So mitten in der Woche einen Tag frei zu haben ist ja mal auch was, wenn die Sonne fein auf die Terrasse scheint und ein lauer Wind die Berliner Luft mit Gardenienduft veredelt. Das Telefon ist seit ein paar Tagen tot, weshalb mich nur die dringendsten Anrufe mobil erreichen, so dass ich mich ganz auf Harry 7 konzentrieren kann.
Dann wartet das Buch aber wieder mit soviel emotionalen Höhepunkten auf, dass ich immer wieder abbrechen muss. So komme ich dazu, in einer Lesepause ein Buchprojekt zu pitchen, das bei meiner Agentur auf spontane Gegenliebe stößt (lang ist´s her…). Zur Belohnung schaue ich mir Pornofilme im Internet an und gerate in eine dieser Pornoschleife, wo man tags eingibt und sich ganz neue Netz-Welten erschließen. Als es mir dann gelingt, mich loszureißen, mache ich Bauchmuskelübungen (Brust + Arme waren gestern schon dran), weil das Betrachten schöner Körper bei mir ja mitunter Frustration auslöst, die ich nur durch disziplinierte Arbeit am eigenen Körper in den Griff bekomme. Und dann wieder ein bisschen Harry, und schon wieder passiert ein Klopper, und dann wieder ein bisschen Lesepause mit Pornoschleife. So habe ich den ganzen Tag zu tun. Und als ich heute morgen aufstehe und durch die Wohnung spaziere frage ich mich, was da so komisch riecht. Nicht wirklich fies, aber irgendwie – – – durchdringend, tierisch, so moschusartig und dann fällt mir auf, dass ich gestern so beschäftigt war, dass ich es vergessen habe, zu duschen.
Archiv des Autors: glamourdick
KENTUCKY FRIED PUPPIES oder BURPS, I ATE IT AGAIN
Was mir gerade beim Intouch-Durchblättern aufgefallen ist: ca 6 relativ aktuelle Britney-Fotos mit sechs unterschiedlichen Welpen, die sie in ihrer klammen Hand mit sich führt. Alle griffig und klein und irgendwie yucky. So kleine Quiteschhündchen eben, kanalrattengroß und zittrig. Werden die angemietet und dann wieder im Laden abgeliefert? An einer Raststätte ausgesetzt? Oder? Oder??
Crazy? Batshit-insane.
HOW TO PIMP YOUR LIEBLINGSTRENDOBJEKT
Gehen Sie mal heute spätnachmittags frühabends auf die Schlesische Straße und werden sie Zeuge der neuesten Berliner Coolness. Ob Penner, Punk oder Unversal-Praktikant, ein Requisit ist in diesem Sommer unverzichtbar: die Bierpulle in der rechten, besonders gewagt auch in der linken Hand.
Die maskulin geprägte Unisex-Bierpulle hat sich allen anderen Mitbewerbern gegenüber durchgesetzt. Bierpullen, in denen sich Bier befindet, das mit Zitronenlimo, Drachenfrüchten oder auch Sun gepanscht wurde, ist entschieden unhip. Die Pulle sollte braun sein, der Inhalt nach Möglichkeit aus dem Osten.

Als Style-Freak, der mittlerweile wie die anderen jungen Männer die Feinripp-Unterhemden seines Vaters in der Öffentlichkeit trägt, habe ich mir natürlich überlegt, wie man diesen Look dahingehend verfeinern kann, dass das uniformische dezent in den Hintergrund gedrängt wird und so habe ich den „Bierpod“ entwickelt: ein formschönes gusseisernes Trageobjekt mit Rattanbett und Bastpaspelierung, in dem die Bierpulle sicher ruht. Über einen Wasserschlauch verbunden, braucht man die Pulle gar nicht mehr aus dem Pod nehmen, um zu trinken. Der Bierpod ist äußerst variabel und trägt neben Bierpullen auch Champagnerflaschen und selbst die großen anderthalb-Liter-Flaschen Coke Lemon light. Ordern Sie Ihren Bierpod jetzt! Insbesondere wenn Sie später noch in die Schlesische müssen!

