Archiv des Autors: glamourdick

„Die Arbeit, für die alle andere Arbeit nur Vorbereitung ist.“

Bloggen, um den Wohnungsputz zu prokrastinieren. Jahresrückblick? Ein formloses Jahr, irgendwie, das rasend schnell vorbeiflog. Das dritte Jahr in Folge, das mir 12 Stunden Jessica Lange bescherte, jede Menge guter Bücher, Filme und Serien, einen stabilen Freundeskreis, ein bisschen weniger Drama als sonst – so ist das mit den Pillen eben. So gut wie ohne Panik, nicht ohne Angst, aber wer hat die nicht? (Vielleicht etwas weniger extrem ausgeprägt.) Gefeiert wird heute im kleinen Preis, bei zwei der bestesten Menschen überhaupt – Ex-Roomie und dem C. Im Dinner-Jacket, das so nicht etwa auf ein neues Autorenfoto warten muss.

Die Saison bestens verkraftet, aber nu is auch gut und es kann gern ein bisschen ruhiger werden. Vorsätze? Keine. Pläne. Zunächst für Teil 3 weiter recherchieren. Vielleicht mal wieder reisen. Die Wertschätzung gegenüber dem, was in meinem Leben gut ist, aufrecht erhalten. To love and to be loved. Wie Rilke schrieb: Es ist ein erhabener Anlaß für den einzelnen, zu reifen, in sich etwas zu werden, Welt zu werden, Welt zu werden für sich um eines anderen willen, es ist ein großer, unbescheidener Anspruch an ihn, etwas, was ihn auserwählt und zu Weitem beruft. In diesem Sinne – Alles Gute für 2014! Lieben Sie und lassen Sie (sich) lieben! Und jetzt Wohnung putzen!

EDWARD

„Nothing is known of P.’s life; he has appropriately been described as „elusive.““ Schreibt Wikipedia. Nicht über ihn, meinen Edward, sondern seinen Namensbruder, wegen dem ich ihn nicht gegoogelt bekomme. Immer wenn ich „Edward P.“ eingebe kommt da der zurückgezogene Maler mit seinen hübschen, fein ausgeführten Stadtansichten von Venedig. Von meinem Edward gibt es im Netz keine Spur. Dabei scheint er Kontakt zu suchen – sein Foto fiel kürzlich von der Wand, gerade jetzt, während ich schreibe, singt Morrissey. Und ich habe mir nochmal die Fotos angeschaut und verstehe, warum der Mann meine erste Liebe war. Der letzte Anruf liegt ca 10 Jahre zurück. Ich saß auf dem Balkon mit dem damaligen Mitbewohner und auf einmal hatte ich Edward am Telefon, mit dem ich Jahre nicht gesprochen hatte. Er hatte sein Leben immer noch nicht so richtig auf Reihe, aber hörte sich gut an, war immer noch in der selben Beziehung wie nach dem letzten Kontakt. Ich wüsste wirklich gern, wie´s ihm geht. Ich erinnere mich an den Brief, in dem ich ihm schrieb „It´s you and me Eddie – cause every time it rains, you´re here in my head.“ Das trifft nicht mehr zu – ich kann Regen hören, ohne an ihn zu denken. Aber er bleibt in meiner Erinnerung als jemand, der es immer gut meinte und der meinen Lebensweg in Gestalt einer Yellow Brick Road gelegt hat, Stein für Stein, ich war nicht umsonst zweimal mit ihm zusammen, und das ist, neben dem Geschmack für Glitzerschmuck, das Einzige, was mich mit Liz Taylor verbindet.

27.12.13

Exakt eine Woche nonstop unter Freunden und in Familie, alles sehr schön und harmonisch. Das Bloggen hat mir nicht gefehlt, dachte ich. Was ich dann nicht an Sortierung und Strukturierung festgemacht habe, schreibend, das tobte sich gegenteilig in komplexesten Träumen aus. Vielleicht auch Spuren der Verarbeitung des Saisonstresses, so eine Art Retardwirkung, letzte Nacht meldete sich dann ein ferner Ex zu Wort, sein neuer Lover auch, der knutschte dann gleich mit zwei anderen Hipstern. Und ich fiel von einem Dach, kann mich an das Fallen nicht erinnern, ich kam aber gesund und etwas verwirrt wieder auf. Desweiteren – wenn ich so konstant in Familie eingebunden bin kommt kein einziger kreativer Gedanke. Und als meinte mein Körper, mir einen nicht sehr versteckten Hinweise zu geben – fette Erkältung. die erste des Jahres. Es wird auch die letzte bleiben.

