Sinatra im Hintergrund nervt, aber die Fotos sind just beautiful. Schon komisch, seit meinem 6. Lebensjahr kann ich mir kaum einen schöneren Anblick vorstellen als Marilyn in ihrem 36. Lebensjahr.
Archiv des Autors: glamourdick
ALLERHEILIGEN
An Oma Sofie gedacht, die heute 99 Jahre alt würde, aber nun schon bald 30 Jahre nicht mehr am Leben ist, der Krebs. Zu spät erkannt, breit gestreut. Die Glamutter ist jeden Abend aus dem Haus, mit einem Korb, darin eine Thermoskanne mit schwarzem Kaffee und den Kaffeebechern mit je zwei roten Herzen darauf, eingewickelt in ein Geschirrtuch. Und saß am Bett der Mutter, abwechselnd mit den anderen Schwestern. Zwanzig Jahre später will sie eine Freundin im Krankenhaus besuchen, dann steht sie vor der Zimmertür, es ist das Zimmer in dem ihre Mutter gestorben ist. Wenn sie eine Sonnenbrille dabei hätte wäre jetzt die Gelegenheit, aber sie hat keine, also beeilt sie sich, es noch rechtzeitig zu den Tränen ins Auto zu schaffen.
Aber es ist auch der Geburtstag von I., einer der beiden ältesten Freundinnen. Und die Erinnerung produziert gerade ein Fotoalbum. Und ein weiteres Geburtstagskind, Toni Collette, sums it up best: Beautiful awkward pictures…
BRISANT: VALKYRIE – DER TRAILER
Mir gefallen vor allem Toms Haare! Und die Knutsch-Szene mit Eva Herman. Desweiteren bewundere ich den feinsinnigen Umgang mit einer so heiklen Phase internationaler Geschichte. Und, natürlich: BOMBEN-Soundtrack!!!
GLAM MIT SCHWESTER UND SCHWÄNEN

Dieses Kramen in den Fotoalben der letzten 30 Jahre war nicht besonders gut für mich. Nicht im Oktober, der sich als November tarnt. Meine Kapazitäten für Drama sind weit überstrapaziert. Wenn ich das obige Bild betrachte, dann fallen mir meine Kinderkrankhaiten ein. Nicht jetzt Masern und Windpocken, sondern dieses ein paar Mal wirklich an der Grenze stehen und die Panik in den Augen der Familie zu sehen. Das Gefühl, mich in den Krankenhäusern ausgeliefert und verlassen gefühlt zu haben. Eine besonders intensive Erinnerung – eine Nadel ins Rückenmark gejagt zu bekommen, danach 24 Stunden völlig bewegungslos liegen zu müssen und die ganze Zeit Angst zu haben, dass ich aus Versehen eine Bewegung mache und – was dann?
Auf dem obigen Bild sehen Sie mich mit meiner Schwester auf einem Ostsee-Urlaub, der mich die Zeit im Krankenhaus vergessen lassen sollte. Danach war ich nur noch zweimal im Krankenhaus. Einmal zwecks Entfernung der Mandeln und dann nochmal mit 14, als man mir den Magen auspumpen musste. Ich weiß, ich krieg heute keine gute Stimmung verbreitet. Aber muss ja auch nicht immer. Immerhin ware das da oben im Bild zwei gutmütige Schwäne. Nicht wie die Biester von heute. Und dank Hans Christian Andersen war ich Schwanen-technisch völlig furchtlos. The power of fiction.
GLAM´S GHOSTS oder WRITERS ON THE STORM
Aus der Distanz betrachtet wirkt es krasser, als es sich damals anfühlte. Du stehst auf der Buchmesse, einer von vielen PR-Agenten, hast Dich hübsch gemacht, weil Du ja wieder im Glanz der Sonne unterwegs bist, und da sitzt er, der Sonnige, lacht und scherzt, beantwortet Interviewfragen und beeindruckt – gut macht er das -, trägt ein Kapitel aus dem Buch vor, auf dem sein Name steht, für das er jedoch nicht mehr geliefert hat als eine grobe Idee und das Du für ihn geschrieben hast, gut und gerne und nicht einmal schlecht bezahlt.
Das Dumme – sein Image ist nicht das eines Schriftstellers, von ihm ist das Publikum anderes gewohnt, vielleicht ist er Sportler oder Politiker, und trotz hohen Lobes seitens der Presse und großer Publizität im Boulevardbereich liegt das Buch wie Blei in den Regalen. Zwei weitere Versuche folgen. Auf den Parties der Messe wirst Du als PR-Agent begrüßt und natürlich als Autor erkannt, weil ja jeder weiß, dass Sportler und Politiker nicht schreiben können, zumindest nicht so gut wie Du. Die anderen Autoren, die Du triffst, und die mit schlechteren Büchern größeren Erfolg haben, haben immerhin ihren eigenen Namen auf dem Cover. Und so vergehen vier Jahre, in denen Du keine eigenen Projekte realisierst, weil Du zu beschäftigt bist, seine Interviews zu führen (die schriftlich eingerechten, auf die persönlichen Interviews bereitetst Du ihn nur vor) und seine Bücher zu verfassen. Du hast jetzt eine Geschichte als Ghostwriter von Flops. Selbst die Lektoren haben begriffen, dass die Bücher eine größere Chance gehabt hätte, wären sie unter Deinem Namen veröffentlicht worden und nicht dem des Sportlers/Politikers. Von nun an wird alles, was Du einreichst höchst kritisch betrachtet – noch einen Flop kann man gegenüber dem Verlagschef nicht rechtfertigen, selbst die Tatsache, dass Du unter eigenem Namen einen kleinen Klassiker verfasst hast, tritt in den Hintergrund. Es ist nicht einmal so, dass Du von vorne anfängst. Es ist schlimmer. Denn selbst in der Branche, die Dich bezahlt, bist Du eine Art Betrüger – ein Ghostwriter eben. Außerdem bist Du der wandelnde Beweis ihrer verfehlten Urteilsfähigkeit. Sie hätten es besser wissen müssen, eigentlich. Haben sie aber nicht.
Was bleibt – Designerkleidung der Jahre 2001 bis 2005, ein paar Taschen. Die Erinnerung an den einen oder anderen mal eben so zugesteckten 1000er Schein. Das Auto, das Du Dir von der Option auf die Filmrechte gekauft hast, das jetzt rostet. Und der Gespenster-Roman, den Du eines Tages unter Pseudonym veröffentlichen wirst.
THE GREATEST LOVE OF ALL

