Die Plüschtiere im Bildhintergrund von Räumen, in denen sich Männer nackt fotografieren, um so auf einer Dating-Plattform andere Männer für gemeinsame geschlechtliche Aktivitäten zu akquirieren. Man hängt doch auch keine Klopapierrollen an den Weihnachtsbaum! Andererseits – so vorbereitet ist man wenigstens auf Diddl-Bettwäsche gefasst.
Archiv des Autors: glamourdick
BOOBS-DRAMA
Mitbewohnerin den ganzen Tag nicht gesehen. Macht immer Tür hinter sich zu. Trau mich nicht zu klopfen. Hab ihr auch eigentlich nix zu sagen. Außer vielleicht Credo
„It has been said, by someone far wiser than myself, that nobody is boring who is willing to tell the truth about himself. To narrow this down further, someone equally wise said that the things that make us ashamed are also the things that make us interesting.“ Douglas Coupland, „Eleanor Rigby“.
UND SONST SO?
– Es fühlt sich falsch an Coke Light Lemon aus einer James Dean-Tasse zu trinken.
– Frischkäse mit Spargelgeschmack. Wow. Was war das für eine Kindheit und Jugend, in der es nur drei Geschmackrichtungen gab (Schinken, Käse, Paprika)? Und ich bin nicht mal Ostkind! (Aber östlichster Westharz.)
– Zieht die Mitbewohnerin jetzt aus, wo ich sie versehentlich barbusig vorm Computer gesehen habe? (Nein, ich habe geklopft. Sie hat nichts gesagt. Ich an ihrer Stelle hätte gebrüllt „Jetzt NICHT!!!“. Und es war ja in ihrem Interesse, wir wollten ihr nur mitteilen, dass wir die Badewanne brauchen und falls sie mal müsste, sie dies besser gleich erledigen soll, wenn sie nicht unfreiwillig Zeugin – so halt. Aber dieses slapstickige oh MY G O D!!!, wie es nur Amerikanerinnen können, das war es mir wert.
„Sorry! Sorry!! I didn´t see anything!! I didn´t see anything!!! But what I saw looked good!“
– die neue Tasche gefällt mir sehr, aber sie steht mir nicht. Sie hat ihr Leben, ich das meine. Es ist ein bisschen, wie wenn ich ein rumänisches Kind aus einem dieser fiesen Waisenhäuser adoptieren würde. Gut gemeint, aber zum Scheitern verurteilt. (Jessica Lange hat das mal gemacht. Hut ab.)
WAS MAN EIGENTLICH GAR NICHT ÜBER SICH WISSEN WILL UND WONACH MAN SICH TROTZDEM ERKUNDIGT
„Hab ich geschnarcht?“ Wieso frag ich eigentlich, ich weiß es ja.
„Yo.“
„Hab ich versucht Dich aus dem Bett zu treten?“
„Nö. Aber Du schnarchst nur, wenn Du auf dem Rücken liegst. Und dann hab ich versucht, Dich umzudrehen, aber dann hast Du Dich aufgerichtet und ne Weile so im Sitzen geschlafen. Und als Du Dich wieder hingelegt hast, da warst Du schon ziemlich weit auf meiner Bettseite.“ Meine Bettseite, Deine Bettseite. Hm. Aber er hat ja recht.
„Hab ich im Schlaf geredet?“
„Nö.“
Immerhin.
KURZSCHLUSS
Dass das virtuelle LitBlog-Mag „Mindestens haltbar“, in dem ich den einen oder anderen Text veröffentlicht habe, das Zeitliche gesegnet hat, ist bedauerlich und hat sich vermutlich mittlerweile herumgesprochen. In Mindestens haltbar hat Don Dahlmann thematisch gruppierte Texte veröffentlicht, die er auf Blogs aufgespürt hatte. Das war ganz praktisch, weil so auch mal Leute auf mein Blog klickten, die sich sonst nicht hierher verirrt hätten. (Und entweder verstört wieder abzogen oder doch kleben blieben und mittlerweile täglich mitlesen.)
Was ich immer etwas befremdlich fand, war, meine Texte in einem anderen Layout zu sehen, als das, in dem ich sie ins Netz gestellt hatte. Für mich ist der Look meines Blogs schon Bestandteil seines Charakters. Dass eine Seite Bilder hat, Filmchen, die vielleicht mit einem anderen Text verknüpft sind, aber trotzdem eine Stimmung veranschaulichen, in der ich an einem bestimmten Punkt (oder auf einer bestimmten Geraden oder Welle) in der Zeit gewesen bin. Also dieses autarke, autonome, das einen Blog und den Blogger dahinter und darin ausmacht. Gleichzeitig ist es aber auch spannend, eine Facette aus einem glitzernen Lüster herauszunehmen und beispielsweise neben einem lackierten Apfel an den Weihnachtsbaum oder die Wäscheleine zu hängen.
