Archiv des Autors: glamourdick

RIDE LIKE LIGHTNIN´

Um 3 aufgewacht, normalerweise schau ich dann 20 Minuten in einen Film rein und werde wieder müde, weiterschlafen, aber heute war der Film „The Place beyond the Pines“, zum ersten Mal, und statt müde wurde ich wach und wacher und nach Betrachten war an Schlaf nicht mehr zu denken. Was für ein Meisterwerk. Und ich bin immer um den rum gezippelt, weil ich vom Trailer auf etwas komplett anderes geschlossen hatte, und am End – Ryan Gosling, also schlimmstenfalls wird´s langeweilig, aber immerhin hat man was zum Kieken. But. Whoaw.

Ich mag einen Crush auf James Franco haben. Aber Ryan Gosling! Gosling! Dieser Mann ist sowas von fein und edel, dass es eine Freude ist, gleichzeitig mit ihm auf diesem Planeten zu existieren. „Pines“ ein Film, der so perfekt geschrieben und inszeniert ist, so genial besetzt – nach 2 Stunden wurde mir bewusst, dass er schon 2 Stunden läuft und ich dachte nur „bitte nicht aufhören anywhere near now“. Das herausragende an Gosling – so einen wie ihn gab es noch nicht. Man kann ihn mit niemandem vergleichen. (Man könnte, of course, aber warum?) Hach!

CAT PEOPLE

Sehr puristisch inszeniert, diese 4 Bilder umfassende Fotostrecke auf Gayromeo, und dennoch nicht ohne Effekte: bekleidet nur mit einem roten Basecap, Schlafzimmerblick, aufgeworfene Lippen, die rechte Hand am erigierten Penis, steht er breitbeinig im Bild und zack zack zack Cumshot, während im Bildhintergrund auf Foto 1 eine kleine Katze um die Ecke ins Zimmer schaut, bei 2, durch die Beine des Masturbators sichtbar, den Raum betritt, bei 3 direkt hinter ihm steht und, pünktlich zum Cumshot im Vordergrund auf Bild 4, nicht mehr sichtbar ist. „Man sagt ja jemand ist auf den Hund gekommen. Der hier auf die Katze“, konstatiert Strike und wir hätten gern auch Bild 5, 6 und 7 gesehen, Stichwort Katzenwäsche. (Wenn Sie mich lieb fragen, dann sage ich Ihnen den User-Namen.)

VOR DEM FEST

Obwohl Hischmanns Am Ende schmeißen wir mit Gold bei mir auf Anhieb in die Sparte Bücher-die-Glam-einmal-im-Jahr-lesen-wird aufgestiegen ist, muss ich sagen, dass der Leipziger Buchpreisgewinner Sasa Stanisic den Preis keineswegs zu Unrecht gewonnen hat. Vor dem Fest ist so dermaßen wunderbar – humorvoll, unsmart, schräg. Ein Kaleidoskop, in dem zuerst der Fährmann stirbt und es den Glöckner aus den Latschen haut. In dem die Sat 1-Astrologin Britta Hansen im Heimathaus auf Dauerschleife läuft und der Fuchs, bzw die Fähe, durch Wald und Feld schweift und gar erstaunliche Dinge sieht. (Sie wissen ja, dass man mich mit Füchsen immer kriegt.) Stasic hat ein feines, schillerndes Kaleidoskop geschaffen und die geeignete(n) Sprachen gefunden, die Geschichte des (fiktiven) Uckermark-Dorfes Fürstenfelde auferstehen zu lassen und plastisch zu machen. Ganz großartige Unterhaltung. Dachte ich anfangs noch, dem Buch fehle das Herz, das Hischmanns ausmacht muss ich im Verlauf revidieren. Auch Stanisic schreibt mit Herz und -vor allem- ohne die Häme, zu der sich andere Autoren hinreißen lassen würden, wenn es um ein aussterbendes Ostkaff geht. Fürstenfelde jedenfalls, wird so liebevoll beschrieben, dass man da gern mal hin möchte, zumal es da auch ein bisschen magisch zugeht.

(Ich krieg mich gar nicht drüber ein, dass es diese neue Autorengeneration gibt, die mir persönlich die Vorurteile nimmt, die ich mit Bezug auf in Deutschland prämierte Literatur hatte.)

