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Archiv des Autors: glamourdick
L´INCONNU DU LAC
Die Faz fasst es sehr schön zusammen. L´Inconnu du Lac ist ein kleiner Film, aber ein Diamant ist auch klein, funkelt verführerisch in der Sonne, und mit ist schöner als ohne.
Das Treiben an einem Crusing-Strand an einem idyllischen See. Gerade 4 Sets: der Parkplatz*, der Cruising Wald, der steinige Strand, der nicht aussieht als sei er gut zum ficken geeignet, und dann das türkisene Wasser, das, wie die Baumwipfel, immer wieder bildfüllend gezeigt wird. Reflektionsfläche. Einziger Soundtrack ist dann passenderweise auch das Wasserplätschern und der Wind, der durch die Bäume peitscht. Vor diesem natürlichen, gleichzeitig aber auch utopischen Hintergrund, das Treiben der Männer. Ebenfalls kind of utopisch, wie es schwule Cruising-Orte nun mal sind. Hier kommt man mit einem einzigen Wunsch her und dieser bleibt selten unerfüllt (für die meisten Protagonisten jedenfalls, für 2 endet es ganz anders). Die Kamera schämt sich auch keinesfalls draufzuhalten. Dass der Film mit Ständern, Rimming und Sperma ein 16-rating bekommen hat, überrascht. Einige Einstellungen sind direktes Zitat aus dem ersten schwulen Porno-Klassiker Boys in the Sand, der ebenfalls wertfrei und unverschämt zwei Männer beim Sex zeigt – in den Büschen von Fire Island, auch hier werden sie bemalt von den Sonnenlichtsfunkeln, die durch die Blätter blitzen.
Die isolierte Landschaft, das Fehlen von Zivilisation und Urbanität – die Reduktion macht dieses Kammerspiel so ausnehmend gut. In diese paradiesische Sex-Welt kommt nun Franck, verguckt sich in Michel, und von hier an geht es um das unterliegende aber mächtige Thema der Unschuld und Sorglosigkeit. Kondome werden thematisiert, aber nicht verwendet. Eine Wasserleiche wird gefunden.
Es geschieht nicht viel, aber was geschieht, erzählt eine runde, stimmige Geschichte, gekleidet in die Atmosphäre lauer Sommerabende am Wasser. Bis die Nacht kommt. Leise, fein, sexy, spannend, spektakulär ohne jedes Spektakel. Mehr davon, Monsieur Guiraudie!
*Vollständig entzückt war ich über die Tatsache, dass man selbst mit parkenden Autos eine Geschichte erzählen kann. Nicht nur, dass die in der Landschaft genauso gestrandet stehen wie ihre Besitzer, nein, einen Plotpoint liefert ein… Nee, das verrat ich nicht. Schaunse selbst.
XMASPaPaParty
Die Firmenparties sind so legendär, dass sich sogar ehemalige Mitarbeiter einschleichen. Was ganz schön ist – so hat man einen Überblick über die History und Zukunft von dieser Gruppe von Menschen, die irgendwie bei uns gestrandet ist (wie ich auch). Das ist eine sehr heterogene Mischung von Charakteren – einige mag man im day-to-day mehr als andere, aber es öffnen sich Dimensionen über Emotionen. Am Donnerstag kam eine Kollegin verspätet und brach in Tränen aus, als ich sie darauf hinwies. Dann nahm ich sie an der Hand und sie berichtete kurz über den Grund für die Tränen und ich offerierte ihr hier bei uns zu bleiben, wo sie irgendwie gestützt und geschützt ist oder nach Hause zu gehen, und sich dem Kummer hin zu geben – sie wählte letzteres. Für die anderen sah es so aus, als hätte ich sie zum Weinen gebracht, die hatten nicht gesehen, dass ich sie in den Arm genommen und fest gedrückt hatte, als sie ging. Und drum war ich froh, dass sie zur Party kam, alles wieder etwas besser war, und ich das erste persönliche Gespräch mit ihr führte und sie als den bewundernswerten Mensch erkannte, den ich zuvor nicht in ihr vermutet hatte. Und auch sonst – ich schaue durch den Raum und da sind so viele wunderbare Menschen, die dazu beitragen, dass ich gern in dieser Firma arbeite. Talent, Charakter, Humor, Empathie – ein Altersspektrum von Mitte 20 bis Ende 40, und ich sitze gern mit ihnen am Tisch. Manche nerven, aber an diesem Abend irgendwie weniger oder gar nicht. Der Wein ist okay, das Essen fantastisch – ich esse Sachen, die ich nicht wirklich erkenne, die aber köstlichst sind. Süßes mediterranes Gemüse, ein edles Kartoffelpüree, das mich bestens auf das morgige Post-Thanksgiving-Dinner vorbereitet, an dem ich, wie gewöhnlich, für mashed potatoes und brussel sprouts verantwortlich bin.