In Belangen der Vernetzung und Erweiterung hat Mindeses haltbar eine Lücke hinterlassen. Um so erfreuter war ich, als ich vor ein paar Tagen eine Einladung bekam, für ein neues Projekt, das jetzt in seine dritte Ausgabe geht, einen Text zu verfassen. BastiH vom Chaosplaneten hat das Projekt KURZSCHLUSS ersonnen, bei dem drei bis fünf Blogger Beiträge zum gleichen Thema schreiben und zeitgleich auf ihren Blogs veröffentlichen und die anderen Beiträge verlinken. Ein Magazin, das den Text auf dem eigenen Blog belässt und trotzdem mit anderen Blogs verknüpft. Ich finde die Idee hervorragend und auch die Auswahl von Blogs, die er getroffen hat. Einige davon kenne ich, andere machen mich neugierig. Die nächste Ausgabe erscheint am 28.8. um 10.00 Uhr, stellen sie schon mal die Uhr. Das Thema lautet Hingabe/Aufopferung, wobei ich mich in meinem Text, der bereits in Arbeit ist, auf den Bereich der Hingabe konzentrieren werde. Machen Sie sich auf was gefasst!
POOR LITTLE RICH GIRL HAIR
Sie war nur eine Season dabei und trotzdem ist sie vermutlich der bekannteste von Charlie´s Angels, einer Serie, die die Zeit nicht unbeschadet überstanden hat. Die Storylines sind in den meisten Folgen identisch: der Täter steht schon in den ersten Minuten fest, einer der Engel überlegt sich eine sexy Verkleidung und nistest sich ein, um den Täter zu entlarven. Dabei gerät sie in Bedrängnis, so dass ein zweiter Engel einschreitet (und meist auch in Gefahr gerät). Am Ende sind es der knubbelige Bosley und die pfiffige Sabrina Duncan, die den Fall lösen und die Engel retten. Heute betrachtet sind die Folgen unfreiwillig komisch, aber auch berührend, weil sie noch ein Frauenbild zeigen, das sie gleichzeitig entthronten – allein durch die Tatsache, dass drei Frauen in einer (verhältnismäßig) actionreichen Detektivserie die Hauptrollen spielten.
Kelly Garrett (Jaclyn Smith) war die Verführerin, Sabrina Duncan (Kate Jackson) das Hirn und Jill Munroe (Farrah Fawcett-und-damals-noch-Majors) die sinnliche Sportskanone, das All-American-Girl, die Nachbarin/beste Freundin/Partnerin, die jeder gerne gehabt hätte. Farrah vergrößerte ihren Star-Ruhm durch das Aussteigen nach nur einer Staffel. Wie eine edle Blume oder ein feines Gewürz dekorierte und garnierte sie die Serie fürderhin mit Gastauftritten. Sie landete einige Filmrollen und lieferte eine herausragende Leistung in dem Drama „Extremeties“. Es folgten TV-Movies of the Week, Miniserien (u.a. „Poor little rich Girl“, wo sie sehr eindrucksvoll die Millionenerbin Barbara Hutton verkörpert.) Dann irgednwann der Abstieg. Drogen, peinliche Auftritte, zuletzt Schlagzeilen dank Arschkrebs.
In den späten 70ern und bis weit in die 80er verkörperte sie etwas, das an Marilyns Tradition anschloss. Eine Schönheit, eine Zartheit (die sie bei den Engeln nicht zeigen durfte, wo sie als Schockerbeauty besetzt war). Was ich sagen wollte – ich war als Kind ganz doll in Farrah Fawcett verknallt. Und auf ihre Art und in einer Zeit, die modisch eine -ähem- Herausforderung war, verbreiteten die drei Ladies etwas, das im Fernsehen rar gesät war: Style, Grazie, GLAMOUR, und – in Farrahs Fall einen komplett neuen Look: „Rich Girl Hair“.
Und die Skateboard-Industrie konnte sich auch nicht beschweren…
MEIN GOTT, JETZT HAT SIE´S VERMASSELT oder STREU DEM GAUL MAL PFEFFER IN DEN ARSCH
Die Geschichte an sich ist ja schon sehr G.B. Shaw, also mysogyn. Staubig. Und frauenfeindlich. Die Musik operettig. Aber aus irgend einem Grund mag man „My fair Lady“, das ist so festgelegt, man kann es sich nicht erklären. Also setzt man sich an einem trüben Nachmittag in den Admiralspalast und will sich von der kleinen Berliner Pflanze um den Finger wickeln lassen. Geht aber nicht. Wegen Staub. Wegen Shaw. Die operettige Musik ist charmant, aber im direkten Vergleich zu Sondheim altertümlich und unoriginell arrangiert. Das Bühnenbild hat man sich so schnell sattgesehen, dass es einen irgendwann geradezu beleidigt. Die Chargen chargieren mit eben solchem Einsatz. Das einzige positive Gefühl, das diese Inszenierung in mir erzeugt ist eine kurze Empathie mit Eliza Dolittle als sie das Lied singt, in dem sie ihren Peiniger Henry Higgins abknallen möchte. Wobei Daniel Morgenroth immerhin noch ein ansehnlicher Higgins ist, was man von der Dolittle-Darstellerin nicht sagen kann. Sie ist so uncharismatisch von der ersten Sekunde an, dass man sich fragt, wie sie den Wandel zur majestätischen Glamour-Diva bloß gewuppt kriegen wird. Vielleicht hat sie, ich weiß es nicht, kann es mir aber nicht vorstellen, denn die zweite Hälfte der Veranstaltung fand vor den restlichen Greisen statt, als wir schon längst im San Nicci saßen und an wohlschmeckenden Cocktails nippten.
