Archiv des Autors: glamourdick

Scripted REALITY

Im Lesetempo durch eine Liebegeschichte und eine Rache-Komödie. Zumindest die Liebesgeschichte habe ich in Echtzeit erlebt, die Rache-Geschichte ist das Buch selbst (und nicht an der zweiten Großen Liebe meines Lebens, so einfach mach ich es mir nicht.).

Der junge Mann, der da so weit weg ist fragt interessiert nach den Skeletten in meinem Keller, die machen ihm keine Angst. Wie wohltuend, weil ich wähhrendessen redigiere. Nicht nur das Buch, denke ich. Ich überrasche mich, dass ich damals gedacht hatte, dass die Liebe gegen die Angst hilft. Nö. Vergessen hatte ich, dass der Mann damals schon einen ziemlich guten Rat hatte.

Leseprobe.

»Hast du mal überlegt, wie ich mich fühle, wenn ich merke, wie unwohl du dich fühlst? Wieso kannst du die Sachen nicht leichter nehmen?«
»Meine Ängste sind also albern?«
»Natürlich ist es albern, wenn du in einer Schlange im Supermarkt Angst bekommst. Wovor, frag ich dich? Dass die Kassiererin dich verprügelt? Komm runter, Tim.«
»Runterkommen? Glaubst du, dass das so einfach ist? Ich weiß, dass es irrational ist, aber eine Panikattacke ist dann plötzlich sehr real. Wenn ich Kontrolle über meinen Körper verliere und weiß, das ist unaufhaltbar, das wird sich ne halbe Stunde hinziehen. Irgendwie logisch, dass ich mich nicht drum reiße, mich in Schlangen zu stellen oder in Menschenansammlungen.« Ich bin überrascht über die Lautstärke meiner Stimme.
»Glaubst du, dass es von selbst weggeht? Unternimm was.«
Ich brauche eine Weile, bis ich eine Antwort finde, die mir nicht total verlogen vorkommt. »Ich dachte, das tue ich gerade.«

Titel des Projekts – siehe oben.

up up – on the roof!

Abgesehen davon, dass ich um 16h jeden Tag einen Durchhänger habe, wegen Erschöpfung, – die Struktur, jeden Morgen am Buch zu arbeiten tut sehr gut. Dabei eine Zeitreise 15 Jahre zurück zu unternehmen macht mich ein bisschen wehmütig. Aber nur ein bisschen. Ich bereise eine Liebesgeschichte, die tatsächlich eine große war. Möchte mein Ich-vor-15-Jahren dabei manchmal in den Arm nehmen. Erlebe Ereignisse nach, die ich vergessen glaubte, die nun plötzlich ganz ganz plastisch vor mir stehen. Sehe auch, wie sich in den Jahren eine lästige und das Leben schwer machende Phobie über eine generalisierte Angststörung verwachsen hat, mit der Panikstörung ihren Höhepunkt erreicht hat. Ganz linear. Und da ich nie eine richtige Form für mein Anliegen gefunden habe, den Leuten zu erklären, was Ausgrenzung und Mobbing in der Kindheit mit Menschen machen kann, dann ist es jetzt eben die Romanform. Am Beispiel dieser (Liebes)Geschichte habe ich erfahren, wie schwer Liebe und eine Angst, aus der man sich nicht befreit, kompatibel sind. Das ist ein Buch, das ich vor 15 so noch nicht hätte schreiben können, ich musste erst die Panikstörung erleben. Kein (Dach-)Schaden so groß, als dass sich nicht doch noch ein Nutzen daraus ziehen ließe.

YES, YOU ARE.

Nach I am love nun endgültig Tildaddicted. Was für eine edle, starke Schönheit. Wer war noch die Bloggerin, der sie in Spanien auf dem Fahrrad begegnet war und sich ihrer angenommen hat, weil sie wegen des Todes einer Angehörigen aufgelöst war? So hab ich sie nämlich immer im Hinterkopf. Und natürlich mit der Flagge auf dem Roten Platz. Und die Rede für Bowie. Und da haben wir noch nicht einmal über ihre Schauspielkunst gesprochen! Tilda Swinton. Ein Einhorn in dieser Welt. Und Io sone l´amore eine opulente Pracht, dabei ganz kag und schlicht. Schwer vorstellbar? Ja. Und deshalb. Ein Wunder.

