Ich mache eine Wortschöpfung amtlich: schnüchtern. Beschreibt die Gefühlssituation, in der ein Sozialphobiker ohne Zurhilfenahme chemischer Substanzen (Alkohol, Valium, Kokain) auf eine Party geht, wo er fast niemanden kennt.
Fazit siehe BEIM VERSUCH ÜBER DEN SCHATTEN ZU SPRINGEN…
Archiv des Autors: glamourdick
BEIM VERSUCH ÜBER DEN SCHATTEN ZU SPRINGEN MITTEN DRIN GELANDET
Julia hat mich zu ihrem Geburtstag eingeladen. Eigentlich nichts besonderes, wenn man davon absieht, dass wir anderthalb Jahrte Kontaktsperre hatten, nachdem wir uns anlässlich der Geburtstagsfeier eines gemeinsamen Freundes, die gleichzeitig unser Kennenlern-Anniversary war, so in Weissglut gestritten haben, das beinahe Blut floss. Wegen Kinderkacke. Man sagt das immer so lapidar. Kinderkacke. Aber Kinderkacke STINKT. Während unseres albernen Streits war ich auf einmal so aggro, dass ich (wie in einem Comic) mit der Faust auf den Tisch schlug. Wir wussten beide, dass nicht viel fehlte, diese Faust in ihr Gesicht zu schlagen und waren entsetzt. Danach schaute wir uns an, sie sagte „Das waren dann jetzt also sechs Jahre Freundschaft“ und ich konterte „Ja, das war´s“ und ging.
Und heute folgte ich ihrer Einladung. Anderthalb Jahre, von denen das letzte halbe für mich landslide war. Was da alles aus den Fugen geriet, ist mehr als eine Badezimmerladung Fugenkitt. Erst beschloss ich natürlich kurzfristig, einfach zu Hause zu bleiben, dann siegte die Vernunft/das Gewissen/die Liebe. Ich überwand meine Sozialphobie und ging. Gewappnet. Ich will ja nicht, dass man mir mein Elend ansieht, also machte ich die schwarze Augenumrandung (urban psycho-look), schnappte die sehr sehr teure Dolce & Gabbana-Tasche (ein Geschenk: aber das weiß ja niemand). Ich sah teuer aus. Und fertig. In der Kombi ein vertretbarer Look. Und kam mit einstündiger Verspätung an. (Normalerweise verfrüht, aber offenbar hatte sich herumgesprochen dass es ein Buffet gab und somit war es schon recht voll – zu voll für einen Sozialphobiker, also mich.)
Beim Julia-Umarmen war ich im Kopf auf Aschenbechersuche und was ein denkwürdiger Moment hätte werden können, ging einfach vorüber. Ich wusste, dass ich jetzt wieder gehen konnte, weil ich meinen Wiedergutmachungs-Kniefall absolviert hatte, wir redeten ein paar Sätze , dann widmete sie sich den anderen Gästen und ich rauchte und schaute auf mein Handy in der Hoffnung, dass es klingeln würde. Tat´s aber nicht, das kennt man ja. Ganz schnell zwei Gläser Wein getrunken, mich von meinerr zweitliebsten bildenden Künstlerin (Svenja Hehner, die die „Aufmerksamkeitspille“ kreiert hat und mir damit ein Lebensthema geschenkt hat) verabschiedet und verschwunden. Die Straßen voller Bullen.
Und im Auto wegen Straßenabsperrungen weitläufig nach Hause gefahren, mit komischen Gedanken und einem Erdrutsch schöner Julia-Erinnerungen. Über meinem Bett hängt eines ihrer Werke. Ein Porno-Porträt – Siebdruck auf Teppich. Seit 3 oder 4 Jahren sehe ich es und freue mich noch immer darüber. Ich hab ihr 1998 ein Freundschaftsliebeslied geschrieben, das immer noch schön ist (wo kann ich die mp3 posten??). Sachen bestehen. Nur: auf Erdrutschgebieten bauen sich keine neuen Häuser. Da muss erstmal neue Erde angekarrt werden. Aber das mach ich. Weil, Altbauten zu renovieren ist schmutzige Arbeit, da lass ich die Finger von.

Julia on a shelf, asleep. Copyright by Julia Neuenhausen
***ICKE*** 3000

(Jake Shears von den Scissor Sisters. I could melt.)
