Archiv des Autors: glamourdick

FREDDY HERKO: WHAT A WAY TO GO

herko

On October 27, 1964, Herko was strung out and homeless. He went to Johnny Dodd’s apartment and took a bath. It is unclear whether he was brought by Dodd, or just showed up. Some accounts say Herko invited a group to watch a performance. According to Dodd, Mozart’s Coronation Mass was playing as Herko emerged from the bath and danced naked in the loft, “occasionally making a run toward the windows. At the time Dodd wondered whether this was going to be the „suicide performance“ that Herko had been promising his friends during the weeks prior: „It was obvious that Freddy had to do it now: the time and the place were right, the decor was right, the music was right.“ As the music climaxed, Herko leapt through the open window. It was five flights down to Cornelia Street below.

FUCK JANE AUSTEN. WATCH JANE EYRE.

Irgendwie bin ich mein gesamtes Anglistenleben drumrum gekommen, „Jane Eyre“ zu lesen. Gut also, dass das olle Ding vor ein paar Jahren mit Michael Fassbender und Mia Wasikowska neuverfilmt wurde. Bei Mia denk ich immer. Hm. Son Schluck Wasser. (Weil ich sie wieder mit Carey Mulligan verwechselt habe). Aber wenn sie spielt, dann ist sie in ihrer Reduktion so atemberaubend gut, dass selbst ein viktorianischer Schinken zum Ereignis wird. Von ganz anderer Natur, aber nicht minder beeindruckend, Fassbender als Mr. Rochester. Wenn es nicht sein Blick wäre – allein seine Hüften geben mir Erektion & Herzrasen. Und so geht es dann auch Jane Eyre (minus Erektion), die sich von einem kühlen Mond in einen fiebrigen Mars verwandelt. Wunderschön. Bronte halt. Ich werde aber nie nie nie Jane Austen lesen oder anschauen, versprochen. Brontes – anytime. Austen – never.

GERMANY´S NEXT TOP PSYCHO

Im neuen Liebelingsbuchladen wieder fündig geworden. Look at me heißt es, geschrieben ist´s von Jennifer Egan und sprachlich ist es erstklassig. Gespannt auf die Geschichte. „Das hab ich gelesen, das hat mir sehr gefallen. Es gibt von der Autorin auch noch mehr, wenn´s Dir gefällt.“ Das ist es, was ich am Nachbarschaftsbuchladen so schätze – dass da Leute sitzen, mit Begeisterung an Literatur. Also empfehle ich ihr Beautiful Ruins – „Ah – das hat eine Kundin gerade bestellt!“ und weiß, dass es sich auf dem Büchertisch gut machen wird. „Letztens hab ich bei Euch auch so einen Treffer gelandet – The Art of Fielding!“ „Das hab ich auf Deutsch gelesen – Die Kunst des Feldspiels, sehr schön.“

Selber Tag, viele Stunden später, Wartezimmer des Nervenarztes. Abgesehen von einer türkischen Damie, so breit wie lang, die telefoniert und in Sekundenabständen Schmatzlaute absondert, eine attraktive Dame mit braunen Kulleruagen, Anfang 20 und ein aufgeräumt wirkender, sportlicher Blondie ca 30. Mehr wie beim Casting als wie beim Psychiater. Die Erfahrung zeigt, dass die Patienten einer Hausarztpraxis irrer wirken, als wir Psychos. Aber, und das weiß ich von Kindheit an, aus einem Dorf stammend, in dem die Nervenklinik der größte Arbeitgeber war und ist – wir sind in Behandlung…

JESS WALTER: „BEAUTIFUL RUINS“

BeautRu

1962. Ein verlorenes Kaff an einer italienischen Felsenküste. Pasquale, der Betreiber des einzigen Hotels, träumt von Jet-Set und den Kennedys als Gästen und bemüht sich sogar, den vielleicht kleinsten Sandstrand der Welt zu kultivieren. Eines Tages bringt ein Fischerboot Glanz auf die Insel – die todgeweihte amerikanische Filmschauspielerin Dee Moray, frisch vom Taylor/Burton-Cleopatra-Set in Rom.