RISE

Am Samstag auf alles, was Mühe macht, verzichtet. Stattdessen im Blütenmeer gesessen und geschrieben, nur einmal die Treppe runter, um Cola und Wein aus dem Auto zu holen. Hemlock Grove zu Ende geschaut, it´s a bit of a bastard, still I love it, besonders Shelley hat es mir angetan, hier hat die Verfilmung etwas großartiges geleistet – einen völlig abstrakt konzipierten Charakter mit Leben und Seele zu füllen, mir brach ein paar Mal das Herz. Dies tat es ein weiteres Mal, als ich nach einem klassischen Glam-Nap um 1.00 Uhr morgens wach wurde, um zu erfahren, dass Russland und die anderen gay-haters kiloweise Wurscht fressen mussten. AUR Conchita won the fucking ridiculous but extremely televised Song Contest. Ick freumer!

CULTURECLASHING MIT GLAM

Dass er immer das Richtige sagt, macht es noch bekloppter, dass er 1200 km entfernt lebt. Seine Intelligenz, seine Empathie, seine sexuellen Vorstellungen weitestgehend mit meinen kompatibel. Gestern hatten wir das erste Mal eine Kontroverse. Einen Standpunkt, den wir so gar nicht teilten, aber dennoch konnte ich seinen nachvollziehen – vor dem Hintergrund, dass er immerhin einen Krieg miterlebt hat, inkl. Hunger und Armut. Glücklicherweise konnten wir beide konstatieren, dass es überhaupt nicht erforderlich ist, dass wir immer einer Meinung sein müssen. Auch bei den Geschmäckern gibt es Unterschiede. Schnelle Autos, Mountainbiking und Waffen zählen einfach nicht zu meinen Hobbies, aber diese seien ihm zugestanden.

2nd chances oder Maybe this time

Den Großteil vom Sonntag mit einem charmanten Internetflirt verbracht. Wir haben uns Bowie-Zitate um die Ohren gehauen, sprichwörtlich über Gott und die Welt geredet. Hochintelligent, sexy, aber mit dem Facepic wollte er nicht rauskommen, so dass ich ihn nach ein paar Stunden für einen Fake hielt. (Man macht das ja nicht zum ersten oder zweiten Mal mit…)

Gestern dann schickt er mir einen Link auf eine Datei, die ich als gebranntes Kind mich zu öffnen weigerte. Heute dann „Aber vielleicht öffnest du ja Youtube-Clips?“ Und da sitzt er rauchend auf einem Sofa, es läuft Placebo-ähnliche Musik. Nach ein paar Minuten hält er ein Blatt Papier mit seinem Namen in die Kamera. Dreht es um, da steht mein Name. Dann faltet er das Blatt, zerknüllt es und wirft es in Richtung Kamera. Clip-Ende. Sein Kopf war allerdings im Clip immer noch nicht zu sehen.

„Was das Blatt angeht – die Symbolik erschließt sich ja sehr einfach.“
„Na ja. Sorry. Das hab ich für´s Drama gemacht. Die Zigarette auch. Ich rauche ja gar nicht.“

Ich denk mir, na ja – er hat sich ja ziemliche Mühe gemacht, und so setzen wir das Gespräch fort und irgendwann wage ich noch einmal nach seinem Gesicht zu fragen. Und er schickt es*. Und so WOW! To be continued.

Am Montag versehentlich doppelte Menge der Medikamente genommen. Ich war wie unter Wasser und arbeitsunfähig. Wie ich in dem Zustand zweimal im Auto durch Kreuzberg fahren konnte – Angels. Am Dienstag dann, mit normaler Medikation, wollte sich der Effekt der Pillen nicht einstellen. Hardcore-Monika, und auch in diesem Zustand Arbeitsunfähigkeit. Zu Hause, wo ich mich die meiste Zeit sicher fühle, Seelenstreicheln mit „Beautiful Runs“ und Beschäftigung mit Gedanken, die mit dem ganzen Angst-Komplex nichts zu tun haben. Das Unangenehme ist ja, dass man nicht nur mit der Panik zu tun hat, sondern vielmehr, dass man vom Thema Angst komplett vereinnahmt wird. Man schmeißt Zeit aus dem Fenster, die man darauf verwendet, zu überlegen, wann es wieder passieren wird.

