Archiv des Autors: glamourdick

MAC RAIDER

Neffe 1 (7), während er glutäugig Lara Croft auf dem Bildschirm verfolgt: „Onkel Glammy – wer erbt eigentlich mal Dein MacBook?“
Neffe 2 (10), errötend, zu Neffe 1: „Boah Du bis so peinlich, ey.“
Glam (XX), zu Neffe 1: „Die Steuer voraussichtlich.“

THE GLAM SEAL OF APPROVAL

Entzückend, und alles andere als überraschend, dass sich die Lieblingsblondine mit dem Lieblingsschweizer prächtig verstanden hat. Miss Dolittle und der neue Nachbar haben ebenfalls Diamantenstaub gesparkelt. Solche Abende könnten meinetwegen jeden Abend stattfinden. Und kann bitte jemand Martha Wainwright einen Strauß überreichen für den Albumtitel „I know you´re married, but I´ve got feelings, too“.

DON´T FUCK WITH GLAM´S ASS

Schon vor dem ersten Kaffee die Beine breit gemacht und zwei Teile in den Arsch geschoben bekommen. Ich werde mich nie an Proktologen gewöhnen und hatte schon immer Ehrfurcht vor Frauen, die ja viel häufiger mit Gynäkologen zu tun haben als Männer mit Proktologen. Dieses Mal hatte ich auch Glück mit dem Arzt. Er hat nicht die Tür zum Gang aufgelassen, wo sich die Wartenden drängten, weil es keine Sitzplätze mehr im Wartezimmer gab (mein letzter vergab Termine immer mindestens doppelt, Wartezeiten von 2 Stunden waren die Regel), und ihnen einen tiefen Einblick in Glam gewährt. Er hat nicht gleich einen Hodenkrebs-Check gemacht (dafür ist ein anderer Arzt zuständig). Er spritzt nebenbei kein Botox und würde sich dafür auch nicht in Naturalien auszahlen lassen (nein, nein – keine sexuellen Dienstleistungen, nur Spielzeuge und DVDs aus einem Geschäft für, äh, Spezialitäten.)
Im Vorzimmer saß auch keine mürrische Lesbe, die selbst im Schuhverleih einer Bowlingbahn überfordert wäre, sondern ein freundlicher junger Mann mit Doppelnamen-Namensschild. Immerhin hat der neue Arzt NICHT das Spekulum angewärmt, das wäre selbst mir zu schwul.

Wenn Sie also mal einen wirklich guten Arsch-Arzt brauchen, wenden Sie sich vertrauensvoll an mich.

DATING AGAIN

Samstag. Nach 5 Stunden See schaut es mich recht angebrannt aus dem Spiegel an. Ich könnte ja jetzt was drüberschmieren, dafür ist Make-up ja erfunden. Dann denk ich „Lass es sein“ und geh ungeschminkt zu meinem Date. Und ich meine Date, also nicht zum Ficken. Treffen in der Öffentlichkeit zwecks Kennenlernen. Die Begutachtung durch den jungen Mann fällt positiv aus. Er will mich wiedersehen. Aber ich ihn nicht. Die Vorzeichen waren eigentlich schon glasklar: „Kannst Du mich anrufen, ich hab grad kein Guthaben mehr auf der Karte“; Die Telefonstimme eine Art Singsang; kaum dass er sitzt, baut er sich einen Joint; sein Parfum – ich mag seinen Geruch nicht. Und dann findet er mein Blond auch noch zu golden. Ich erkläre ihm, dass es sich nicht um eine Haarfarbe handelt, sondern um ein Statement. Und ich bleibe bei dem Entschluss, den ich nach meinem allerersten Homosex mit 16 gefasst habe: Nie wieder Frisöre.
Kein Drama. Er steigt auf sein Klapprad und fährt zurück in den Friedrichshain.

Auf dem Rückweg durch den Park wird es dunkel, es ist noch angenehm warm und ich geh die Wiener Straße entlang, überall vor den Imbissen, Bars, Kneipen sitzen Menschen und schauen Fußball. Es sind viele Passanten unterwegs, Samstagabend-Kastanienallee-Niveau, und sie müssen den Fahrradweg benutzen. Das Mysterium Fußball wird sich mir nie erschließen, aber wenn es dazu führt, dass große Menschenmengen friedlich zusammen sitzen, dann kann ich schlecht etwas Böses sagen. Trotzdem: meine Vorbehalte bleiben.

Sonntag. Das gestern frontale Verbrannte ist nun eine satte Bräune. Rückwärtig bin ich dank eines weiteren Tages auf dem See rosa, aber das wird. Herr Strike und ich betreten das Gartenlokal in dem wir eine Verabredung haben.
„Hoffentlich schauen sie nicht Fußball.“
Schweigende Leute, die alle etwas gelangweilt auf die Leinwand schauen.
„Ich fühl mich immer, als ob ich störe, wenn ich wo hinkomme, wo Fußball geschaut wird.“
Ein weißes T-Shirt regt sein hässliches Haupt:“Kannste die Unterhaltung vielleicht woanders führen ey – Du stehst mir im Bild.“
Nicht nur vielleicht. Garantiert. Celebrate your shit. But without me.