Das I-Töpfelchen spielte die ganze Nacht durch und hat immer noch Musik. („Gerade „Crippled bird“ von Dolly Parton). Ich einen Kater, weil aus „Ach, schauen wir uns doch einen Film mit Heather Locklear in der Nebenrolle an“ ein triple feature wurde, aber ich kann beim besten Willen keinen homosexuellen Freund aus der Wohnung lassen, ohne dass er Toni Collette in „Connie und Carla“ und die Scissor Sisters DVD gesehen hat.
Dann, nach den Filmen die lustige Idee: „Komm wir fahren ins F+++++ 3000!“ Was noch nie wirklich gut endete. Zur Hamburger Heten-Information: Das F+++++ 3000 ist ein Laden, wie es ihn in hetero nicht geben kann, außer man nennt es dann „Swinger-Club“ und das wird ihm nicht gerecht, weil eh alle singulaire sind und dort durchaus attraktive Menschen hingehen. Man geht also, trinkt ein Bier und findet dann in einem Kellergeschoss Sexpartner und wird Bestandteil einer Orgie. So auch gestern. Und was man sich immer auf die Fahnen schreibt, wenn man dort hingeht: „Nimm nichts mit, was Du im Ficken 3000 aufgelesen hast.“ Und das macht man dann natürlich doch, obwohl es völlig unlogisch ist, denn Sex kann man ja dort schon haben, das ist ja das ganze Konzept (warum GIBT´s das nicht für Heten, wenn´s für uns Homos so gut läuft? Ihr macht uns doch sonst alles nach…). Also um 7.00 Uhr in Begleitung nach Hause, und was will er von mir, kaum, dass die Wohnungstür hinter uns ins Schloss fällt? Einen Kaffee. Ich hatte immer angenommen, das sei nur eine Redewendung?!?
WHEN MARCIA WAS CROSS
(M.C. in giftigem Turquouise, die 2. von rechts)
Und ich hatte schon gedacht, ich müsse mein Vanity Fair Abo abbestellen, nachdem in der letzten Aufgabe ein spannender Artikel verkündete, die Desperate Housewives haben sich anlässlich des Cover-Shoots für mein Lieblingsmagazin in die Haare gekriegt. Angeblich sei eine der Schauspielerinnen (elegant unbenannt, aber zwischen den Zeilen gelesen eindeutig TV´s´greatest madwoman – siehe unten) ausgerastet, weil man Teri Hatcher in der Mitte positionieren wollte. Die Gruppe wurde auf Verlangen von Marcia C. anders angeordnet. Was Marcia nicht wusste – Vanity Fair entschied sich für ein Fold-out-Cover, so dass sie nun gar nicht mehr zu sehen war. Und betrachtet man das Cover genauer, kommt man nicht umhin festzustellen, dass die Retoucheure bei Marcias Gesicht am wenigsten Hand angelegt haben. Ein Schlag in ihr Gesicht!
Erzürnte Aufschreie der Desperate Housewives bei der Veröffentlichung: Niemals habe es Unstimmigkeiten gegeben! Warum bloß mache Vanity Fair Stimmung gegen die Serienheldinnen??
Heute bei imdb.com, sechs Wochen nach dem Skandal, ein statement von Teri Hatcher: „I bet there was a day on ER when Anthony Edwards went, ‚Why’s George Clooney getting that scene?'“
Jetzt bin ich froh, dass ich mein Abo nicht gecancelt habe. Is Marcia really that desperate?? Cheer up, gorgeous.
MARLENE HAT ES IM URIN: NATURSEKT S11
Aus dem Radio im Nebenzimmer: Marlene D. singt ausgelassen, was für einen Mann sie will.
Sie fasst zusammen: „Kurz, einen Mann, der noch pissen will und kann. Einen Mann einen richtigen Mann.“
Küssen hat sie gemeint. Küssen! Aber wenn so ne alte Frau noch singt klingt es ja immer alles vernuschelt.
NIX LOS BEI H&M
H&M, Friedrichstraße, freitagmittag. Wie leergefegt. Nur Schwyzerdütsch und amerikanische Sprachfetzen. Selbst der nicht unattraktive Politaktivist der mich vor der Galerie Lafayette anquatscht, redet amerikanisch. Ich höre ihm gern zu, aber vergesse, was er sagt, in dem Moment wo er es ausspricht. Hedgefonds? Wobei es sicher wichtig ist. Weil Deutschland ja am Boden liegt und ich also voll im Trend bin. Und die anderen Deutschen vielleicht auch lieber abends zu Hause bleiben und dänische Spielfilme anschauen?

