist auch schon so ein blödes Wort für gestern Nacht – Liebe machen wäre wieder zu groß/ hoch/ lesarts-gefährlich, anyway: Beim Sex letzte Nacht also immer wieder fast aus dem Konzept gekommen, weil ich alle paar Minuten Kopffotos machen musste. Das sah alles so gut aus, und nicht mal nur pornografisch, sondern so, dass ich´s mir an die Wand hängen würde. Yay.

GLAM LIEST ROLLING STONE

Es fühlte sich etwas seltsam an, vorm Regal. Aber dann habe ich das getan, was ich zuletzt vor geschätzten fünf Jahren getan habe. Und habe eine Zeitschrift gekauft. Ein Druckexemplar auf Papier zum stolzen Preis von fünf neunzich. Aber dafür hab ich jetzt einen Wandschmuck mehr bei diesem Cover:

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Die Artikel über „The Next Day“ waren solide, inklusive Kritik. Der Verzicht auf Bowie-Fotos aus 5 Dekaden zugunsten einer präzisen Rezension und Interviews mit an der Produktion Beteiligten (außer Bowie) brachte Bowie mehr auf den Punkt als die Summe seiner alter egos.

John Grant brachte seinen Interviewer mit „Glacier“ zum Weinen (also nicht nur mich, und Rolling Stones-Redakteure sind gestandene Männer, ich seh sie täglich in ihrer Mittagspause.) Der Hitchcock-Artikel war hervorragend. Die Devendra-Kritik kann ich noch nicht beurteilen, die Platte ist mit etwas Glück nachher in der Post. Aber selbst das, was dem Rezensenten als negativ auffiel, hört sich für mich schon wieder spannend und charmant an.

SUBLIMINAL PSYCHO

Gestern also nochmal Hitchcocks „Psycho“ angeschaut, weil der angeblich auch mit subliminalen Bildern arbeitet. Die letzte Einstellung – Norman im Gefängnis, wo er sich endgültig mental in seine Mutter verwandelt, da soll angeblich ein Totenschädel über seinem Gesicht erscheinen, aber ich meine, mich daran zu erinnern, den tatsächlich gesehen zu haben – und dann wäre er ja nicht subliminal. Ich hätte auch nur die eine Szene anschauen können, aber „Psycho“ kann man ja alle paar Jahre mal ganz anschauen, auch dieses Mal war es ein Erlebnis, nicht nur wegen John Gavin. Jedenfalls kommt dann die Schlussszene und das mumifizierte Gesicht von Mrs Bates erscheint deutlich sichtbar und ich bin ein bisschen enttäuscht. Ca 12 Stunden später wache ich auf, den Rest meines Traums noch klar vor Augen – kostümierte Affen, sie hatten Tagesausflug, tanzten auf dem Feld hinter Elternhaus und ein Ex geht an mir vorbei, mit so nem Seitenblick. Ein Typ, der mir seinen Schwanz in die Hand legt, was sich schuldig anfühlt, weil ich wohl entfernt mit ihm verwandt bin. Das sind nur die Teile des Traumes, an die ich mich erinnern kann. Und bin jetzt doch überzeugt, dass Hitchcock mit subliminalen Bildern gearbeitet hat, und zwar effektiv und ziemlich verstörend. Wenn jemand Vergnügen daran hätte, den Betrachter unerkannt mit Bildern zu manipulieren dann doch er.

