Archiv des Autors: glamourdick

BUNNY TERROR oder MAN HATTE DAS SELTERS DER OMA AM NEBENTISCH VERGESSEN

DSC00093

DSC00094

DSC00095

DSC00096

DSC00097

Die Kaninchen waren gar nicht die Plage. Es waren die Retroköter. Graue Receiver, (wie die Spreepiratin wortschöpfte), Schnauzermischlinge (der von der Rosenberger, die sich in einem Busch verbarg, ganz besonders unhübsch), Labradore, Jack Russels. Ein mondgesichtiger Pygmymops vorm Café am Neuen See kam gegen die Masse von 80er Jahre-Hunden, sozusagen Discoköter, einfach nicht an. Desweiteren in den Büschen: alte Schnäuzermänner mit Kurzhaarfrisuren und einem schuldigen Blick. Löwenbrücke war gesperrt, was zu großer Verwirrung bei den Stammgästen führte.
Teargarden war Britts Idee gewesen, mein Vorschlag war dann Kuchen. Noch retroer als Hunde und Männer dann das entzückende Café mit den ungesunden Gästen und den historischen Konditoreierzeugnissen. Herrentorte, Eclair („Liebesknochen“ sagt Britt), Napoleonschnitte, alles noch leckerer als es ohnehin schon aussah. Authentisch. Kuchen, der noch aus Teig gemacht wird und nicht aus Soya oder Nano-DNA. Uns fallen noch ein paar historische und verschollen geglaubte Gebäcke ein: die nierenförmigen „Bohnen“, weiß glasiert mit einem kessen Pinselwurf-Schokoklatscher drauf. Eierkränze (gab´s nur zum Schützenfest.) Man möchte einen Bohnenkaffee trinken und dann etwas Herzhaftes zu sich nehmen, um den Zuckerschock wegzupegeln.
„Strammer Max!“
„Bauernfrühstück!“
Dazu liest man dann die „Land und Forst“, die man sich vielleicht in der coolsten aller Leihbüchereien besorgt hat, die es nur noch so lange geben wird, bis Brangelina ein Auge oder bis zu vier drauf geworfen haben werden, dann ist die nämlich ruckzuck verkauft, mitsamt Mobiliar, Buchbestand und Matschimitatfußboden in „Schlamm“ und erfreut sich an Berichten über die Käfighaltung reifen Mastviehs unter der Überschrift „Alte Säue, neue Ideen“ – nach wie vor meine unschlagbar unentthronbare Lieblingsschlagzeile aller Schlagzeilen aller aller Zeiten.

Frauen, die „Selters“sagen und klingen wie 800 Jahre Ernte 23 aber rote Haare. Männer, die bei nicht vollständig verspeister Herrentorte Schlechtwetter vorwarnen. Ich rechnete jeden Moment damit, dass uns der Geist von Pfitze auf die Schulter schlägt. Hätte er gedurft.

MY NAME IS NOT SUSAN

Eigentlich nichtrauchende Kollegin J. steht am Fenster und raucht.
„Hey J. – Du kannst doch nicht rauchen!!“
„Ich bin nicht J. Ich bin Britta.“

So handhabe ich das vielleicht auch. Multipel ist ja eh das neue bulimisch. Andererseits ist Sucht wegen Macke vorbei. Mal schauen wie sich´s anfühlt.

THE PAIN

Entweder ich bin vorgestern nacht aus dem Bett gefallen und habe dabei ein Möbelstück umgerissen oder ich war schlafwandelnd unterwegs und habe einen Tritt in die Seite und den Rücken bekommen. Jede Bewegung nach rechts verursacht stechenden Schmerz in der Brust. Tiefes Atmen ebenfalls. Lange Sätze sprechen – the same. Bleibt also – im Sessel sitzen und Maul halten, wo ich mich eigentlich bewegen sollte. 300 Kalorien verbrennt man durchs Rauchen, ich nehme also seit Sonntag täglich 300 Kalorien mehr zu mir und das gefällt mir nicht.
Die Schmerzen haben den positiven Nebeneffekt, dass ich mehr an sie und weniger ans Rauchen denke. Nach all den positiven Affirmationen, die nur so la la funktionieren, hat es mir wirklich geholfen, einen Blick auf eine Raucherlunge zu werfen. Dieses Bild sollte ich mir auch vor Augen halten, wenn ich zum Nutellaglas greife. Es raubt einem nämlich schon den Appetit.

