Archiv des Autors: glamourdick

HEUTE SCHON BEPISST? oder MIDNGHT IN THE SUBWAY

„In der U-Bahn riecht es nach abgestandenem Leben.“

Mit Dir darin sieht es auch so aus.

„Zwei Typen in Gangster-Rap-Klamotten tauchen auf. Meine Tante würde ohnmächtig werden.“

Hat die Tante Geburtstag? Oder wie hat Sie es in diese Zeilen geschafft? Hätte in-die-Kamera-winken nicht gereicht?? Fakt ist jedoch, dass Florian Silbereisen nicht am Brennpunkt HerrmannSplatz wohnt. Da trifft man schon eher Buschi-Do und so. Was mir jetzt wirklich zu denken gibt: Wagners Tante. Wie alt mag die wohl sein? Die war doch sicher schon bei der Erfindung der Ubahn dabei.

„Ich habe keinen Augenkontakt mit den Biertrinkern. Frau Zypries auch nicht.“

Na, Du hast doch die Zypries mit zum Flirten.

„„Wohin soll ich fliehen“, frage ich die Ministerin, „wenn die Schläger mich verfolgen?“ „

Herr Wagner, ich würde NICHT den Weg über die Gleise nehmen. Dort ist es dunkel und vielleicht kennen Sie den Film mit Franka Potente, jedenfalls, eher nicht den Weg über die Gleise. Vertrauen Sie mir. Versuchen Sie es mit der nächsten Notrufsäule.

„Ich stelle mir vor, wie ich blutüberströmt zu der Notrufsäule krieche und den untersten Knopf erreiche.“

Wieviel Knöppe hat die denn?? Einen deutschen und einen türkischen? Ich würde einfach jemanden vom Kamerateam um ein Handy bitten.

„Untergrundfahrer-Gesichter, Unter-der-Erde-Fahrer. Niemand guckt jemanden an.“

Die hatten Angst vor Dir. Hätte ich auch gehabt. Dann auch noch dieser strenge Geruch von Kehlkopfkrebs, billigem Cognak, altem Leder und Schwarzkopf-Haarvolumen-Produkten…

„Ich sage der Ministerin, dass ich lieber über der Erde lebe – mit Bäumen und Blumen.“

Schatzi, die Leute leben dort nicht. Die benutzen das zum Fortbewegen und Aufwärmen. Und auf Dauer ist ein Leben mit Bäumen und Blumen einsilbig. Ich finde das Leben mit Menschen irgendwie – menschlicher.

ANALOGIK

Lucky: „Der Typ ist so ein verkniffener Pedant, der hat bestimmt so´n Millimeter-Arschloch und wenn er scheißt, dann macht es immer so pftt pftt pftt.“
Glam: „Meinst Du, da kommt der Begriff Korinthenkacker her?“

ENSEMBLE-MOVIE-SATURDAY

Ausgeliehen wegen Toni Collette. Dran geblieben wegen Piper Laurie, Giovanni Ribisi, Mary Steenburgen, Brittany Murphy, Marcia Gay Harden. Fasziniert von Mary Beth Hurt.

Ausgeliehen, weil sonst nichts da war. Dran geblieben wegen Sharon Stone und Demi Moore. Sowie Helen Hunt, Freddy Rodriguez (dem kleenen Mexikaner aus 6 Feet under), Anthony Hopkins, Heather Graham, Ashton Kutcher, Elijah Wood. Sogar Lindsey Lohan war gut. Truly impressed by writer/actor/director Emilio Estevez.

A WAREHOUSE OF THE FORGOTTEN

„As in all good children´s stories, Dare had eliminated a mother from the proceedings.“

Als die Eltern sich – quasi im vorbeigehen – trennen, bliebt der Sohn beim Vater, die Tochter bei der Mutter. Der Vater versucht sich in verschiedenen Karrieren und stirbt jung, möglicherweise durch die eigene Hand. Der Sohn wird von der Stiefmutter erzogen – seine leibliche Mutter wird er mehr als zwanzig Jahre nicht sehen. Die Mutter macht sich als Porträtmalerin einen Namen und die Tochter wird zu ihrem Lieblings-Model. Eine Journalistin beschreibt die Lebenssituation der beiden als schäbig, woraufhin die Mutter der Tochter die teuerste Puppe des Spielzeugladens kauft. Die Tochter benennt die Puppe nach der Mutter. Als sich in der Pubertät ihre Haarfarbe verdunkelt, malt die Mutter sie weiterhin blond. Die Tochter, die nicht weiß, ob ihr Bruder am Leben ist oder ob es ihn überhaupt gab, findet es schwer, zu anderen Menschen außer der exzentrischen Mutter ein Verhältnis aufzubauen. Sie erfindet sich neu, wird blond, stilisiert Gesicht und Körper aufs Extremste. Mutter und Tochter spielen Verkleidungsspiele. Die Tochter, die jetzt als Fotomodel arbeitet, findet Vergnügen an jeder Form von Verkleidung und Entkleidung. Wenn die Mutter sie nur in ihrer Funktion als Kunstvorlage liebt, dann stilisiert sie sich eben zum Lebenskunstwerk.