APRIL: BERLIN CITY

Ich weiß nicht, was die ganzen Menschen im Winter machen, die jetzt an den Wochenenden aufgescheucht den Sonnenstrahlen hinterherlaufen. Sie verlassen ihre Wohnzellen offensichtlich gar nicht, man kann nur hoffen, dass sie ab und an mal lüften. Vielleicht liegt es auch an den ganzen hübschen Spaniern, dass wir auf einmal so viele sind, im Frühling in Berlin. Nach zwei Tagen Potsdamer Platz freue ich mich auf eine etwas entvölkerte Woche. Samstag war mal wieder Filmmuseum, die Licht und Schatten Ausstellung über den Film der Weimarer Republik. Eine reine Foto-Ausstellung, sehr überschaubar und enttäuschend und unvollständig. Sie gab keinen Eindruck von der Vielschichtigkeit der damaligen Produktion, das gelingt in der ständigen Ausstellung etwas besser. Zudem hätte ich mir bei vielen der Motive eine vergrößerte Darstellung gewünscht. Das sind teilweise so wunderbar durchkomponierte Stills oder Tableaus, dass man sie einfach größer und deutlicher sehen muss. Ein Großteil des Gezeigten war auch aus der einschlägigen Literatur bekannt, keine Überraschungen also.
Am Sonntag dann endlich August: Osage County und wieder einmal das Vorzeige-Erlebnis, warum ich Kinos hasse. Außer mir eine Person im Saal zunächst, aber diese hat es sich mit einer Riesentonne Popcorn bequem gemacht. Ist ja auch herrliches Popcorn-Kino, wenn Julia Roberts Meryl Streep an die Gurgel geht. Ein weiterer Popcornfresser setze sich dann direkt hinter mich, ich hatte so ein bisschen Mordlust und setzte mich dann um. Den Film so unter Adrenalin zu sehen war ein Erlebnis für sich, dem Geschehen auf der Leinwand absolut angemessen. Die furiose Hassliebe innerhalb einer „ganz normalen“ Familie ist so klaustrophobisch inszeniert, dass man aufatmet, wann immer die Kamera das stickige, düster möblierte Haus verlässt. Jede einzige Figur ist treffend besetzt, ein großartiges Ensemble-Erlebnis. Defintiv kein badtime/ feelgood-Erlebnis, sondern eine düstere, hämische Abhandlung über Familienbande. Quasi so, wie Familien nun mal sind. Als ich nach dem Kino eine Zigarette drehen wollte, musste ich den Versuch aufgeben, da meine Hände so zitterten. Ja, das kann Hollywood-Kino also doch auch – neben 3D und CGI-Bustern – Verstören, allein mit adäquat erzählten Geschichten.

THANK YOU FOR THE MUSIC or CAN YOU TELL IT TO YOUR HEART? or WHAT WOULD WE DO WITHOUT YOU?!

Gerade reizendes Thank-you-Video von Steve Grand erhalten, in dem er sich für den Beitrag zum Crowd-Funding seiner Platte bedankt. Er ist ja mittlerweile Facebook-Legende, und ich freue mich auf sein Album und ein signiertes Foto, das für mich den Wandel der Musikindustrie, in der ich zehn Jahre verbrachte, markiert.
Im Hintergrund singen Wale und „The Kick inside“ startet. Das erste Album einer ganz anderen Selbststarterin, die noch immer die Fäden in der Hand hält. Kate singt, wir kommen. Keine Frage. KEINE. Und über´s Kate-googeln bin ich auf ihn gestoßen – Rod Thomas, aka Bright Light Bright Light. Sein Cover von Kates „Love and Anger“ hat mich sofort bewegt, sein erstes Album tut das seit einer Woche mehr und mehr. Ich las gestern, zum zehnjährigen Jubiläum zum ungefähr zehnten Mal Eleanor Rigby von Coupland und es ist nach wie vor das schönste Buch, das ich je gelesen habe, und das sind viele viele Bücher, und viele schöne, aber Eleanor ist und bleibt DAS Buch. Obwohl ich Jeremy nicht für den schönsten Jungs-Namen halte, mein Rasmus hätte ihn als Drittnamen im Pass. Rasmus Karl Jeremy. Musikalisch unterlegt mit Bright Light Bright Light, der Piano-Version, war es ein cry-athon, aber ein schöner. Ich mag auch die Synthie-Disco-Variante von „Make me believe in Hope“, das eigentliche Album, aber die ausgezogene Fassung ist in ihrer Nacktheit so unglaublich berührend und alles andere als roh. Sublim. Well, das kommt davon wenn man Kate bush googelt. Blumen am Wegesrand, wunderschöne Blumen. Rod macht seine Karriere, anders als Steve Grand, altmodisch. Er gigt. Ohne Crowdfunding. Und ohne den amerikanischen Bohai, der Steve gegönnt sei. Es ist Platz für beide. Und mehrere von der Sorte, denn sie singen, sie komponieren, sie dichten – sie sind das Gegenbeispiel der singenden TV-Retorten-Torten. Sie haben was Kate hatte (hat) – eine Vision, Musikalität, den Drive, mit diesen beiden Fähigkeiten zu kommunizieren. Steve schickt eine Video-Botschaft, Rod bedankt sich auf Facebook dafür, dass ich seine Platten gekauft habe. Und deutet an, dass ein Gastspiel in Berlin anstehen könnte. Rod singt, ich komme. keine Frage. KEINE. Eben mal so hat er sich Sir Elton rangeholt:

Und, ohne ChiChi, mitsamt verstimmtem Klavier:

Was ich an meinem Leben gerade liebe ist, dass es all diesen wunderbaren Überraschungen gibt, Kate Steve Rod, vier Staffeln TV mit Jessica Lange. So viele Sachen, auf die man sich vorfreuen kann, ein kulturelles Jahr, in dem es sich aushalten lässt.

