Archiv des Autors: glamourdick

DAYLIGHT LICK ME INTO SHAPE

Hier stünde jetzt der Beitrag über The Cure, den der neu installierte Opera-Browser leider gefressen hat. Darüber, wie Robert Smith eine Persona kreiert hat, mit Haaren wie Liz Taylor, 1968, nach einem Benzedrinwochenende mit Burton ins Koma gefallen und dann hat sich auch noch die Katze draufgelegt und der Dackel und eine Amsel nistete darin; mit Lippenstift, von dem die Hälfte auf dem Kopfkissen blieb. Und, wie es mir gelingt, Filmrezensionen zu verfassen, ohne eine Inhaltsangabe zu liefern, so wäre der Beitrag ohne eine Beschreibung von Robert Smiths Stimme ausgekommen. Essen Sie jedenfalls Ihre Niere auf, Katie Melua. Und lieben Dank an die wunderbare Frau Fragmente für die schöne Compilation! Seine Bewegung – Liz Taylor steht mit einem ganz ganz schlimmen Kater von ihrem Koma auf und tastet sich durch die feindliche Umgebung, wo alles hart ist und nichts ist weich, wie es sich doch gehören würde. Und putzt sich die Zähne mit Bourbon. Wenn es ihn nicht gegeben hätte – niemand wäre auf ihn gekommen.

SLIGHTLY MYSTERIOUS BRUISES

Knüller//Schocker//Equilibrium. Erst die Koryphäenrunde, dann ein langer Arbeitstag und dann ein schneller fieser Psycho-Exzess. Brutal, schmutzig und so, dass ich eigentlich, brutal getreten, eingeknickt auf dem Teppich liegen müsste. Tu ich aber nicht. Die Seiten, die mir Britt zukommen ließ, gelb gemarkert die Prognosen, aus denen zieh ich Energie. Da steht auch was drin, was die Prognosen glaubwürdig macht: was von neuen Freunden, die mir am 5. April über den Weg laufen. Die Sterne wussten das schon vor mir. Und bei ihm lese ich: „Warum lernen wir uns jetzt erst kennen?, frage ich mich. Eigentlich wars doch schon vorher klar, dass wir uns so gut verstehen.“ Und ich denke natürlich, Recht hat er, ich dachte ja das gleiche, aber „Wir haben vielleicht keine lange Vergangenheit, aber das wird durch die Zukunft kompensiert.“

Freunde – alte, neue, ganz neue. Ich denk den ganzen Abend an sie. Mein Kopf veranstaltet eine kleine Freundesrevue. Honest people. Intense people. Serious people. Seriously funny people. Slightly mysteriously bruised. Wir sind ein Film. Ein Musical-Drama, ein Sexkrimi, eine Horrorkomödie. Mein Heimatfilm.

BATES JUNKYARD

Was mich an dem Fiasko des gestrigen Abends nachhaltig beschäftigt, ist nicht (nur) die Gefährdung meines Projekts. Ich hatte meine Zwischenprüfung in anglistischer Linguistik zum Thema „Die Sprache von Schizophrenen“. Gestern Nacht kommunizierte ich mit einem Paradebeispiel. Inklusive paranoid. Ich habe mich bemüht, rational und ruhig zu bleiben. Die Kommunikation emotionslos zu einem Abschluss zu bringen und dann hoffentlich nie wieder etwas mit diesem Menschen zu tun zu haben, dessen Persönlichkeitsveränderung sich bereits seit einiger Zeit abzeichnete. Warum begegnen einem solche Leute überhaupt scheint´s ausnahmslos außerhalb der Psychiatrie?

QUID PRO QUO

Die meisten von Ihnen werden es nachvollziehen können: Bewerbungsgespräche, Prüfungen oder Präsentationen sind für den Bewerber, den Prüfling oder den Präsentatoren in den seltensten Fällen eine angenehme Prozedur. Nervosität, Unsicherheit, Scham – ein schickes Potpourri aus Ängsten und angstartigen Gefühlszuständen. Nicht schön. Jetzt mulitplizieren Sie das Gefühl, an das Sie sich vermutlich erinnern können, mit 1000 und Sie haben einen Eindruck, wie es einem Phobiker in diesen Situationen geht. Die Stresssymptome setzen schon Tage vor dem zu befürchtenden Auftritt ein, steigern sich kontinuierlich. Man kann nicht mehr einschlafen, man kann nicht durchschlafen, man wacht zu früh auf und kann nicht wieder einschlafen. Herzrasen, Zittern, Schweißausbrüche, Genickstarre. Magenschmerzen, Kopschmerzen, Phantomschmerzen. Unruhe. Konzentrationsschwierigkeiten. I could go on and on.