GLAM SURFT TWODAY
Auf der Suche nach Lebensfreude bei twoday.net-Bloggern habe ich mich heute von der Frontpage bis hinten in den Bereich, wo Blogs gelistet sind, die seit mehr als ca 14 Tagen keine neuen Beiträge veröffentlicht haben durchgezappt. So paarhundert Blogs. 4 (VIER) davon haben mich interessiert. Der Rest behandelt Themen wie Kochen, Stricken, mein Mann hat die Wäsche nicht aufgehangen, habe der Katze die Augen mit Kamillentee gewaschen und heute is alles Scheiße, Schule war heute Scheiße, Job war heute Scheiße (manchmal auch Scheisse mit ss), Chef war heute Obersau. Interessanter sind da schon die Urlaubstagebücher für die Daheimgebliebenen oder die ganz kryptischen Blogs, für die man eine Anleitung oder einen Hirntumor bräuchte. Ganz besonders enttäuschend: die sich als erotisch verstehenden Blogs. Selten so gegähnt.
Das, was ich für die Blogs auf meiner Roll bezeichnend finde (ansprechender Stil, aussagekräftiger Inhalt, Echtheit), habe ich kaum entdeckt. In den nächsten Tagen nehme ich mir mal die anderen Anbieter vor, denn die Blogroll braucht ein wenig Frischblut, nachdem ich sie auf den aktuellen Stand gebracht habe. Stay tuned.
LET THE SUNSHINE IN VERDAMMT NOCHMAL
Nach Shortbus und Rocky Horror Picture Show jetzt heute gerade Hair auf Arte.
Und es wird hoffentlich IMMER Menschen geben, die an joie de vivre glauben. Und an Liebe. Und man muss mal nicht so mäkelig sein, sondern die Kanäle öffnen, die Grenzen erweitern, dann kann man die (innere) Prinzessin, die nie lacht, erheitern. Ich mag gerade keine Weinerlichkeit. Ich führe ab heute den Amüsierzwang ein. Amüsiert Euch, verdammt nochmal. Ihr seid verpflichtet. Alle! Habt Spaß!
SPLITTER UND BALKEN
Ein Feng Shui Master würde angesichts der ganzen Balken in meiner Wohnung überhaupt keine Verwunderung äußern über die Maßstäbe, die ich anlege.
Das erklärt aber nicht den wirklich surrealen Traum letzte Nacht, in dem ich Lehrer an einem Heim für blinde Nonnen werden sollte, und die Schulleiterin war eine echte Mrs. Appleyard. Schon während des Vorstellungsgesprächs krachte es heftig zwischen uns und trotzdem war ich wild entschlossen, blinden Nonnen das Leben etwas zu glamourieren. (Bei ausreichender Bezahlung selbstverständlich.) „Man sieht nur mit dem Herzen gut“ oder so, sagte Exupéry und ahnte ja nicht, dass er damit eine Lawine lostreten würde und dass tausende Homosexuelle in Partnerportalen weltweit diesen Satz als Headlne missbrauchen würden, obwohl sie plakativer formulieren könnten „Ficke auch Hässliche“. Nonnen hingegen, noch dazu ohne Augenlicht, bleibt Gottvertrauen und eine Religion, die ja wohl auch nicht gerade auf Glamour verzichtet, wenn auch eher im männlichen Segment der Firma. Wenn ich´s recht überdenke… Die arbeiten mit Pomp. Nicht mit Glamour. Und wenn ich jetzt ganz ganz ehrlich mit mir selber bin muss ich sagen, dass Nonnen und ich nur eines gemein haben, dass wir Jesus ansehnlich finden. Aber da hört´s auch schon auf.
OPEN LETTER TO LINDSAY LOHAN
OVER AT THE GLAMOURDICK PLACE oder ODE AN FRAU T.
