ich würde ja posten, hier aus dem exil, aber ich krieg keine bilder hochgeladen, da machts nur halb soviel spaß. be back august 19th. yesss!
Archiv des Autors: glamourdick
RUNNING UP THAT HILL (WITH SCISSORS)
Vom 7.7. bis voraussichtlich 18.8.2005 befindet sich Glamourdick auf einer Expedition (zur Debatte stehen die Besteigung des K2, „A la récherche d´Inès Schreibère“, „Swimming with sharks for beginners“, Robben mit Seekühen, „Elefanten mit Goldie Hawn“ und Gletscherkalben). Sofern die Wildnis Internet-Cafés bereit hält und Glam landesübliche Währung in den Taschen der zweckmäßigen Cargo-Pants hat, wird es vermutlich so einmal die Woche Out-Posts geben. Die tägliche Auseinandersetzung mit den Erlebniswelten seiner Fellow-Blogger und Bloggeretten wird ihm ziemlich fehlen.
But Glamour shall return! With a VENGEANCE!

11.59
Soooo. Mein voraussichtlich vorletzter Beitrag vorm Exil. Nachdem ich Burnsters Glosse auf die määähähähä-Blogger, die nur ihre eigene schwache Konstitution widerkäuen so goutiert habe, jetzt ein geschwächtes Posting meinerseits. Donnerstag früh geht´s in die Fremde. Mit Elefanten (hoffentlich) über den Pass. Diese platform hier wird mir fehlen. Und ich war noch nie sechs Wochen lang von irgendeinem meiner echten (nicht virtuellen) Zuhause(s) entfernt. Es ist wie Frauentausch, nur dass ich keine Frau bin, und dass es keinen Tausch gibt – nur zwei stramme Spanier, die eine Woche meine Wohnung übernehmen und danach ein PR-Praktikant. Heute war ich ein Organisationstalent-MultiTUSKer. Pitch Pitch Pitch! Und jetzt ist die Energie flöten. Vielleicht Pan-flöten, hier ist sie jedenfalls nicht mehr.
Kai, zurück von Ibiza, ist jetzt im Roses. Eine liebe neue Freundin hat mich gebeten, ihr Trauzeuge zu werden. Ray hat sich angeboten, mir gratis die Haare zu schneiden. Dolly findet es gut, dass die Haare wieder bis über die Augenbrauen gehen. Aber weder Ray noch Dolly befürworten die Blondierung, nach der es mir verlangt.
Beim Telefonat mit dem Ereignishorizont wurde ich wieder viel zu emotional, vielleicht weil er das zulässt und ich ihm das verbieten sollte.
Nebenan läuft die „Like a virgin“-Fassung aus „Moulin Rouge“. Aber Debbie schwirrt umher:
Leaning in my corner like a candiate for wax
Sidewalk social scientist
Don´t get no satisafaction from your cigarette
It´s ten to ten – time is running out
Knock out all your memories
Get outa here
You know that we can run
Today can last another million years
Today could be the end of me
It´s 11.59
And i want to stay alive.
UNEASY RIDER
„I´m feeling my best when I´m happy.“
(Winona Ryder)
Das stand mal im National Enquirer zum Thema die dummen Dinge, die Stars so von sich geben. Ich hab Winona trotzdem lieb. Und das, obwohl sie mich nicht bei meiner Magisterarbeit über „Die Metamorphosen Draculas: Von Stoker bis Coppola“ unterstützen wollte.
Man (insbes. Schroeder) beachte den Anflug eines Akimbos! Zarte Andeutung ist Winonas Spezialität. So war auch ihr Einkaufsverhalten nur zarte Andeutung eines Verkaufsvorgangs. Das kann man ihr nicht nachtragen, beim besten Willen nicht.
DIE RUDERKÖNIGIN VOM SCHLACHTENSEE
Sommer 2004. Nach mehrstündigem Schippern auf dem See und Verspeisung sämtlicher Lebensmittel-und Getränkevorräte, die Sonne britzelt noch, die Leiber sind hungrig und erst rosa, wollen aber nicht vom Wasser, bleibt uns nur eines. Ein Besuch im Bootsverleih (mit angeschlossener „Gastronomie“). Kai holt Essen, Trinken, Eis und will gerade wieder ins Boot steigen, da werden wir Zeugen eines dramatischen Vorfalls. Eine junge Dame, blondgelockt, keine Apfelsinen im Haar, aber eine Tochter an Bord, versucht ungelenk ihr Leihboot am Bootssteg einzuparken. Dort herrscht reger Betrieb. Der freundliche bezirksansässige Bootsverleih-Angestellte ermutigt:
„Frollein so jeht det woll nich. Du bist ja falschrum.“
Frollein (irritiert, verängstigt, ein wenig garstig): „Wie? Was? Falsch rum! Da könnte ja jeder kommen! Und schon gar nicht in diesem Ton, bitte!“
„Na nu stell Dir mal nich so affich an – Du musst det Boot wenden!“
(Mit einer zickigen Note, ZDF-Vorabendserien-fähig): „Wenden? Wie stellen Sie sich das vor? Bin ich hier die Ruderkönigin oder was?“
Kai bittet mich sein Eis zu halten, springt ins Wasser und hilft Frollein beim Einparken.
„Sehen Sie – der junge Mann hier hilft mir wenigstens, anstatt blöde Sprüche zu machen.“
Mit einem Rest Restwürde packt Katja Riemann Sachen und Tochter, verschwindet hohen Hauptes zwischen amüsierten Ausflüglern. Ein Sympathiepunkt für Haltung an die Ruderkönigin vom Schlachtensee. Demnächst in dieser Rubrik: „Die seltsame Gräfin vom Schlachtensee“.

