Werde wach, es ist noch dunkel und ich denke „Super, kann ich na noch ´n Stündchen schlafen“, schaue auf den Wecker, es ist 2.00 Uhr, ich hätte also noch über v i e r Stunden Schlaf. Wenn ich denn könnte. Kann ich aber nicht. Mein Herz rast. Ich rede mir ein „Ich bin aufgeregt, excited“ und nicht etwa der Panik nahe. Warum? Wegen des Riesenschritts, den ich zu tätigen mich bereit erklärt habe. Eine Bewerbung. Ein Job, der Reisen, Reden und Charismieren beinhaltet – das alles erscheint mir gerade wie der „Ernst des Lebens“, also ob die Lage in den vergangenen zwei Jahren unernst gewesen sei. Ist doch toll, rede ich mir ein. Ist nämlich eine wunderbare Firma. Und trotzdem, da hängt noch mehr dran. Anerkennen, dass es mit dem Schreiben eben nichts geworden ist. Dass die Romane, die da fertig liegen, nicht erscheinen werden und die Romane, die erschienen sind, einen fremden Namen tragen. Sich mal eben abwenden von einem Lebensziel, dem man dem Stempel „gescheitert“ aufdrückt, aber im Scheitern habe ich ja bereits Erfahrungen gesammelt, reichhaltig. You lose some, but you win some. But you lose some. Ich steck mir eine Zigarette an, an Schaf ist jetzt sowieso nicht mehr zu denken. Die letzten beiden gloriosen Pläne, die Schreibkarriere neu zu lancieren sind glorios gescheitert. Vielversprechend, enthusiastisch aufgenommen, dann abgeschmettert, bevor das erste Wort geschrieben war. Das hat mir irgendwie den Rest gegeben. Aber irgendwie auch nicht. Vielleicht erreich ich das Ziel über Umwege. Vielleicht verlauf ich mich. Vielleicht krieg ich den Job auch gar nicht. Dann hab ich all das aufgeschrieben, das Licht ausgemacht und bin eingeschlafen, kaum dass der Kopf auf dem Kissen lag.