Archiv des Autors: glamourdick

QUOD ERAT DEMONSTRANDUM oder so

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Herr Strike identifizierte ja die abgegbildete Dame als vermutlich medikamentenabhängig. Ich hätte einfach auf Piccolosäuferin getippt. Aber dann, mitten in „Meine Straße“ fiel sie in Ohnmacht. Zunächst befürchteten wir Schlimmeres. Aber in der Pause konnte sie schon wieder rauchen. Und als ich mein Abschieds-Zucker-Butter-Banner-Foto handygrafierte, da war sie eine willige Zucker-Statistin. Ohne mit der Wimper zu. Und auch sie ist jetzt eine von uns und kann mit uns skandieren – wir warennämlich auch in Zucker und Butter. Und es war ein(letztes)mal mehr surreal entrückend. Danke, Cora.

Und hier sehen Sie, was Sie dummerweise verpasst haben. Schade. Och.

MORE SAVAGE GRACE

„As my grandmother used to say – One of the uses of money is that it allows us not to live with the consequences of our mistakes.“

„Brook´s mother is much too beautiful for her own and everyone else´s good. (…) The only relation that anyone – man, woman, child, even her own children – can have with her is a flirtatious one.“

„Once at their place on the Cape when i was there for dinner, Barbara and Brooks got Tony to read the Marquis de Sade out loud. He didn´t read particularly well. (…) It struck me as very peculiar.“

„It was a terrific aging actress role that Barbara Baekeland eventually played. she couldn´t get over the fact that she´d been John Jacob Astor´s gilrfriend for a minute. It was a theme, it was constantly there. It was her notion of herself and that´s what her behaviour was based on.“

„She wound up conceiving her own killer.“

„Official Visitors File, Broadmoor Hospital: Maternal grandmother still seems less disturbed by her daughter´s death than by the fact that her dear little Tony is in trouble. She seems just as mad as the rest of the family.“

ES GEHT UM LEBEN UND TOD

Gestern nacht besoffen drei Blogeinträge verfasst. Heute gelöscht. Einer ging so:

PAROLE EMIL
Schwänze raus.

Dabei war mir gestern nach drinnen bleiben. Aber heute nicht. Gleich habe ich Sex mit einem Asiaten. Hatte ich bislang nur einen. Einen Inder, wenn ich mich recht erinnere. Musste ich mich erst erkundigen bei der buddhistischen Kollegin, ob denn Inder auch Asiaten sind. Sie sagt Ja. Muttertag ist auch noch, aber ich habe schon letzte Woche gratuliert. Und lese immer noch „Savage Grace“ und unterstreiche, was das Zeug hält. Morgen ist Ausschlafen. Zum dritten Mal. Wenn das kein Luxus ist. Das Skailight ist grad raus aus der Wohnung, Herr Strike auf dem Weg zurück in die Metropole. Der unlängst hinzugewonnene Freund schaffts auf den schrecklichen Geburtstag. Die Iris blüht auf eine Georgia O Keefe-perverse Art und Weise. Ich bin angebräunt. Jemand bat mich um eine Klammer und ich konnte sie ihm geben. Ich kannte sie nicht, aber dann wurde sie mir bewusst in ihrer schlichten Erhabenheit. Die Menschen wollen ja immer wissen worum es geht. Siehe oben. Es ist doch alles recht schön, gerade, trotz allem, wegen vielem. Und an die Steuer denk ich morgen.

SAVAGE GRACE oder JET SET GOTHICA

„(Barbara´s son Tony) was not only homosexual but a practicing one. That was a terrible shock to his mother, who fought against it with him, ferociously. She may even have died in one of their fights over it.“

„A son killing a mother is Greek tragedy but this is much worse – much much worse. I think that she killed him.“

„That´s a real question – who killed who. It was a real dance, a minuet.“

„Sylvie was his first girlfriend, you see. He brought her to meet Barbara and Brooks in Paris – brought her home like a kitten bringing its first killed mouse, and laid it a their feet.“

„Before they separated, Barbara told Brooks „You know, I could get Tony over his homosexuality, if I just took him to bed.“

„I always heard that the mother and son slept together. (…) It certainly was the talk of the East Hampton set.“

„She did not say or do anything to resist his assaults.“

„His great improvement in prison may be due to relief from the great strain of his relationship with his mother.“

Savage Grace, Natalie Robins and Stephen M.L. Aronson.

INDIAN SUMMER

In youth, it was a way I had
To do my best to please,
And change, with every passing lad,
To suit his theories.

