Structural Incompatibility: a powerful twice-divorced male will be unable to acknowledge, much less sanction, the ambitions of a much younger female mate. By definition, their relationship will be temporary.
Structural Hatred: A single woman in her forties who wears high-collared shirts to conceal the thready sinews of her neck will structurally despise the twenty-three-year-old girlfriend of a powerful male who not only employs said middle-aged female but is paying her way on this trip.
Jetzt, wo man Bret Easton Ellis nicht mehr ernstnehmen, geschweige denn lesen kann, ist Jennifer Egan die richtige Wahl, wenn man etwas in Richtung zynische Weltsicht und haarscharfe Charakterisierung lesen möchte. Sie benötigt auch nicht Momente des Absurden, weil sie die Absurdität des Schicksals begriffen hat. Außerdem ist ihre Sprache wundervoll: erudite, möchte man sagen, weil eloquent einfach nicht ausreicht. 100 pages into A Visit from the Goon Squad bin ich gerade ein wenig vom Personal überfordert. Aber vertraue darauf, dass sich das legen wird.
Der Besuch vom Schlägertrupp (so die wörtliche Übersetzung) erzählt aus verschiedenen Perspektiven und in wechselnden Zeitfenstern vom Untergang der Musikindustrie. Von der Zeit, als Produzenten-Mogule das Kommando über verdrogte Punks übernahmen und sie in der Sonne zum Schmelzen brachten, bis zur heutigen Zeit, in der Musik ihren Wert verloren hat, weil sie gratis downloadbar ist. Produzenten, Musiker, Groupies, Personal Assistants, all deren Freunde und Familien – Prismen, die das Thema aus ihrer Sicht und Position reflektieren. Ein vielschichtiges, großes Buch, für das es nicht umsonst den Pulitzer-Preis gab.
Watch in full screen (as long as it´s still online!)
Ja. Die Frage stellt sich natürlich, wenn es soweit ist. Früher hat man sich darüber lustig gemacht oder war etwas konsterniert, wenn es im Bekanntenkreis dazu gekommen ist, oder als beispielsweise Demi Moore sich Ashton Kutcher geschnappt hat – da steh doch ein Haltbarkeitsdatum drauf! Aber, so hat sich das vermutlich auch Demi gedacht – who gives a fuck? Wenn Dich ein Anfang-Zwanzigjähriger mit einem verliebten Blick anschaut – was machst Du? Ich habe jedenfalls nicht auf Haltbarkeitsdatum verwiesen, sondern es lediglich im Hinterkopf behalten und genossen, was zu genießen war. Einen Mensch mit großen Ideen statt vielen Erfahrungen. Enthusiasmus statt Abgeklärtheit. Expermientierfreudigkeit statt Routine. Erfahrung, Routine, Weisheit und Verlässlichkeit sind alle wunderbar (uund vom Leben ganz zackig auch mal aus der Bahn geworfen), aber, boy habe ich eine geile Zeit mit Young Mr Flirty Eyes. Ich komme mir keinesfalls wie ein Daddy vor, auch wenn der junge Mann vermutlich noch nicht alle Brusthaare hat. Ich fühle mich aber auch nicht plötzlich Jahrzehnte jünger, eher im Gegenteil. Der Spirit 22 kommt und geht, und ihn live zu erleben zeigt mir, dass ich, was das angeht, mittlerweile an einem ganz anderen Platz bin. Ich sehe ihn auch nicht als einen Tadzio – ich kann mir sehr gut vorstellen, wer er sein und wie er aussehen wird, wenn er in meinem Alter und meiner Situation ist. Da wird er sich an die paar Frühlingstage in Berlin erinnern und an die damalige Rollenverteilung. And Wednesday – no tears, no fuss. Hooray for us! Awfully glad I met you, cheerioh and toodle-doo!