Ihr junger Krankengymnast sehe aus wie ich, sagt die Glamutter am Telefon und mein erster Impuls ist „Gib ihm meine Telefonnummer“. Ich leide am Peter-Berlin-Syndrom, was wohl damit zu tun hat, dass ich den Sonntag in Fotoalben verbracht habe. Also, ich würde mit mir eine Beziehung haben wollen, ich war nämlich ganz schön süß. Aber ich war auch ganz schön kompliziert. Mittlerweile bin ich recht simpel, aber das Leben ist doch sehr kompliziert geworden.
EIN WEITERER KRYPTISCHER BILDBEITRAG

HAT MICH DEN GANZEN TAG BESCHÄFTIGT. WESHALB GERADE JETZT – DONT KNOW oder BOTH OF US KNOWING

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* Da denke ich gerade „Ich liebe Dich, aber ich kann nicht mit Dir sein“ ist nicht ein blöder Spruch aus einem dummen Drehbuch. God, the pain. The PAIN. Das ist der Moment, in dem ich erwachsen wurde. Und er hat die Kamera draufgehalten. All´s unwell that ends unwell.
BLICK ZURÜCK IN GLAM oder REMEMBER THE MAGIC POWER OF THE VIOLET GARD-HAARSPRAY????
Inspired by Daily Ivy und Schwadroneuse. Die gegenwärtige Mode versucht ja, uns die 80er schön zu reden. In manchen Fällen gelingt das. Ich mag den Anblick dünner Jungs in Zigarettenhosen und das tröstet mich darüber hinweg, dass ich im gleichen Outfit in der einzigen Stretchjeans, die sich in meinen Schrank verirrt hat, Kommentar wie „geiler Arsch, Glam“ bekomme. Pressen Sie mal überflüssiges erschlafftes Bindegewebe in so eine Jeans-Architketur – der Anblick ist nicht retro sondern Polenporno. Oder, wie man aus Birnen Äpfel macht. Dabei ist das Abhandensein von Backenwölbung ja der gängige Look und mir mangelt es an Disziplin, mich herunter zu hungern.
Die Achtziger hatten aber nicht nur schicke schmale Hosen. Und anders als heute, was man verdrängt, gingen diese Hosen meist bis über den Bauchnabel. Darüber trug man dann etwas kastenförmiges, to be a little edgy, vermutlich. Desweiteren: uncoole Plastiksonnenbrillen. Für Mädchen waren die 80er insofern toll, als dass man sich die Haare nie waschen und glattföhnen musste. Man toupierte jeden Tag etwas mehr, zupfte einige Strähnen heraus und gelte sie ein, schlang ein altes Kopftuch um den Schädel und war Madonna. Das dachte sich auch eine Zwergin, die mit dem folgenden musikalischen Beitrag einen Mega-Hit landete. Das Video zeigt auch noch ein weiteres Übel der 80er auf – den EXTENDED DISCO DANCE SUPER REMIX. Sowie unterbezahlte Komparsen, die in Video-Clips türkisches Kino nachahmen durften. Im Missverhältnis zu der überbordende Extendabilität einer kleinen Melodie stand die Choreografie. Hier eine Geste, ein mysteriöser Blick aus dem Halbprofil, da eine gehaltene Pose, von der Kamera zu lange eingefangen, das reichte. Man musste keine Backstreet Boy-Schule aufgesucht zu haben, um ein Star zu werden. Doch sehen Sie nun selbst meine beiden liebsten musikalischen Erinnerungen an die 80er, zwei Schlager, die in Polen noch täglich im Radio gespielt werden. Immer wieder. Hintereinander.