Auf dem Weg nach Hause schubst mich ein Aggro-Türke, so dass ich zu Boden gehe. Ich stehe wieder auf und schubse zurück und trete einmal fest zu. Was erstaunlicherweise ausreicht. Er rennt. Und ich bin noch im Besitz von Handy, Ipod und Portemonnaie. These are rough times, Darlings, we gotta rough it right back.
facing the facts
Die Laune so vergiftet, dass ich schon um 5.30 aufwache. Der Fernseher schaltet sich tatsächlich von selbst ein, um zu sagen, dass ich mich besser mit Fiktion infiltrieren soll als mich um die Fragen zu kümmern, die schon vorsortiert auf einem Tisch liegen, der in einem Zimmer steht, für das ich die Schlüssel weggeschmissen habe. Schau ich also Carrie und Brody zu, dramaturgisch denkend natürlich wissend, dass das kein Happy End geben wird. Und dann legt sich die große Bewunderung vom Schauspiel über das emotionale Gift, das gerade durch die Seelenvenen saust, für ein paar Minuten, aber, facing it, denk ich wie Brody – „Fuck me.“ Oder „das ist jetzt aber wirklich richtig richtig schlimm“. So die Tage halt, wo das ganze positive Denken, die Selbstverarschung der Verhaltenstherapie mal in die Fresse kriegt, das Maul gestopft, weil, ja. Richtig richtig schlimm.
NEVERGREEN
Irgendwie so durch die Woche gestolpert. Sendungsbewusstsein below zero.
Im letzten Jahr immer wieder Romane gelesen, die thematisieren, was ja auch mir geschehen ist – der Tod der Industrien auf Grund von Geiz, der dazu führt, dass überbildete Menschen in Jobs landen anstatt in Berufen. (Paperback-writer ist kein Beruf, das ist eine Parallell-Existenz.) Gerade jetzt lese ich Gone Girl, das wohl deshalb so erfolgreich ist, weil es so gut ist. Perspektive 1: Eine Frau verschwindet, ihr Mann berichtet. Perspektive 2: die Tagebücher der verschwundenen Frau. Selten deckungsgleich mit den Berichten/ Erinnerungen des Mannes. Auch diese beiden herausgeflogen aus einer Luxus-Welt, gestrandet im Kaff, in dem er aufgewachsen ist. Man muss gar nichts vom Plot wissen – lesense ruhig, ist ein Kunstwerk, eine Geisterstadt von einem Buch.
Kürzlich wachte ich auf und dachte – noch ein Burn-out-Opfer mehr im Betrieb und wir firmieren um in Krematorium. Aber ist so. Diese Kultur verbrennt ihre Kinder, macht vor Erwachsenen schon mal gar nicht halt. Und man weiß gar nicht – ist es besser, im alten Modus zu wirken oder im Neuen? Ich seh das gerade am Beispiel des Verlags, bei dem ich veröffentlicht bin. Old school. Da werde ich sehr ungeduldig, weil ich merke, die existieren in einer anderen Zeit. (Und, ja, ich finde die Oper wird sträflich ernachlässigt.) Und dann kommt gestern die Anfrage, ob ich nicht bei einem Buchprojekt mitmachen möchte, das ich versuchte vor 6, 7 Jahren an den Mann zu bringen und bin extrem unaufgeregt. Ich bin ja jetzt schon in der Situation, dass ich ein Buch am Start habe und keiner weiß es.
Selbst Barbra Streisand hat ihren Überperfektionsanspruch eingestellt, indem sie ein 2012er Konzert veröffentlicht hat, das ich mir gestern in einem unerklärbaren Retro-Flash gekauft habe. Ich hatte wohl Sehnsucht. Nun ist die Frau, sowie deren Stimme, in den 70ern, so dass sich repertoire-technisch einiges verbietet – sie singt´s trotzdem. Und recht hat sie. Es hat etwas Rührendes, mal ein bisschen Kratzen in der Stimme zu hören.
Und so sitze ich Samstag um 10 in meiner Schreibklitsche, Streisand singt Evergreen, und wir alle werden auch nicht jünger.
