Archiv des Autors: glamourdick

BYE SALOMÉ, AND TAKE CARE!

Heute hat die Kollegin ihren letzten Arbeitstag. Was gibt man jemanden mit auf den Weg, der mitsamt seines kompletten Hausstandes weggeht? Geld wäre vermutlich das Beste gewesen, aber man will ja auch irgendwas Bleibendes schenken. Etwas, das sie für sich behält. Mittwoch dann wird sie abgeschoben in das freundliche Land Georgien, in dem noch immer der Ausnahmezustand herrscht. Etwas in diesem Zusammenhang sehr Interessantes fand ich auf Thomblog:

„Was die Vorratsdatenspeicherung in der Praxis bedeutet, erleben wir in der Redaktion der Georgien Nachrichten und der Georgienseite in diesen Tagen. In Georgien hat Präsident Saakaschwili, der vor genau 4 Jahren als Hoffnungsträger der Demokratie galt, seine Bevölkerung niederknüppeln lassen, die freien Medien abgeschafft und den Ausnahmezustand verhängt. Seit Mittwoch berichte ich live darüber, habe am Tag der Niederschlagung der Demonstrationen mehr als 30 Nachrichten geschrieben. Seit diesem Tag gingen mehrere verängstigte Anrufe aus Georgien ein, bei denen Menschen die aktuelle Lage im Land schilderten. Oder es zumindest versuchten. Denn am gleichen Tag wurden von der Generalstaatsanwaltschaft in Tbilisi Telefonate mehrerer Führer der Opposition in Georgien als angeblicher Beweise einer Zusammenarbeit mit dem russischen Geheimdienst veröffentlicht. Jeder Mensch, der uns nun anruft, hat Angst, dass sein Anruf abgehört wird. Ich weiß, dass die Regierung unsere Nachrichten liest, und ich weiß, dass viele Menschen dort sehr gut deutsch verstehen.

Wenn nun ab Anfang 2008 die Vorratsdatenspeicherung kommt, dann wird alles noch schlimmer. Denn nun kann der georgische Geheimdienst* ohne große Probleme die e-Mail Adressen und die Telefonnummern der Menschen abgreifen und diese verfolgen. Wohin das führt, haben wir in den letzten Monaten gemerkt. Guram Scharadse, ein führender Oppositioneller und zugegebenermaßen umstrittener Politiker, wurde erschossen, wenige Wochen nachdem wir mit ihm Kontakt wegen eines Forschungsprojektes aufgenommen hatten. Ein Politiker der Opposition, Schalwa Natelaschwili, versteckt sich derzeit, da er befürchten muss, dass er ebenfalls von der Regierung Saakaschwili liquidiert wird.

Und die deutschen Politiker haben nun dafür gesorgt, dass die Grundrechte nun auch in Deutschland abgeschafft werden. Am gleichen Tag, da der I. Weltkrieg endete, Hitler auf München marschierte, die Synagogen brannten und die Mauer fiel, ist die DDR wieder da, stärker als je zuvor und 18 Jahre nachdem sie auf Eis gelegt wurde.“

*(Die Daten werden an mehr als 70 Geheimdienste weltweit übermittelt. )

It sucks. Für Salomé, für Georgien und für Deutschland.

GLAM KANN KEIN Ö

Passend zur Jahreszeit hat sich Don Dahlmann für die Mindestens Haltbar-Seite ein schönes Thema ausgesucht, mit dem alle richtjen Blogger etwas anfangen Können: Depressionen. Und da hab ich ein bisschen im Archiv gewühlt und eine kleine Collage gebastelt. Und weil es etwas perfide wäre, in diesem üblen November die Leserschaft über Gebühr zu deprimieren kann ich nun sagen – beim Lesen viel Vergnügen!

Und das mit dem „ö“ muss beim Konvertieren passiert sei, seid versichert, ich kann auch ö. Sogar in grÖß.

WENN MAN MIT SO EINEM SATZ AUFWACHT, WAS WIRD DAS DANN BLOSS FÜR EIN TAG?

„Bei Wertheim gab es Salamander.“

(Nina Hagen)

Das ist Rilkisch. Ich bin retroehrfürchtig. Hut ab. Schlitz Kleid. Dit hätte Nena mal covern solln. Auch schön: mein Beitrag von gestern. Seltsamerweise hatte dieser Block gestern einen historischen Besucherzahlen-Einbruch von rund hundert Lesern (Backlink-Spam nicht mitgerechnet.) Wo wart Ihr denn? Deshalb sollte ich eigentlich zur Strafe heute gar nichts schreiben. Überhaupt. Ich finde, ich schreibe zuviel. Im Vergleich zu den meisten anderen. Ich will auch entertaint werden, verdammt! Lebt mehr! Wer mehr lebt kann mehr schreiben. Oder gebt mir Links! Ist doch wahr.

SCHÖNER TRENNEN oder WE´RE A MESS. BUT WE SHIMMER.