Und ein noch schöneres Beispiel, meine ABSOLUTE Lieblingschoreographie, die ich immer wieder gerne vorführe, auch am eigenen Leib im entsprechenden Trend-Outfil:
Ich liebe es, wenn sie bei „we are strong“ nochmal wie aasende Zombies, die sich aus dem Thriller-Video zur Benatar verirrt hatten, um die Ecke preschen. Und Sie könnnen sich vorstellen, dass ich Wochen nach dem ersten Betrachten dieses Clips total bedeutungsschwanger durch Gänge gepirscht bin. Mit einem intensivem Blick und einem entschlossenen Zug um den Mund. So. Jetzt hab ich eigentlich Lust auf Monster Ronson. Und warum fallen mir die beiden Leder-Schwuchteln am U-Bahnhof erst heute auf???
DOUGLAS DUMBLEDORE oder GENERATION XXX
„It has been said, by someone far wiser than myself, that nobody is boring who is willing to tell the truth about himself. To narrow this down further, someone equally wise said that the things that make us ashamed are also the things that make us interesting.“
(Douglas Coupland, „Eleanor Rigby“)

Die entzückendste Junggesellen-WG Hollywoods.
Ich lese jetzt seit zwei Wochen an „The Gum Thief“, also kann etwas nicht stimmen. Ein neuer Coupland ist normalerweise in zwei, maximal drei Sitzungen durch, und wenn ich eine Nachtschicht einlegen muss. Dieses Mal zündet der Funke nicht, aber das liegt vielleicht daran, dass ich mit Coupland gerade etwas entsetzt bin. Frau Choc schickte mir unlängst den Link zu einem Interview mit meinem Lieblingsautor. Darin erfuhr ich, zehn Jahre seit ich das erste Mal etwas von ihm gelesen habe, dass er schwul ist und 2005 sein Coming out hatte. Mir war etwas merkwürdig bei dem Gedanken, ich konnte das Gefühl aber nicht so richtig orten, formulieren. Ich dachte an all die schönen Bücher, die ich von ihm gelesen hatte und stelte fest, dass Schwule darin nicht vorkommen. Dass auch mit Sex sehr sparsam umgegangen wird. Und das fand ich dann rückblickend vor dem Hintergund des Outings – schade. Es gibt Künstler, Performer, die ihr Schwulsein verschweigen und denen fehlt dann auch prompt etwas in ihrem Act. Der Sex, der ja ein Stück Weltlichkeit ist. Lass den außen vor und Dein Rezept ist verpfuscht. A laugh and a cry. A cry and a tap to the foot. Da fehlt was. Glaubwürdigkeit. Da findet eine ganz starke Abkapselung statt, zu solchen Menschen findet man schwer Zugang. Think Jodie Foster. Couplands Bücher haben mich berührt (der „Gum thief“ bislang nicht), aber jetzt ist da irgendwie ein seltsames Vorzeichen, auch bei allem Verständnis dafür, dass „Generation X“ nicht eine ganze Generation betitelt hätte, wenn es ein schwuler Roman geworden wäre. Schade. Schande.
Ich hatte gedacht, gehofft, dass die Zeiten, in denen zwei Männer zusammen leben und diesen Status als Junggesellen-WG verkaufen müssen vorbei sei. That old Hollywood is over.
Schaut mal Dumbeldore. Die Rowling musste bis zum Abschluss der Potter-Reihe warten, bis sie eine ihrer Figuren outete. Und die Figur, da verrate ich nichts, ist schon im vorletzten Band gestorben. These are the latest literary coming outs ever.