Archiv des Autors: glamourdick

VENI VIDI VICI oder WITH A KISS YOU PASSED THE KEY

Er fehlt mir. Also jetzt nicht so, dass es mir das Herz zerreißt und dass ich mich elend fühle und weinen möchte und das Land verlassen. Er fehlt mir auf eine schöne Art und Weise. Heute morgen habe ich ganz Ennis DelMar-mäßig an seinem liegen gebliebenen Shirt gerochen und fand mich albern, hatte aber sofort wieder seinen Geruch in der Nase. Seinen Duft. Die Erinnerung, dass er überall schmeckte. Die Weichheit seiner Haare unterhalb des Bauchnabels.

Der kam als so eine Überraschung in mein Dasein, dass es seltsam ist, wie selbstverständlich wir miteinander umgegangen sind, als sei alles andere unvorstellbar. Eigentlich hätte es so Comic-Strip mäßig abgehen müssen – große Augen machen und „Oh jehmine!“ ausrufend, ob der seltsamen Paarung. Hepburn und Grant. Hudson und Day. Aber nein. Ein Kuss und er hatte den Kurs festgelegt. Von da an smoothest sailing. Ebenso selbstverständlich wie er gekommen war, ist er wieder gegangen. Ohne Schmerz, ohne Tränen. Ein Geschenk. Wir haben zwei Tage lang oh-mein-Gott-jetzt-kommt-das-Wort Liebe gespielt und das sehr überzeugend. Tat gut.

Ach so – stellen Sie sich vor: ich rede immer noch vom selben Mann. Vierter Beitrag mittlerweile.

LIKE A VIRGEN

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Da laufen wir durch die Wohnung und er fragt interessiert, wer die Menschen auf den Fotos sind, mit welchen der Objekte und Relikte, die die Möbel zieren ich welche Erinnerung verbinde. Dreimal betätigt er das Marilyn-Telefon (statt zu klingeln weht ihr Rock hoch und die singt „I wanna be loved by you“) und kann sich kaum halten vor Lachen – er dreht schließlich einen Handyfilm davon – „So you´re the guy who shot Marilyn´s final film!“) Meistens fangen meine Sätze an mit „This is a present from…“ und ich denke so – wie gut, dass Deine Freunde Deinen Geschmack so gut kennen.
Dann sind wir in der Küche. Ich habe ihm gerade den Bezug zwischen Marilyn als Waldnymphe und Tinker Bell erklärt, die einen Ansichtskartendialog auf der Flurwand veranstalten.
„Ah – that´s the Virgen de Guadalupe!“ Er zeigt auf das Lichtobjekt über dem Kühlschrank.
„That´s a present from a blogger-friend, Madame Modeste. You mean it´s a Mexican image?“
„Yes you can see the church they had built for her here. She appeared to a guy who was wandering there and said that they should build church in her honor. The guy went to the bishop and the bishop said he needed proof that he´d seen the Virgin. So he went back to her and she asked him to pick some flowers – it was winter, but in fact he did find roses, he picked them, carried them in his shirt and presented them to the bishop. When the roses had fallen to the floor, on his shirts they could see the face of the Virgin Mary. And so they built her church. The piece of cloth is a relict there. In fact, it was exmained and it turned out that the face of the virgin was painted on. When you come visit me I´ll show you.“

Ohne es zu wissen und Dank Modeste hatte ich also eines der wichtigsten Symbole Mexicos überm Kühlschrank. Und jetzt hab ich noch ein mexikanisches Poloshirt, das nicht mehr in seinen Koffer passte. Und er nimmt eine CD mit meinen Lieblingsliedern mit, darum hatte er gebeten. Da ist dann bisschen was Spanisches drauf, von Bebe und von Devendra, natürlich Rufus, Nena, natürlich auch ein Lied, in dem es um mich geht.

Ein Foto noch am Hauptbahnhof von uns beiden zusammen. Und das alles hat gar keine Pointe, aber festhalten wollte ich es trotzdem. Außer vielleicht – Reisende bilden. Unverhofft kommt. Life can be beautiful.

