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AUS DER LANGE NICHT MEHR STRAPAZIERTEN RUBRIK „MOVIES FROM HELL“: OUI, JE REGRETTE LES DEUX HEURES AVEC LE FILM PIAF

Das Fazit von „La vie en Rose“ – ich kann jetzt eine ziemlich lustige Piaf-Parodie machen. Man muss den Kopf auf Brusthöhe senken, also so laufen, als ob man mit dem Scheitel sieht. Dann die Schultern senken, ganz stark zittern, aber immer noch behaupten, dass man nichts bereue, am Besten singend in französischer Sprache. (Für Perfektionisten – eine Perücke aus Pfannenreinigern basteln.) Und wenn man sich den Film auf Deutsch anschaut (keine französischen Untertitel, sonst hätte ich ihn gern im Original gesehen), hat er zur Folge, dass man der Piaf gerne mal eine knallen würde, für ihre dumme Sprechstimme und all den Müll, den sie plappert. Eine einzige Sequenz hat mich fasziniert, weil sie handwerklich gut gemacht ist. Edith wird morgens am Bett von ihrem Lover begrüßt, der aber eigentlich mit dem Flugzeug abgestürzt ist. Diese Nachricht versuchen ihre Angestellten ihr zu überbringen, aber Edith ist so beschäftig damit, nach ihrem Geschenk an ihn (Armbanduhr – doll!) zu suchen, dass niemand zu ihr durchdringt. Als man ihr endlich sagt, dass der Lover tot ist, folgt eine langer langer langerlangerlanger Nervenzusammenbruch von dem sie direkt (wenn ich mich nicht irre schnittlos) aus ihrem Schlafzimmer auf die Bühne tritt und zu singen anfängt.
Das unmotivierte Hin- und Herschnipseln zwischen Kindheit, Jugend, Karriere, Krankheit, Tod, war vermutlich notwendig, um ein wenig Verschnaufspause zu bieten, wenn die Dickensianische Kindheit des kleinen Spatzes episch ausgebreitet wird. Die wird in einer Art und Weise präsentiert, dass man nach jedem weiteren dramatischen Vorfall das ganze für eine PR-Erfindung und Lüge hält. Noch schmutziger, noch rauher und noch gemeiner als das Leben, selbst in Ausnahmefällen, ist

Vor ein paar Jahren habe ich einmal in eine ARTE-Doku gezappt, die schon zu Piafs Lebzeiten gedreht wurde, und einen viel authentischeren Einblick in diese Person bekommen. Und abschließend muss ich noch gestehen, dass ich die Piaf nie besonders mochte, von einigen wenigen Liedern abgesehen. Ihr Repertoire erschien mir schon als Kind totgesungen. Für mich war sie die französische Judy, nur in langweilig.

SPRÖDES HAAR IST KEIN HINDERUNGSGRUND

Ein wunderschöner erwachsener Film von fast dänischer Intensität, trotzdem archetypisch amerikanisch. Mit einer uneitlen Kate Winslet, die von Todd Field zum Leuchten gebracht wird. Nicht minder atemberaubend in Intensität und Präsenz: Patrick Wilson. Definitiv einer der schönsten Filme des Jahres, allerdings nur im Original – die deutsche Synchro stinkt nach faulender Pappe. Das Ende ist debattierbar, wenn auch realistisch. Benutzerhinweis: Man kann diesen Film auch lieben, wenn man „American Beauty“ schrecklich fand.

„Little Children“, DVD for rent now.

GLAM ÜBERSTRAPAZIERT SEINEN GEIST und SINGER TURNS INTO SWAN

Meine Gedanken sind mir gerade zu komplex. Was mit diesen sehr plastischen Träumen zu tun hat, möglicherweise. Die, von denen man kurz aufwacht und sich dann zurückbeamen kann, weil es gerade so spannend war. Das ist eine Erfahrung, die durch Second Life-„Erlebnisse“ verstärkt wird: Du kannst jetzt von dem Hochhaus fallen, das Monster wird Dich jetzt erwischen, das Auto knallt jetzt gegen den Baum – und nichts passiert. Man tut sich nicht weh. Man wacht auf und hat vielleicht ein bisschen mehr mit den Zähnen geknirscht. Dann dieses quantenphysische Phänomen – wenn keiner weiß wo Du bist, dann könntest Du überall sein. Bist Du vermutlich auch. Und ruck zuck bist Du von hier nach da gereist, im Second Life, Du teleportierst Dich mal eben so einfach, wie Du Dich in den Traum zurückgebeamt hast.