Glam hatte heute eine Präsentation. Ein Thema, das ihm am Herzen liegt, an einem Konferenztisch mit Koryphäen ihrer Zunft. Einer Zunft vor der er große Achtung hat, aber in der er null Erfahrungen vorzuweisen hat. Es galt, durch Überzeugungskraft zu punkten.

Ich wachte um halb 7 statt um halb 8 auf, aber in dieser frühen Stunde kamen mir noch zwei essentielle Ideen, die in der Präsentation glatt aufgingen. Ich war aufgeregt, aber nicht zittrig. Keine Schweißausbrüche, kein Herzrasen. Eine erhöhte Aufmerksamkeit statt Panik-Mattscheibe. Klare Formulierung statt leiser Stammelei. Ehrfurcht – ja. Aufgeregtheit – for certain. Keine. Sekunde. Ein. Gefühl. Von. Panik.

Es sieht tatsächlich so aus, als wollen diese Menschen das Traumprojekt mit mir angehen. Es ist noch viel Arbeit, bis die richtige Arbeit losgehen kann, aber ein Anfang ist gemacht. Mein Fuß ist in der Tür.

Es ist schön, wenn man mit dem Schutzengel eine so erfolgreiche Kooperation pflegt.

PERFECT SUNDAY oder HEISSE POPO-ÄCTION

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Aber wer hat die Lampen neben dem TV weggezaubert?

Ziemlich verkatert aufgewacht, aber nothing an Ibuprofen 400 couldn´t fix. Dann wollen ganz früh schon zwei Menschen eine Entscheidung, ich geh stattdessen erstmal zum Auto, wo noch Zigaretten sind. Als ich wieder in die Wohnung komme sehe ich ein Big Pack Marlboro Medium auf dem Tisch im Flur. Kann mich nicht erinnern, die in der vergangenen Nacht gekauft zu haben (mit welchem Geld?? war doch alles ausgegeben. Deef?). Muss ich wohl aber. Die Entscheidungen werden entschieden, das Skailight geht Brötchen holen und die amerikanische Nachbarin kommt zum Frühstück. Später kopulieren wir eine Kommode, weil die Schubladen intrigieren. Beim Frühstücken und der ganzen Avocado versäume ich eine SMS und rufe verspätet zurück. Dann kommt der Süße vorbei, der blöderweise seine Berliner Dependance bald schließen wird, wo wir unds doch gerade erst kennen gelernt haben. Aber wir sind ja alle mobil. Die D. ruft an, sie fliegt für eine Woche nach D. Seit zehn Tagen reden wir wieder, nach 2 Jahren Unterbrechung. Und können wieder über die gleichen Sachen lachen, was sich gut anfühlt, sie hat mir gefehlt. Dann, weil ich ja jetzt so väterliche Gefühle habe, Bildungsfernsehen mit Sendungsauftrag. Shortbus. After the Shortbus fällt mir ein, dass ich irgendwo eine Mappe habe, wo irgendwas drin ist, was ich dem Skailight unbedingt zeigen wollte. Was das war vergesse ich bis heute. Aber endlich habe ich das Plakat von Annie mit der verrutschten Perücke wieder. Und meine Bette Davis-Papp-Epaulette, die ich von 1989 bis 1990 an der linken Schulter meiner Lederjacke trug. Und Fotos von mir als Model! Dann noch ein Bild von Marilyn mit Kopftuch, das ca 1982 über meinen Bett gehangen haben muss. Meine Collagen. Meine Zeichnungen. Ich wühle so in der Mappe rum, dann geht sie nicht mehr zu, weil alles so aufgebauscht ist. Ich auch. Taking an unexpected trip can do that. So ein Dutzend papierne Gegenstände habe ich herausgewühlt, die liegen jetzt im Schlafzimmer auf dem Boden. Das Marilyn mit Kopftuch Bild muss ich morgen bei mir tragen. Das wird helfen. Ich weiß es.
„Das ist so zwangsläufig, dass Du das machen wirst, das ist ein Wunder, dass Du das noch nicht längst gemacht hast“ sagt das Skailight und legt das Exposé mit dem Strickjackenfoto beiseite. (Das „das“ erläutere ich vermutlich demnächst.)
Rückblickend habe ich darüber hinaus ca 4 Minuten des Tages damit verbracht, auf dem Po des Skailight zu sitzen und Om zu summen. Probieren Sie´s aus! Sie können auch einen anderen Po nehmen als den des Skailights.

