
Archiv des Autors: glamourdick
AND I KNOW I HAVE SHOWN THAT I STAND AT THE GATES ALONE
Dann wieder so Tage, wo man besser die Fresse gehalten hätte, weil es alles falsch ankommt. Vorsorglich sagt man ab, was an social events geplant war. Als ob es einen nicht auch auf der eigenen Terrasse erwischen könnte. Ja, das Leben ist wunderbar, wenn es wunderbar ist, aber es ist Scheiße, wenn man sich nicht verständlich machen kann. Blutige Scheiße. Es gibt Plätze, an die einem niemand folgen kann. Und braucht. Aber man kann nicht sagen „In meinem Atlas gibt es kein Paris.“. Oder Jozefow. Oder Hjerndrup. Weil ich ja weiß, wo ich gerade bin. Es gibt Jozefow und Paris und Hjerndrup. Könnse mir glauben. Und dann noch ganz andere Plätze.
YELLOW BELLIED ALLIGATOR oder PULL THE PLUG
Wenn mir ein Freund oder eine Freundin erzählt hätte, dass der Typ, mit dem er/sie sich trifft, am gleichen Tag noch ein anderes Date hatte, dann hätte ich natürlich empathisch geurteilt „was für ein Schwein!“. Double-Dating Pfui Spucke! Spätestens seit „Sex and the City“ weiß man ja aber, dass man keine Chance ungenutzt lassen sollte, dass man mit einem Date ja noch keinen festen Partner hat und die Phase der Evaluierung noch eine Weile anhält. Ich meine, wenn Charlotte York das macht – who am I? Also wachte ich auf, blies meinem überraschenden Übernachtungsgast einen, trank mit ihm Tee auf dem Balkon, freute mich an seinem Lachen – den schlohweißen Nichtraucherzähnen, und traf später am Tag, nachdem ich das Sperma aus den Haaren gewaschen hatte, mein eigentliches Donnerstagsdate. Da wo Investoren demnächst Bürohäuser zu bauen planen saßen wir auf einem Fleck Grün, der von einer Elektroparty noch recht zugemüllt war, was seine Idylle beeinträchtige (auch der Lärm der vorbeifahrenden Bahnen kratzte ein wenig an der Romantik) und sahen den vorbeifahrenden Schiffen zu. Wir gaben uns trockene Abrisse unserer respektiven Biografien. Dann erfuhr ich mehr über Media-Spree, als ich in all den Artikeln, die ich nicht gelesen hatte, hätte erfahren können. Manchmal, wenn ich etwas sagte, fiel mir mein Gegenüber ins Wort. Meine Taktik ist in solchen Fällen, meinen Gesprächsbeitrag zu Ende zu führen und dabei immer leiser zu werden, nicht lauter. In der Regel merkt das Gegenüber dann, was er tut. Nicht gestern. Eine Kollegin, die sonst ganz nett ist, fällt einem auch immer ins Wort. Ein Ex-Freund tat das auch sehr gerne und oft. Bei mir führt das zu kommunikativer Schismogenese. Also, das passiert zweimal und ich entferne mich innerlich, dreimal und ich beende das Gespräch.*
Vielleicht lag es an der Polle, die meine Nasenschleimhäute austrocknet. Vielleicht am Schlafmangel, weil das eher ein erotisches Doppel-Liege-Yoga gewesen war, als gesunder Schlaf. Vielleicht an der Atmosphäre. Ich bekam Kopfschmerzen. Nicht so komm-Alien-friss-meinGehirn-damit-es-mir-nicht-mehr-weh-tun-kann-Kopfschmerzen. Eher so fiepende Kopfschmerzen. Wie Welpen. Dann lass ich auf der Spreemauer schräg gegenüber den Rat „Pull the Plug“. Kaum dass ich im Auto saß, waren die Kopfschmerzen jedenfalls verschwunden. Dann fuhr ich heim und spülte Gläser und lächelte das Prilwasser an.
*Ich habe diesem Gesprächsphänomen sogar mal ein Lied gewidmet, die amerikanische Nachbarin hat´s gesungen, es hieß „Let me speak my mind“. Das geh ich jetzt mal suchen versehe ich jetzt mal mit random photos lade ich gerade mal bei youtube hoch können Sie sich hier anhören und gleichzeitig noch ein paar Bilder aus meinem Fotoalbum betrachten.