STEERPIKE LIEBT MICH
Am Samstag Umzug von Ex-Roomie und dem wunderbaren C. Anlässlich von Umzügen stellt sich heraus, wer Deine echten Freunde sind. Und man lernt sich besser kennen als auf einer Party. Well, der Freundeskreis der beiden ist GOLD. Und so war es eine Freude, schlagkaputt in der neuen Küche zu sitzen, Rotkäppchen-Sekt zu trinken und später vor Erschöpfung vorm laufenden TV einzuschlafen. Größte Herausforderung war das Fahren des Transporters, der sich als LKW herausstellte, so das letzte Modell vor Monstertruck. Doch waren es weniger die Dimensionen des Wagens, die Probleme bereiteten, sondern die anderen Autofahrer, die in einem Wagen, der die Aufschrft ziert, die auch Robbie Williams und Rufus Wainwright gemein haben, nicht den Testo-Fahrer AngerDick vermuteten. Wäre ich so – äh – konsequent gefahren wie sonst, hätten jetzt zwei BMWs und ein Mercedes Totalschaden. R&W-Fahrzeugen die Vorfahrt zu nehmen ist offenbar ein Tidilinscher Volksspaß. Ein anderer R&W-Fahrer in einem bescheideneren Transporter, dazu noch Hipster, war jedenfalls so freundlich, mir beim Links abbiegen die Vorfahrt freiwillig zu gewähren – Räschpeckt!
Gestern dann beim Strike erfolgreich erblondet. Dieses Mal ist es wirklich Platin und es fühlt sich herrlich an (wenn man ein paar Kuren draufgeschmiert hat), aber es geht ja um das seelische Glück, endlich die Haarfarbe zu tragen, mit der man nicht einmal geboren hätte werden können. Blond ist ja eine Philosophie. Sehr gefreut auch über zwei Reviews in Fremdsprachen. Insbesondere die einer polnischen Übersetzerin, in der ich mich als Autor und mein Ashby-Häuslein als Schauerwesen perfekt beschrieben finde.
Den Bogen mit Jesus im dänischen Beitrag fand ich so entzückend, dass ich mir am Abend einen Film anschaute, obwohl Jessica Schwarz die weibliche Hauptrolle spielte. Jesus liebt mich hat mich amüsiert, ein bisschen auf Distanz, weil, das ist so bei den süddeutschen Filmen. Die sprechen eine andere Sprache. Aber ich kann ja bei Florian David Fitz nicht wegschauen. Und wenn er Jesus wäre, dann würde ich sofort wieder in die Kirche eintreten oder mich als Jünger bewerben.
99 LUFTBALLONS
Im Job Hochsaison, erträglicher Dank Pillen, anstrengend dennoch. Gestern im Ton ausgerutscht, als eine Angestellte von mir nicht die Antwort bekam, die sie wollte. Ich will ja gern alle lieb haben, aber es gibt ganz einfach batshit insane people and I don´t suffer fools gladly, wer tut das schon? Zum Ausgleich knalle ich mich mit Fiktionen zu, lesend, DVD schauend. Zwischendurch charmante Überraschungen: Kilian Kerner fühlt sich geehrt, in der Oper der Phantome zu stehen, das freut und ehrt wiederum mich. Andere feelgood-Momente, als mich Ex-Roomie fragt, rein hypothetisch, ob ich nochmal mit ihm zusammenziehen würde, spontan und aus vollem Herzen, „Ja“. Aber morgen fahr ich den Lastwagen für seinen Umzug in die alte Hood, in der ich die ersten Berlin-Jahre verbrachte.
Desweiteren habe ich alle Freunde aufgefordert, mich von nun an Gabriele Susanne zu nennen, denn wenn ich dann den Kerner heirate bin ich Nena und geh auf Tour. Oh my, plötzlich Oma – ich sag´s Ihnen, das wird was.
JOJO MEYES: THE GIRL YOU LEFT BEHIND
Knochenbrecherhöllenrittsmontag. Danach The Girl you left behind zu Ende gelesen. Das hat mich jetzt, weil fast nur in Arbeitspausen gelesen, zwei Wochen entertaint. Etwas zwiespältig, weil natürlich kitschig bis zum Abwinken. Dann mein Lieblings-Peinlich-Ansatz – fremdsprachige Zitate, in diesem Fall deutsch, falsch geschrieben. Und mich nervt auch ein bisschen diese Opferfrauenrolle bei Jojo Meyes. Vom Leben oder dem Schicksal gebeutelt, von starken Männern manipuliert. Aber ja, am Ende kriegen sie die Kurve. Aber auch nur, weil sie durch ihr konsequentes gegen den schtrongen Mann anrennen sich etwas bewiesen haben. (Macht sich in dieser Zeit jemand Intelligentes noch die Mühe?) Praktisch ist ein Erzählstrang in einem deutsch besetzten französischen Dorf während des 1. Weltkriegs angesiedelt. Da darf sie sich nicht mal richtig wehren, nur mit Großmut, ihrem edlen Stolz und Windigkeit. In der zweiten Zeitebene auch wieder ein Opfer, das dann hochfährt zur gebeutelten Furie, bevor – na ja, Sie können es sich denken. Jojo Meyes eben. Aber wenn man die Charakter-Bewertung mal außen vor lässt, großes Entertainment. Mit aktuellen Zeitbezug, geht es doch um ein Bild, bei dem es sich möglicherweise um Kriegsbeute handelt, das unsere Protagonistin nichtsahnend in ihrem Desgigner-Flat hängen hat und das sie an ihren verstorbenen Architekten-Gatten erinnert. Können Sie lesen, wenn Sie nicht grad eben vom Slutwalk kommen oder sonstwie frisch femig fühlen.