Jemand ist ganz präsent, obwohl er oder sie nicht da ist. An einem anderen Ort vielleicht, vielleicht tot. Trotzdem wirkt dieser jemand noch. In solchen Gefühlssituationen fällt es schwer, nicht an ein Weiterleben nach dem Tod zu glauben weil man gerade selbst erlebt, dass jemand tot und gleichzeitig sehr lebendig ist. Und dann, angenommen jener Mensch ist nur verreist, läuft man ihm über den Weg an einem Strand im Second Life und freut sich, als wäre es der Mensch hinter dem Avatar, mit dem man jetzt schlendern und reden kann. Man ist gleichzeitig hier, am Schreibtisch, da am Strand, dort in den Gedanken (im Geist) eines anderen Menschen. Und all diese Präsenzen, physikalisch, virtuell, geistig, bewegen sich in diesem einen Atom, das das Selbst ist. Jeder Blick von außen hält ein Teilchen fest, bannt einen in eine Existenz, dabei funktioniert man (im Sinne des Wortes „Funktion“) viel breitgestreuter. Vielleicht komme ich langsam dahinter, was es mit dieser Quantenphysik auf sich hat, aber nur, wenn es stimmt, dass das, was im Kleinsten geschieht, sich auf allen anderen Ebenen wiederholt.

And talking about transformation and multiplicity – look who´s back with a vengeance looking hotter than Satan:

Siouxsie, new album available next Friday.

BESSER STAUNEN

Das Lenkrad stört. Aber ansonsten geht´s. Der Armbewegungsraum ist natürlich auch durch die Fahrertür und die Windschutzscheibe eingeschränkt, aber das Fenster ist ja eh runtergekurbelt. Auch steht es sich besser bei der großen Geste, aber wer hat dieser Tage schon die Wahl? You take what you can get. Auf Höhe Prinzessinnenbad ist die Straße in beiden Richtungen gesperrt. Umleitung. Einen Kilometer weiter südlich ist die Gneisenaustraße nur einspurig befahrbar. Was zu mehreren Nadelöhren führt. Baerwaldstraße und Urbanstraße insbesondere. Da die beiden aber unvermeidlich in Erreichung des Arbeitsortes sind, bin ich jeden Morgen auf Stau eingestellt. Nicht schön für einen Aggro-Fahrer wie mich. Seit vorgestern habe ich aber mein Rezept gefunden. „Between my legs“ war es nicht, das frustriert, wenn man nicht aufs Gas treten kann. Scala geht auch nicht im Stau. Die Stimme ist meist schon weg, bevor ich das Büro betrete, aber dafür ist die Stimmung nicht im Stau zurückgeblieben. Genau die richtige Dosis Drama, Versöhnung, Selbstrettung und Überleben habe ich mal wieder bei ihr gefunden:

Stellt Euch vor Ihr steht auf einer Bühne und Dame Judi starrt Euch in den Rücken. Oh oh… Und die anderen beiden Erinnyen – sind das Linda Eder und Elaine Page??

TEATH oder BABY, DON´T BLEACH

Weniges ist mir heilig. Mein Morgentee gehört dazu. Zum vollständigen Aufwachen benötige ich morgens einen Liter Tee (mit Milch & Süßstoff) und Schreiben. Heute ist der Morgentee mein Feind, kann sich also mit Alice in eine Ecke stellen. Denn gestern hat meine Prophylaxe-Expertin die Spuren von drei Monaten Tee, Kaffee und Nikotin entfernt.
„Ist schlimmer geworden.“
„Ja – und das in so kurzer Zeit!“
„Dann lass ich mal den Airflow weg, vielleicht lag´s daran.“
Ohne Airflow dauert das Alles etwas länger. Das Ultraschallgerät schafft Tonfrequenzen, die mir einmal durch den Schädel jagen, Ohr zu Ohr. 50 Minuten später darf ich mir im Handspiegel meine gereinigten Zähne anschauen. Schön sieht das aus. Bis auf weiteres. Und während ich dies schreibe schaue ich meine dritte Tasse Tee strafend an und drücke meine Morgenzigarette aus.
„Ich glaube nicht, dass es der Airflow war – dieses Mal waren auch Zähne betroffen, die ich beim Airflow gar nicht berücksichtigt habe.“
„Oh.“
„Verwenden Sie eine abrasive Zahnpasta?“
„Ja. Die, die sie mir letztes Mal gegen die Belege empfohlen haben.“
„Ja, man sagt immer, sie schädige den Zahn nicht, aber setzen Sie sie vorsichtshalber mal ab.“

Und wir lernen – Babies don´t bleach. Your teeth will never be the same again. And you learn to hate your Genussmittel, was eigentlich nur zu Krebs führen kann, denn wo bleibt der Genuss, wenn man dabei ständig an den Schaden denkt. Und wer weiß eine durchsichtige Alternative zu Tee?

