Archiv des Autors: glamourdick

DIE GROSSEN WEISSEN VÖGELN*

So der Titel meiner voraussichtlich 2015 erscheinenden Autobiografie, in der ich aus dem breiten Spektrum meiner schillernden Erfahrungen zwischen Pornofilm und Liebeslied berichten werde! Schonungslos! In Farbe und mit Glitzerstaub! Voll frontal!!!

* Ja, sorry. Ist für Chanson-Insider. Kann man ja auch mal machen.

ALL ABOUT LAUREN oder MAL WIEDER WAS FÜR DIE RUBRIK „MOVIES FROM HELL“

Sehen Sie Lauren Bacall in „Applause“, dem Musical, das auf „All about Eve“ basiert. Nicht singen zu können und es trotzdem zu tun finde ich ja bekanntlich grandios. Aber noch einen drauf zu setzen – nicht TANZEN zu können und es trotzdem zu tun, das ist unschlagbar, das ist simply fantastic. That´s bombastic, that´s DISCO!!!!

IT´S A BRAND NEW DAY

Mir gefällt seine Selbstdarstellung. Die Liedtexte, die er in seinem Profil hat. Die Fotos. Das Bild von Kate Bush. Mir gefällt, seine Geradlinigkeit in der Kommunikation. „Ich bin so und so – wenn das ein Problem für Dich ist, dann brauchen wir uns nicht treffen.“ Kein Problem. Und dann schickt er mir ein Bild, in dem er nur mit einer Pelzmütze, Sonnenbrille und einem Cockring bekleidet ist. Ich liebe die Kombination Ständer und grinsen. Wir beschließen ein Date-Date, kein Fickdate. In gefühlten 300 Jahren Romeo-Dating ist es das sage und schreibe zweite Mal, dass ich jemanden besuche (normalerweise spielt sich alles bei mir ab). Er gibt mir seine Adresse durch und ich stutze kurz. Die Straße kenne ich. Sie ist weit weg, in einem Bezirk, der die letzten zehn Jahre komplett ohne mich auskommen musste. Ich bin nicht einmal mehr durchgefahren, so wie Thelma (oder war es Louise?) einfach nicht durch Texas fahren wollte. Ich parke den Wagen. Sein Haus liegt direkt gegenüber des Hauses, in dem ich viel gelernt habe. Lebenslektionen.

Seine Wohnung ist wie er – stylish, bunt, verspielt, sexy, feelgood. Auf dem Küchentisch stehen Antipasti, frischer Salat. Er zaubert ein Dressing und wir reden und hören uns zu, schießen uns auf Themen ein, sind ehrlich und offen und merken vielleicht in dem Gespräch beide, wo wir gerade sind. Jeder für sich mit rußgeschwärzten Brücken im Hintergrund, von seiner steigt sogar noch etwas Rauch auf.

Wir reden über Sex, über Liebe, über Beziehung.
Ab Mitte 30 sind Date-Dates anders. Man hatte schon. Man weiß mehr. Man ist schon mehrfach mit dem gleichen Auto verunglückt und hat dann das Fabrikat gewechselt. Man hatte Dreier, Vierer, Sexparties. Man ist endlich mal nicht der Betrogene gewesen, sondern hat auch selbst schon betrogen und WEISS, dass es nichts an der Liebe geschmälert hat, weshalb man es getrost für sich behalten und seine Schuldgefühle mit sich selbst ausmachen konnte. Man vergleicht Kandiaten nicht mehr mit Exen sondern mit den Qualitäten, die man an den Freunden liebt.

Ich unterstelle jetzt einfach mal, dass wir beide gemerkt haben, dass wir emotional gerade involviert sind. Nur nicht miteinander. Und trotzdem fühlt sich die Umarmung zum Abschied gut an, innig, ehrlich. So, dass ich ihn noch einmal wirklich fest an mich drücke und es ehrlich meine. Es fühlt sich gut an.

Ich glaube, wir werden uns wiedersehen und brave Sachen machen wie Bootfahren oder Hollywoodschaukeln. Vielleicht werden wir auch in Pelzen Falcon Videos schauen und uns darauf einen runterholen. Oder. Oder.

Und wo ich nach dem perfekten Abschlussatz suche fällt mir ein, dass ich auf dem Weg zum Auto keinen Blick mehr auf das Haus gegenüber geworfen habe.