(Als er aus der Tür ist gehe ich zurück ins Schlafzimmer und ganz reflexartig rieche ich meine Finger, sie riechen nach ihm. Dann rauche ich eine, und als ich danach noch einmal rieche, riechen sie nach Rauch.)
„Und wenn er nochmal kommt und das plötzlich polarweiße Schlafzimmer sieht – dann sagt Du ihm, Hey – lass uns heut im Arbeitszimmer ficken, im Schlafzimmer hat´s so schöne Auswirkungen gehabt!“
(Und nein, es war nicht wirklich der Sex, es waren der Strike und the finest Mr Grey Gardens, die mit dem Pinsel und der Rolle getobt haben.) Muchas Gracias Chicos!
Eigentlich müsste ich heute ja mit der Oper weiter machen, aber Young Mr Flirty Eyes ist noch bis Mittwoch in der Stadt und möchte mich gern treffen. (Und das, nachdem er mich an einen Samstagmorgen gesehen hat, ungeduscht und mit bed hair. Wunder gescheh´n.)
Wie er da so saß, auf dem Bett in die Kissen eingekuschelt, und sein nackter Fuß ragte mir entgegen und es war ein zauberhafter Fuß, der gehalten werden wollte, und ich hatte mir geschworen, nicht den ersten Schritt zu machen, aber dann war vielleicht dieser Fuß der erste Schritt, und mehr als zurückweisen kann er ja auch nicht, also den awkward moment in Kauf genommen und den Fuß gehalten und es wurde eine intensive Nacht. Wow. Das einzig blöde an Xenophilie ist ja, dass die dann immer wieder abreisen. Aber vielleicht ist das auch der Reiz? Ich werde es ergründen, eines Tages. Wenn das weitere Nächte wie diese bedeutet.
In der vergangenen Woche die polnischen Handwerker dabei beobachtet, wie sie die Dachbegrünung auf der Remise im Hof entfernen und verrottete Dachbalken freilegen. In den vergangenen Tagen beobachtet, wie sie Dachpappe auf das marode Holz tackern. Seit gestern beobachtet, wie sie die Dachpappe wieder entfernen und nun Holzwolle auf die rotten Balken legen, um sie dann wieder mit Dachpappe zu betackern.
Es passiert gerade wenig. Ich redigiere die „Oper der Phantome“ vor mich hin. Die Berlin-Passagen sind mir ein bisschen zu arg gekürzt und ich kopiere und pastiere zwischen Manuskripten hinterher. Einerseits scheint die Veröffentlichung im September/ Oktober ganz kurz bevor zu stehen, andererseits liegt da noch ein kompletter Sommer dazwischen. Und auf den freufreufreu ich mich. Der Opener wird das Autorenfest am See sein, die Woche darauf mein Geburtstag. Ich mache mir bereits Gedanke darüber, wen wo unterzubringen, aber die Mansion hat drei Zimmer und ca 5 Schlafgelegenheiten für mindestens 7 Leute. Hearty kann beim Strike unterkommen und erstmals ist auch mein geliebtes Patenkind mit dabei und zwar mit Boyfriend. Um die Tochter der Cousine muss ich mir keine Sorgen machen – die hat zu dem Zeitpunkt schon ihre eigene Berliner Wohnung, und sogar im Trendkiez um die Ecke. Dieses Jahr wird es weiteren Party-Zuwachs geben, wie jedes Jahr wird es eine bunte Mischung sein. Einige, die früher dabei waren, sind andere Wege gegangen, aber das wird man nicht merken, weil was die Parties auszeichnet, ist diese herzliche menschliche Qualität, diese Abwesenheit jeglicher Berührungsangst, eine warme Note, jeder kann mit jedem reden, weil das einfach fanatastische Menschen sind. Übrigens auch etwas, das ich in der „Oper“ verarbeite. Meine Berliner. Wie wir zusammenhalten und dabei offen bleiben. Wenn Sie, liebe Leserin, lieber Leser zufällig Einfluss auf´s Wetter haben (ich weiß ja, welch ausgewählte Talente unter Ihnen sind) – machen Sie bitte, dass es ab 1. Juni schön wird und am 2. Juni der Schlachtensee schwimm-warm ist. Ich würde gern mit den Rest-Party-Gästen auf´s Wasser.