P.S.: Das Skailight möchte darauf hingewiesen wissen, dass er seinen Po nicht massentauglich als Möbel offeriert. Si müssen sich also wirklich einen Po im Bekanntenkreis oder der Öffentlichkeit suchen.

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MINDESTENSHALTBAR BIS FOREVER

Wir kommen eine Stunde zu spät, gerade zum Ende der ersten Hälfte. Ich mach die Tür auf und eine subtropische, von Zigarettenrauch leider verschonte Dumpfwolke, die man eine halbe Stunde in der Mikrowelle erhitzt hat, stellt sich mir entgegen, mit Milchschaum. Ich suche den Raum ab nach bekannten Gesichtern und werde mehrfach fündig. Modeste, Schnittchen mit Gentleman, Engl mit Gentle Lady, der Don, Deef und noch ein paar, die mir schon mal über den Wege gelaufen sind. Schauen alle gebannt auf Ally Klein, die mit ihrer ziemlich einmaligen Stimme etwas zum Vortrag bringt, was den Raum erquickt, was bei diesem Klima auch wirklich notwendig ist. Mir ist das Klima entschieden zuviel, zumal ich zügig durch den Regen gelatscht bin, also geh ich nochmal kurz vor die Tür, zum Akklimatisieren. Und dann trifft mein Blick ein mich anlächelndes Gesicht und ich lächle zurück und frag mich, wer das wohl ist. Was sich dann wenige Minuten später erklärt, als der hübsche Mann zum Rauchen vor die Tür kommt. Meet Bomec. Live und in Farbe und in Topform. Bomec ist nicht wie in den Berichten die er schreibt. Bomec ist wie die Berichte die er schreibt. Pointiert. Zutreffend. Glasklar. Da. Analytisch. Und, mehr als das, humorvoll und outgoing. Er kann enthusiasmieren. Er bringt einen zum Mitlächeln, mitlachen. Ein großer Junge. My type of guy auf eine ganz unschuldige Art und Weise. Was jetzt nicht heißt, dass ich mich nicht verknallt hätte. Aber mehr so, dass ich ihn adoptieren würde, nicht ficken. Nicht dass er es nötig hätte, meinen Titel zu erben, eines Tages, er ist ja schon voller Epauletten und Orden auf seinem Kapuzenpulli und seiner Seite im Netz. Bomec schaut Ally beim Pinkeln zu, durch ein Prisma-Kuckloch und versichert uns, dass Ally nicht nur sehr schön schreibt und sehr schön vorliest sondern auch sehr hübsch pinkelt, sogar auf dem Kopf. Als ich Pinkeln gehe, versehe ich das Prisma mit einer Gardine, damit morgen nieman darüber schreiben kann, wie ich pinkele.

Die Pause ist erfreulich lang, aber längst nicht lang genug, um das Kennenlernen adäquat auszukosten.

In der zweiten Hälfte der Lesung stehe ich an der Bar, wo ich zwar die Vortragenden nicht sehen kann, aber das Publikum. Das irgendwie gut aussieht, wenn auch, meist in den weiblichen Fällen, sehr ernst. Und es sind, entgegen meiner Prognose, nicht nur Blogger. Oder es sind lauter Blogger, die ich nicht lese. Egal. Aber sie sehen okayish aus und ich bedauere kurz, nicht auch gelesen zu haben. Und dann schau ich dem Bomec zu, wie er den Lesenden zuschaut. 200% Aufmerksamkeit. Und dann ist die Lesung vorbei und es kann mit dem Kennenlernen weitergehn und mit Wodka und mit Balkanmusik und Deef kauft Zigaretten (ja, ich bin jetzt ein Partyraucher) für mich, man bringt mir auch Bier und weitere davon. Und bevor ich nach Hause wanke schmiegen wir uns brüderlich aneinander und jemand macht ein Foto von drei schwulen Bloggern (okay, einer ist bi) und es ist ein Handyfoto, vorbei die Zeit der Polaroids. Das Foto ist grainy und bunt und wir sehen alle drei sehr sehr schön darauf aus.