(Abkühlung nach hysterisch-hitzigem Lachanfall. GlamD. in seinem Element)
GEDANKENDENKMAL
Dabei dachte ich sofort an dieses:

Come what may… Chamma Chamma!
M.M., KALIFORNIA
Kai reicht mir in meiner bunt gestrichenen Küche ein bunt verpacktes Geschenk in der Größe eines schmalen Taschenbuchs. Ich bin überrascht-verwundert (meist schenkt er in Deutschland nicht erhältliche DVDs, Bücher usw) und packe aus. Es ist ein schmales Taschenbuch! Ein Travel Guide. Los Angeles.
„Mach mal auf!“
Ich falle angesichts eines Business Class Tickets nach LA in Ohnmacht.
Zeitsprung. Nikotinpflaster pflastern meinen Flug. Ich deriliere angesichts meiner Sozialphobie (12 Stunden Reisen in Transportmitteln, die mit Fremden besetzt sind), des Zigaretten-Entzugs und des Lebenstraumes, der wahr werden wird, der so albern ist, aber existiert, seit ich 9 Jahre alt bin: Ihr Grab besuchen. Kai hat diesen Traum wahr gemacht. Drei Tage Los Angeles und Silvester 03/04 zurück nach FFM und B. Das Hotel ist in Torrance, aber wir haben einen Mustang und cruisen die Highways entlang. LA scheint gar nicht so groß wie ich mir vorgestellt habe. Sogar der Smog riecht für mich gut. Venice, Santa Monica, Abstecher nach Bel Air, Melrose. Sunset Boulebard, Mulholland Drive, Hollywood and Vine. Wie in jeder Stadt in der ich bin überlege ich, ob ich hier leben könnte und denke „Ja“. (Opportunist). Und dann suchen wir den Westwood Memorial Friedhof. Und finden ihn nicht. Er liegt ganz versteckt, irghendwo hinterm Wilshire Blvd. Da ist ein Kino, in dem „Mona Lisa Smile“ läuft und ein Film mit Owen Wilson. Büro-Hochhäuser. Wir parken den Mustang (im Halteverbot, wie sich später herausstellt) und suchen. Finden. Leer, kaum jemand da, außer Kai und mir. Ein völlig undramatischer, geradezu peinlich kleiner Vorstadt-Friedhof mitten in LA. Rasenflächen mit identisch gestalteten Grabplatten. Kuck ma – Jack Lemmon! Truman Capote. Dann die „Schränke“, die Leichenschubladen. Wo man nicht verrottet sondern vertrocknet. Mein Blick wandert und ich werde ganz traurig – ich muss es doch auf Anhieb finden, das Grab meiner Kindheitskönigin… Aber nee. Und es gab keinen Blumenladen. Ich mein, hey – jeder Scheißfriedhof hat einen Blumenladen. Dann ärgere ich mich über meine blöde Idee, mir die Haare über Weihnachten unbedingt rot tönen zu müssen. Ich bin in LA! Auf ihrem Friedhof! Und nicht mal blond!! Dann sehe ich auf einem Grab einen Tinker Bell Aufkleber. Heather O´ Rourke, „Carol Ann“ aus den „Poltergeist“-Filmen. Da wird mein Herz warm. Für Tink stand sie Modell. Und dann, paar Schritte weiter, sehe ich einen Sargschrank, einen Fläche mit Plaketten, und eine Grabkammer ist viel dunkler als die anderen. Weil alle sie berühren wollen.
Ich gehe, schaue – ihr Name, 1926-1962. Lippenstiftabdrücke von bescheuerten Fans. Geschmacklose Blumen, teils vergammelt. Joe DiM.´s Dauerauftrag „jeden Tag eine frische rote Rose“ lief 1982 aus. 20 Jahre waren gebucht, 20 Jahre reichen, er ist Pragmatiker. Und trotzdem gelten seine letzten Worte ihr. Er hat nach ihr nie wieder geheiratet.
Und ich hab nichts dabei. Keine Blume. Nichts. Für die Leiche meiner Heldin. Und dieses abgefummelte Grab schlägt mir aufs Gemüt und ich setz die Sonnenbrille auf, damit Kai nicht sieht, dass es dahinter zu fließen beginnt. Und will dem Scheiß-Governor Schwarzenegger einen Brief schreiben „Sie da – so ruht Hollywod-Royalty aber nicht! Schafffen Sie ein Mausoleum für die Dame, und zwar heute und nicht manana!“ Aber wir gehen einfach wieder, zupfen das Strafticket von der Windschutzscheibe, setzen uns in den Mustang und fahren schweigsam nach Torrance.
Keine Fußnote.