THE THE TOP

The Beatles The Smiths The Clash The Cure The Damned The Dead Kennedys The The

The Fratellis The Streets The Killerz The Feeling The Raconteurs The Pigeon Detectives The Kooks The Twang The Frey The View The Enemy The Ark The Hidden Cameras

The Farting Ballerinas The Heartbreak Hospital The Boyfuck Inferno The More The Less The Merrier The Disposable Peanut Armchair Army The Sane Britneyz The Cool Kyliez The Dead Madonnaz The Cunt of Petra

GLAM OHNE FILTER

Der gestrige Abend war nikotinfrei völlig einwandfrei. Heute – constant craving. Aber jetzt einknicken steht nicht zur Debatte.
Sagt man nicht immer, dass die Menschen alle aufblühen, wenn sie mit dem Rauchen aufhören? Ich nicht. Ich seh fertig aus. Und fühle mich innerlich ausgehölt. Wenn man etwas sein lässt, was man die meiste Zeit seines Lebens stündlich getan hat – Kinder, das ist SPÜRBAR.

So ne Art Heimweh. Absurd.

ES GEHT MIR DURCH UND DURCH UND DANN NOCH EINMAL VON HINTEN ÜBER DIE SCHULTER INS HERZ

It ain´t about a heart to find
It´s about the one inside
It´s about the love you hide
That´s waitin to be led outside
It ain´t about losin your mind
But if ya happen to that´s fine
Still there´s only one way to shine
It´s called tryin

To live

Freely, freely
Meu coracao
I´d like to live that way

(Devendra Banhart)

ABJEFAHRN oder WRONSKI-BEAT

Mir nichts Dir nichts Böses ahnend schlendert man durchs Stadtbild und dann dies: Die Ruderkönigin hat mal wieder was Neues ausgeheckt.

katja

Es gibt nicht viele Menschen wie sie, denen es so beständig gelingt, sich unbeliebt zu machen. Deren Grundcharme irgendwann abgehobelt oder aufgebraucht war, so dass sie, selbst wenn sie möglicherweise zufrieden sind, einfach nur angespannt und freudlos wirken. Von angespannter Freudlosigkeit ist es kein weiter Weg mehr zu Zickigkeit, die man ihr und ihrer Schwester im Geiste, Ute Lemper, immer wieder unterstellt. Ich habe eine gewisse Achtung vor diesem Image. Besser so eines, als gar kein Talent. Es ist ganz praktisch, wenn man so ein Image hat, wenn die eigene Berufstätigkeit wenig hergibt. Katja Riemann spielt irgendwo mit, zickt über irgendeinen roten Teppich, singt, hält sich für die neue Romy Schneider, schneuzt die Nase – das ist alles irgendwie gleichwertig uninteressant. Bei Ute Lemper kann man immerhin noch sagen „Da in der Eislauf-Jury, da wirkte sie fast glücklich, fast charmant!“, aber über Katja Riemann fällt mir nichts vergleichbares ein. Kein Film, Kein Lied, kein Talkshowmoment.
Und nun. Katja Riemann will sich im Theater am Kudamm als Anna Karenina vor den Zug werfen, aber der ist schon abgefahren und so bleibt sie auf ihrem Koffer sitzen, den sie vorsorglich für den Selbstmörderhimmel gepackt hat. Kein Wunder dass ihr Gesichtsausdruck so mürrisch ist. Um diesen Effekt noch beonders zu akzentuieren hatte der Make-up Artist eine dolle Idee – die Augen optisch nach unten verlängern, dann passt es besser zu den Mundwinkeln. Die leicht vorgebeugte Haltung – der Schalk ist es wohl nicht, der ihr im Nacken sitzt; möglicherweise ihr Ruf? Alles in allem: Fantastisches Plakat.

DSC00077

Deutschland hat keine Wertschätzung für seine Stars, so sehen das die Utes und Katjas. Sie irren. Deutschland hat gar keine Stars. Härte steht nicht für Würde. Willen nicht für Talent. Und die Stiefel, die gehen ja wohl gar nicht, soviel zum Glamourfaktor. Oder gibt es einen, nur einen (oder eine), die/der hier mitliest, der ein gutes Wort für Katja übrig hat? Surprise me!