But now I know the things I know,
And do the things I do;
And if you do not like me so,
To hell, my love, with you!

(Dorothy Parker)

GLAM KNOWS HOW MADONNA FEELS oder REAR WINDOW

So. Jetzt werd ich zum Spanner. Aber diese Dreier WG im Hinterhof ist wirklich zu süß, wie sie in Unterwäsche mit schlafverstrubbeltem Haar auf dem Balkon in Ramschsesseln sitzt, in einer ganz heterosexuellen Art und Weise, und die Berliner Zeitung liest. Der Kurzhaarige und der Längerhaarige könnten Brüder sein, aber das liegt vielleicht an den identischen roten T-Shirts.

Der Soundtrack des Sommers läuft, die Iris blüht, die Einladungen zum schrecklichen Geburtstag sind raus und ich wünsche ernsthaft, ich wäre heute 20, wo die 20jährigen aussehen wie ich mit 20 aussah. Ich muss grinsen, wenn die kleine J. ins Büro kommt, in abgeschnittenen Jeans mit Leggings drunter. Was habe ich bloß zwischen 20 und 30 gemacht? Nur studiert? Allein in einem Büro gehockt? What a fucked up time. Vielleicht habe ich einfach das meiste vergessen. Es hat sich ja größtenteils durchaus gut angefühlt. Nur zu wenig Sex. Und auch kaum Drogen. Es war halt ein Leben ohne Internet und ich war in den falschen Clubs unterwegs und meiner Zeit eben optisch 15 Jahre voraus. Ich hätte Geld nehmen sollen und wäre heute Madonna. Ich hab ja auch daran geglaubt, dass ich mit 30 ein Star bin – „Express yourself“ und so. Heute singt sie „You don´t have to be rich and famous“. Schlampe.

GLAMORAMA REVISITED

Nach dem Gartenfest, das die exzentrische Sängerin aus dem Osten im Garten meiner Eltern für mich gegeben hatte, fand ich mich in einem Raucher-Hubschrauber wieder, mir gegenüber mein zukünftiger neuer Mitbewohner, allerdings in Edelausgabe. Man flog mich in den Libanon, wo ich zum Glamour-Terroristen ausgebildet werden sollte. Und, ja, ich habe mal unter dem Pseudonym Victor Ward gearbeitet.
Aufwachend fiel mir ein Gespräch mit einem Dealer ein.
„Lange nicht gesehen, A.! Wo warst Du denn so lange?“
„Urlaub. Bei meinen Eltern.“
„Wo denn?“
„Beirut.“
„Ah. Schön.“

DEATH, TAXES, STRANGERS

Die Steuer schreibt mir Briefe. Noch ist alles im Lot, was sich ab 10. Juni ändern wird – vorsteuerpflichitg, erstmals. Und 2007 wird langsam auch fällig, wenn ich es nicht an einenHalsabschneider Steuerberater deligiere. Schicksalshaft erscheint ein junger Mann auf der Türschwelle, der ein paar Monate eine Bleibe sucht und sich hier einmieten möchte.
Manche Menschen haben Angst vor dem Tod, ich habe Angst vor der Steuer. Nicht, weil ich mir etwas zuschulde haben kommen lassen, sondern, weil ich einfach in dieser fiesesten aller Steuerklassen bin und meine Einnahmen und Ausgaben häufig in einer ungesunden Wechselbeziehung stehen, es bleibt selten etwas über. Ich muss sie mir irgendwie ausreden, diese ständige Sorge über Geld. Ständige Sorge ist etwas, das einen aushöhlt, man merkt es zunächst nicht, bis das Nervenkostüm über der Brust spannt und man begreift, dass der emotionale Haushalt schon wieder unter einer irren Fuchtel steht. Ich kann eigentlich voll auf die Zeichen meines Körpers vertrauen, der mir bei derlei Belastung/Besorgnis diverse Alarmglocken orchestriert. Klingt nicht schön.

Vor ähnlichem Hintergrund hatte ich bereits diverse Schiffbrüche mit Untermietern/Mitbewohnern. Financially insecured, an invasion of privacy is a tough thing for me. Aus Luxus heraus seine Wohnung zu öffnen (Couchsurfing) ist etwas Feines. Aber will ich wirklich wieder einen Fremden hier, side by side, on top of the city? Dann wieder sag ich mir – 4 Monate müssen doch zu schaffen sein. Aber ich glaube mir nicht.