THURSDAY
Jetzt fühlt es sich gerade an wie Schule schwänzen, denn eigentlich müsste ich ja arbeiten. Aber unlängst wünschte ich mir noch, neben einem Mann aufzuwachen, neben dem ich eingeschlafen bin. Und das Aufwachen dauerte heute halt etwas länger. Schön war´s.
IT´S ALL ABOUT GLAM
„Weißt Du wie Du aussiehst?“
Oh mein Gott. Grenzüberschreitung. Ich bin ungeschminkt, es ist vormittag, ich habe eine OP hinter mir. Der knuffige türkische Zigarettenverkäufer legt unaufgefordert meine Zigaretten auf den Verkaufstresen. Wie ich aussehe? Wie Kurt Cobain nachher??
„Dein Style und so?“
„Äh – nö?“
„Der „Fluch der Karibik“-Film, dieser Käptn.“
„Jack?“
„Ja Mann, Jack Sparrow!“
„Danke. Damit kann ich in den Tag starten.“ (Er hat „Du“ gesagt. Er hat „Du“ gesagt! Er meinte NICHT Keith Richards. Er meinte NICHT Keith Richards.)
Wir lernen: mit dem Kajal verhält es sich wie mit dem Blondsein. Es ist keine Frage der Haarfarbe, bzw ob man ihn gerade trägt. Einmal Kurt-Jack, immer Kurt-Jack.
Desweiteren. Habe ich mir vorgenommen. Es auszusprechen. Und es mit Stolz zu tragen. Ja, ich bin seit drei Wochen 40. Four Oh!
„Wie fühlt man sich denn da so?“ wollte die Porno-Queen von mir wissen, die nächstes Jahr an der Reihe ist.
„Schrecklich. Ganz ganz schrecklich.“
„Na – solang man 15 Jahre jünger aussieht…“
Das war vielleicht das schönste Geburtstagsgeschenk. Neben dem Polarfuchskragen. Und dem Kajak. Und den Gästen. Und und und.
Ich werde zu den 40er gehören, bei denen es stimmt. 40 is the new 20. Ich werde mir nicht von einer Zahl aufoktroyieren lassen, wie ich mich zu benehmen habe und was ich mir anziehen darf. Next film on my viewing list: „All about Eve“. Und „Sex and the City“ habe ich auch immer noch nicht gesehen.
A GLAM EVENING WITH JULIA, RUPERT, BRAD AND ONE HOT DOG
Ich verstehe nicht, dass „My best Friend´s Wedding“ immer als Komödie beschrieben wird. Ich muss jedenfalls immer weinen, wenn ich ihn sehe. Mir tut Julia die ganze Zeit Leid, so in einem empathischen Sinn. Ich fühle mit. Wie sie sich anstrengt, ein liebenswerter Mensch zu werden, und dabei über Leichen geht. Und überhaupt – Julia. Sie ist echt. Bei ihr wirkt kein Gefühl gespielt. Als der Film erschien hieß es, Cameron Diaz spiele Julia an die Wand. Völliger Quatsch. Cameron macht ihren Job als Komödiantin ganz wunderbar, aber Julia ist die Schauspielerin. Der Star. Man muss sich nur die „I say a little Prayer“-Szene anschauen, in der sie fast ausschließlich reagiert und in der man in ihrem Gesicht ALLES lesen kan. In der Catfight-Szene im Stadium ist Cameron ihr fast ebenbürtig, aber wer, glauben Sie hat größere Chancen (noch einmal) einen Oscar zu bekommen?