ROCKET MEN

Bei der Wahl zwischen Bowie und Grant entscheide ich mich für die letzte Madonna, nicht weil ich die neue Bowie oder die neue Grant nicht liebe – zu Madonna läuft es sich so gut, denke ich, nur um festzustellen, dass an laufen nicht zu denken ist, denn im Schnee lässt es sich nur mühsam stapfen. Der Südblock, wo ich zum Frühstück verabredet bin, ist überfüllt, also hole ich den Raketenprinzen am U-Bahnhof ab und wir stapfen die Adalbert hoch und die O runter und finden Platz im Bateau. Rakete ist ja einer dieser unglaublichen Menschen, die immer noch und immer noch schöner werden, und das war er schon im Jahr 1989, als wir uns das erste Mal über den Weg liefen. Gleichzeitig noch Charakter zu haben und Charme und Entschlossenheit und eine Wärme macht ihn zu einem ziemlich einzigartigen Menschen. Wir reden über Kalaschnikows, Massenhysterie und Adoption, Bullying und Psychopharmaka. Alte Gespenster von Verhaltensweisen, die, wenn sie aufkommen und einen um Aufmerksamkeit anschreien, mit einem „Halt´s Maul“ gestoppt werden. Soundsoviel Jahre Therapie waren nicht vollständig umsonst, vielleicht ist es aber auch nur die Reife. Als wir uns verabschieden, schneit es noch immer, aber mehr Wenceslasaire als Deamondi Pavlova. Auf den Straßen immerhin Shnamistflopp´n.

Wieder zu Hause, wieder John Grant. Dann muss ich mich noch einmal emotional testen und schaue das Ende von „The Perks of being a Wallflower“ an. Klappt. Ich weine. Aber auf ne gute Art. Geht also wieder. Und beim Autofahren Flüche ausschreien kann ich auch wieder.

SYNDROM E

Eines dieser Biester, die einen entspannt reinholen und dann nicht mehr rauslassen – so oder so ähnlich hat Anke Groener mal über „Ashby House“ geschrieben und genau so ging es mir mit „Öffne die Augen“ von Franck Thilliez. (Mal wieder ein Buch, auf das ich bei Deadline.com aufmerksam geworden bin.)
Eine Komissarin in Lille wird von einem Freund kontaktiert, der nach Betrachten eines seltsamen Kurzfilms erblindet ist. Sie untersucht den Film und entdeckt subliminale Bilder gewalttätigen und pornografischen Inhalts. Dabei soll es nicht bleiben.

Ein Hauptkommissar und Profiler in Paris wird auf einen Tatort abkommandiert, an dem fünf Leichen gefunden werden, denen man den Schädel sauber geöffnet und denen man Hirn und Augen entfernt hat.

Es dauert nicht lange, bis Zusammenhänge zwischen den Fällen den (übrigens schizophrenen) Profiler und die (übrigens alleinerziehende) Kommissarin zusammenführen. Zudem scheint der Film seinen jeweiligen Besitzern nicht gut zu tun – einer nach dem anderen wird umgebracht. Zu diesem Zeitpunkt wissen die beiden Protagonisten noch nicht einmal von den Mädchen und den Kaninchen…

Die Zeit der klassischen Krimis ist für mich eigentlich vorbei. „Le Syndrome E“ bedient zwar auch die Krimi-Struktur, geht aber darüber hinaus. Schon eingangs interessant, fängt es ab Mitte des Buches an, so richtig abzugehen, sowohl was das Tempo angeht, als auch die überraschenden Wendungen und die immer spannend bleibenden Entdeckungen, die die beiden bezüglich des bizarren Films machen. Die Aufklärung ist schließlich genial konstruiert und wirkt äußerst glaubwürdig. Wenn Sie mit einem satten gut-bedient-worden-sein-Gefühl aus der Lektüre hervorgehen möchten, sparen Sie sich allerdings den unnötigen und ärgerlichen Epilog. Bei dem handelt es sich um einen überflüssigen Trick, der einen in die Fortsetzung hineinziehen soll, so aber das grandiose Finale unangenehm überschattet.

MODERN LOVE oder KEEP THE LIGHTS ON

Der Trailer wird dem Film nicht gerecht. Der ist nämlich tatsächlich eine Komposition, in der jedes Bild stimmt, jede Figur echt ist, und die Art und Weise wie eine schlichte Geschichte erzählt wird schlichtweg vortrefflich umgesetzt ist.

