Archiv des Autors: glamourdick

MONA GLAM

„Mutti – festhalten! Ich bin Kunst! Katia Kelm hat mich in Knete modelliert! Ihr müsst Euch das anschauen!“
„Wo kann man das denn sehen? Kannst Du uns das faxen?“
„FAXEN? Das ist eine Skulptur! Das willst Du doch nicht in schwarzweiß auf Thermopapier!“
„Ja aber wo ist das denn ausgestellt?“
„Jetzt gerade? Im Internet. Geh zu Deiner Tochter.“
„Die sind doch heute in den Urlaub gefahren.“
„Cousine X. hat doch ihren Typen aus dem Internet, die hat bestimmt nen Computer. Ich ruf die mal an.“

(…)

„Ich hatte den Typ von Cousine X. am Telefon und die haben kein Internet. Wie leben DIE denn???“
„Ja. Hm. Kannst Du das denn wirklich nicht faxen?“
„Mutter. Das ist ne Skulptur.
„Na, dann musst Du und das zeigen wenn Du das nächste mal hier bist.“
„Wenn Du die Mona Lisa sehen willst, dann musst Du halt auch in den Louvre.“
„Vielleicht sollten wir wirklich mal dieses Internetz probieren. Kannst du das machen, wenn Du das nächste Mal hier bist?“

Merke: you can be as Glam as can be. When you go home for christmas, guess who´s the Weihnachtsmann?

GLAM WEISS ES IST 9, WENN…

… der alte Mann im Hinterhof ruft:
„Aysche? A Y S C H E ???“

Aysche antwortet nie.

Theorie 1: Aysche kann/darf nicht telefonieren oder die Gegensprechanlage bedienen.
Theorie 2: Aysche gibt es nicht mehr, der alte Mann äußert nur täglich seinen Unmut darüber.
Theorie 3: Aysche begibt sich nach dem Aufruf ans Fenster, lüpft kurz Kopftuch und/oder Bluse und der alte Mann ist zufrieden.

Wenn Theorie 3 die richtige ist, dann könnte er ihr zum Dank vielleicht mal ne Armbanduhr schenken, dann müsste er nicht immer rufen.

GLAM BY DESIGN

Es gibt eine Berufsgruppe, mit der mich eine besondere Affinität verbindet, im Grunde gibt es davon sogar mehrere, aber heute geht es mir um eine, die ich ganz besonders mag – die der Stylisten. Stylisten sind immer gut angezogen, immer eine Saison weiter – also wirkt ihr Look immer etwas wagemutig, sie sind immer mit einem bösen Humor ausgestattet und meistens dünn bis athletisch. Meist haben sie auch Drogen bei sich, und wenn, dann sind die von den besten Dealern – denen der Models und Designer. Designerdorgen quasi. Mit Stylisten kann man viel Spaß haben, weil sie lustige, böse Anekdoten haben und ungnädig mit ihrem Blick sind. Sie umgeben sich immer mit schönen Dingen. Sie haben einen Kleiderschrank, der größer ist als meine Wohnung. Sie haben keine Probleme mit Pelz und Fell. Sie tragen American Apparel Unterwäsche und Sportlersocken, zumindest in dieser Saison. Vor allem in Turnhosen sehen sie organisch aus. Ihre Haare sind oft asymmetrisch (zumindest noch in dieser Saison). Sie selbst sind oft keine Schönheiten, was sie allerdings durch Persönlichkeit, Charisma, ihren bösen Humor und ihre Turnhosen wettmachen. So werden sie auf ihre Art und Weise schön. Saisonunabhängig. Natürlich gibt es auch Stylisten, die einfach nur schön sind. Ich will keinen Stylisten unter den Scheffel stellen. Stylisten sind aus all diesen Gründen eine meiner liebsten Lieblingsberufsgruppen. Und weil sie auch immer so schön nach morgen duften.

WELTEN

„Kuckma hier Glämmy – Marilyn!“
„Das ist n i c h t Marilyn. Fas ist Jayne Mansfield.“
„Wer ist das denn?“
„Die hatte was, was Marilyn nicht hatte.“
„Dickere Titten?“
„Vulgarität.“

THANK YOU FOR THE MUSIC

Abba Scheiße zu finden gehörte irgendwann dazu. Verschämt habe ich die „Super Trouper“ der Plattensammlung meiner Schwester untergeschummelt, als ich Blondie, Kate Bush und Nina Hagen für mich entdeckt hatte. Auf Texte hatte ich damals nicht geachtet, dazu war die Musik zu fluffig. Wer Fernando war, und ob er nur Glocken oder Trommeln hörte – das interessierte mich nicht. Ganz daneben auch Lieder wie „Waterloo“ oder „Honey honey“, sowas hörte meine Tante, die damals auch die entsetzliche Afro-Mode mitgemacht hatte, schön blöd. Weiße Frauen mit schwarzen Haaren. Man möchte gar nicht wagen, zu deuten, aber ich schweife ab. Nach Blondie und neben Kate kamen dann Bauhaus dazu, Bowie wurde entdeckt (aber die 70ies Sachen) und der ganze Düsterkram und hysterische Frauen wie Siouxsie und Toyah. Abba? Bitte??!