SOMMER DER MÖGLICHKEITEN oder I STILL HAVEN´T FOUND WHAT I´M LOOKING FOR

Würde ein Heteromann sich so aufführen verhalten, wie ich es gerade tue – man würde ihm eine Midlife-Crisis unterstellen. Ich habe mein Midlife hinter mir und würde schlicht von „Sommer“ sprechen. Ständig treffe ich Männer, die dasselbe wollen wie ich. Und dann tun wir´s. Was nicht bedeutet, dass ich das romantische Feld verlassen habe und mich nun auf´s Sexuelle eingeschossen habe. Vor ein paar Tagen habe ich mich bei etwas ertappt, was ich bei anderen Menschen immer sehr sehr niedrig finde. Ich habe ein Date kurzfristig abgesagt.
„Was soll ich ihm denn sagen, warum?“
„Sag doch die Wahrheit – dass Du jemanden triffst, der halb so alt ist wie er.“
Aber so ehrlich wollte ich nicht sein und so erfand ich eine passablere Argumentation, ausreichend fadenscheinig, um eine sehr genervte Rückmeldung zu provozieren. Eine fade Absage bekam ich wenige Tage später in SMS-Form in leicht abgeänderter Fassung von einem anderen hübschen Herrn karmisch retour: „Ich kann heute leider nicht, weil mein bester Freund Liebeskummer hat.“ Interessanterweise ist das die von mir selbst am Häufigsten verwendete Absage, impliziert sie doch, dass man ein Mensch ist, dem das Wohl seiner Freunde am Herzen liegt, ein guter Mensch, ein Mensch, auf den Verlass ist. Nicht, dass ich so häufig absage, und wenn, dann benimmtechnisch unbeandstandbar auf dem Kommunikatonsweg, auf dem die Anfrage (oder die letzte Kommunikation) stattgefunden hat. SMS-Absagen bei SMS-Anfragen, Telefonat, wenn man sich schon einmal gesprochen hat usw. Ich finde, dass das zur Etikette gehört.

Nun. So wie ich bin, darf ich dem jungen Mann, mit dem ich gestern eigentlich ein Date gehabt hätte, nicht böse sein. Und da sich ja noch quasi aus heiterem Himmel eine zauberhafte Mini-Affäre – man könnte von einer Episode sprechen – in dieses britzelnd schöne Sommerwochenende hineingeschummelt hatte, will ich nicht kleinlich sein.

Ich werde ja nicht immer so sein. Das Alter ist der natürliche Feind (aber das dachte ich auch schon, als ich 30 wurde). Und es ist ja nicht so, dass ich mich nicht gerne auf einen einzelnen konzentrieren würde – die amouröse Wochenendsepisode wäre sogar verführerisch, wäre da nicht der Altersunterschied (immerhin 18 Jahre) und die geografische Problematik (ein Ozean dazwischen).

So. The search goes on.

TOP OF THE CITY

Augusta hat geheiratet. Augusta designt Taschen und ist eine unnachahmliche Berlinerin. Ich würde ihr gerne einen Duft widmen – Augusta – Essence de Berlin. Einige von meinen Lesern werden sich an sie erinnern – sie hat bei meiner Drehbuchlesung eine Unzahl weiblicher Charaktere mit Leben und mit Mutterwitz gefüllt. Augusta hat jetzt, wie gesagt, geheiratet und um ihr Glück zu feiern lud sie uns an eine spekatkuläre Location – die dreigeschossige Lounge in einem der beiden Türme am Frankfurter Tor.
Ich sag nichts, ich zeige einfach mal:

juergi

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Den ganzen Abend versuchte ich, meinen charmanten jungen Gast mit meiner Lieblingskollegin zu verkuppeln, aber es klappte nicht, obwohl die beiden sich sichtbar gut verstanden. Den Grund dafür fand ich später in der Hollywoodschaukel heraus, jedenfalls begann das Wochenende sehr verkuschelt. Und ging auch so weiter. Mit dem betsen Freund auf dem See gesungen. Deshalb war der Schlachtensee gestern gar nicht so voll. Wegen des Radaus. Erst sang Lucky, dann musste ich ein Lied singen, in dem ein Wort vorkam, das auch in Luckys Lied vroegommen war.

Wieder zu Hause ging der Kuschelmarathon in die nächste und die übernächste Runde. und jetzt muss ich hier raus, denn bevor es wieder an den See geht muss ich noch ne Runde kuscheln.

THIS IS ONE OF THOSE MOMENTS

Vor mir, auf dem Fernsehschirm, zwei Blonde, vielleicht Anfang 20, die sich in weißer Unterhose auf einem blau bezogenen Bett wälzen, lachen, versuchen, sich die Unterhosen herunter zu ziehen (was ihnen selbstverständlich gelingen wird.). Neben mir, die weiße Unterhose bereits heruntergeschoben, ein blonder Amerikaner, vielleicht Ende 20, seinen Schwanz in der Hand. Seine Sackhaare haben die Farbe von Sand. Schräg gegenüber, gespiegelt in der offen stehenden Terrassentür, eine Krähe, so groß wie mein Unterarm, die auf der Brüstung tänzelt, an einem der kalkverkrusteten Blumentöpfe knabbert und sich von der Pornografie kein bisschen ablenken lässt, noch weniger als ich mich von ihr.