Ich hätte den Beitrag übrigens beinahe „My fat Lady“ übertitelt, und so einen billigen Witz über den breiten Arsch der Dolittle-Darstellerin gerissen. Gehörts sich ja aber nicht. Und dennoch: wenn Du Eliza mit einem dicken Mädchen besetzt, dann musst Du schon ganz sicher sein, dass sie´s hat. Hat sie aber nicht. Kein Zip, kein Zing, kein Bing Bang Bong. Sie ist nicht einmal putzig. In ihrem Zusammenhang darf man den Namen der Filmgöttin gar nicht erwähnen, der man – zugegeben – die Stimme geraubt hatte (SACRILEGE!), aber sagen wie es mal so: die Film-Eliza verhält sich zur Berliner Eliza wie Shakepeare zu Krippenspiel. Das merkten sogar die wach gebliebenen Greise, die den Saal mit dem Duft von Tosca und Attends füllten, höflich verhalten applaudierten und sich ins Theater des Westens, ca. 1960 zurücksehnten.
The True Eliza, sogar mit eigener Stimme! Loverly! Bester Darsteller, dies als Nachtrag, war übrigens der musikalische Leiter Adam Benzwi, dem zuzuschauen eine große Freude war. Peter Lund, dem Inszenator, möge man zum nächsten Geburtstag eine große Pfeffermühle schenken. Überhaupt wäre das eine schöne Institution – die Verleihung der alljährlichen Pfeffermühle. Vergessen Sie Felix, Emmy, Oscar, Lola – hier kommt Eliza, die güldene Pfeffermühle für die schlaffste Inszenierung des Jahres.
SEI PORNO. SEI B-MOVIE. SEI BLOND!



Was ist schon ein Mädchenabend ohne einen Horrorfilm, ein Musical und eine Blondine in der Mitte?
GLAMPFEHLUNG: SWEENEY TODD
Als „Sweeney Todd“ in die Kinos kam dachte ich – Tim Burton Johnny Depp Sweeney Todd – da weiß man ja schon wie der Film aussieht, ohne dass man ein einziges Bild gesehen hat. Das ist alles zu naheliegend. Stattdessen sah ich mir mit Herrn Strike „Into the Wild“ an – zweifellos keine schlechte Wahl. Aber jetzt ärgere ich mich, „Sweeney“ nicht auf der großen Leinwand gesehen zu haben, denn, nachdem ich ihn jetzt zweimal auf DVD angeschaut habe, ist er in die Liste meiner Top 50 geflogen.
Wenn er nicht längst schon da ist, dann wird Johnny Depp irgendwann später in die Liste der großartigsten Schauspieler des 20. und 21. Jahrhunderts eingehen. Wenn er als Jack Sparrow sichtlich Spaß am Spiel hatte und Selbstironie die Rolle prägte, dann ist er mit Sweeney noch einige Schritte weiter gekommen. Er nimmt den Charakter ernst und kleidet ihn mit Würde. Sweeney ist der kaputte Onkel von Edward Scissorhands, ein melodischer Freak mit Vorliebe für scharfe Instrumente.
Einige der Sondheim-Songs kannte ich schon von Bernadette Peters, aber der Großteil war mir neu und ich höre den Soundtrack (die Special Edition) seit Tagen ununterbrochen. HInreißende Texte, wunderbare Kompositionen. Und Stimmen, die Zustände und Gefühle vermitteln und nicht nur Noten hinrotzen. Auch Mrs Burton, Helena Bonham Carter, macht ihren Job ganz wunderbar und desweiteren hervorzuheben der bezaubernde Jamie Campbell Bower.
Also, tun Sie sich was Gutes – wenn Sie es nicht längst schon getan haben, dann kaufen sie die DVD und CD.
I MET A MILLION DOLLAR BABY IN A FIVE AND TEN CENT STORE
„Barbara (Hutton)’s last days were spent at the Beverly Hills Hotel, where she was a fixture at the lobby and bar in the evenings. She would dress in an evening gown and all her jewels, diamond bracelets to her elbow and tiara firmly in place, and wait for a gentleman or lady to chat with her. They were always rewarded with a diamond ring or watch or other expensive token of her appreciation. It wasn’t long before the wrong sort began to patronize the hotel, and security was forced to intervene. Several times, an eager companion would simply reach over, grab a bracelet and run.“
Jeff Woloson, divasthesite.com