MARILYN IN PARIS, EUROPE
Spree-Britt und Arboretum wollten diese Info, here comes:
Ich glaube, es war 1999, als ich endlich einen Paris-Reisegutschein einlöste, den mir meine damaligen Arbeitgeber zum soundsovielten (3.?) Firmengeburtstag geschenkt hatten. Paris war für mich zunächst mal ne Stadt in Frankreich, deshalb schlug ich mich nicht darum, den Trip zu machen, aber als ich las, dass Marilyns Nachlass auf Reisen geht, in London und Paris präsentiert wird und in New York unter den Hammer kommt, da rief ich im Reisebüro an.
Ich war Marilyn-Fan, seit ich das erste Mal, so mit 6 Jahren, „Some like it hot“ im TV gesehen hatte. Meine erste Monroe-Biografie las ich mit 9 Jahren – da erfuhr ich, dass ich am selben Tag wie sie geboren bin und hielt mich eine gefährlich lange Zeit für ihre Wiedergeburt. (War ich erleichtert, als ich kürzlich 37 wurde!) Auf dem Flug nach Paris saß ich neben einer Ex-Stewardess, die fortlaufend Piccolos für sich und mich bestellt – ich kam schon betrunken an. Checkte in mein Hotel ein und lief durch die Straßen – ich hatte mich kopfüber verknallt. Paris. Wohin die Diven exilieren (Romy, Marlene, Ingrid…) und einige (Diana) ihr Leben lassen. Am Abend ließ ich mir wie der bekloppteste aller Touris, das Handy klauen.
Am nächsten Vormittag ging ich zu Christie´s und war überrascht, wie leer es war – außer mir vielleicht 30 Menschen. Und sah die Kleider der Kaiserin. Das spinnwebene JFK-Kleid, die Strickjacke aus der George Barris-Session in Santa Monica 1962. Gerahmte Bilder. Filmskripts mit ausführlichen handschrifltichen Anmerkungen. Puppen, die noch aus Norma Jeanes Kindheit stammten. Und in den Augen aller Betrachter Sehnsucht, Wehmut, aber auch kindliche Freude beim Erkennen und Zuordnen der Devotionalien.
Ein Gästebuch lag aus, ich blätterte und fand einen Eintrag aus Berlin „Ich bin extra aus Berlin angereist und habe mich Dir noch nie so nahe gefühlt.“ Der Zyniker in mir wollte darunter schreiben „und mir haben sie sogar das Handy geklaut.“ Aber das ließ ich sein. Denn ich war auch gerührt, berührt. Nicht so, dass ich in ein Christie Gästebuch eine Notiz an eine fast 40 Jahre lang tote Frau geschrieben hätte, aber doch schon sehr. Fast alle Einträge waren an Marilyn gerichtet.
Diese Devotionalien, die jetzt über die Welt verstreut sind, waren ja auch Versatzstücke aus meiner Kindheit und Jugend. Ich kannte alles von Bildern. Außer dem großen Brandloch im Saum des schwarzen hochgeschlossenen Kleides. Und das hat mein Marilyn-Gefühl vielleicht am besten charakterisiert – dieses verbrannte Kleid.
Als ich wieder auf die Straße kam, hatte sich eine Schlange gebildet, die um den ganzen Block ging. Mein Herz applaudierte jedem einzelnen.
Wie üblich, eine Fußnote. Nach einem sehr schönen Spontansex-Erlebnis kam ich mit dem Mann ins Gespräch, mit dem ich es gerade geteilt hatte. Er entpuppte sich als großer Marilyn Fan und stand neidisch vor meinem Bücherregal. Ich erzählte ihm von dem Christie´s-Gästebuch mit dem Berliner Eintrag.
Er: „Das ist ja ´n Ding! Das war ich!“