GLAMOURDICK EXPOSED…

… bezieht sich jetzt nicht auf die schöne Skulptur, die Katia von mir gemacht hat. Nein, es geht um das Exponieren und Ausstellen im virtuellen Raum. Auf dem Blog, dem Dating-Server, den ganzen sozialen Netzwerken, in denen ich mich rumtreibe.
Mich nervte vor kurzem, dass mein Profil auf den Blauen Seiten, das sehr leicht zu recherchieren ist, nicht so pornografisch ist, wie ich es mir zu Anbahnungszwecken wünschen würde. Ich wollte ja aber auch nicht, dass irgend ein Strick- oder Heimwerkerblogger, der Neugier auf meine blaue Selbstdarstellung hat, gleich ein Bild des GlamourDicks, erigiert, zu sehen bekommt. Nach langem Grübeln wurde ich pfiffig – und kreierte ein Zweitprofil. Jetzt bin ich also pornografisch anonym unterwegs, mit Ständer und Sperma und so allem Zick und Zack und werde am ersten Tag fast 300 mal angeklickt, weil Männer eben doch stärker auf diese primären Reize regaieren und weniger auf die feinsinnigen Selbstdarstellungen, wie man sie von meinem Blog kennt. Die kleine Schizonummer geht auf. Bei den 300 sind mindestens drei dabei, mit denen man mal sexuell tätig werden könnte.
Nun zeige ich mich auf den Pornofotos kopflos. Das Gesicht liefere ich nach, wenn das Gegenüber, das es zu sehen begehrt, in die engere Wahl kommt. So öffne ich eines der zugesandten Bilder und denke, der hat aber Ähnlichkeit mit – und bringe mein Portrait ebenfalls auf den Weg. Und dann kommt ne Message zurück „Hihi“. So erklärt sich die Ähnlichkeit. Er ist es selbst. Und so begab es sich, dass Glam´s Pornoprofil bereits am Tag 1 seiner Existenz von einem Blogger geknackt wurde! Und nein, es ist uns nicht peinlich, aber wir mussten sehr kichern. So ist die Zahl der schwulen Blogger, die den Glamourdick des Glamourdick zu Gesicht bekommen haben, auf 2 angewachsen. 100%.

CALCIUM oder THE WINNER FAKES IT ALL

Die Handlung – fad. Die Szenerie – Ansichtskarte. Die Charaktere – eindimensional, wenn es hoch kommt. Die Choreographien – pupslustig, also die Grenze zum Peinlichen weit hinter sich lassend. Die Darsteller – mehr oder weniger hochkarätige Talente werden schamlos verbraten. Pierce Brosnan tut einem den ganzen Film lang einfach nur Leid, weil man ihn dazu bringt, das zu tun, was normale Menschen nur besoffen in Karaoke-Bars machen: singen, wenn sie es nicht können. Und gerade deshalb wird er mir erstmals sympathisch. Die Enkelin Filmtochter von Meryl hat soviel Talent, dass es wehtut. Man möchte ihr das Grinsen vom Gesicht wischen. Ihr Hengst: ein Schuss Heroin und er könnte akzeptabel sein, sein Körper ist es und sein Gesicht ist im Grunde ebenfalls Porno. Seine Anständigkeit macht, dass man dem Greis in der Kinoreihe vor einem auf die Glatze rotzen möchte, um ein Gegengewicht zu liefern. Christine Baranski und Julie Walters, beide alles andere als talentarm, dürfen schauspielerisch je eine Klangfarbe cellophan und natreen überreizen. Aber am Schlimmsten: Ständig mache ich mir Sorgen um Meryl, habe Angst, dass sie sich was bricht, bei all dem Hüpfen, Plumpsen, sich werfen, gefangen werden, pirouhettieren, winken, hüftschwingen. Ich denke nur immer Osteoporose. Sie ist ganz klar zu alt für die Rolle, aber was soll man tun, sie hat sichtlich Vergnügen dabei und dieses Vergnügen erhebt sich über alle anderern Widrigkeiten. Ja. Hier wendet sich der Text. Fast schon. Zuvor noch: „Mamma Mia“ ist schlecht. Und ja, ich werde ihn mir noch einmal anschauen, denn ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal soviel Freude hatte im Kino. Meine Füße wippten, mein Herz wurde kuschlig warm, ich liebte das Leben, sogar noch mehrere Stunden im Anschluss. Und niemand, da waren der Ereignishorizont und ich uns einig, hat „The winner takes it all“ je so richtig gesungen wie die Meryl.

Und jetzt hab ich schon wieder Lust. Frau Puls? Frau Bee? Herr Strike?

WIE SOLL MAN DENN NACH SO EINEM DENKMAL DEN NORMALEN BLOGALLTAGS-ANSCHLUSS WIEDERFINDEN? oder CHARITY? HOPE? VALENTINE?

…nur – Glam thinks he´s a faerie, maybe. Maybe the water nymph-thingy played into this. But you might be getting some radical faerie thoughts soon. Then again, you might not. We´ll see. Until then we think happy porny thoughts. Blessed are the sinners. I do belive. I do. I do.

(Actually – to make the connection – don´t you think Katia´s piece would make Devendra become gay and fall in love with me? You know – if you (or he) can´t read my blog language-barrier-wise, the closest thing to getting an idea of my soul really is that sculpture. Freaks me out a little. But not in a bad way. But it does, in a Joyce Carol Oates meets Angela Carter and Kurt Cobain and Kate Bush kind of faerie way.)

Oh well yeah. Drunk blogging. I know. Aber ich lösch es morgen trotzdem nicht.