Archiv des Autors: glamourdick

THE GREAT AND POWERFUL

2013-03-04_12-55-10_72-1

Tilda Swinton hat das in ihrer Eröffnungsrede der Bowie-Ausstellung in London sehr schön auf den Punkt gebracht. Was in den vergangenen Wochen geschah, das ist herzerwärmend schön: Dass ein 66jähriger Mann nach 10jähriger Pause ein Album veröffentlicht und eine Welle an Begeisterungsäußerungen und Reminszenzen losbricht. Dass ein Star, der ups and downs hatte, der manchmal die Bodenhaftung verloren hat (und ich beziehe mich jetzt einfach mal nur auf die Musik und lasse Privat-Bowie und Star-Bowie ganz außen vor), dass der mit einer kleinen Vorwelle, einem zarten Lied über Berlin aufersteht und mit einem weiteren Lied (und dem gigantisch genialen Kurzfilm dazu) auf einmal über uns hereinbricht wie ein Tsunami, uns mit- und wegreißt in einem Maße, das nicht abzusehen war. Dass ein Künstler mit diesem Status und ein Musiker und Dichter dieser Brillianz, ein Mann der in 6 Dekaden Kunst geschaffen hat, eine Relevanz an den Tag legt und ein Album präsentiert, das gleichzeitig zeitgemäß und doch Total-unique-Bowie ist. Einfach nur Hut ab. Das Schönste – das spricht nicht nur für Bowie, das spricht für alle Bowie-Fans.

Ich schreibe keine Rezension zu „The Next Day“ – das können andere besser. Kaufen Sie sich den Rolling Stone oder Uncut. Mir reicht es völlig, diese Musik jeden Tag zu hören. Ich schreib auch nicht meine Bowie-History, das ist schon geschehen; was mich über diesen Schneemärz rettet ist Musik. Und wenn mich jemand fragt, welches mein liebstes aller Bowie-Lieder ist – eine ungerechte Frage bei diesem Lebenswerk, es ist als würde man mich fragen, welches mein Lieblingsfilm sei, wenn man mich fragen würde, dann würde ich aus meiner akuten Begeisterung „The Stars are out“ sagen. Und DAS ist das wunderschöne an Bowies Wiederkehr, dass er mit einem so wichtigen, perfekten, pointierten und erzmusikalischen Album kommt. Danke, David Bowie.

Encore:

David Bowie – The Stars Are Out Tonight von Flixgr

IS THERE LIFE IN MARCH?

Ja, auch hier braut sich etwas zusammen. Herr Strike hat´s vorjemacht und Frau Koma hat sich bereit erklärt mir beim Umzug zu helfen. Mal eben Blogtext exportiert und das dauerte seltsam lange für so nen frischen neuen Mac. Als ich dann im Word-Dokument auf 6.300 Seiten kam erklärte sich die Dauer des Exportvorgangs. Janz schönn phat.

Passend dazu lese ich „Little Brother“, eine spannende Dystopie von Cory Doctorow, die gefährlich nah an unserer Internetz- und Überwachungsrealität dran ist. Da fühlt man sich als langjähriger Blogger schon etwas heldenhaft, so ein bisschen die Netzkultur mitgeprägt zu haben und zwar quasi unter Ausschluss diverser Werbe- und Infoklau-Konglomerate. Herr Doctorow und ich sind uns vielleicht etwas uneinig, was beispielsweise das Leistungsschutzrecht angeht, aber dennoch ist es ein packender Read, der mir viel über die Generation sagt, die mit dem Netz großgeworden ist (und nicht, wie wir, schon groß war, als es losging und sich experimentierfreudig reinzippelte, die Möglichkeiten erahnend und ertastend). Die Betrachtungsweise von „Dein“ und „Mein“ ist in der Tat eine ganz ganz andere, was ich jetzt besser begreifen, wenn auch nicht einfach hinnehmen kann.

Auf das Buch bin ich übrigens ganz old school aufmerksam geworden: es lag im Schaufenster (!) einer kleinen Buchhandlung (!) in Schöneberg (!) aus, geziert mit einer Kaufempfehlung von Neil Gaimann.

Das nächstbestellte Buch verdanke ich allerdings wieder einmal deadline.com.

Den Abend ohne „Engrenages“ gerade mal so überstanden mit scripted misery auf RTL, glaub ich. Aber dann ausgeschaltet und stattdessen weiter gelesen.

GLAM TROUVE L´AMOUR EN FRANCE

Mittlerweile, nach 3 Staffeln, träume ich auf Französisch. Und bin Karlsson (s.o.) verfallen. Ich bin so vorhersehbar*. Staffel 4 ist unterwegs und, wenn heute nicht in der Post, erleben Sie Glam auf Entzug.

