Archiv des Autors: glamourdick

SCHÖNSCHREIBEN MIT GLÄM

Ich mag ja so Texte, die mit dem Wetter anfangen, um in kürzester Zeit eine Stimmung zu erzeugen. Allerdings setze ich beim Autoren eine gewisse Präzision voraus.
„Der Regen klatschte NASS und HART auf den Asphalt“ gefällt mir besser als „wie von achtloser Götterhand in einer sämigen Geste hinfortgezwirbelt spratzelten die törichten Tropfen voll saturierter Verzweiflung auf die Potse.“

Wenn man ein Wetter-Intro beherrscht, dann kann man gleich mit Düften folgen, oder man beschreibt die Tapete.

BJÖRK GEHT IMMER

You don´t know what she says but you feel the same, only you couldn´t say it quite like that. And you take a sip of the very rich and profoundly sweet wine and drag in the smoke from your luxurious cigarette, capturing all the delicious toxines. Mmmmmh. It´s one of those nights. Perfectly all right. Perfectly alone. Perfectly alive.

DIE PERFEKTE STILLE

In der Nacht von Freitag auf Samstag, ca. 4.00 Uhr. Da war sie da. Stille. Silence. Völlig entspanntes Stummsein von Geräuschen, mitten in Kreuzberg auf einem Dach. Als ich sie erkannte kam ich nicht umhin mitzuzählen. 12 Sekunden, dann knackte es im Gebälk.

Um Stille geht es in meinem Lieblingsgedicht. Stille ist durchaus etwas Religiöses. RMR sucht die perfekte Stille als Raum zum Denken an Gott. Für mich ist sie eine Art Naturschauspiel. So etwas wir die Niagarafälle. Aber wenn ich an einen Gott glauben könnte, dann würde ich mir auch diese perfekte heilige Weltwunderstille wünschen, bis an seinen Rand ihn zu denken. Einstweilen wache ich und zähle.

Have a Rilky Saturday!

Wenn es nur einmal so ganz stille wäre.
Wenn das Zufällige und Ungefähre
verstummte und das nachbarliche Lachen,
wenn das Geräusch, das meine Sinne machen,
mich nicht so sehr verhinderte am Wachen -:

Dann könnte ich in einem tausendfachen
Gedanken bis an deinen Rand dich denken

und dich besitzen (nur ein Lächeln lang),
um dich an alles Leben zu verschenken
wie einen Dank.

(Rainer Maria Rilke, Vom mönchischen Leben)

VORABEND-GLAM

Mir gefällt die Bruce-Sendung. Ich mag diese Mischung aus amerikanischem Selbsthilfe-Nonsens, gepaart mit dem Anspruch militärischer Disziplin, die gleich wieder durch das große Herz und die tränenblitzenden Bambi-Augen wettgemacht wird. Ich mag auch seine Anzüge und beneide ihn um seine Hüften. Und finde es wirklich reizend, wenn Menschen, die sich unansehnlich fühlen, mit etwas Couture und Make-up geholfen werden kann.*
Das Format ist so unböse wie es ein Format nur sein kann, deshalb grenzt es an ein Wunder, dass es nicht schon seit Jahrzehnten auf diesem Sendeplatz in der ARD läuft. Oder da, wo Biolek kochte. Ich finde Bruce eine wunderbare Alternative zum Kochen auf Vox und Bruder Dick, Schick und Fick (es geht doch wirklich nur noch um dieses drei, oder?) auf RTL 2. Täglich würde ich es nicht ertragen, aber da ich um diese Uhrzeit meistens noch arbeite stellt sich diese Gefahr nicht.

* Der Anruf meines Steuerberaters in Verbindung mit dem Make-over-TV und einem heutigen Zahnarzt-Termin führte bei mir in der vergangenen Nacht zu einem Traum, den ich mal so zusammenfassen möchte: ein bisschen Lepra gibt es nicht.