sunday at the desk with glam
Wenn von der Straße die Mariachi-Musik hochklingt ist eines klar: es ist Sonntag, 13.00 Uhr in der L-Straße. Kannste die Uhr nach stellen. In diesem Fall den Wecker. War aber auch ein langer Samstag. Im Office eingesprungen von 9 bis 14h, danach Jojo Meyes weitergelesen. Gegen Disco-nap entschieden (merke: Fehler) und das 5-Komponenten-Dinner angegangen, aus dem dann 7 wurden, wenn man Passionsfrucht als Dessert-Vorspeise und Nuss-Karamell-Käse-Tarte als Dessert-Hauptspeise mitzählt. Abende mit dem Ex-Roomie und dem wundervollen C. gehen auch nie ohne Song and Dance und mindestens ein Glas kaputt, aber dafür hab ich ja die 1-Euro-Weingläser. Ex-Roomie ist auf der Spur seiner biologischen Mum, die tatsächlich so heißt wie die im Film mit Judy Dench. Außerdem wird er Vater und zeigt mir den Ultraschall von Emil auf dem Samsung.
13h ist schon ziemlich spät, in den Tag starten, wenn´s um halb 5 schon dunkelt, aber irgendwie wollte ich noch ein Treffen mit der Lieblingsdänin unterbringen, Ex-Roomie seine Pudelmütze vorbei bringen, strammen Spaziergang machen und mich vom Samstag erholen. Wird sich schon alles sortieren. Erstmal eine Lemon Cola.
GO ASK SHAKESPEARE
Gestern ganz viel Publikumskontakt und keine Sekunde Angst vor Panik. Eine kurze Alarmglocke, dann aber der innere Kampfschrei, der die Monika wie die Petra mittlerweile erfolgreich bannt. Und wenn ich die Medikamente bis zum Ende meines Lebens nehmen muss. Und wenn das vielleicht für den Rest des Körpers nicht gesund ist. Dann leb ich halt 5 Jahre weniger, aber ohne diesen Horror, der alles in den Schatten stellt, was man sich als Horrorfilm ausdenken könnte. No fear worse than fear of fear – so ähnlich hat Marilyn das mal formuliert.
In diesem Zusammenhang AHS3 – Coven. In der vorletzten Folge stieg Kyles Mutter zu ihm ins Bett und ich bekam Schnappatmung. Murphy gelingt diese wilde Mischung aus Horrror-Genre-Klischees und dem echten Horror. Eine Mutter, der ihre Tochter zu langweilig ist. Eine, die einen Folter-Dachboden unterhält, in dem sie auch ihre Töchter entsorgt. Die Mutter im Bett des Sohnes. Emotionale Sado-Maso-Verhältnisse zwischen Arbeitgeber und Angestellten. Machtspiele, Intrigen, Ausgrenzung, Körperverletzung. Tales of Transgression. Shakespeare eben. Eine ziemliche Klaviatur, wenn man bedenkt, dass es alles mal mit dem Tod endet. Und Shakespeare hat sich das alles vielleicht ersonnen und formuliert, aber eben nicht ausgedacht.
Nochmal auf Episode 5 zurückkommend und weshalb ich Ryan Murphy liebe: die Sequenz im Krankenhaus, in der die Kamera betrunken stapft wie Fiona selbst, benebelt, und dann die Szene mit der Frau und dem toten Baby. Da sehen wir Fiona in einem anderen Licht und es sind diese Feinheiten in der Gestaltung ihres Charakters, die aus ihr mehr machen als die Disney-Hexe, die eigentlich schon toll genug ist. Ich hätte nicht gedacht, dass nach Asylum noch eine Steigerung möglich ist. Und eigentlich verdienen beide Staffeln, dass man sie einzeln betrachtet und nicht vergleicht. Asylum in ihrer absoluten Finsternis und Coven als diabolischer Joy-ride, glamorous Grand Guignol deluxe.