La-rousse

*Ist doch ne eindeutige Sydney-Hommage, aber in eis- eiskalt. Hach!

GLAM KANN OOCH BOLLE

„Tach´chen Kollege. Kann ick ja gleich mal in der Zentrale anrufen und mir über Sie beschweren“
Der Gasthermenwartungssachverständige blickt erschrocken drein.
„Na, Sie sollten doch den Frühling mitbringen.“

KALTGESTELLT

Es ist eine bizarre Zeit, eine Zwischenzeit, die aus dem Rahmen fällt. Die Schneelandschaft noch hell ausgeleuchtet um 17.00 Uhr, während im Hausflur die Bougainvillea sich einen Dreck drum schert und wild austreibt. In so einem verlängerten Winter fühl ich mich schuldig, wenn ich mich am Nachmittag auf´s Bett werfe und lese oder Serien anschaue. Aber die Kälte hält mich drinnen. Und die Selbstvorwürfe rede ich mir aus, dazu war die Therapie immerhin gut. Meine drei Lieblingssänger singen mir abwechselnd, praktischerweise liegen sie auf dem Ipod nah beieinander. Sie verstehen sich gut und bedienen ganz unterschiedliche Stimmungen. Ich hüpfe und woge mit Devendra, Bowie pusht mich und John Grant klagt das wohlklingendste Klagen überhaupt und macht mir bewusst, wie gut ich es als Single habe. Drei Geschichtenerzähler mit ganz unterschiedlichem Vokabular, alle extrem eigen und unverkennbar. Es ist schön, in einer Welt zu leben, die solche Menschen beherbergt. Ticket für John im April ist gebucht, Devendra im Juli geht wohl die Tage in den Vorverkauf. Devendra in Neukoelln, allein schon das ist ein Happening… Und ich hab Juli geschrieben. Juli. Er wird kommen. Der Sommer. Und wir werden diesen leckeren zartrosa Aperitiv trinken. We will.

ENGRENAGES

Momentane Lieblingsserie. Eigentlich ein klassischer Ermittlungs-Krimi mit Kommissaren, Staatsanwalt und Richter, hätte mich „Engrenages“ kaum hinterm Ofen hervor gelockt, aber die Anwesenheit anderen Entertainments und die Vergleiche mit dem Dänischen Klassiker „The Killing“ führten zum Kauf der ersten drei Staffeln. Es war mir fast nicht möglich, die knappen acht Stunden von Staffel 1 nicht gleich hintereinander weg zu schauen. Hoher Suchtfaktor. Als ich gestern um 4.00 Uhr morgens wach wurde, startete ich sofort mit Staffel 2. „Engrenages“ bezeichnet quasi ein Getriebe und die Serie präsentiert die Verzahnung verschiedener Ereignisse und ihre Auswirkungen im Kleinen wie im Großen, was den englischen Titel „Spiral“ erklärt. In Staffel 1 wird am Mord an einer jungen Frau ermittelt. In jeder Folge kommen jedoch auch andere Kriminalfälle zur Untersuchung, Anklage und Verurteilung – manchmal nur in einer Folge, andere mit längerem Bogen. Das Zusammen und Gegeneinander-Spiel von Polizei, Verteidigung und Gericht ist Hauptthema – ähnlich wie in „Borgen“ die Vernetzung von Politik, Medien und Privatmenschen.

„Engrenages“ beschert uns einen charismatischen, aber auch nicht unkomplizierten stellvertretenden Staatsanwalt, einen scharfsinnigen Richter, dem man alles zutraut, ein Kommissariat mit eigenwilliger Besetzung und eine großartig moralamputierte Anwältin, in die ich mich sofort verlieben musste: „La Rousse“

Das einzige, was „Engrenages“ Abzugspunkte einbringt ist das Produktionsdesign – die Blau- und Grüntöne gehen einem irgendwann auf den Sack. Auch ist die Kamera-Arbeit nicht so kinematographisch wie beispielsweise bei „The Killing“. Aber das fällt nicht großartig in Gewicht, denn die Serie unterhält enorm. (Außerdem können Sie Ihr Französisch aufpolieren, wenn Sie sich das, wie ich, im Original mit Untertiteln anschauen.)

THE WALKING DICK

„It might be better if you sleep in the guest room. I have a habit of sleepwalking and kicking people out of bed. Nothing personal.“
„Ah. Okay.“

Nach dem Zähneputzen dann geh ich an der Gästezimmertür vorbei und überlege, ob nicht vielleicht doch? Am morgen dann stelle ich erst nach einer Weile fest, dass ich keine Bettdecke mehr habe. Die findet sich dann im Gästezimmer.

„Did I creep into your bed last night?“
„Yes. But first you walked through the room and spoke with the plant.“