
Morgen schon der Schnee von gestern.

Morgen schon der Schnee von gestern.

Als er noch klein war: Kai (rechts) bei „The Wall“, Foto von Uli Lindenthal
And then there´s my Skailight. Sabine W., Talberger Straße in Britz, war Schuld daran, dass wir uns ca 1989 über den Weg liefen. Erst mochten wir uns gar nicht so, aber dann lernten wir uns kennen. Und erst als er weg war, merkte ich, wie sehr er mir fehlte. Wir hatten vieles gemeinsam: The Wall (in die er mal gefahren ist und die er später tanzte), Uli, Sabines Haarteile, das olle Schwuz-Hasenheide und dann diesen bizarren Dreier in Christoph E.´s „Loft“ in Kreuzberg 36. Das waren die frühen 90er. Oder, auch schön: Zürich mit Michi. Oder auch Weimar (und die Weimaraner!). Krumme Lanke mit Lucky! Cola Light Lemon!
„Und dann kommt irgendein Typ an und Du sagst unser Date ab!“ Das sagte M.M. aus M. 1998. Und ich antworete
„Das ist einer meiner besten Freunde in meinem ganzen Leben, und das wird er immer bleiben. Das ist kein Irgendein.“
Und als ich es aussprach merkte ich, wie sehr es zutraf. Und wo ist M.M. aus M. heute? Sie erraten es. Nowhere near. Wo Kai ist, selbst wenn ich den Ort nicht nennen könnte, wo Kai ist weiß ich immer.
Und dann irgendwann, „Somewhere – there´s a place for us“ – das wurde irgendwie zur Hymne, die wir nie sangen. Er schleppte mich erstmals nach Ibiza, nach Faro, nach Los Angeles. Er blieb brav beim Alkohol, wenn ich die Substanzen wechselte. Und er machte Schnittchen für die gesamte Schweizer Delegation und eine Rock-Höhle aus einem Hotelzimmer.
Und als ich D.D. aus D. traf und mich verliebte, da war es mein Skailight, der mir das Jetsetting ermöglichte, das mich zu meinem Zweitliebsten brachte. Unvergesslich unser Dreier der anderen Art: „Daylight in your Eyes“ unter Einbeziehung der gesamten Wohnung. (Ich war Sandy, es war schließlich mein Geburtstag.)
Ich kann kein Posting über Kai machen, das auch nur annähernd unserer Freundschaft gerecht würde. Dazu ist das alles zu tief, zu schön, zu extrem. Dreien der 4 Horsemen of the Apocalypse hab ich schon ein Blogmal gesetzt und bei Kai hab ich gezögert, bei Kai ist es am Schwierigsten. We´ve been through so fucking much. Es hätte nicht viel gefehlt und wir hätten uns geprügelt. Aber es blieb bei Getränken, die wir uns ins Gesicht schütteten. (Ehrlich gesagt er mir). Aber wir haben unsere Familien kennengelernt, haben einen gemeinsamen Lieblingshund (Mowgli), haben eine Silke, eine Andy, eine brother and sisterhood und alle Jahre wieder machen wir ein Besäufnis mit Uli L. und freuen uns darüber, dass wir alle leben und das Lachen nicht verlernt haben und schlafen ein, mitten im Satz oder im Lachen, und träumen von Marshmellows, Lagerfeueren, Cowboys und Indianern. Kai of light, I love you! I´ll always be the Nanni to your Hanni, honey. And that „Somewhere“-place, we found it. It´s here.

(Die No Angels mit „Daylight“ bei einer wunderschönen Ibiza-Hochzeit, Foto von Andy)
Ich könnte heute natürlich was schreiben. Aber ich fake ja auch keine Orgasmen.
Trying to get my mansions green
After I´ve Grey Gardens seen
expectations.