Hier nochmal, damit sie begreifen, was ich mit Steve meine:

Mein persönlicher Kickstarter für Rod:

Das ganze mit Glitzer:

THERE IS THUNDER IN OUR HEARTS oder WHAT IT FEELS LIKE FOR A BUSHIE

Übellauning aufgewacht, weil die letzte Nachricht des Vortages komplett kacke war. Die Ashby House Gratis-Ebook-Aktion, die für zwei Monate geplant war, für die ich monatelang Überzeugungsarbeit leisten musste – „Wir als Verlag verkaufen Bücher, wir verschenken sie nicht!“ – diese Aktion also sei nicht rückgängig zu machen. Irgendwas mit Buchpreisbindung. Ich hatte keine Energie mehr, die Mail zu beantworten, hab sie nur mit der Bemerkung „Ich. Fass. Es. Nicht.“ an Herrn Strike und die wunderbare Agentin weitergeleitet.

Mit diesem Gefühl, irgendwie zerquetscht zu werden, Tee gekocht, Mails gecheckt, Spiegel online, ImdB, Facebook – und dann lese ich Worte in einer Zusammenstellung, auf die ich nicht vorbereitet war. In Kürze: Kate. Bush. Live. Nicht etwa, als wenn einem der Teppich unter dem Boden weggezogen wird, nein, weggerissen, so dass man den Boden unter den Füßen verliert, dann rast der Teppich wieder heran und schleudert einen weit fort und man fliegt und gleitet und während man so durchs All prescht saugt man sich die bestätigenden Daten aus dem Netz. Guardian, Rolling Stone, BBC, alle schreiben´s, Kates Website ist down wegen der Anzahl von Zugriffen, aber es stimmt, schwarz auf weiß und in Farbe. „Will I see you in London?“ And if I need to lie, steal cheat or kill you will. As Scarlett O´Hara as my witness!

Die Euphorie wird überschattet. Wie an Tickets kommen? 45.000 Plätze binnen 15 Tagen. Aber Kate live, das ist eine Sensation, wirklich jeder Fan wird da eine Reise um die Welt in Kauf nehmen. Strike und ich sind ganz aufgeregt, aber sowas erlebt man einfach nicht, das ist, wie wenn Marilyn und Diana in einem Uboot vorfahren und sagen, dass sie einfach mal neu Auszeit in Atlantis gebraucht haben. Unterbrochen werden die Sorgen von Posts auf Twitter, Facebook, dem Blog; wenn man es festhält, dann wird es sicher, dann kann´s kein Irrtum sein. Eine Twitter-Meldung – die Fish People, Kates Label, folgen mir, Neo_Barock. Am Spätnachmittag checke ich Mails und kreische. KateBush.com teilt mir mit, dass ich als Newsletter-Abonnent herzlich eingeladen bin, zwei Tage vor offiziellem Buchungstag Karten zu kaufen. Damit Schwarzmärktler nicht in Ekstase geraten – wir reden hier nicht von einem Welt-Event, sondern von einem universell-kulturellen-Wunder-Tsunami – ist die Ticket-Anzahl auf 4 beschränkt und der Käufer muss sich beim Betreten des Venues ausweisen. Sogar daran hat sie gedacht! Und dass sie keine Fantasy-Preise für die Karten berechnet ist auch wieder so 200% Kate Bush.

„It´s a once-in-a-liftetime, da hätte ich auch Streisand-Preise gezahlt!“ sag ich zum Strike. Und der Antwortet das einzig richtige „Und damit wir nicht den Abend heulend und um Fassung ringend anwesend verpassen – buchen wir zwei Abende.“

Und so, wenn der Eventim-Server am Mittwoch nicht zusammenbricht – machen der Strike und ich eine Spätsommer-Wallfahrt. Zu der einzigartigen Person, die uns seit 36 Jahren immer wieder Freude geschenkt hat. Uns zum Grübeln gebracht und Trauerarbeit geschützt hat. Die ein eigenes Universum geschaffen hat, abgespaltet und dennoch gefüttert von den selben Realitäten in denen wir über die Jahre gelebt haben, eine Ebene, auf der wir Verehrer dieser Ausnahme-Künstlerin andocken, an die Hand genommen werden, und für die Dauer eines Albums und noch weit darüber hinaus genau da sind, wo unsere Seele hingehört. Wenn man Kate liebt, dann ist das so. Und deshalb wird es am Mittwoch spannend. Wish us luck!