Als die Tochter feststellt, dass ihr Bruder lebt, noch dazu wenige Blocks von ihrem Apartment entfernt, ist sie fassungslos. Ein Treffen ist unvermeidlich. Als die beiden sich gegenüberstehen geht ein Ruck durch ihr Leben. Sie wissen, dass sie ihren Seelenzwilling vor sich haben, in bildschöner Gestalt. Doch vielleicht ist es auch mehr als das, vielleicht sind sie ineinander verliebt. Sie sprechen von Heirat, doch als Kompromiss verlobt sich die Tochter mit dem besten Freund des Bruders. „In the pictures Blaine took of Philip and Dare, they appear lit from within“, schreibt Jean Nathan, aber das gilt in viel stärkerem Maße für die Fotos, die das Geschisterpaar Dare und Blaine zeigt.

Wie geschwisterlich sind die Gefühle, wenn man das Geschwisterkind erst mit Mitte 20 entdeckt? Wenn einem eine wunderschöne Gestalt gegenüber steht? Die Mutter betrachtet die Annäherung der beiden skeptisch. Sie hat sich jahrelang eingeredet, dass der Sohn nichts wert sei und nun nimmt er ihr auch noch die Tochter fort. Sie tut, was sie kann, die Binnenwelt der Mutter-Tochter-Bindung zu stärken.

Der Bruder schenkt ihr einen Teddybären. Jahre später, sie hat die Kameraseite gewechselt, veröffentlicht sie ein Kinderbuch über „The Lonely Doll“, die erst Freude am Leben findet, als zwei Teddybären in ihr Leben treten.
Die Fotos in dem Buch haben etwas berührendes, aber auch zutiefst morbides. „It seemed to be a book that entered into the consciousness of the children who read it in a particularly strong way.“

Die Autorin betritt die Wohnung von Dare Wright, die schon seit Jahren in einem Krankenhaus liegt, eigentlich hat man sie schon aufgegeben, aber es soll noch ein paar Jahre dauern, bis sie stirbt. Sie beschreibt das Apartment: „It was like a warehouse of the forgotten.“ Und genau so fühlt es sich an, „The Secret Life of the Lonely Doll“ zu lesen, als betrete man ein vollgestopftes Apartment voller Erinnerungen, inklusive der vergessenen und verdrängten.

Die Liebesgeschichte zwischen Dare und Blaine ist die bewegendste, die ich je gelesen habe. Die Bilder (sroll down) transportieren dieses Gefühl einer Sehnsucht und Bestimmung, dass man in die Fotos springen möchte, und teilhaben an dem starken Band, das zwischen diesen beiden Menschen existierte. Dass man ihre Verbindung sanktionieren möchte, muss. Touché.

