wieviel Scheiße ein einzelnes Mädchen in einem Zeitraum von 5 Stunden von sich geben kann. Ist das Körperverletzung, wenn ich zum Paketklebeband greife?
Archiv des Autors: glamourdick
DIENSTLEISTUNG
Freundlichkeit, wenn überdosiert, ist häufig nur ein Mantel für Inkompetenz.
MO HAYDER
„Some of the best creative writing in the world can be found on blogs and on regular, day to day posts on forums just like this. Who knows how far the internet’s effects on traditional publishing will go.“
Mo Hayder schreibt das. Eigentlich war ich etwas angefressen mit ihr. Sie hat zwei der besten Krimis des letzten Jahrzehnts verfasst und dann, vor zwei Jahen, einen Roman auf den Markt gebracht, den ich nicht mal namentlich nennen möchte, so langweilig und schlecht war der. Den las ich ausgerechnet, als die Sau Amanda immer wieder meine Chucks anknabberte, auf der Isla Bonita. Nicht genug mit dem Inhalt des Romans – Mo hatte auf der Cover-Innenseite ein Autorinnenfoto veöffentlicht, das sie vor einem Bett sitzend zeigt. Die Laken verkrumpelt und ihr Gesichtsausdruck frisch gefickt. Das ging gar nicht, fand ich. Jetzt, wo in ihrem neuen Roman „Ritual“ dasselbe Bild um geile Säcke Leser wirbt, finde ich es lustig.
Die Frau hat ein offenbar spannendes Leben. Sie hat mit 15 die Schule abgebrochen, als Filmemacherin und Englischlehrerin gearbeitet und war Hostess (!) in einem Club in Tokyo. Und ist Mutti. Und sieht hammergeil aus. Und hat nebenbei „Birdman“ und „The Treatment“ geschrieben, zwei Thriller, die einem die Haare zu Berge stehen lassen. Deren Wirksamkeit beruht auf einer intelligenten Verschmelzung von Barbara Vines Psychologie und einem klassischen amerikanischen Erzählstil. Mo schreibt grausam gut. Und gut grausam. Kein Wunder, dass die Bücher sich verkaufen. In ihrem neuen Roman tut sie sich und uns eine Gefallen- sie bringt ihren gequälten, symathischen, kaputten, verfluchen Cop Caffery zurück. Und schon deshalb verzeihe ich ihr die muschigen Fotos. Lesen!
ÜBERGLAM
„Boah – stell Dir mal vor – der ist ja ganz lustig, anderthalb Stunden, aber der ist ja STÄNDIG so! Stell Dir mal vor Du BIST so!“
„Aber ich BIN so.“
„Hm. Stimmt.“
DON´T MEET JOE BLACK
Ich sitze ja nur am Rande. Zaungast. Aber es nimmt mich mit. Vor 10 Tagen fing es an. Die amerikanische Nachbarin stand weinend vor der Tür. Ihre Großmutter war gestorben und, streng jüdisch, sollte sie binnen 48 Stunden beerdigt werden. In San Diego, Kalifornien. Dank günstiger Umstände ging ihr Flug 7 Stunden später und sie schaffte es rechtzeitig, ihre Grandma auf ihrer letzten Reise zu begleiten. Am Tag darauf fand dann das bewegende Familiengespräch betreffs Tod, Sterben und Bestattung statt. Und eine Woche später sehe ich den besten Freund weinen. Seine Mutter.
Draußen grünt und blüht es. Meine Oma Sofie pflegte zu sagen „im Frühling kommt das Gift aus der Erde“. Man solle den Versprechungen des Frühlings nicht aufsitzen. Aber es ist vielleicht ein wenig leichter zu ertragen, das Unerträgliche, wenn einem die Sonne die Tränen zu Salz trocknet.
Ich bin nicht gut im Pflegen oder Trösten. Mir fehlen oft die Worte, weil – was sind die schon angesichts der Katastrophe? Manchmal denke ich – am Besten jetzt gleich mitsterben, dann würde man den Hinterbliebenen noch eine schrecklich Trauer abnehmen, das würde dann doch gleich in einem Tränenabwasch erledigt werden können. Morbid, ich weiß, aber seit zehn Tagen schaut er durchs Fenster, räuspert sich, macht unangenehm auf sich aufmerksam, der Angeber, der, der immer gewinnt. Der Tod.
NOTIZBLOG
Überhaupt. Mit Notizblock draußen sitzen und konfuse Gedanken aufzulisten. How pathetic is that? Und dann ist es noch nicht einmal ein richtiges Notizbuch, sondern die Address-Seiten im Kalender. Bin bis L gekommen. Soviele Worte, so wenig Sinn darin.
THINGS WE´RE NOT PREPARED FOR
Freitag. Viel unterdrücktes Weinen über den Tag verteilt. Samstagmorgen Niagara. Du liest vermutlich heute nicht mit. But I´m with you.
INDICKNITO
„Dein Onkel P. war wieder ohne Socken beim Bäcker.“
„Bei der Kälte?“
„Der ist mittlerweile so fett, der kann sich nicht allein die Socken anziehen. Da muss ihm Deine Tante L. helfen.“
Und die L. ist böse. Wenn die ihrem Alten eins auswischen will, dann schon mit sowas Simplem wie den Socken. Es ist so einfach, es ist fast schon unfair.
Früher, mit dem Hund, da bin ich auch bei jedem Wind und Wetter als erstes morgens raus. Ohne Kaffee, ohne Dusche. In Jogginghose (aber von Boss Orange Label, eine goldene.) Mit Sonnenbrille und Mütze. Jetzt dusche ich zwar vorher, aber ansonsten unternehme ich keine Verschönerungsversuche. Geht ja nur um den kurzen Weg zum Wagen, wo die Morgenzigarette im Handschuhfach wartet. 5 Treppen, einmal über die Straße, Ungeschminkt, mit nassen Haaren und Sonnenbrille.
Wenn ich dann 2 Stunden später das Haus verlasse, in der optimierten Vorzeigeform, dann tu ich, als sei ich noch gar nicht aus dem Haus gewesen. Und das geht erstaunlich gut. Vielleicht bin ich doch ein bisschen schizoid, aber man muss die Dinge trennen können.
Wäre ich berühmter, dann wären natürlich Paparazzi ein Problem. Oder ich nehm einfach die Zigaretten wieder mit nach oben.
THE SOUND OF CASH
Donnerstagnacht. Ein studentisch aussehendes Paar hat einen Plus-Einkaufswagen für einen Euro angemietet und rumpelt damit die Wiener und die Ohlauer entlang. Die beiden sammeln Pfandflaschen auf, die vom Myfest übrig geblieben sind. Der Wagen ist recht voll und macht klimpernde Geräusche. Man kann jetzt sagen „Doll! Ein Maifest ohne Randale! Früher gab es Glas zu dieser Uhrzeit nur noch in Scherbe.“ Oder aber auch „Wieder haben zwei Emporkömmlinge mit einem Geschäftsideenklau einem Penner das Geschäfst vermiest.“
CONFESSIONS ON THE GLAM BLOG oder TART MANDY
The bitch still sucks. But I love the album.