Ihr ging es auch schon besser, aber zumindest hat sie noch ´n Sklaven…
DANGER-DATING: SCHMUTZIGE GESCHLECHTER
„Ich bin ein horniger junger Kerl und schaue, um stark gebumst von den Muskelkerlen zu erhalten in Leder, in Gummi und in hartes Geschlecht Ich bin in Berlin bis morgen. Nach schmutzigem Geschlecht heute abend suchen“
Und wir machen uns Sorgen wegen ess-zett…
BELLE OF THE BALL: CRAZY COUSIN CHARLOTTE
Charlotte Hollis glaubt Zeit ihres einsamen Lebens, dass sie ihren Geliebten umgebracht hat. Hat sie aber gar nicht. Als ihre Southern Mansion ca. 40 Jahre nach dem peinlichen Vorfall abgerissen werden soll, ruft sie ihre Cousine zur Hilfe. Bei der hätte es sich eigentlich um Joan Crawford handeln sollen, aber die zog nach ein paar Drehtagen (an Bette Davis erkrankt) den Schwanz ein und so sprang Joan Fontaines Schwester Olivia De Havilland ein. Köpfe rollen sprichwörtlich, Blut spritzt, Blumenkübel fallen auf Frauen und die ohnehin nicht ganz kopfgesunde Charlotte geht zeitweise über den geistigen Deister.
Einziges Manko: Anders als in „Whatever happened to Baby Jane“ darf Bette Davis in „Hush hush sweet Charlotte“ nicht singen. Schade, denn das hätte den Irrsinns-Faktor noch einmal gesteigert. Aber, Herr Schroeder, schon in einer ihrer ersten Szenen darf Bette zum Gewehr greifen. Eine altersgraue Akimba. Noone´s better than Bette when she´s bad.
Nachtrag, 20.06.05: Natürlich haben die Autoren von Melrose Place auch bei diesem Film gewildert: Sydney und ihre brave Schwester Jane lassen die Leiche des Vergewaltigers Robert auf die selbe Art und Weise verschwinden, wie die Cousinen es in „Charlotte“ tun. Mit den selben Resultaten. Sydney kommentiert Janes mörderisches Verhalten: „Ich weiß nicht, ob ich in einer Welt leben möchte, in der jemand wie Du auf einmal unmoralischer ist als jemand wie ich.“
DANGEROUS DATING
Und schon wieder eine neue Rubrik: Was ich auf schwulen Dating-Servern (sprich Gayromeo) fand. Mein augenblicklicher Favorit:
„Ich bin ein Temperament voller Südländer.“
Ouch.
CRAZY MISS CROSS
Wer Syd sagt, muss auch Kimmy sagen. Dr. Kimberly Shaw war zeitweise mit Sydney befreundet, die meiste Zeit jedoch versuchten sich die beiden aus dem Weg zu räumen. „I´m going to burn your face so it matches the color of your hair“ knirschte Kim, als sie mal wieder Gelegenheit hatte, an Sydney zu verzweifeln. Doch dafür gab es mehr Auslöser: Dass ihr Mann Michael sie betrog. Dass sie bei einem von ihm verschuldeten Unfall alle Haare verlor und mit den Haaren ihren Verstand. Sie entwickelte mehrere multiple Persönlichkeiten (weißer Schimmel?), unter anderem die der „Becky“. Auch die Geschichte dieser Lady kommt nicht ohne Lobotomie aus, denn diese Prozedur wollte sie Sydneys Arbeitgeber, Dr. Peter Burns angedeihen lassen. Heather Locklear half ihm aus dem Schlamassel. Und auch Feuer (siehe Mrs. Danvers) war Kimberly ein probates Mittel: Sie sprengte den Apartmentkomplex in die Luft, in dem Michael und Syd lebten. (Es starben aber nur die Figuren mit überhöhten Gagenvorstellungen) Betrachtet man die beiden unten stehenden Fotos, ist der amerikanische Standpunkt zum überstrapazierten Thema „Familie oder Karriere?“ eindeutig abzulesen: Glatzköpfig als multiple Ärztin Dr. Shaw, hübsch frisiert als Desperate Housewive Bree Van De Kamp.
Zwischen „Melrose Place“ und „Desperate Housewive“ studierte Marcia Cross, the craziest Lady of american television, übrigens Psychologie. Anleihe bei Kimberly? Spooky… Und die neue Haarfarbe ist die alte von Sydney. Even spookier…