Der Aufschlag ist so ungleich härter, wenn Du da landest, wo Du Dir nur wenige Wochen vorher sicher war, nie mehr zu enden. „Ja, ich weiß, es kann wieder passieren. Aber niemals wieder in dieser Intensität.“ Ha! Unvorstellbar härter? Das nicht. Denn es ist so logisch und zwangsläufig und nicht vorstell- sondern auch nachvollziehbar, dass Du tiefer fällst, wenn Du Dich höher glaubst. Du glaubtest, Du hast es geschafft und dann holt es Dich wieder ein und zwingt Dich in die Knie. Und dann schaust Du auf Dein Verhalten, Du machst ja immerhin eine Verhaltenstherapie, und bist trotzdem genau so unfähig, Deine Gefühle in den Griff zu bekommen, wie damals. Ein Faktor reicht aus, Dich ins Wanken zu bringen, und dann reicht ein Windhauch, Dich umzureißen. Nur, dass du diesmal währenddessen brüllst.
Und plötzlich bist Du wieder im alten Melodrama, alle anderen Darsteller haben auch brav ihre Rollen eingenommen (auf die Kollegen ist Verlass!) und isst Dein Abendbrot auf dem Brettchen, das Du Dir gerade vom Kopf geschraubt hast, katatonisch und reißt Dich zusammen, nicht zu heulen. Sehnst Dich nach einem Zuhause, das es nicht mehr gibt, das, wo Du allein sein konntest, wo Du einen Extra-Wundenleckschutzraum hattest, der sich aber in einen Leck-mich-Raum verwandelt hat, für den Du im Moment keinerlei Verwendung hast, zumal er auch 300km weit entfernt ist. Dann ist, auch zuverlässig wie die Zeit, der Plan für die nächsten Tage da. Nicht ans Telefon gehen, die Wohnung nur verlassen, wenn es absolut nötig ist. Als nächstes stellt sich eine hartnäckige Erkältung ein. Zwei Tage, in deren Verlauf bemerkst Du dann das Nachdunkeln der Haarwurzeln und von nun an kannst Du eh nicht mehr vor die Tür. Wenn, dann nur kurz, mit Mütze, und scheiß auf die Leute, die Sonnenbrille im Winter für affektiert halten.
Du machst drastische Einsparpläne (Computer – kann ich eigentlich verkaufen), stellst Dir vor, Dich damit abzufinden, von nun an in einer Keksfabrik, in der Altenpflege oder unter einem charmanten Bahngleis aufzugehen, drückst die Zigarette aus und schaust aus dem Fenster, das aber nur im ersten Stock liegt. Morgen soll es glatt werden, morgen fährst Du zurück. Vielleicht erledigt sich eh alles von selbst. Und wenn nicht – vielleicht bleibt´s drei Tage düster. Vielleicht auch drei Wochen. Könnten auch sechs Monate werden. Und Du schaffst es oder nicht. Und bemühst Dich ganz entschieden, Dich etwas weniger wichtig zu nehmen. Andere schaffen es sogar, mit dem Rauchen aufzuhören. Du kannst es immerhin mal versuchen. Hm?
Tiere bieten dem Menschen in Zeiten erkaltender Herzen und zwischenmenschlicher Verhärtungen Trost und Wärme.

Ich werde das alles einfach nachholen. Ab Januar habe ich die Wohnung wieder für mich. Und drei Tage am Stück frei. Und dann bastele ich mir aus Untertassen und alten Lampenschirmen und Autogrammkarten und Pots-its und Lüsterklemmen nicht nur einen Weihnachtsbaum sondern auch noch eine Familie. Dann machen wir Bescherung, das Telefon ist ausgestellt, Briefe sollen ruhig im Briefkasten bleiben (heißt ja nicht umsonst so), ich trinke zuviel, der Lüsterklemmen-Ehemann kümmert sich um die Gans, und allüberall ist Harmonie. Tomorrow IS another fuckin day. Fuckit. Damn. Yes. Frankly.