THE DEVIL WEARS CHEEKBONES

Hat sich mal jemand Gedanken darüber gemacht, wie die öffentlich rechtlichen es schaffen, selbst produzierte Spielfilme IMMER punktgenau 90 Minuten lang sein zu lassen? Sie beginnen 20.15 und enden 21.45. So muss das sein und nicht anders. Und dann kriegen sie auch immer ihre Geschichte erzählt. Auf Teufel komm raus. Schon ein dolles Ding. Sehr deutsch. Was ich widerum nicht verstehen kann – dass die Privaten nicht einfach für die Werbeunterbrechungen in Serien die dafür vorgesehenen von schlauen amerikanischen Drehbuchautoren so konzipierten Cliffhanger übernehmen. Die sind doch bestimmt auch pfiffig getimet…

Cliffhanger- und auch sonst spannungsarm „Private Practice“. Bei „Grey´s“ hatte die Figur noch Klasse und Biss – a doc we loved to hate, aber in der kunterbunten Privatpraxis ist sie einfach nur Standard. Ein weiterer Ally-Aufguss, verklappt in einer faden „Friends“-Brühe. Zap on.

Desweiteren beschäftigt mich heute dies. Nicht so sehr der Haaransatz, mehr die beiden Höcker, die Satan jetzt seitlich im Gesicht hat. Mutige schauen sich das hier an. Hier kann man sogarein paar Minuten seines Regiedebuts durchleiden* und bezeugen, dass sich in seinem Gesicht trotz Botox die Lippen noch zum Sprechen bewegen können. Da fällt mir ein – Madonnas Botoxtor kontaktieren.

Was sagt Ihr zu Bralice? Geht doch wohl gar nicht. Warum hat das nicht Brackenham gemacht?

*Satan streitet noch heute jegliche Beteligung an „The Wiz“ ab und schiebt die Schuld auf Sidney Lumet.

MANGEURE ROUGE oder INVASION OF THE BODY SNATCHERS

Als ich feststellte, dass es sich nicht um eine einzelne verirrte Kleidermotte gehandelt hatte und es vermutlich noch lebende Geschwister gab, da habe ich zuerst das historische flieder-creme karierte Versace-Sakko überprüft (heilig und heile), dann den seidenen schwarzen Zweireiher, ca 1996 – der müsste also bald wieder gehen – desselben toten Designers. Ebenfalls unbeschädigt, abgesehen davon, dass aus einem Knopf die Medusa rausgefallen ist, aber das waren nicht die Motten, das war die verlässlich schlampige Verarbeitung der Knöpfe. Der kamelfarbene Dolce-Mantel – unversehrt. Dann ein Gedanke wie ein Dolchstoß. Und, ja, mein urältestes Kleidungsstück, mein geliebter ca 20 Jahre alter scharlachroter No-Name-Cahsmere-V-Neck: da hatten die Biester ein Candle Light Dinner. Erst sehr geärgert. Dann aber überlegt, dass 20jährige sich um den Pulli prügeln würden, wenn er in diesem Zustand im Vintage Shop von American Apparel zu haben wäre. Diesen Pulli besitze ich schon länger als dass ich ihn nicht besitze. Und son paar olle Mottenlöcher – da steht der drüber.

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Edit. Schon eklig, dass die Biester irgendwelche Hautfetzen von mir aus dem Pulli knabbern. Auf der anderen Seit ist es besser so, als wenn sie direkt von mir frühstücke würden. Hab ich auch schon erlebt, dass so eine anfliegt und sich auf meinem Knie niederlassen will, um ein Stück Kniehaut oder Kniehaar zu verputzen. „Hältst Du mich fürn Pulli Du Scheißkörperfressersau oder WAS??!!“ Möchte man ihr zuflöten, doch auf Diskussionen sich einzulassen mit Motten hat wenig Zweck. Man klatsche sie an einer unauffälligen Stelle. Die Kleidermotte hinterlässt ja wemauchimmer-sei-Dank nicht so große Flatschen wie die gemeine „Männer-umschwirrn-mich“-Motte. Und mittlerweile haben sie sich eh an dem grünen Papier eine Überdosis Nasentod geholt. Man frisst nicht ungestraft mein Cashmere.