Mein Patenkind ist elf, also auf der Schwelle vom Mädchen zur Zicke, was man ihr Gott sei Dank noch nicht anmerkt – vielleicht schafft sie die Verwandlung zum Teenie ohne die Zickenphase. Selbst wenn – ich als Sugar-Glam bin ja derjenige, der familiäre Konflikte durch verständnisvolle Telefonate auffangen darf. Der die coolen CDs mitbringt und stylishe Accessoires für´s TV-inspirierte-generalüberholte Jugendzimmer (ein Traum in Gold und Pink, ganz in der Tradition der Mansion.) Den Generationskonflikt soll sie mit ihren Eltern ausmachen, denn ich tue einfach gleichaltrig. Was mir oft nicht schwer fällt, außer bei Lindsey Lohan, den Olsens und „Plötzlich Prinzessin“. Dachte ich. Bis gestern. Denn da war ja noch die Sendung mit Senna, zwei hässlichen Männern, langweiligen Mädchen und manchmal ist Nina Hagen auch noch dabei. Gestern, 20.15 Uhr noch der schnelle Emotionsabgleich:
„Und – für wen bist Du?“
„Für Bahra und Mandy und Ari.“
Ich denke an die Bravo-Poster der Olsen-Zwillinge im Jugendzimmer und kreische ein wenig.
„Und für wen bist Du?“
„Na Senna natürlich.“
„Boah, Senna ist voll Scheiße.“
Von wem hat sie das nur? „Na, Du spinnst wohl? Senna ist voll cool. Mega,“ fällt mir noch ein jugendlicher Ausspruch von einem der hässlichen Männer ein
„Es geht jetzt los. Ich darf nicht bis zu Ende kucken.“
(Was sind das für Eltern?) „Okay – wir reden morgen. Ich hoffe, Mandy fliegt.“
Und frage mich, wie wohl etwas wie Nina Hagen bei meinem Patenkind ankommt. Ob das für einen Olsen-Fan nicht rüberkommt wie ein Splattermovie. Was schade wäre, denn ich fand Nina seit langem mal wieder richtig richtig gut und habe ihr sogar „Somewhere over the rainbow“ mit dem Mantra „it´s the thought that counts“ verziehen.
An dieser Stelle ein Grußwort an Senna: „Schwester, Deine erste Soloplatte kauf ich. Versprochen.“