HOLLYWOOD GOTHIC

Und dann bin ich in den Besitz dieser Filmrechte gekommen. Festgestellt, dass es sich um erstklassigen 70ies Porn handelt und in den nächsten Wochen habe ich alles zusammengesucht, was es von dem Hauptdarsteller so gab. Sehr viel schönes dabei, hinzu kam noch seine ziemlich tragische Biografie, die (für seine Zeit) klassisch endete. Drogen, AIDS – diverse Darstellerinnen und Darsteller angesteckt, zunächst unwissentlich, später, drogenbedingt war es ihm egal. Mitte der 80er sieht er immer noch sehr scharf aus, wenn auch mit fast weißen und für meinen Geschmack zu kurz geschnittenen Haaren. Und als ich aufwachte habe ich den Namen gegooglet, weil es konnte nicht angehen, dass es diesen Mann nicht wirklich gegeben hat. Und siehe, ein Gleichnamiger hat eine nicht minder tragische Karriere, wenn auch nicht im Porno, so im Spielfilm. Die endet 1978, als er sich und seine dreißig Jahre jüngere Frau, die er wenige Wochen zuvor geheiratet hat, erschießt. Also sie zuerst, dann sich selbst.

HOSIANNA

Telefon geht. TDSL geht. Mein AOL-account lässt sich öffnen. Nur Fernsehen ist nicht mehr, wegen des blitzerschlagenen Receivers. Fehlt mir jetzt aber auch nicht so.

Edit:
Und eben ruft doch son Junge von AOL an und konfiguriert mit mir mein Mac-Mail-Programm, so dass ich für Email jetzt gar keinen mehr Browser offen haben muss!

GLAMMERGEDDON

Verdrängung ist eine Option, die die Evolution oder die liebe Gott nicht von ungefähr eingefädelt hat. Manchmal hilft Verdrängung dabei, sich um Dinge erst zu kümmern, wenn ein Handeln im Sinne des Wortes notwendig wird. Ich nenne hier als Beispiel die Erledigung der Steuer.
Dann aber wieder gibt es Verdrängungen, die nicht gut tun, und mit solchen plagte ich mich am Samstag und Sonntag. Ich verdrängte meine Finanzsituation dergestalt, dass ich (so gut wie) einem kleinen Trip auf die Lieblingsinsel zusagte. Was dazu führte, dass ich nachts aufwachte, dass ich morgends vor dem Aufwachen aufwachte und dass ich mich am Tag alle paar Stunden vor Erschöpfung hinlegen musste. Weil das Handwerkszeug der Verdrängung, der ihr zugrunde liegende Tatbestand nämlich, immer wieder seinen hässlichen Schädel hob und mich debil verächtlich angrinste wie ein ostdeutscher Junge, der meint, Anne Frank sei verjährt.
All dies vor dem Hintergrund, dass ich gerade die Apokalypse las, wie sie Gaiman und Pratchett schon 1990 veranschaulicht haben und ganz enttäuscht war, als sie vorbei war. Und nun ja nichts mehr zum Ablenken hatte, weil ich mich bei Nip/Tuck verschätzt hatte und statt der gefühlten vier Folgen, sich nur noch eine auf der letzten DVD befand. Und dann gibt es ja da noch die andere große Geschichte, über die ich mir zur Zeit ständig Gedanken mache, die immer dazu führen, dass ich mich unzulänglich und alt fühle. Ganz zu zu schweigen von der Frage, was das für eine Welt ist, in der selbst die schönen erfolgreichen enddreißigjährigen Blondinen sich das Leben nehmen wollen. (Owen ist mittlerweile raus aus dem Krankenhaus). So. Und als ob all das nicht ausreichen würde, mache ich noch eine Feststellung von Spliss, der meine Haarspitzen teilt. Es ist der Wurm drin, in dieser Gegenwart, und egal wie ich mich abzappele – es ist keine Änderung in Sicht.

Und wenn jetzt wieder ein Schlaumeier kommt, der mich auf Texte verweist, in denen ich Optimismus predige – GET OFF MY BUS! Auch die moralische Verpflichtung, Freude zu suchen, kann eine Blondine manchmal nicht vom Kummer erlösen.

Bedeedledee deedledee deedledeedum boop boop peedoo.