„Einsam und in Bars – so sehe ich Deine Zukunft“ hatte die Mutter eines Bekannten prognostiziert. Ihr hatte es an Vorstellungskraft gemangelt. Von Gewichtszuwachs, Haarverlust und schwindendem Zahnfleisch war dem Kinde gegenüber nie die Rede gewesen.
Archiv des Autors: glamourdick
WALK ON BY
Das soziale Programm runtergedampft. Ich treffe manche Menschen nicht, obwohl ich sie mag. Andere nicht, weil ich sie gerade nicht mag. Eigentlich seh ich gerade nur Menschen, die zufällig in der Stadt sind und wo es nun wirklich unhöflich wäre, sie nicht zu sehen.
So ähnlich verhält es sich mit dem Schreiben. Eigentlich möchte ich nur das Nötigste schreiben. Aber gerade das ist es ja, was mir schlechte Laune macht. Das kann ich gerade nicht gebrauchen.
Also, wenn Sie mir über den Weg laufen, sprechen Sie mich nicht an. Je suis dangereux.
PUTTING THE HIGH BACK INTO SHANGHAI
PUTTING THE FUNK BACK INTO DYSFUNCTIONAL
MONDAYS
Das Schwierige am Montag ist ja, dass, wenn der Sonntag voller Filme und Serien war, die Erinnerung daran verblasst, wo man vor gefühlten drei Monaten, also am Samstag, den Wagen abgestellt hat. So sitze ich Monatg morgens meist und schreibe, während ein Teil meines Hirns Möglichkeiten durchgeht, wo ich wohl geparkt haben könnte. Es hilft, wenn ich versuche, zu visualisieren, was ich beim Nach-Hause-kommen dabei hatte. Plastiktüten bespielsweise. Dann erinnere ich mich meist daran, welche Route ich gefahren bin und dann fällt mir auch wieder ein, wo der Wagen steht. Und bei der zweiten Tasse Tee fiel mir dann auch ein, warum ich mir am Samstag gut merken konnte, wo der Wagen steht. Direkt gegenüber. In einem Bereich, der ab Montagmorgen als Baustelle mit Halteverbot ausgezeichnet war. So ne kleine Panikattacke am morgen und Sie brauchen kein Koffein.
FÜR E CHLI GELD, FÜR E CHLI WELT
Das letzte Mal so einen Applaus gehört? Cica 1992. Im Spiegelzelt. Bei Georgette. Gestern im Admiralspalast, Studio. Zweite Hälfte Cora Frost anschauen gegangen. Erste auch nochmal mitgenommen. Das Schreckliche am Studio: der Künstler spielt ebenerdig, das Publikum sitzt auf einer Tribüne. Von der SingtanzschauspielflächeformerlyknownasBühne aus siehst Du auf eine Art Fleischregal. Ich finde, das gehört sich nicht. Der Künstler muss oben sein. Aber das Fleisch war hübsch, gestern. Und hat, wie gesagt, heftig applaudiert und getrampelt, dass man fürchten musste, das Fleischregal birste.
Wodka war das Getränk des Abends. Dann durfte ich mir einen Auto-altar aussuchen, ich ließ die Virgen liegen, die ich ja eh schon in der Küche habe und entschied mich für einen Chesuss. Einen mit Mittelscheitel und Botox. So ein milder. Später im Roses dann: der einzig attraktive Mann außer meiner Begleitung ein Mexikaner. Mexico ist das neue Kanada.
Meinem Begleiter die Wahrheit gesagt. Vom Verfall berichtet, von der neuen Angst, die so ernst zu nehmen ist im Vergleich zur alten. Von der verschwiegenen Liebe und von den Rentnern. Die wo ein ANRECHT haben.
Die nächste Single wird mein Lied und es wäre schon bizarr, wenn´s ein Hit wird. Aber ich hör ja kein Radio. Trotzdem sollte ich bis dahin den Ansatz nachblondiert haben.
Immerhin all das mit Lidschatten. Verfall mit Lancôme.
10 BEST THINGS, DIE ICH ERST NACH 30 GELERNT HABE
Die Sache mit dem Streichholz nach dem Scheißen.
There won´t be trumpets.
Deep Throaten ohne Brechreiz.
Shyness is nice and shyness can stop you from doing all the things in life you´d like to.
Heroin und Koks zusammen ist keine gute Idee.
Happiness often comes from expected places.
Rauchen ist wirklich wirklich nicht gut für Dich.
Die Menschen werden sich lieben, vergessen und lieben.
Arschhaar hin oder her.