I, GLAM, THE PASSENGER

Mit Reisen ist es ja bei mir so: ich habe da aufgrund meiner kleinen Phobien vieeeeeeel verpasst. Das Reisen an sich fand ich immer erschreckend, nicht aber das woanders-sein. Das Hinkommen eben, diesen Viehtransport. Vielleicht habe ich mir über die phobischen Jahre ein grundlegendes Interesse an, bzw. eine Neugier nach Orten und Sehenswürdigkeiten ausgeredet. Ausgefühlt.
Woimmer ich hingekommen bin: wenn ich dort mit netten Menschen war oder wenn ich dort auf nette Menschen traf, dann fühlte ich mich ausgesprochen wohl. Das gilt für ALLE Orte. Selbst Düsseldorf, denn Düsseldorf fiel auch unter „Reisen“. (So wie Prenzlauer Berg.)

Was ich aber schon immer spannend fand: Reisende. Travellers. Menschen, die sich überall eine Heimat machen können, für ein paar Tage oder auch Jahre. Und davon gibt es in Berlin ja so einige. Deshalb, fühldachte ich, muss man aus Berlin vielleicht gar nicht so oft weg, außer im Februar, wenn sich der Winter klamm auf die Seele legt und man einfach nicht mehr will und kann, wo man jederzeit einen Sonnenflieger besteigen würde, wenn man es sich denn gerade leisten könnte.

The Sights of the World – das ist für mich wie klassische Musik. Ich bin nie herangeführt worden. Wenn ich aber die Polonaise aus „Eugen Onegin“ höre, dann erwischt sie mich und ich rausche grandezzend vor mich hin. Mein persönlicher Grand Canyon war der Westwood Memorial Park, Marilyns Grab. Ansonsten hatte ich keine Reisepläne und da bin ich nun schon gewesen. Aber auch die Salzinsel auf den Kapverden, von denen ich kaum wusste, dass es sie gibt, die hat mich betört. Es gibt bestimmt millions of more sights to behold. Und ich müsste mich nur aufraffen und etwas reicher werden. Fürs Erste werde ich mir ein paar Couchsurfer einquartieren und mal schauen wie das so ist. Vielleicht den Filmfreak aus Argentinien, der der erste war, der mich zu sich einlud – verlockend, aber bis auf weiteres nicht finanzierbar.

Und, mal schauen – eines Tages nehme ich dann vielleicht die noch viel verlockendere Einladung nach Neuseeland an.

DEREN PREMIERMINISTERIN IST JÜNGER ALS ICH!

Schreibt man, wartet man auf Antwort. Kommt Antwort. Fällt sehr erfreulich aus, Antwort. Tauscht man Telefonnummern aus, beschreibt den Weg zur Wohnung und anderthalb Stunden später wird gefickt. Fragt man sich, wie es jetzt weitergeht. Er wohnt ja nicht gerade um die Ecke. Fällt einem ein – kann man ja einfach wieder zurückschreiben, mit ein paar interessierten Fragen! Korrespondenz! Kennenlernen durch Worte! Schaut man noch einmal sein Foto an, schnüffelt an seinem paralleluniversellexistierenden Kopfkissen und haut in die Tasten.

HAUSFRAU AT HEART oder WEITERE BEKENNTNISSE

Ich weiß nicht einmal wieviele Jahre Gayromeo, aber nicht ein einziges Mal, dass mich ein Profilbild anlächelt und ich ein zartflaues Gefühl im Magen bekomme. Dass dann auch noch der Profiltext stimmt. Die sexuelle und auch sonstige Kompatibilität klar erkenntlich wird. Genug gemeinsame wie unterschiedliche Interessen vorhanden sind. Dass sich jemand also vorstellt als ein Erwachsener mit genau dem richtigen Rest kindlicher Staunensfähigkeit, die Kombi die bei mir zu akutem Verlieben fühlt. Also ein Profil, das den pragmatischen Fick zwischendurch transzendiert.

Ein Tag Couchsurfing. Genau DAS Profil. Man sitzt in der Berliner Kälte am Schreibtisch und sieht sich, wie man sich nochmal ins Bett legt, auf seine Seite, weil man den Duft von seinem Schlaf so mag. Er ist raus mit den Hunden oder bringt die Tochter in den Waldorfkindergarten. Geht dann Holz fällen und Chinchillas jagen für die neue Tagesdecke.

Leider ein Neuseeländer.