Es gibt ja Schlechtwettertage, auf die man sich freut, weil man lange nicht mehr Fernsehen im Bett mit dem besten Freund gemacht hat. Gestern zum Beispiel. Der einzige Grund, das Bett zu verlassen war ein Snickers-Jieper. Und so schaut man sich durch Film um Film, Shortbus, Breakfast on Pluto, irgendein bizarres verfilmtes Theaterstück über einen Mann, der… ich spar mir das, der Film war blöd und dann Red Eye, weil man Cillian Murphy nochmal ohne Schminke sehen möchte und dann, als man eigentlich schon ganz filmsatt ist, stolpert die Fernbedienung über den Shortbus der 70er. Die Rocky Horror Picture Show, die doch tatsächlich die gleiche Message hat wie der aktuelle Lieblingsfilm und Erinnerungen werden wach, an eine Zeit, als der Dick doch tatsächlich singend (was zumindest eine kleine Gruppe von Menschen jetzt sehr erstaunen wird) und tanzend und bucklig auf einer Bühne stand. And it was a pleasure being Riff Raff, obwohl sie mich eigentlich für Frank wollten. Wo der doch aber nachher gar nicht mehr die Macht hat. So ne Rolle braucht man mir erst gar nicht anbieten. Mit 18 in der Schulaula zu stehen, in Stockings und mit einer Laserpistole (gefertigt aus einem Fön), und dann auch noch Applaus zu bekommen, das hatte was. Und meine Werte und Normen-Lehrerin, Frau T., verfasste dann eine glühende Kritik für die Lokalzeitung, hob insbesondere meine Leistung hervor (sehr zum Ärger der kleinen Regie-Schlampe, deren Anweisungen ich zugunsten eines Höheren Plans zu ignorieren pflegte) und als ich meine letzte Stunde bei Frau T. hatte, da schenkte sie mir eine kleine Öl-Lampe, sehr geschmackvoll, in Form eines Quaders und einer Kugel, da ich im Verlauf meiner Werte-und-Normen-Karriere immer den Punkt auf´s I gesetzt und ein Licht in ihren Unterricht getragen habe. In jeder Stunde. In jedem anderen Fach und von jeder anderen Lehrerin wäre das peinlich gewesen, aber Frau T. und ich waren uns oft einig. Sie war einmal als Waldfee zum Fasching gegangen. Glamour gibt es auch an den miesesten Gymnasien Niedersachsens. Frau T. hat mich geprägt. Aber ich sie auch. Rar, so ein tiptoppes Schüler-Lehrer-Gespann.
ROTZKE UND CO*
Man ist mit A und B zum Essen verabredet. Und, weil mehr Menschen mehr Buchstaben machen, fällt einem ein, B zu bitten, doch mal bei C anzufragen ob der nicht auch Appetit auf Pizza hat. Und nachher sitzt man mit A bei Rocco und seinen Brüdern und fragt sie (die A, nicht die Brüder), wo B bleibt.
„Ach, der hat bei C angerufen und der hat heute ein Essen, weil D doch gerade in der Stadt ist, und jetzt ist er da hin.“
* Title courtesy of Augusta. Ja, jetzt schieb ich schon meine Sitznachbarn vor.
URBANE ANONYMITÄT
Und während ich gerade erzähle, dass, wenn ich aus dem Haus gehe um, sagen wir mal Wasserenthärter für die Waschmaschine zu kaufen, und zu Fuß gehe und dann wieder zu Hause ankommen, dass ich auf dem Weg vermutlich mit 5 bis 10 Leute ins Gespräch gekommen sein werde, denn es ist Kiez und die Nachbarn brauchen auch dann und wann was von Schlecker oder dem Bäcker oder dem Buchladen usw., da sagt jemand „Hey Du“ und ich kucke und erkenne zurück und sage „Na Dich hab ich aber auch noch nie im Freien gesehen“, handelt es sich doch um den manchmal im Lieblingsweinladen arbeitenden Herrn, mit dem ich mich schon öfters über das Fach „Werte und Normen“ im niedersäschischen Schulsystem der 80er Jahre unterhalten habe.
Einige Stunden später ein Barmann, der mir ein „I think I know you, but I just can´t place you“ abringt. Ich kenne sogar seinen Penis im erigierten Zustand. Aber dann doch nur von den blaune Seiten.
Der nächste Barmann, der mit dem wohl schönsten Arsch der Stadt (er macht all diese Step-Kurse), hat sich durch den Satz „Ich kenne Dich doch. Ich hab Dich doch schon auf der Bühne gesehen“ in meine Sympathiewelt katapultiert. (Er war Gast bei meiner Lesung.) Und er macht immer so faire Getränkepreise, er entwickelt die selbst, glaube ich.
Und erst im letzten der angesteuerten Läden gelingt es mir, einen wirklich Fremden zu treffen und mich bei ihm erinnerungstechnisch zu verankern durch den vermutlich besten Blowjob*, den er in diesem Monat gehabt haben wird. Mit den Lippen, der Zunge und dem gesamten Mundraum kann man nämlich viel spannendere Sachen machen als Podcasts, vor allem, wenn man sich eh gerade die Stimme weggesungen hat.
*Ich stelle mir tatsächlich als Grabinschrift sowas vor wie „Glam blies erstklassig“ odet „deluxe sucker“. Oder vielleicht auch, schlicht, „Glam sucks“ und darunter die Handynummer. Geburtsdaten sind eh von gestern.