Dass die Decke, die mir auf den Kopf fällt, eine vertraute Decke ist, macht alles noch erschreckender in seinem Ausmaß. Gerade jetzt, und das meine ich ohne jeden Bezug zu dieser beschissenen Weihnachterei.
Ja, ich hätte gestern dem Impuls folgen und sofort abreisen sollen. Was man alles tut, um bloß nicht zu vermeiden…
Zwei Tage ohne Blog und trotzdem merke ich nach dem Aufwachen, dass ich im Flow-Modus bin. Ein Jahres-Rückblick-Text entsteht im Kopf, und ich merke im gleichen Moment wo das automatisierte Bloggerhirn die Sätze reiht, dass ich ihn nicht schreiben will. Meinen 2005er Text schreibe ich frühestens 2007. Was vielleicht damit zu tun hat, dass es ihn bröckchenweise schon gab – jeden Tag ein wenig aktuelles und akutes – und dass 2005 so ein Klopperjahr war, dass ich es nicht auf eine Seite quetschen mag, weil zuviel passiert ist. Inventur fand im Wochenrhythmus statt. Gewinne und Verluste wurden verbucht, im Adressbuch wurde Platz geschaffen und sofort neu belegt, Re-Evaluation und Re-Invention waren Tagesprogramm. Die schönen Momente habe ich schon festgehalten, die schrecklichen ebenso, und für den komplexen Mittelteil im 6wöchigen Exil gab es den SeitenBlog.
2005 endet mit einer essentiellen Frage, die ich mir selbst gerade nicht beantworten möchte. Will ich weiter schreiben, um damit Geld zu verdienen, oder reicht es mir, meine bizarren Betrachtungen hier zu verschenken? Für die Beantwortung muss ich erstmal Wut und Enttäuschung ablegen, um irgendwann rational an das Problem heran zu gehen.
Eine Geschichte lässt mich nicht los. Sie hat nichts mit mir zu tun und scheint mir trotzdem Sinnbild für 2005. Meine Haushaltshilfe Katharina aus der Ukraine erzählte sie mir kürzlich, als ich schon im Mantel an der Tür stand.
Es war der 20jährige Todestag ihres Bruders, der bei einem Militäreinsatz sein Leben gelassen hat. Sein bester Freund aus Kindertagen saß im selben Panzer und überlebte. Die Leiche ihres Bruders wurde nach Hause gebracht, eskortiert vom sprichwörtlich todtraurigen Freund. Der Sarg war auf Militätgeheiß verschlossen und Katharinas Mutter brach es das Herz, dass sie ihren Sohn nicht ein letztes Mal anschauen durfte. Der beste Freund gelobte, dass sein Leben nicht mehr lebenswert sei. Drei Monate später geriet er in ein Unwetter und wurde vom Blitz erschlagen.
Den toten Sohn nicht noch einmal gesehen zu haben ging der Mutter nicht mehr aus dem Kopf. Ein halbes Jahr nach seinem Tod ging sie an sein Grab und hub es eigenhändig aus. Sah ihren Sohn, der – vielleicht gibt es doch einen Gott, wenn dann ist er borderline-manisch-depressiv – völlig intakt und wie gerade eingeschlafen aussah (das ist es jedenfalls, was sie Katharina erzählte). Beruhigt konnte sie das Grab wieder zuschaufeln. Bis heute trägt Katharinas Mutter schwarz und in ihrem Haus darf keine Musik gespielt werden. Auch Katharina weinte beim Erzählen, denn mit ihrem Bruder hatte sie eine tiefe Freundschaft verbunden.