So beginnt der Roman Beautiful Ruins von Jess Walter und wechselt sofort und rasant die (Zeit-)Ebene. Hollywood, jetzt so. Claire, die Assistentin des legendären, aber etwas abgewetzten Produzenten Michael Deane, bereitet sich auf den Pitch-Friday vor, an dem sie das Vergnügen hat, Filmprojekte vorgestellt zu bekommen, von allen, die jemals eine Karte von Deane zugesteckt bekommen haben – der Sohn von der Cousine des Poolboys usw.

Shane, ein in dem Glauben aufgewachsener Filmer, man könne alles erreichen, wenn man an sich glaubt, steht der Tag seines Lebens bevor – er will seinen Melo-Western „Donner!“ pitchen – die dramatische Geschichte der West-Coast-Siedler, die in Hunger und Kannibalismus endet. Es ist vielleicht seine letzte, sicher jedoch einzige Chance. Als er eine halbe Stunde zu spät vor Deanes Büro erscheint, steht dort jedoch ein alter Italiener, der eine Karte Deanes vorweisen kann, die etwas abgewetzt wirkt und aus Zeiten des Cleopatra-Drehs zu stammen scheint.

Den gestrigen Sonntag verbrachte ich nur physisch auf dem Balkon. Die meiste Zeit bewegte ich mich zwischen Porto Vergogna (Hafen der Schande) und Hollywood, Rom und dem Wilden Westen, im Frankreich zum Ausgang des Zweiten Weltkriegs, beim Edinburgh Fringe Festival und in Seattle. Jess Walters zeichnet eine Geschichte, die 50 Jahre überbrückt, vernetzt und zusammenführt. Es ist zugleich die Lebensgeschichte einer handvoll Protagonisten, die so ökonomisch skizziert wird, dass es eine Freude ist. Es ist einer dieser Romane, in denen man sich ärgert, wenn die Erzählperspektive wechselt, weil man wissen will, wie es weiter geht, und wo man dann stattdessen mit einer weiteren feingeschliffenen Facette belohnt wird, und die Summe dieser Facetten setzt sich zusammen wie die Kristalle eines prächtigen, schimmernden, gewaltigen Lüsters, in denen sich das Licht tausendfach bricht wie das Sonnenlicht auf dem Wasser der Bucht, in der die Geschichte ihren Anfang hat. Begeisterung, liebe Leserin, lieber Leser, ist gar kein Ausdruck! Der Sommerroman 2013!!

WUT

Die Geschichte von Rehtaeh Parsons macht fassungslos. Der Artikel (http://feministing.com/2013/04/10/rehteah-parsons-is-dead/ ) fokussiert auf den Aspekt einer „Vergewaltigungs-Kultur“. Opfer einer Gang Rape zu werden, ist ein entsetzliches Schicksal. Was ich jedoch viel viel schlimmer finde ist die anschließende Hetzkampage, das Abstempeln des Opfers als „Schlampe“. Von den Folgen einer Vergewaltigung kann man sich bei guter psychologischer Betreuung erholen. Eine mehrmonatige Ächtung und Diffamierung hat weiterreichende Ausmaße. In Rehtaehs Fall führte sie zum Selbstmord. Nicht nur die vier ungestraft davongekommenen Vergewaltiger gehören bestraft. Alle, die sich über die junge Frau lustig gemacht, sie diffamiert und ausgegrenzt haben, gehören als Täter vor Gericht. Alle, die um´s Verrecken in der richtigen Clique sein möchten und es dafür in Kauf nehmen, einen Mitmenschen zu degradieren, sind Täter. Sie gehören bestraft und es muss sich jemand um sie kümmern. Die Auswirkungen von Ausgrenzung, die Hintergründe dafür – das gehört an Schulen gelehrt. Menschliche Umgangsformen und ihre Abarten lernt man nicht nur durch´s Ausprobieren, das kann man auch beigebracht bekommen. Die Pubertät ist eine so hoch sensitive Zeit, dies sollte man ausnutzen um Sensibilität auch im Umgang mit Mitmenschen zu erklären, zu analysieren und bei zu bringen, das ist wichtiger als das verfickte Periodensystem.