HOLLY, GO LIGHTLY! oder LOVESONG FOR A SCHAUKELMÖBEL

Die erste hatte ich nach Kriterien der Bequemlichkeit ausgewählt. Und nach Maßen. Sie passte exakt in die Quer-Ecke der Terrasse. Teuer war sie, für damalige Verhältnisse: 400 Mark! Abzugspunkte gab es für das Design: Türkis gemusterter Stoff wie die Sitzmöbel eine Auttobahnraststätte 1985. Und der Baldachin! Hier ne Bordüre, da noch Fransen, und wenn die Sonne draufschien und man saß darunter, dann hatte man eine Gesichtsfarbe wie ein Schlumpf, kurz vorm Kotzen. Aber hässlich war 1998 auch gleichzusetzen mit kann-schon-wieder-stylish-sein, und das war, bevor ich Grey Gardens gesehen hatte. Der Aufbau war mehr als kompliziert. Die damalige Mitbewohnerin und ich kämpften uns durch die Bedienungsanleitung und verzweifelten. Währenddessen klingelte das Telefon und eine Diva aus Paris erzählte von RWF, weshalb mir der Aufbautag noch sehr in Erinnerung ist.
Der Hund des Ex liebte es, unter der Schaukel zu ruhen während der Ex und ich, damals war er noch nicht der Ex, darauf knutschten. Es waren so Anita-Kupsch-Momente.

Irgendwann entdeckte ich die Sonne für mich und baute den Baldachin ab. Mit ein paar Decken über der Sitzfläche sah sie fast schon sexy aus. Und sie war bei meinen Gästen immer sehr beliebt, fast schon wie mein Boot, wenn es sanft auf dem Wasser schaukelt, auch da bekomme ich immer Pluspunkte verliehen.

Im vorletzten Jahr zeigte sie erste Alterserscheinungen. Die Auflagen waren marode. Flugs nähte mir die Spreepiratin neue, in einer unvergesslichen Versace-war-Türke-Deko. Aber kürzlich brach dann das Gitter der Sitzfläche und gestern trennten wir uns. Sie wird nun in einem Dorf nahe Falkensee ihre letzte Ruhe finden. In einem Garten, unter einem Kirschbaum. Ihr neuer Besitzer, ein Genie mit Werkzeugkasten, mit dem mich eine kurze Affäre und dann eine langjährige erfreuliche Nachbarschaft verbindet, fertigt eine neue Sitzfläche. Die Auflagen der Spreepiratin werden auf dem Dorf Neid erregen und eine Stilwende auslösen, des bin ich gewiss. Meine Lieblingsnachbarshündin wird wochenends unter ihr schlummern und von ihrer letzten Scheinschwangerschaft träumen. Sie wird mir ein bisschen fehlen. All die Tausenden von Seiten, die ich auf ihr gelesen habe, die unzähligen Drinks verschiedenster Abendveranstaltungen, die auf ihr verschüttet wurden. Der eine oder andere Spritzer Sperma. Die Popos erlesenster Gäste. Ihren letzten großen Moment hatte sie auf meiner Geburtstagsparty, als die Mit-Konstrukteuse, die ehemalige Mitbewohnerin, auf ihr nächtigte.

Das war eine runde Sache. So long (so würde die Anruferin, die uns den Aufbau versüßte, es ausdrücken), so long also, alte Holly, Sitzmöbel Du. Dein Nachfolger, Dracula´s Porch-Swing, wird nie die Erinnerung an Dich auslöschen. Gehab Dich wohl, auf Deinem Altersruhesitz, und möge Dein neuer Besitzer Dir ebenso schöne Momente schenken. Und Du ihm!

YOU CHEATED ME

Tja, liebe Martha. Wenn Du nicht WILLST, dass man Blog-Promo für Dein neues Lied machst und das Embedden disablen lässt, dann mach ich halt einfach keine Promo für Dein neues Lied. Vielleicht redeste mal mit Deiner Plattenfirma.

Okay, Martha. If you don´t WANT to get some blog-promo for your new song and have disabled embedding the clip, then you won´t get any promo for your new song. It´s a s easy peasy as that. Or maybe talk to Universal?

DID YOU FORGET TO TAKE YOUR MEDS?