Charlotte Swenson, Mitte 30, Model (mehr so Werbung als Mode) verliert ihr Gesicht bei einem Autounfall. Selbst nach sorgfältiger und erfolgreicher Rekonstruktion – sie sieht aus wie neu – gibt es ein Problem. Charlotte sieht nicht mehr aus wie Charlotte, selbst Freunde und ehemalige Mitarbeiter erkennen sie nicht mehr. Ihre in Illinois lebende Jugendfreundin Ellen hat andere Probleme – ihr Sohn hat eine schwere Krebserkrankung hinter sich, nach einem Jahr wird sich zeigen, ob der Krebs wirklich besiegt ist. Seine unscheinbare sechzehnjährig Schwester (ebenfalls) Charlotte erlebt ihr sexuelles Erwachen mit Michael West, einem Mathematiklehrer, den sie sich krallt und der nicht so recht weiß, wie ihm geschieht. Aber geschehen lässt er´s. Indirekt ermutigt (er weiß nicht, dass Charlotte in einen 30jährigen verliebt ist) wird Charlotte durch ihren Onkel Moose, einem gestürzten College-Professor:
„You´re young,“ he said. „Go enjoy yourself. Grab pleasure wherever you can find it.“
„But what if people turn against me?“ she said, standing very near him under the trees. „What if they laugh?“
„Then leave them behind,“ Moose said, rising to his feet. „Don´t let them shame you; shame is the world trying to break you, and you have to resist. You have to resist.“
Dann gibt es in einer gelungenen (und gar nicht nervigen) Noir-Hommage den Detektiv Halliday, der Model-Charlotte kontaktiert, auf der Suche nach einem mysteriösen Mann, Z, mit dem sie vor dem Unfall liiert gewesen ist. Und es stellt sich die Frage, was Charlotte nun mit ihrem Leben anfangen soll. Ein verlockend lukratives Angebot kommt von dem jungen Unternehmer Tim, der Charlottes Geschichte für ein multidimediales Reality-Projekt gewinnen möchte.
Look at me von Jennifer Egan ist ein sprach- und gedankenmodellgewaltiges Buch aus dem Jahr 2001, unlängst neu veröffentlicht, das mit großen amerikanischen Themen arbeitet. Identität, Selbstfindung, the pursuit of happiness. Ein Roman, der sich und seinen Figuren den Raum und die Zeit gibt, die sie verdienen. Die vernetzten Schicksale der Protagonisten fügen sich unaufdränglich zu einem großen, ziemlich kaputten Ganzen zusammen. Absolutes Lesevergnügen, geziert auch noch vom vielleicht besten Cover, das man sich für dieses Buch wünschen könnte.
Vor über 10 Jahren zuerst veröffentlicht*, zeichnet der Roman ein erschreckend zutreffendes Bild unserer heutigen Medien- und Netzrealität.
Am Freitag grün gemacht, mit Strike zum Hollaender und die erste Rutsche Pflanzen gekauft und gepflanzt. Beim Hollaender eine Schulkollegin getroffen, habe mich aber nicht zu erkennen gegeben – damals eine schwarzhaarige dünne Elfe hat mein jetziges Aussehen wenig mit Glam age 18 zu tun. Sie hingegen würde ich überall wiedererkennen, die markante Nase, das dünne blonde glatte Haar. Ich erinnere mich sogar daran, dass sie die Sommerferien damit verbrachte, irgendwo – ich glaub es war Griechenland – einen Waldbrand zu löschen. Und nu stehtse beim Hollaender vor dem gigantischen Geranienregal, und ich denke – guter Mensch!