Mobbing und Bullying werden oft als Banalität abgestempelt – „Kinder sind so“ oder „da muss man durch, das stärkt den Charakter“. Bullshit. Das ist ein psychologischer, strategischer Gewaltakt, ein Verbechen, das nicht nur zum Tod durch Selbstmord führen kann, sondern zu langfristigen und hartnäckigen psychischen Störungen. Glauben Sie mir, ich weiß das. Es kann Dir den Selbstwert für´s ganze Leben vermasseln. Es kann auch dazu führen, dass das Opfer irgendwann den Spieß umdreht. Mich wundert die Häufung von Schießereien an amerikanischen Schulen nicht im Geringsten. Hätten wir die gleichen Waffengesetze, sähe es hier nicht anders aus. Wenn der Papa nicht gerade Jäger oder im Schützenverein ist muss man halt ne Bombe basteln oder Brand legen oder mit dem Messer auf die Mitschüler losgehen. Columbine, Sandy Hook, aber auch Winnenden. Da sind die Täter Außenseiter, Leute, denen zu verstehen gegeben und eingebleut wurde, dass sie nicht dazu gehören.

Wenn ich Geschichten wie die von Rehtaeh oder von Matthew Shepard höre, dann bereue ich, nicht irgend etwas Pädagogisches studiert zu haben. Sie könnten sich sicher sein, dass ich an Schulen Programme über die Folgen von Bullying und über High School Massaker abhalten würde.

Wenn Sie Kinder haben können Sie sich hier bilden, was Sie tun können, wenn Ihr Kind gemobbt wird. Und auch, ebenso wichtig – wenn Ihr Kind zum Mobber geworden ist:

http://www.thebullyproject.com

Es macht mich so wütend.

THE IMPOSTER/ CHAMELEON

„The Imposter“ ist eine ziemlich solide Dokumentation über den Identitätsdieb Frédéric Bourdin, der sich Mitte der 90er Jahre als Nicholas Barclay, den seit drei Jahren vermissten Sohn einer texanischen Kellnerin ausgab und drei Monate „unentdeckt“ in ihrer Familie lebte. Die wahre Geschichte ist bereits filmisch adaptiert worden:

Der Spielilm macht neugierig auf einen jungen Mann, der laut eigenen Angaben in mehrere hundert verschiedene Identitäten schlüpfte, um so eine kaputte Kindheit mit teilweise kaputteren Kindheiten zu kompensieren. Man weiß halt vorher nicht, in welche Familie man sich begibt… Als er in die Rolle des 16jährigen Nicholas schlüpft, ist er 23. Nach seiner Verurteilung, Haftstrafe, Rückkehr nach Europa hat er nichts Besseres zu tun, als erst einmal erneut in eine neue Identität zu schlüpfen.

Von „The Imposter“, in dem sowohl Bourdin als auch (die überlebenden) Mitglieder von Nicholas´ Familie zur Wort kommen, hatte ich mir Einblicke in die Gedanken- und Gefühlswelt von Bourdin versprochen, doch auch wenn er detailliert schildert, wie es zu was kam und was sich daraus entwickelte, dann ist das nicht interessanter als ein Wikipedia-Artikel. (Nichts gegen Wikipedia-Artikel – die sind häufig sehr inspirierend, aber wenn ich -ähem- einen Psychopathen ein menschliches Chamäleon interviewe, dann interessieren mich nicht die Tatschilderungen, sondern dessen Innenwelt. „The Imposter“ wirkt ergänzend zu „The Chameleon“, allein betrachtet ist er nicht das Doku-Meisterwerk, als das er gerühmt wird. Denn, so sorgsam er teilweise die Vorfälle in mit einem talentierten Schauspieler (Adam O´Brian) in nachgespielten Sequenzen nachstellt, und so spannend es ist, den echten Protagonisten zu begegnen – es ist nicht der Film, der meisterlich, verstörend und faszinierend ist, es ist die Geschichte, die ihm zu Grunde liegt.