Der Zyniker in mir fragte sich beim Zuhören, ob das alles der Wahrheit entsprechen konnte. Der emotionale Glam ging tränenüberströmt aus dem Haus. Der rationale Herr Dick dachte über das Jahr 2005 nach und darüber, was es alles so mit ihm angestellt hatte und schenkte Katharina Glauben – er hatte selbst eine ukrainische Großmutter gehabt und wusste um das Durchsetzungsvermögen und den situationsbedingten Dramatismus der Österreich-Ungarn-Geborenen. Selbst wenn die Geschichte möglicherweise ausgeschmückt war, was ich Katharina nicht unterstellen möchte – STATES OF MIND ARE REAL ENOUGH. Drama gibt´s. Nicht nur Wunder gescheh´n. Aber niemals niemals darf man die Musik ausstellen.
Also jetzt erstmal bin ich echauffiert: diese elende Stefanie Tücking, die das Wort verdient, das man auf Berliner Klos mit V an die Wand eddingt (mit dem Vor-Zusatz „frustrierte Altweiber-„) hat gerade meine geliebte Belinda Carlisle mit dummen Worten bedacht. Ja, es ist mir peinlich, dass im Hintergrund Kabel 8 oder Tele 12 oder whatever läuft, erwischt! Jedenfalls hat sich diese abschüssige Radio-Kotzkuh über meine abschüssige Belinda geäußert. Hallo??? Weihnachten!!! Gnade! Aber bitte nicht für das Tücking. Für Belinda! With Belinda, heaven is a place on earth! Aber wenn man das einer Frau erklären muss, warum das so ist, dass Belinda eine Form von mythisch-kalifornischer Seeligkeit transportiert, weil sie, also diese nicht begreifende Rezipientin, die prägymnasiastisch wegen ihres Vorbisses von den anderen Handballerinnen gemobbt wurde, also, wenn ich der das erst noch erklären müsste, dann ist sie doch eh keine. Menschin. Oder eine sehr frustrierte siehe oben. (Stichwort „V“.)
Sozialneid. Nur mal so. Als Stichwort. Am Rande. Also wenn ich das Tücking wär – boooahhhh. Hätt ich Sozialneid. Aber sowas von. S 11!

(Das ist kein Autogramm für mich, ich hab das aus dem Netz. Aber ich hab ein Original-Doris-Day-Autogramm, mit persönlicher Widmung, das reiche ich zum Beeindrucken in Kürze mit der zusammenhängenden Geschichte nach.)
Also, jetzt zweitmal, diesmal voller Gnade: ich bin unterwegs, ab demnächst. Und weil bloggen ohne dsl einfach nervt, gibt es bis zwischen den Jahren von mir nur unregelmäßig bis gar nicht. So. Und da mach ich mich also gerade straßenfest und sehe – peinlich peinlich… schon wieder Weihnachtskoffer gepackt und nicht einen einzigen Xmas-Gruß losgeworden. Aber wozu hat man einen Ploq!
Liebe Choc, liebe Britt, liebe Arbo, lieber Lucky, lieber Horizont, my Darling Skailight, lieber MC, lieber Schroeder, lieber Sabbeljan, lieber Burnster, liebe Frau Frank, liebe Fragmente, liebe Mai, liebe Beine, liebe Schwadroneuse, liebe Cassandra, lieber Don, lieber Sir Dregan, lieber Livian, liebe Kathleen, lieber AT, lieber neuzugegangener Raketenprinz, lieber Just.us UND EDIT – PEINLICH WENN MAN JEMANDEN WIE TIMANFAYA VERGISST, SORRY FOR THAT!!! und auch Euch anderen John Blogs, Jim Blogs und Elizablogs, zwar nicht kommentierenden aber treuenBlogininnen (oder außen) dieser hysteroman-schizoiden Seite – joyeux noel! Schwerpunkt auf JOYeux. Schmeisst den inkontinenten Santa off the sleigh und rockettet um den Xmastree, dass es Nadeln und Puderschnee hagelt. Wir sehen uns wieder, Elvis-mäßig: etwas älter, etwas fetter, but always always always glamourous.,
Kuss,
glam ULTRA.
Zwischen den Jahren dann! Take care! Und ich freu mich auf Silvester wo wir uns hoffentlich (leider nur fast) alle sehen!!