Die W. liegt auf der Intensivstation.
„Sie hat den ganzen Tag Schmerzen gehabt, sie hat sich gekrümmt und dann die L. angerufen. Weil sie Medikamente brauchte. Aber die L. hat sie dann ins Krankenhaus gebracht.“
Die W. hat in den letzten Monaten 12 Kilo abgenommen.
„Das ist seit ihr Arzt weg ist, bei dem hat sie immer alles verschrieben bekommen und er hat ihr sogar Morphium gegeben. Und von der L. wollte sie auch Monate lang nichts wissen.“
Die L. hat gute Kontakte – sie ist in einem Krankenhaus tätig.
„Sie hatte ihr wohl immer mal wieder was mitgebracht.“
„Was? Morphium??“
„Das weiß ich nicht – alle möglichen Sachen. Schmerztabletten, Rheumamittel. Das geht doch schon seit Jahren so.“
„Und warum hat keiner was gesagt?“
„Ach Du weißt schon – mir hat sie auch schon mal was mitgebracht. Na ja. Jetzt hat die W. ein Magengeschwür. Das hat sie nun davon.“
„Das kommt vermutlich nicht von den Pillen sondern vom Entzug.“

Bei der L., 60, handelt es sich um eine schlecht verheimlichende Alkoholikerin, die ihre Sucht damit kompensiert, dass sie die Süchte der Menschen in ihrem Umfeld sanktioniert und tatkräftig bezuschusst. Die W., 70, leidet seit Jahren unter unerklärbaren Schmerzen. Sie spürt sich erst, wenn sie in ärztlicher Behandlung ist. Sie fühlt sich erst gut, wenn sie im Pillenrausch ihr Haus ganz sauber geputzt hat.
„Und was jetzt?“
„Gestern hat sie den ganzen Tag geweint, weil sie ja eigentlich in Reha gehen sollte, nächste Woche. Ich meine ja, sie müsste in eine psychosomatische Klinik.“
Glam räuspert sich. „Vielleicht besser in eine Suchtklinik.“
„Aber wer soll ihr das sagen? Du weißt doch wie sie ist.“
„Schwierig. Süchtig. Auf Hilfe angewiesen. Und mit der L. wollte ich ja eh nichts mehr zu tun haben, aber jetzt ist sie mir noch ekliger geworden.“

SCHRAUBEN STATT SCHREIBEN

Wenn man sie nicht selbst montiert, dann zählt sie nicht zur Gattung der Hollywood-Schaukeln. Dann ist ein schwingbares Gartenmöbel. Der Aufbau hatte etwas Zen-mäßiges – ich habe nicht überlegt, ob ich sie komplett montiere oder nur damit anfange, aber irgendwann war die letzte Schraube verschraubt und da stand sie. Die Neue hat etwas. Sie ist nicht so bequem wie die alte, aber auch nicht so verkitscht. Klare Linien. Dramatisches Schwarz. Die Sitzfläche etwas flachbrüstig. Sie erinnert mich an Sharon Stone. Von der bin ich auch kein Fan, aber es ist schon okay, dass es sie gibt.

SUPERGLÄMME DIALOGE

„Meinst Du wirklich ich soll da anrufen?“
„Klar. Oben anfangen. Nach unten kann man sich immer noch orientieren.“
„Wer hat das gesagt?“
„Du. Als wir die Filmrechte an Eichinger verkauft haben.“

VON DEN LEBENDEN

Glücklicherweise hat mir der Arscharzt, bei dem ich die quartalsmäßigen 10 Euro hinterlegt hatte, eine Überweisung für den Allgemeinmediziner ausgestellt. Die kann ich jetzt für den Hausarzt nutzen, damit der mir eine Überweisung für den Augenarzt ausstellt. (Wenn ich sie fände. Bzw das Buch, das ich im Arscharztwartezimmer gelesen habe.) Für Erste Hilfe muss man übrigens auch 10 Euro entrichten, und die Erste-Hilfe-Medizin ist auch mit Aufschlag, aber den kann man sich zurück holen wenn man beim Augenarzt irgend eine Quittung bekommt. Alles sehr sovjetisch, irgendwie. Freitag hatte ich übrigens meine Zahnärztin auf dem AB: „Herr Dick, drei Monate sind um – wir müssen mal wieder einen Prophilaxe-Termin machen!“ Ich ruf da erstmal nicht zurück, mir reicht´s gerade mit Wartezimmern. Insbesondere das Erste-Hilfe-Wartezimmer hatte es in sich. Eine Patientin hatte neben ihrer Mutter, ihrer Schwester und dessen Freund auch noch dessen besten Kumpel dabei. Ich wünschte Spango wäre bei mir gewesen, er hätte einen tollen Text daraus gezaubert – ich möchte nur einen Textbrocken wiedergeben:
Mutter (mit Alkoholiker-Boston-Raucherinnen-Timbre): „Jetzt haltoma die Fresse Kevin. Is doch keen Kindergarten hier ey!“
Nee. Echtnich. Mehr so Sonderschule.