Eine der schönsten, echtesten Liebesgeschichten, die ich je im Film gesehen habe.

Und sonst – hör die neue Bowie, freu mich auf John Grant, der richtiggehend als CD in der Post sein wird und lese französischen Krimi, in dem es (mal wieder, aber mich fasziniert das Thema) um subliminale Bilder in Filmen geht.

A SERBIAN FILM

„Umstritten“ ist gar kein Ausdruck für „Srpski Film“, den Spielfilm des serbischen Regisseurs Srdjan Spasojević. Die ungeschnittene Fassung gilt als unverleihbar. Die deutsche Fassung ist um 13 Minuten gekürzt. Eine (unter diesen Umständen schwer als sensibel zu bezeichnende) britische Fassung kürzt an 16 Stellen, aber immerhin nur um 4 Minuten. Diese Fassung ist in Deutschland indiziert. Worum geht es also nun in dem Film? Milos, ehemaliger Pornostar, hat eine Familie gegründet und sich aus dem Geschäft zurückgezogen, doch das Geld wird knapp. Ein dubioser Produzent bietet ihm eine Summe, zu der Milos schwer Nein sagen kann, die Rolle in einem Film, der nur an Privatkunden-Auftraggeber verkauft wird, doch die Drehbedingungen sind bizarr – Milos bekommt kein Drehbuch, sondern wird in die Szenen geschickt und erhält Regieanweisungen über ein Earpiece. Am ersten Drehtag ist er bereits versucht, den Job hinzuschmeißen – er dreht eine Blowjob-Szene, bei dem er und die Darstellerin von einer jungen Frau beobachtet werden, die höchstens vierzehn Jahre alt sein mag.

Über seinen Bruder Marko, einen Polizisten, lässt er Informationen über den Produzenten einholen, die jedoch besagen nur, dass es sich offenbar um den intelligentesten Porno-Arbeitgeber mit den besten Referenzen handelt, für den er jemals tätig war*. Nach einem weiteren übergriffigen, gewaltverherrlichenden Dreh ergreift er die Flucht, wird jedoch von einer Komplizin des Produzenten verführt und unter Drogen gesetzt.

Mit einer Gedächtnislücke von mehreren Tagen wacht er in seiner Wohnung auf und rekonstruiert die bestürzenden Geschehnisse.

Es ist in der Tat harte Kost, die Spasojević dem Zuschauer zumutet. Der britischen Schnittfassung ist es zu verdanken, dass die schlimmsten Bilder nicht gezeigt werden, aber im Kopf des Betrachters ergänzt werden, was dem deutschen Zuschauer nicht zugemutet werden sollte. Selbst in Ermangelung dieser Sequenzen ist „A Serbian Movie“ grenzwertig, und es braucht eine gewisse Lesart, für diesen Film Beweggründe zu finden. Zunächst ist es ein packend geschnittener Horrorfilm. Die gezeigte Gewalt erscheint mir nicht als verherrlichend, sondern wird gezeigt als was sie ist – menschenverachtend, krank und einem totalitären Auftraggeber zugehörig. Die nicht ganz ideale Kleinfamilie ist dem (nahezu) gesichtslosen Auftraggeber ausgeliefert – sie wird einfach eingekauft. Der Titel suggeriert bereits, dass es sich bei dem Film auch um ein politisches Statement handelt, und in der Tat kann ich nachvollziehen, dass in diesem Land dieser Film entstanden ist. Freilich kann es auch sein, dass Spasojević einfach Bock hatte, einen torture porn zu drehen, der die Grenzen überschreitet, aber das glaube ich nicht. Die ziellos gerichtete, halluzinatorische Wut und Aggression ist ein zu gutes Sinnbild für ein verwirrtes Land, in dem über einen sehr lange bestimmt wurde, wo man niemandem trauen kann und selbst der eigene Bruder einen neidet was man besitzt. Die Gewalt, die gezeigt wird richtet sich nicht nur gegen Frauen (und, größtes Tabu: Kinder), wie viele Kritiken behaupten, sondern gegen alle Menschen. Wenn Milos versucht, sich zu befreien, dann kämpft er gegen seine Peiniger mit ihren eigenen (und seinen verfügbaren) Mitteln. (Erigierter Penis trifft auf leere Augenhöhle, um ein es von vielen unappetitlichen Beispielen zu nennen. Einem nackten Mann kann man nichts aus der Tasche ziehen, aber er kann kämpfen mit dem, was er hat.)