Weiter mit guten Menschen am Samstag – Dinner bei Ex-Roomie und seinem wunderbaren Boyfriend. Es gibt fantastische Tartes mit Lauch und Cheddar, Erbsen und Kartoffeln, zum Dessert eine Schoko-Mousse deluxe. Dann machen wir ein privates „Bully“-Screening und die Reaktionen der beiden zeigen, dass ich den Film den richtigen Menschen gezeigt habe. Ich berichte von dem Kind, das mir kürzlich „Schwuchtel“ hinterher gerufen hat, und das ich packen und hochheben wollte und mit einem „Soll dir die Schwuchtel mal die Eier abschneiden, du kleines Stück Scheiße? Ich weiß wo du wohnst!“ einen erinnerungswürdigen und von der Nachbarschaft goutierten Moment verpassen wollte. Leider hatte sich das feige Aas versteckt.
Am Sonntag ein Telefonat mit der Schwester, die ja an einer Schule für Kinder mit special needs unterrichtet. Sie berichtet von der „Inklusion“. Demnach sollen nun Kinder mit Lernschwierigkeiten erst mal eine „normale“ Schule besuchen. Kommt es zu Auffälligkeiten, werden dann „Sonderschul“-Lehrer beratend hinzugezogen. „Das ist ja, wie wenn der Arzt sagt „´Schuldigung – Sie haben Krebs. Aber wir warten erst mal ab und schaun wie´s sich entwickelt.“ Tja, aber die Einsortierung von Kindern in die Kategorie „special needs“ sei eben laut EU-Richtlinie menschenrechtsverletzend. Und wie nun genau und im Detail die neue Aufgabe der special-needs-Leher zu bewerkstelligen sei, das würde man im Verlauf der Arbeit feststellen. Man sieht, da hat sich jemand Gedanken gemacht, nur nicht die richtigen. So schnell zaubert man sich einen garantierten Nährherd für Mobbing, und die Lösungen und Hilfsmittel, damit umzugehen, sind weder den Verantwortlichen, noch den Pädagogen, die sich mit den Resultaten abfinden und sie verarzten müssen, ansatzweise bekannt. (Kleines Beispiel – Schulbusse: Roomie reagiert fassungslos auf die Szenen in „Bully“, in denen ein Protagonist wochentagtäglich zweimal durch die Hölle geht: „Das wäre in England unvorstellbar – wenn da einer im Schulbus aufsteht, dann stoppt der Bus!“ Ja, es gibt Lösungen, mitunter ganz einfache. Angesichts dieser Umstände fällt es allerdings schwer, ein cool face zu machen (eine wirksame Maßnahme im Umgang mit Bullies – zeig keine Gefühle!)
Am Sonntag „We need to talk about Kevin“, der den Aspekt des Bullying zeigt, auf den man von außen keinen Einfluss hat – Die Emotion innerhalb von Familien. Verkorkste Eltern führen zu gestörten Killerkindern. Die Ausübung von Gewalt gegenüber anderen Kindern und Jugendlichen kommt ja nicht vom Hass auf die Peers (oder Sub-Peers), sondern aus der Not, sich zu behaupten und wichtig zu machen. Kontrolle und Macht zu spüren ist auch eine Form von Selbstbeweis und Liebesersatz. Kinder werden aus gutem Grund auffällig: um wahrgenommen zu werden.
Wenn Sie ihn bislang verpasst haben, hier nochmal der Trailer:
Und wenn auch Sie ein emotionsloses Aas sein sollten, dem das Thema am Arsch vorbeigeht, und dieses Blog trotzdem schätzen, dann bedenken Sie, dass es dies nicht geben würde, wenn der Betreiber desselbigen mit 14 die richtige Anzahl Schlaftabletten geschluckt hätte, der Wille zum Totsein war jedenfalls da, nur an der Ausübung hatte es gehapert.