20./21./22.12.13

Cousine vom HBF abgeholt, Spätzle-Express und Gespräche bis 3, dann gestern morgen Xmas-Shopping am Potsdamer Platze. Fertig mit Einkäufen, als der richtig hysterische Weihnachtseinkauf losgeht. Frühstück im East London. Cousine die Firma gezeigt, Kollegin mit nach Xberg gebracht. Am Heinrichplatz entzückenden Laden entdeckt (let it bleed), ein burgunderfarbenes Beanie und eine gelbe Sonnenbrille gekauft. Weiter in den Voo Store, danach Kaffee und Kuchen im Bravo Bravko, mit MS und der amerikanischen Nachbarin. Noch kurz in den entzückenden Geschenkeladen in der Ohlauer – „steht Dir gut der Schal!“ Für die Cousine und mich Armbänder gekauft, meines schon auf dem Nachhauseweg verloren, herausragendes Dinner im Ruby´s mit Getränken auf´s Haus und erstklassigem Service. Gespräche bis 2. Und jetzt mit Cousine in den Harz. Happy holidays!

HOLIDAY

Mir ist dieses Prinzip Urlaub im Winter immer etwas fremd. Ich sitze in Unterwäsche im Arbeitszimmer und bin erfreulich planlos. Milch kaufen. Putzen. Cousine vom HBF abholen. Den neuen Tom Rob Smith anfangen. Mrs Slasher anrufen und fragen, was gestern wirklich geschah. Während da ein Portal fortschritt, betrank ich mich nach einem leckeren Dinner mit Lucky und Skailight. Ich fang mal an mit Altglas entsorgen.

RUPERT EVERETT: VANISHED YEARS

Ich habe laut gelacht (Jeremy Irons beim „Naked Sunday“), ich habe geweint (Rupert in Lourdes, Ruperts Bild im Sardi´s, Alfo), die Klaviatur meiner Emotionen wurde selten so von einer Schauspieler-Biografie durchgeorgelt wie von diesem Buch. Es ist, wie der Guardian schreibt: „After reading Vanished years I didn´t just want to buy the book but kidnap its author and gallivant about town with him forever.“

Und da habe ich noch nicht einmal diese Sprache erwähnt – diese Melodie, diesen Flow, diese Komposition!

(In einem meiner allerersten tagebuchartigen scrap-books, ca Mitte der 80er, findet sich heute noch ein Portrait von ihm, noch dünn, mit nacktem Oberkörper auf rotem Samt – ich hatte mich blitzartig verliebt. Das hat sich nicht geändert, sondern, Dank Vanished Years, verstärkt. Our finest Dandy if ever there was one. Love you, Rupey!)

Buy.

GEIST IST GEIL

Fremde neue weite Welten, eine ganz neue Meta-Ebene dazu, die so viele Möglichkeiten birgt, dass ich sie vorsichtig dosieren muss. Die Möglichkeit neuer Kooperationen. Ein Sommer-Empfang bei MacG. Ein fatales Schnäppchen bei Ebay. (Geiz IST ungeil.) Wieder mal eine Wiederkehr. Gesichtserkennung-Software.

Und ich muss sofort nachschauen, ob es im Bürogeschäft burgunderfarbene Tinte für meinen Federhalter gibt. This notebook should be written in blood.

3

Gestern Abend dann, völlig unangekündigt und unsaisonal, ein Sturzbach von Ideen für Teil 3. Inmitten des größtmöglichen Jahres-Stress ein Shot, nein, eine Schuss-Attacke. Notiert, notiert, notiert – heute aus der Dusche gesprungen, um eine Szene festzuhalten. Ich weiß jetzt, wo sie sind und sein werden, jetzt wird sich noch herausstellen, wie es ihnen gerade geht und was ihnen auf persönlicher Ebene bevorsteht. Ihr neuer Auftrag steht jedenfalls fest.

S.J. Watson: „Before I go to sleep“

Wieder so durchbrochene Nächte, ich mag das ja mittlerweile. Wach sein, wenn es sonst keiner ist. Von Samstag auf Sonntag die Peter Berlin Doku nochmal angeschaut, danach Nights in Black Leather. Von Samstag auf Sonntag dann unzählige Folgen Once upon a Time – nicht richtig gut, nicht richtig schlecht, solide Familienunterhaltung.

Weitaus gehaltvoller – der Roman Before I go to sleep von S.J. Watson. Frau wacht morgens neben einem Kerl auf, den sie nicht kennt, in einem Haus, das nicht ihr eigenes ist. Der Mann klärt sie auf – er ist ihr Ehemann und sie leidet an den Folgen eines Autounfalls: einer selten Form der Amnesie. Im Schlaf wird ihr Gedächtnis wieder auf Tabula rasa gesetzt. Um einen Plan von ihrem Leben zu bekommen, beginnt sie, Tagebuch zu führen. Schlichtweg genial konzipiert und, anders als man befürchten könnte (aufgrund des Wiederholungsmoments), von geradezu rasantem Tempo, stimmungsvoll, ein wahrer page-turner, nach dem man erst mal nicht weiß, was man danach lesen soll. Aber dafür habe ich ja meine Lieblingsbuchhändlerin, die mir auch dieses Buch ans Herz gelegt hatte.