Im IMDB-Forum fragt eine amerikanischen Mutter, ob dieser Film für ihre 9 und 10 Jahre alten Söhne geeignet ist, die sehr gerne Horrorfilme wie „Scream“ und „The Shining“ schauen und diesen Film runtergeladen haben. „Vielleicht besser für Kinder im Alter von 3 bis 4“, antwortet ein etwas zynischer Kommentator.

Und so bin ich hin und hergerissen, komme aber nicht umhin zu sagen, dass „“Srpski Film“ ein sehr gut gemachter, äußerst krasser und schwer zu verdauender Film ist, der mich bewegt hat und der Gesprächsbedarf auslöst. Dass im Film ein Film gedreht wird, gibt einem eine gute Vorlage, nötige Distanz zu den Grausamkeiten zu entwickeln – man kann sich gut zureden „ist ja alles nur ein Film“.

Wenn Sie sich dem Aussetzen möchten, der nicht wirklich bürotaugliche Trailer hier.

*U.a., als Psychiater und Redakteur einer Kindersendung – klarer Verweis auf Ex-Präsident Karadzic, der ebenfalls als Psychiater arbeitete und Kinderbücher verfasste.

BULLY

Wenn man den gesehen hat, wird einem klar, dass Bullying oder Mobbing eben nicht ein Ding ist, durch das man sich durchboxen muss/soll/kann, sondern eine Ausübung von Gewalt, die mitunter Todesfolgen hat. Hilflose Erzieher, unverantwortliche Verantwortliche, Kinder, die sich nicht mehr zur Schule trauen, weil ihnen dort das Leben zur Hölle gemacht wird. Denen der Tod als die bessere Alternative erscheint.

Aktuelle Studien belegen, dass die Anzahl von Erwachsenen mit Panik- und Angststörungen bei denen am Größten ist, die Mobbing von beiden Seiten, also als Opfer wie auch als Täter erlebt haben.

Der Film zeigt die Gewalt und ihre Auswirkungen. Das dazugehörige Buch unterstreicht die Aussagen des Films und liefert darüber hinaus effektive Methoden, mit der Problematik umzugehen. Es kümmert sich dabei ebenso sehr um die Opfer von Bullying, wie auch um die Täter. Der Film macht traurig und wütend. Aber er belässt es nicht dabei, sondern bietet Möglichkeiten, sich gegen Bullying zu organisieren. Hut ab!

http://www.thebullyproject.com

ABSCHIED

Und während ich ein paar Flaschen Wein aus dem Kofferraum in die Tasche umlade sehe ich neben mir auf dem Bürgersteig zwei Männer, Mitte 20, die sich umarmen. Den Dunkelhaarigen seh ich nur von hinten, der Blonde ist so versunken in der Umarmung, hat solche Trauer im Gesicht, dass ich mich schäme, zuzuschauen, aber die beiden sind so im Moment absorbiert, halten sich aneinander fest, dass sie mich gar nicht wahrnehmen – ich möchte sie eigentlich beide in den Arm nehmen und etwas sagen wie „Abschied ist doch nicht für immer. Ihr seid doch jung und ihr könnt doch reisen.“ Aber ich sag natürlich nichts, geh in die Wohnung und schau ein bisschen „Gossip Girl“, nur um festzustellen, dass es tatsächlich die letzte Folge ist, aber es wird ja alles gut, nur, dass es jetzt vorbei ist und eine Ära zu Ende.