Sommer 2004, am Telefon: Krypton, GoGo-Boy und Partymonster, der beste Freund des messy Mitbewohners, der gerade nicht zu Hause ist. Krypton ist ganz aufgeregt, nicht überraschend, hat sein Freund, bei dem er lebt, der seine Rechnungen zahlt und ihm bislang jeden Wunsch erfüllt hat, ihn verlassen. Ich komme kaum mit einem Wort dazwischen, so quellen die Worte aus Krypton heraus.
„Look – G. will be back soon. And I´m here now. Come over if you need to get out.“

Eine halbe Stunde später ist Krypton in der Mansion, sein Redefluss immer noch unbremsbar, unterbrochen von Tränen, Schluchzern, sein wunderschönes Gesicht ein Erdbeben. Er bemüht sich, Pläne für die nächste Zukunft zu schmieden, will nicht länger bei seinem frischen Ex bleiben, obwohl dieser ihm das angeboten hat. Stunden später sind meine Rezeptoren völlig zerschossen, aber Kryptons Leid ist immer noch akut, meine Gedanken wandern anderswohin, weil ich einfach nicht mehr zuhören kann, mir fällt der Abend ein, an dem wir alle auf eine Party gegangen sind, ein öffentliche, Krypton trug einen langen schmalen offenstehenden schwarzen Mantel und sonst nichts (außer Stiefeln) und wurde erst eingelassen, als er sich die Unterhose von G. ausgeliehen hatte. Erregung öffentlichen Ärgernisses hate man selten zuvor plastischer und im Sinne des Wortes unverschämter veranschaulicht gesehen, wobei der Akzent auf Erregung liegt, denn Kryptons Körper war noch schöner als sein Gesicht.

Irgendwann kommt mir der rettende Gedanke – da waren doch noch ein paar Es irgendwo. Droegenexperimenten nie abgeneigt akzeptiert K. die Pille und wir machen einen Spaziergang. Als wir am Kanal angekommen sind beginnt die Droge zu kicken. Alles wird warm und weich und wir wanken ein wenig, haken uns ein, um nicht zu stürzen, bekommen den ersten in einer langen Reihe von Lach-Flashes. Unsere Wahrnehmung optimiert, genießen wir den goldig glänzenden Sommertag. Auf dem Rückweg fährt ein langhaariger Skater an uns vorbei, K. rennt ihm nach, bittet ihn, mit in die Mansion zu kommen, der Skater lehnt ab. Ein Nachbar lädt uns ein, zu ihm aufs Dach zu klettern und das scheint eine perfekte Idee zu sein, also klettern wir angstlos und gar nicht lebensmüde und freuen uns, dem Himmel etwas näher zu sein. Als es anfängt zu regnen gehen wir zurück in die Wohnung. G. ist immer noch nicht da.
Ich stehe an der Terrassentür, und spüre K. hinter mir. Dann nimmt er mich hinterrücks in den Arm, sein ganzer Körper presst sich an meinen. Ich hatte an sowas eigentlich nicht gedacht, aber es fühlt sich gut und richtig an und es ist zwar das E, aber es ist auch immer noch das eigene Bewusstsein, nur ein wenig weiter gefasst.
„Glam, I want to dance for you.“
Und ich muss lachen, weil es albern ist, bis er anfängt. Seitdem kann ich nicht die erste Scissor Sisters-CD hören, ohne schmutzig zu grinsen. Er tanzt, entledigt sich seiner Kleidung, all das ist richtig, ist heiß, genau so wie es ist, aber irgendwo auch unpassend, wie alles an diesem Tag. We´re a mess, but we shimmer. Und noch tanzend kommen dann unsere Körper zusammen, unsere Münder und alles ist und bleibt in diesem Moment, in dieser Stunde, in der unsere Kleidung durch die Luft segelt, Möbel umgerissen werden, unsere Haut aneinanderreibt. Wir liegen nackt auf dem Bett und blasen uns gegenseitig, als der Mitbewohner in der Tür steht, schockiert schaut und dann in sein Zimmer geht um ungestört messy zu sein. Krypton und Glam – da würde niemand drauf kommen, nicht einmal Krypton und Glam, bis vor ein paar Stunden. Wir schlafen Arm in Arm ein, wachen Arm in Arm auf, kuscheln uns aneinander, ich schaue noch einmal auf den zweitschönsten Ständer, den ich (bisher) zu sehen bekommen habe, und dann muss Krypton arbeiten gehen. Und an der Tür küssen wir uns noch einmal und ich denke, sage es aber nicht, so müsste doch eigentlich jede Trennung anfangen.

NICHT ZU KNAPP oder DAS FETZT, DAS ROCKT, DAS GEHT UNTER oder NO ME PONEN

„Absolut überzeugend; ein Album, das es in sich hat; So zieht sie alle Register und beweist, dass sie sich, wie eh und jeh, nicht hinter Künstlerinnen wie P!nk, Madonna, Gwen Stefanie, Rhianna etc. verstecken muss; außergewöhnliche Looks; unvergleichliches vokalistisches Können; beweist sie, dass die Diva des Punks einfach weiß, wie man rockt. Und das nicht zu knapp; Ohrwurm-Knaller; hintverdächtige (sic) Ballade; ein Song, der unter die Haut geht; Stilistik und Professionalität vorzuweisen, die ihres Gleichen suchen.“

Don´t you just hate it, wenn die ersten Kritiken schon auf Amazon stehen, bevor die Presse überhaupt bemustert ist? Und wenn die Sprache der Pressetexter antiquierter älter ist als Debbie Harry selbst? Diese Platte sollte man sich höchstens kaufen, wenn man Mitleid mit Debbie hat und ihr ein paar Euro gönnt, die man gerade unbedingt verschleudern möchte. Sie ist jetzt in der Phase „alte Diva“, wo sich niemand traut, ihr rein zu reden. Schade. Ich denke, mit den Tantiemen von „Heart of Glass“ usw hat sie kein schlechtes Auskommen, also kaufen Sie sich doch vorzugsweise die Platte eines jungen blonden Talents, ich kann die spanische Rockbitch Mürfila* empfehlen. Absolut überzeugend. Deren Alben habe es nämlich in sich, wasimmer „es“ ist.

*Bebe, wo bleibst Du? Leg endlich nach!!