Mein morgiges Date macht Yoga. Und raucht. Ich mag große Männer, wenn ich neben ihnen laufe und so schräg zu ihnen aufschauen kann. Außerdem sehen sie meine Nasenhaare nicht. Kleine Männer allerdings machen mich geil, weil es im Bett irgendwie praktischer ist, wenn alle Körperteile mit einem Handgriff erreichbar sind. Der morgige ist 1,70 und sieht zuckersüß aus. Alles weitere, was ich von ihm hier berichten könnte, würde ins Pornografische abgleiten, (vielleicht sollte ich doch endlich einen Porno-Blog betreiben). Ich bin gespannt auf seine Stimme.

GLAM – DOWN THE RABBIT HOLE

Ist doch klar, dass man im Anschluss an so eine Party erst mal in ein Loch fällt. Man kann sich ja nicht jeden Tag durch ein Spalier aus Vertrauten umarmen. Aber wenn ich in die Wohnung komme und schau in mein leeres Zimmer oder sehe den Fremden, der sich eingemietet hat – then I start to feel a little lost. Dann wieder ist das Loch ein Kaninchenbau, ich taumele, an mir vorbei fliegen Zigaretten, Scientology-produzierte Horror-DVDs, Steuererklärungen, Nahrungsmittel, die ich diese Woche nicht zu mir genommen habe, Lilienduft wirbelt Alices Rock hoch, Wind rauscht durchs Blondhaar, da ein Foto von Marilyn, und ich reiße die Augen auf und schlage auf und es tut nicht weh. Vielleicht. Nur ein bisschen. Da stehen die Fläschchen zum größer werden, da die zum kleiner werden. Hier war ich schon mal. Oft. Aber früher hatten die Fläschchen Korken und ich keinen Zieher. Dann streiche ich die weiße Schürze überm himmelblauen Rock glatt, schüttele den Lilien- und Diamantenstaub aus dem Haar und ein paar Buchstaben, die, sich dahin verirrt haben und die früher mal Worte waren, aber sich im Sturz verloren haben wie Titanic-Flüchtlinge beim Untergang. Sie suchen sich. Sollen sie. Ohne mich. Ich kann grad nicht. Diese Mal finde ich Heidis magischen Korkenzieher in meinem kleinen Täschchen und die richtige Dosis aus den Größer und Kleiner-Fläschchen und mein Handy macht eine scheppernde Bewegung. Die kleine Tür geht auf, ich gehe raus, es ist Abend, aber noch hell. Ich habe es sogar noch geschafft, mich umzuziehen. Das blaue Kleid war wirklich zu Disney.

Ich sitze unter eine gewaltigen Kastanie. Orange und überirdisch schlottert die Ubahn in ihren zu dünnen Gleisen an der Kirche vorbei. Die beiden Jungs, die ich zuvor erst zwei, dreimal gesehen habe setzen sich zu mir. Reisende, die ein paar Monate, Jahre Halt machen. Beide Hetero, beide mit dem Gehen-Gen versehen. Ich habe ja nur das Bleiben-Gen. Wir haben zunächst einmal nichts gemein außer der Biene, die mal hier, mal da landet und unsere Leben beflügelt. Es ist sicher auch der Biene zu verdanken, dass diese beiden Jungs nun meine Nachbarn sind und wir hier sitzen und reden. Als ich I. das erste Mal traf, wir hatten kaum gesprochen, aber irgendwann, als es draußen hell wurde und nur noch eine handvoll Versprengter auf seinem Wohnzimmerboden saß, da hatte er seine Hand auf meinem Oberschenkel und streichelte ihn vertraut rückversichernd und gänzlich unsexuell. Das hätte sich seltsam anfühlen können, aber es stimmte. I. und E. berichten von einer Schlägerei, in die sie kürzlich verwickelt waren. Wie so oft in Berlin ging es um Parkplätze und religiöse Differenzen. Sie werden mir noch sympathischer. Dann reden wir über Wasser und Seen und ich erzähle, dass man sich beim Kajak-Paddeln ein kleines Glöckchen im Bauchnabel vorstellen soll, das bei jedem Ruderschlag „Pling“ macht. Der Torso macht die Arbeit, nicht die Arme. Sie wollen wissen wie die Party war und ich sage „Ist doch klar, dass man im Anschluss an so eine Party erst mal in ein Loch fällt.“ Nur, dass ich es auf Englisch sage.

Zwei Stunden und zwei Bier später nehmen wir uns zum Abschied in den Arm. Ich gehe um die Ecke, überquere die Wiener, gehe meine Straße entlang, begegne niemandem. Dann nehme ich die Stufen. Auf Höhe des dritten Stocks begrüßt mich schon der Lilienduft. Mittlerweile ist es Nacht.

NICE ONE

niceone

„Thanks for buying this genuine DVD. We hope you enjoy it. Obviously you´re not a Knock-off Nigel, but rather the kind of person who generally does the right thing. Good on you. Hats off. Caps doffed. The lot“

Endlich sagt´s mir mal jemand. Ich hatte damals schon versucht, die Musikindustrie am Leben zu halten, aber ich stand da nackt im Wind. Und kaufe tatsächlich nach wie vor DVDs und lasse sie mir nicht brennen oder share sie rapide. Pfui.