Eine gewisse Verunsicherung ist auch heute vorhanden, aber die Methodik ist klar – face it, fuck it. Camp Fear yay ya yay.

*Die Zögerlichkeit mit dem Foto erklärte sich nationalitätsbedingt. Da, wo er (noch) lebt, ist es ziemlich homophob. Als er damit herausrückt, dass er wieder in seiner Heimat ist, macht er einen Vorschlag: „Wir können ja jetzt also weiter machen, der nächste Schritt, uns treffen, Sex haben, uns lieben, Streit haben, uns trennen, uns unglücklich machen oder es als eine bittersüße Episode abbuchen und uns niemals wieder sehen. Was denkst Du?“
„Und auf all das Drama verzichten??“
„Schön. So seh ich das auch.“

J. or GRACE.

Ein Jahr ist es her. Und ich muss noch immer lächeln, wenn ich an ihn denke/ von ihm höre/ lese. Das schöne Leben, das man im Herzen der anderen lebt. That´s to live for. Und, ja, tapfer lieben!

(Überlegen Sie mal, dass die Kapazität Ihrer Liebe ziemlich unerschöpflich ist. Und Sie geizen damit? Arschloch.)

TAPFER LIEBEN

Marilyn ist mir so präsent, dass ich vergessen habe, mir mal wieder einen Film mit ihr anzuschauen. Gestern Nacht dann gleich drei. Und berührt, bewegt, amüsiert, gecharmed, wie schon mit 6, als ich „Gentlemen prefer Blondes“ zum ersten Mal sah. Auch wenn „Gentlemen“ und „Millionaire“ gnadenlos staubig sind, „Bus Stop“ auf eine seltsame Art neu interessant – Marilyn darin ist ein zeitloses Wunder. Wunder. Ich sag es nochmal. Wunder. Es gibt keine vergleichbare Schauspielerin. Sie spricht direkt zum Kind in mir. Mir war nie klar, was ihr Sex-Appeal war – bei mir als Kind (und heute noch) – dockte sie als Verschworene an, als Gleichgesinnte, Sexualität spielte keine Rolle. Marilyn betrachten ist wie Kate Bush hören. Der Seele wird die schönstmögliche Stimme verliehen. Kate und Marilyn gehören zusammen, sie sind eine Geheimsprache, ein Code, mit dessem Chiffre man die Welt anders sieht, auch wenn das ein verschönender Code ist und die Welt den gar nicht verdient. Wenn man ihn hat, dann wird alles etwas erträglicher. Es spielt eine Rolle, dass ich in eine Zeit geboren bin, in der die beiden relevant sind und bleiben. Diesbezüglich ein Dank ans Universum. Beauty. Freedom. Truth. Love. (Danke, Baz Luhrmann.) (Und während ich dies schreibe – die Jessica Lange Playlist.)

32.000 (legale) Gratis-Ebooks „Ashby House“

32.000 ist schon mal ein ziemlicher Klopper. Dass die Gratis-Ebook-Aktion was bringt hatte ich schon anhand der Amazon-reviews bemerkt. Da waren kontinuierlich Neuzugänge bei den Besprechungen. Demnach sind Ebook-Leser knapper in ihrer Bewertung und ich durfte den Menschen-Typ entdecken, der sich etwas gratis lädt, um sich dann darüber zu beschweren, dass man ihm seine Zeit gestohlen habe. Man muss auch wieder von Leserschaft sprechen – von Käuferschicht kann jedenfalls nicht mehr die Rede sein, wenn der Geldfluss bei 0,00 Euro liegt. Rückwirkungen auf den Umsatz der Oper gab es keine. Die digitale Leserschaft ist zu 99 geschätzten Prozent Gratis-Leser.

Trotz dieser schönen Zahl – es ist frustrierend – mitten in der Recherche für ein Projekt, das einen anderthalb bis zwei Jahre beschäftigen wird, zu begreifen, dass die Arbeit in keinem Verhältnis zum Honorar mehr steht, und dass in der Gesellschaft kein Bewusstsein mehr vorhanden ist, dass Arbeit eigentlich honoriert wird, schnöde: bezahlt. Da vergeht einem der notwendige Idealismus, der einem die Kraft gibt, sich diese Arbeit (neben dem anderen Job) aufzuhalsen.