THE SECRET LIFE OF THE LONELY DOLL

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Bei einem Drittel des Glamschen Buchbestandes handelt es sich um Biografien und Autobiografien. Dieser stammt jedoch aus einer fernen Zeit, in der mich das Lesen berühmter Lebensgeschichten noch interessiert hat. Seit ich aus dem Leben unberühmter Zeitgenossen lese (Blogs), hat sich mein Interesse an Lebensgeschichten in Buchform etwas gelegt. Die letzte Biografie-Lektüre, wenn ich mich recht entsinne, war eine extrem ausführlich recherchierte und ebenso extrem langatmige Bio Judy Garlands, wobei man zugeben muss, dass es durchaus Klasse hat, über eine solche Ausnahme-Sängerin langatmig zu schreiben.
Mich interessiert in der Regel wenig, woher die Großeltern einer interessanten Persönlichkeit stammen, deshalb schrecken mich viele Biografien ab. Man kann ja jedem Leben ein bißchen Drama abwürgen, in allen Familiengeschichten gibt es den einen oder anderen Selbstmörder, Wahnsinnigen, Betrüger – man muss nur lange genug zurück blicken. Seit ein paar Tagen befindet sich ein Buch in meinem Besitz, kein Buch, ein Juwel. Eine Biografie, die so beginnt, wie ich es mir wünsche. Die Autorin hat eine Erinnerung, die sie quält. Eine Erinnerung an ein Buch, das sie gelesen hat. Sie kann sich noch an das Cover erinnern und es macht sie wahnsinnig, dass das Gedächtnis ansonsten streikt. Solche Erinnerungen kenne ich, es handelt sich um Heimsuchungen. Bis ich 12 war sah ich oft kurz vorm Einschlafen eine gelbe Straße vor mir und quietschrote Schuhe und konnte sie erst einordnen, als ich „The Wizard of Oz“ im Fernsehen sah. Die Erleichterung kann ich kaum in Worte fassen. So muss sich Jean Nathan gefühlt haben als sie mit ihren Recherchen zu „The Secret Life of the Lonely Doll“ begonnen hat. Denn ihre vage Erinnerung and das Kinderbuch „The Lonely Doll“ lässt sie Nachforschungen anstellen und ihr eröffnet sich eine „story of a lifetime“ – die der Autorin-Fotografin-Ex-Schauspielerin Dare Wright.

Innerhalb der letzten zwei Jahre bin ich immer wieder auf diesen Buchtitel gestoßen, der mich schon beim ersten Lesen angefixt ha und da wusste ich noch nicht einmal worum, oder besser, um wen es in dem Buch geht. Jetzt, wo ich lesend mitten in der Lebensgeschichte von Dare Wrights Eltern stecke, frage ich mich, warum ich das Buch nicht schon vor zwei Jahren gekauft habe. Vermutlich weil ich den finalen Auslöser brauchte, und der war, dass es demnächst mit Naomi Watts und — JESSICA LANGE verfilmt wird.

„The Secret Life of the Lonely Doll“ hat viel von dem, was mich an „Grey Gardens“ fasziniert hat und mehr. Mehr, als in einen Blogbeitrag passt. Deshalb demnächst mehr.

GLAM IN HEAVEN

Eigentlich wollte ich mir ja „Imitation of Life“ und „All that Heaven allows“ für ein Double Feature auf Luckys neuem Monster-Fernseher aufsparen. Gestern also nur kurz reingeschaut in „Heaven“ und schon nach Sekunden entzückt gewesen. Todd Haynes hat es zitierenderweise fast geschafft, Sirks Farbspiel zu imiteren, aber nothing is like 50ies Technicolor. Vor allem, wenn ein Regisseur (bzw. Production and/or Light Designer) es wirklich versteht, sie einzusetzen. Die Farben in „Heaven“ werden verwendet wie Licht und Schatten in einem hochwertigen Schwarzweiß-Film. Hier wird nicht nur mit mutig farbigen Flächen gearbeitet, sondern auch mit farbigem Licht – so auffällig wurde Licht erst wieder im Britischen Kino der 80er verwendet, dann allerdings in Form von buntem Neon. Man spürt, dass Farbe in den 50ern noch ein vergleichsweise neues, teures und aufwendiges Medium ist. Die Handlung des Films ist denkbar simpel, die Moral, die verkauft wird ebenso, aber in Sirks Filmen werden die Schauspieler zu Akteuren in einem Gemälde, allein deshalb lonht es sich, sie zu betrachten. Die aufdringlich unterschwellige Botschaft der Geschichte, dass sich das Natürliche gegenüber den Kultürlichen verdientermaßen immer durchsetzen wird, die gefällt natürlich der lange verschiedenen Klemmschwester in mir. When suburbia is hell again, go visit your local Baumschule.

And, yes. Of course that´s Kitsch. Major Kitsch Deluxe! Kitsch doesn´t get any glammer. (Except Luhrmann´s „Moulin Rouge“ of course.)

HEART SHAPED BOX, JOE HILL

Die erste Hälfte des Buches über dachte ich, die Vorschusslorbeeren seien unverdient. Doch dann steigert sich das Tempo, der Horror wird horribler, im Blutvergießen kennt der Autor keine Gnade und macht auch vor seinen Protagonisten nicht halt.
Doch was ich als „Geisteroman“ kaufte, hat leider nicht den erwarteten Schauer-Charme, sondern lediglich die Qualitäten eines gehobenen Horror-Thrillers. Immerhin hat das Buch einen weiteren Verdienst – ich habe Lust bekommen, meinen charmanten neogothischen Schauerroman noch einmal vor zu kramen und zu wetzen und zu polieren, bis es nur so Schauer showert.