pic: g.barris
FALLING FOR/FROM THE FALLS
Gestern „The Falls“* von Joyce Carol Oates zu Ende gelesen und heut seh ich aus als hätte ich Down-Syndrom. Musste die letzten 30 Seiten aber heulen, war nichts dran zu ändern. Und weil die Tränen liefen verlangsamte sich das Lesetempo, daher die fiesen Augen. Und dabei völlig außer Acht gelassen, dass gestern meine Lieblingssonnenbrille (ein Prada-Klassiker) zu Bruch gegangen ist.
Unfähig den Fernseher anzustellen, nach so einem brachial-genialen Werk, hab ich die Abendgestaltung dann dem Ipod überlassen, der meine Stimmung spürte und sofort dramatisch umsetzte. Vorhin gecheckt ob ich nach der Flasche Wein peinliche SMS verschickt habe. Geht so. Sehr stolz, in meinem SMS-Angebot einem speziellen Menschen keine geschickt zu haben, aber seinen Namen habe ich endlich im Addressbuch gespeichert. Immerhin.

Viel zu früh aufgewacht, weil mich die Sorge plagt, wie ich für mein 6-wöchiges Exil doch noch einen Untermieter für die Wohnung finde. Na ja, hab ja noch ne Woche Zeit. Wenn ich eh schon zur Spreepiratinnenparty nicht da bin, kann ich ja meine Wohnung als Übernachtungsmöglichkeit für West-Blogger zur Verfügung stellen – präsent in Absenz. Also wenn jemand Lust hat, seinen Berlin-Aufenthalt spontan bis Mitte/Ende August zu verlängern: schicke 3-Zimmer DG-Wohnung, 75 m2, reichlich bepflanzte, pflegeintensive Terrasse, DSL, TV, DVD (huge collection). Ab 7.7. für 6 Wochen in liebevolle Hände abzugeben.
Trost: heute früh SMS von Choc: Da Kai heute abreist hat sie wieder mehr Zeit zum Bloggen. Und da Kai nicht mehr auf Ibiza ist, ist er bald wieder in Berlin.
*@choc: paperback release: 4.7.05
Notiz an mich selbst: Wie kommt es, dass ich „Niagara“ nicht auf DVD habe??
FINAL ADDRESS TO MARILYN MONROE by GlamDick
Wilshire Boulevard, East Rhode Island Street
North El Centro Avenue
Odessa, Archwood, Arbol Street.
Nebraska, Franklin, Fountain Ave
West Olympic Boulevard
Cold cold cold Stone Canyon Road
Crescent Heights and Kelton Way
Beverly Glen, Castilian Drive
Hilldale Ave, North Lodi Street
Delongpre Avenue
North Palm Drive
West Sunset
North Doheny. Doheny…
12305 Helena Drive
12305 Helena Drive
2.
Brentwood
Los Angeles
Helena Drive
My spanish-style dream house
barely saw me alive
Brentwood
Los Angeles
Helena Drive
The first house I owned
saw me barely alive
one two three o five Helena Drive
3.
Twelve fifteen South Glendon Ave:
Westwood Memorial Park,
My Grave.

pic: b.stern