Und dann, wie jeder nicht unattraktive Westflüchtling Ende der Achtziger arbeitete ich bei H&M, hatte ich eine kleine Kollegin, ganz reizendes Mädchen, wunderschön, und die versorge unseren H&M-Store musikalisch mit ihrer Abba-Lieblingslieder-CD, die damals noch eine Cassette war. Das war Retro, das war witzig und es machte nicht nur uns, sondern auch den Kunden Spaß. Abba war plötzlich cool. Man musste sich die schlecht gestylten Sängerinnen nur wegdenken (ich persönlich fand Frida immer sehr geil, zumindest mit roten Haaren, und fand Agnetha ganz unangenehm, weil die auch immer den Eindruck vermittete, Frida dürfe nur aus Mitleid mitsingen. Die beide Kerle waren völlig indiskutabel, und Frauen, die sich sowas als Partner aussuchten, mussten ja wohl einen an der Waffel haben.)

Aber das war die H&M-Phase, danach wurde die Musik wieder etwas anspruchsoller. Bis ich irgendwann das erste Mal Karaoke machte und – ich weiß nicht mehr genau – vermutlich war es „Dancing Queen“, möglicherweise auch „Knowing me knowing you“, jedenfalls sah ich die Texte vor mir auf der Karaoke-Leinwand, stellte fest dass ich keinen wirklich auswendig konnte, weil sie durchaus komplex waren, wie das meist ist, wenn Fremdsprachler Texte in Englisch verfassen. Abba und Björk – eigentümliche Wortwahl. Wo sonst gebe es „a bashful child“ (in der Soundtrack-Fassung haben sie aus dem „bashful“ ein „curious“ child gemacht.) Oder betrachten Sie den gestrig hier platzierten Clip an, bzw, besser noch – hören Sie sich das Lied an. Es ist fantastisch (und Frida ist in ihrer besten Haarphase!!)

Jetzt höre ich seit einer Woche den Mamma-Mia-Soundtrack rauf und runter. Ja, auch ein paar der hundsblöden Lieder haben es drauf geschafft, aber es stimmt, was Meryl Streep sagt – wenn es Dir richtig Scheiße geht, dann sing „Dancing Queen“, danach KANN es Dir nicht mehr so schlecht gehen. Aber noch viel schöner als „Dancing queen“ finde ich das folgende Stück, auch hier ist der Text beachtlich modern und intelligent.


(Notice the fur! Waahnsinn!)

Ein bisschen albern; von der Choreografie zehren French and Saunders noch heute, aber vom Text immer wieder schön:

Und außerdem haben die einen Stein im Brett, weil sie für ein TV-Special Kate Bush in all ihrer weirdness eingeladen haben, das zeigt wahre Größe. Im obigen Clip hat Frida ihre Frisur imitiert, aber dafür sieht Agnetha ausnahmsweise mal ganz gut aus.

So Blogger – betrachtet das als Stock und erzählt Eure Abba-Erlebnisse!

Fußnote: Zum Abschluss meiner Karriere in der Musikindustrie bekam ich ein Geschenk mit einer Karte. Die ich las und weinen musste. Darauf stand nur „Thank you for the music“ und der Name der Sängerin, für die ich gearbeitet hatte.

SCHWANZZITTERN oder FIVE SIX – SCHÄCKER, DUDE

Weiß jemand, welche Strafe darauf steht, eine Elster abzuknallen? Gelten mildernde Umstände, wenn das Tier ganz klar manisch ist?

„Am häufigsten lässt die Elster das „Schackern“ oder „Schäckern“ [1] hören. Es besteht aus mehr oder weniger schnell aufeinander folgenden Rufreihen mit leicht krächzendem „schäck-schäck-schäck“. Das Schäckern ist ein Warn- und Alarmruf und dient der Verteidigung des Reviers. Nichtbrütende Elstern gebrauchen ihn nur, wenn Gefahr droht. Die Erregung der Tiere ist besonders groß, wenn das Schäckern schnell und abgehackt ist.“

Die Hauselster ist ständig erregt. Sie schäckert was das Zeug hält. Gern auch in den frühen Morgenstunden. Vielleicht spürt sie die Bedrohung durch mich. „Schäckern“ hört sich noch so niedlich an – in der Tat klingt das Tier wie ein Horrorfilmsoundtrack (for maximum effect, turn up the volume), als ob ein insektoides Alien seine Rückenplatten aneinanderschubbert.
Desweiteren dazugelernt:

„Zur Festigung der Partnerschaft lassen Paare einen leisen Plaudergesang hören. Dieser variiert zeitlich und individuell sehr stark. Er kann sowohl rhythmisch als auch arhythmisch sein. „

Single-Elster also. Vermutlich alleinerziehend. Von Plaudergesang war noch nichts zu hören. Ich wette, selbst wenn er/sie noch was abbekommen würde, dann würde es nur zu arhythmischem Plaudergesang reichen.

„Häufig suchen Stadtelstern Straßen, Bahnstrecken und Stand- und Randstreifen von Autobahnen nach tierischen Unfallopfern ab.“

Das Altenheim gegenüber? Der Aas-Duft? Das muss die ja wahnsinnig machen, dass sie nicht rankommen ans alte Fleisch. Wahrscheinlich halten sie die Nonnen für Monster-Elstern, die ihnen die Beute vorenthalten.

„In der germanischen Mythologie war die Elster sowohl Götterbote als auch der Vogel der Todesgöttin Hel.“

Passt.

„Beide Vögel bekunden ihr Interesse an einem Nest manchmal durch Schackern oder einen speziellen Nestruf, durch Schwanzzittern, blinken oder flaggen.“

Ja, ich weiß, das liest sich alles ganz putzig, und dann sind es ja auch noch rabenartige, aber nee. Ich kann das Schäckern nicht mehr hören. Schäcker out, beatch.

Alle Zitate Wikipedia.