MITTE WILL MICH NICH

Früher bin ich ja gerne dann und wann mal in die Friedrichstraße gefahren, zu Dussmann und Hugendubel, ins Quartier 206 und in den kleinen Schuhladen neben H&M. Habe meinen Wagen vorm „Four Seasons“ in der Charlottenstraße abgestellt und bin dann ein bisschen konsumflaniert. Nach dem Eindecken mit Büchern und CDs (DVDs sind bei Dussmann absurd überteuert) habe ich mich dann ins „Catherine´s“ gesetzt, dieses amerikanisch angelehnte Café, das sich durch scheußlichste Wandbemalung und die beste aller Berliner Kellnerinnen auszeichnete, und habe einen karamelisierten Kaffee getrunken, in meinen neuen Büchern geblättert und eine Chesterfield light geraucht. „Catherine´s“, das sehr kuschelig und gemütlich war, ist jetzt ersetzt durch ein Krankenzimmer mit Ecken und Kanten, die Lieblingskellnerin ist auch nicht mehr da. Rauchen geht ja sowieso nicht mehr. Und, da das Parken mittlerweile 50 Cent pro 15 Minuten kostet, mag ich mir den Ausflug in den Buchhandel nicht mehr leisten. Auch mit der Ubahn würde mich ein ausgedehnter Shopping-Trip 4 Euro zusätzlich kosten, und soviel ist es mir nicht wert, insbesondere angesichts des Elends, mit dem man sich in der Ubahn konfrontiert sieht. Im Grunde müsste einen die BVG bezahlen, damit man die öffentlichen Transportmittel benutzt. Selbst Schuld, denke ich. Wenn Ihr die Leute aus der Stadt verscheuen wollt, dann ist Euch das wunderbar gelungen. Amazon bekam von mir und der Amerikanischen Nachbarin 30 Euro, seit dem liefern die umsonst und einen Tag nach eingegangener Bestellung. Wenn es mal später wird, erstatten sie einem 6 Euro zurück. Noch eine verspätete Lieferung und ich hab meine Unkosten wieder raus. Keine Parkgebühr und ich kann beim Blättern rauchen und Kaffee trinken, den kann ich nämlich auch selbst kochen, allerdings verzichte ich auf den Luxus des Karamell, der war reserviert für das Shopping-und-über-die-wunderbare-Kellnerin-freuen-Erlebnis.

Vielleicht gefällt mir ja das Rauchverbot in der Gastronomie, sobald ich Nichtraucher bin. Momentan hält es mich davon ab, mich mit Freunden in Cafés und Retsaurants zu treffen. Dann geht man stattdessen eben spazieren oder trifft sich privat. Die ganzen Kochsendungen sind ja auch nicht spurlos an mir vorüber gegangen, man kann ja schicke Sache selbst zubereiten und auf den Tisch bringen. Dennoch – es ist mir schon klar, dass die Gastronomie leidet und auch die Läden in der Innenstadt werden ein großes Problem bekommen, sich gegen den Internethandel auf Dauer durchzusetzen. Nur, dass diese stay-at-home-attitude mir eigentlich gar nicht passt. Denn, anders als früher, bin ich durchaus auch mal gerne unter Menschen, selbst ein samstäglicher Ikea-Besuch stellt für mich keinen Horror-Trip mehr dar.

Es ist ja leider so, dass die meisten von uns nicht mit Geld um sich werfen können. Und so lehne ich es ab, eine völlig überzogene Mautgebühr für die Straßen der Innensatdt zu bezahlen, ich finde nämlich, dass der Staat mit 19% der Umsätze meiner Einkäufe ausreichend abgefunden ist. Oder man macht es wie Lucky, der empfiehlt, auf das Entrichten der Parkgebühren vollständig zu verzichten, denn wenn man von viermal gratis Parken einmal erwischt wird, dann hat man weniger bezahlt, als wenn man jedesmal die Parkuhr betätigt hätte. Freilich ist es einem entspannten Einkauf etwas abträglich, ständig an die Ordnungsbeamten zu denken, die lästig wie Tauben durch die Häuserschluchten ziehen, also, lieber Herr Dussmann, tut mir Leid, dass anstelle Ihrer nun Amazon an mir verdient. Ist nicht persönlich gemeint.