Ich war überrascht, wie gut der Film 11 Jahre nach Erscheinen noch funktioniert. Mal abgesehen von den schokoladentafelgroßen Handies, mit denen telefoniert wird, der Tatsache, dass JulIa Roberts raucht – und zwar INDOORS – und von Cameron Diaz´ Haaren, die gingen damals nicht und die sind auch heute noch scheußlich anzusehen. Und weil ich gerade so in Julia-Laune war, und wie das eigentlich immer ist, wenn ich einen Film mit ihr gesehen habe, schaute ich mir gleich noch einen zweiten an. „The Mexican“ geht heute noch besser als damals, und zeigt neben sweeet Julia auch noch Brad Pitt in einer seiner charmantesten Rollen. Er funkelt. Eigentlich schade, dass der Großteil der Rollen, die er danach gespielt hat, furztrocken war. Ich werde nur immer sauer, wenn das mit ihrem Entführer passiert, was der Drehbuchautor sich so ausgedacht hatte. Aber dann kann man ja einfach kurz vorher ausschalten. Noch etwas – in letzter Zeit fallen mir immer herausragend besetzte Hunde auf. In dem schrecklichen „Illuminated“-Film zuletzt und dann eben wieder gestern im „Mexican“. Watch „The Mexican“, nicht zuletzt wegen einer Oscar-performance by a dog in a supporting role. Kein Klassiker, aber ein kleiner Edelstein, natürlich vor allem wegen der wagemutigen Paarung der beiden größten romantischen Helden ihrer Zeit.*
* Wobei mir auffällt, dass Angelina, auch wenn ich sie mag, mich kalt lässt. Glamour ohne Seele. Brangelina mögen sparkeln, aber nicht im Film sondern in der Yellow Press.
Nachtrag: DAS muss man Cameron allerdings lassen. Dazzling vocal style…..
THURSDAY IS MY FAVOURITE DAY
Ein Trip in eine ganz andere Welt. Donnerstag. Wenn das Date so wird, wie sich das virtuelle Kennenlernen gestaltet, dann könnte es lustig werden.
„Ich hatte Dein Profil schon ein paar Mal angeklickt, aber dann dachte ich jedesmal – der ist viel zu cute für mich und hab mich nicht getraut, Dir ne Message zu schicken.“
„Das ging mir mit Dir genau so.“

Dann wieder ist da die Fallhöhe vom Virtuellen ins Reale. Was mit Buchstabentasten sexy und romantisch und witzig beginnt, muss ohne Tastatur nicht notwenigerweise einen eben solchen Verlauf nehmen. Thursday will tell.
OHNE ANKER
Sitze so auf dem See und die Schwanenfamilie zieht in 10cm Abstand rechts am Boot vorbei. Überlege, was sich in den letzten drei Jahren geändert hat, außer dass ich weniger verdiene und mehr wiege. Liste und liste und liste und mir fällt immer noch was ein. Und frage mich immer noch, wie das klappen konnte. Dass aus einer panischen Angst vor Menschen nicht nur eine Neugier geworden ist, sondern eine positive Schwingung, die wie eine Aura um mich ist. Neugieriges Ektoplasma. Diese Aura reagiert auf Herz und Seele. Für Brainies nicht nachvollziehbar, auf die wirkt sie Stacheldraht. Vielleicht kann ich auch irgendwann befriedigend mit Brainies kommunizieren, aber das interessiert mich im Moment nicht, dass ist kein skill, den ich beherrschen muss. Denn mit der Betrachtung der Welt durchs Herz (oder die sanierte Seele) werden Farben sichtbar, Töne hörbar. Die Angst ist verkümmert, runter reduziert auf ein kleines Tier, das in allen wohnt, das wir auch brauchen, bei echter Gefahr. Man kann sie füttern, dass sie wieder groß und stark wird, aber warum sollte man?
Es geht um Verständnis. Nicht erklären müssen. Seit irgend einem Moment, den ich nicht festmachen kann, bin ich ein Magnet für Menschen, die mir gut tun. Und das hat zur Folge, dass ich gerne unterwegs bin, gerne Menschen um mich habe, gerne neue Menschen kennen lerne.
„Oh – wo ist eigentlich der Anker?“ fragt die Bee und ruckzuck treiben wir ab. Und werden an Land gespült direkt vor E., mit der ich zur Schule gegangen bin.
„So nackt haben wir uns aber noch nie gesehen!“ sag ich zu E. Und uns beiden fällt ein, wie wir mit 20 waren und wir sind froh, dass wir jetzt anders sind.
Und, Lucky-Babe, ja, wir haben gestern leider den Anker verloren. Ich tippe auf den Wels. Aber ich kauf Dir einen neuen. Dass der MeckPommsche jetzt die letzte Ruhe gefunden hat, das passt auch irgendwie.
ICH WEISS, WAS ICH MIR HEUTE ABEND ANSCHAUE
GLAM LAKE