Ich habe ein ANRECHT. Ich haaaabeeeé ein ANRECHT! Wassolldasheißenesist nichtinIhremComputer???
DES PROBLEMS LÖSUNG
Der Capture widget. Offenbar das einzige Tool, mit dem man screen-shots von einer DVD auf dem MacBook machen kann.
BOYS IN THE SAND
„Schön“ wäre sicher nicht eines der häufigsten Adjektive, mit dem man einen Pornofilm bezeichnet, aber gerade habe ich einen erstanden, auf den das Wort zutrifft. Bei seinem Erscheinen im Jahr 1971 wurde er in der New York Times besprochen und beworben und das noch bevor kurze Zeit später Dank „Deep Throat“ der Porno Chic ausgerufen wurde. 1971 markiert den Zeitpunkt, an dem der Porno für ein paar Jahre lang mainstreamtauglich wurde. Vor Verbreitung der Videotechnologie liefen nun Hardcore-Streifen in etablierten Kinos und wurden von der Presse besprochen wie alle anderen Filmproduktionen auch. Der Unterschied zwischen „Deep Throat“ und „Boys in the Sand“ von Wakefield Poole: DT ist albern und erreicht erzählerisch das Niveau deutschen Tittenfilme á la „Schulmädchenreport“. „Boys in the Sand“ versucht gar nicht erst, eine Handlung vorzutäuschen sondern verlässt sich auf die Inszenierung von Sex.
„Boys“ hat Mystik. Trotz Hardcore-Handlung einen Hauch Romantik. In einem Outtake* der ersten Sequenz „Bayside“ erklingen zum Schluss Engelschöre und es wirkt nicht einmal kitschig. Die gehören da hin wie der Cum-Shot. Filme wie „Deep Throat“ behandeln Geilheit. „Boys in the Sand“ hingegen zeigt Begehren und sexuelle Selbstbestimmung. In „Bayside“, der Eröffnungsepisode, materialisiert sich aus dem Nichts ein Mann auf dem Ozean, läuft an den Strand. Dort trifft er einen anderen. Erst wird geknutscht, dann geblasen. Dann verschwinden die beiden in den Dünen und im Schatten der Bäume geht es weiter mit Blasen, Küssen, Lecken und Ficken. Die Abwesenheit von Zivilisation (ich frage mich, wie es ihnen gelungen ist, ausgerechnet auf Fire Island ungestört zu drehen) verleiht der Nummer etwas Erhabenes, sprichwörtlich Natürliches. Die Kamera ist ruhig, der Schnitt harmonisch außer in der stakkato-artigen Sequenz, auf die der Orgasmus folgt. Poole arbeitet mit Licht und Schatten – die Sonne scheint durch die Bäume und bepinselt die Körper, eher ein Gemälde als ein Film. Die Dasteller agieren hingebungsvoll und in keiner Sekunde hat man das Gefühl, dass sie sich der Kamera bewusst sind. Anders als in den Amateurpornos dieser Tage wird der Zuschauer nicht durch Blick in die Kamera einbezogen, sondern zu einem Voyeur, der das Gefühl bekommt, etwas Besonderes zu sehen. Zwei Männer, die tun, was sie tun müssen, eingefangen in einem filmischen Gemälde, das nur zwei Jahre nach den Christopher Street Riots produziert wurde.
Anders als der im gleichen Jahr entstandene Klassiker „Pink Narcissus“ von James Bidgoood, der schwulen Sex opulent, verrucht, hochgradig verkitscht und schnörkelig zeichnet (think Pierre & Gilles), aber vor dem eigentlichen Akt haltmacht, verlässt sich Poole auf die Kraft dessen, was Sex ja eigentlich ausmacht: Natürlichkeit, Leidenschaft, Freude. „Boys in the Sand“ hat es als einziger Porno in die Liste meiner Lieblingsfilme geschafft, das gelang nicht einmal den Werken von Peter Berlin.
Wenn Sie sich das Werk kaufen wollen, dann empfehle ich die „Wakefield Poole Collection“, eine Doppel-DVD mit jeder Menge Bonusmaterial.
Und wenn ich jetzt wüsste, wie ich auf meinem Mac Screenshots von der DVD machen könnte, dann wäre der Beitrag bebildert.
*Einer der Darsteller zog seine Einwilligung zur Veröffentlichung zurück, als er hörte, dass der Film in Kinos gezeigt werden sollte. Daraufhin engagierte Poole den Schauspieler Cal Culver, der unter dem Pseudonym Casey Donovan den Part übernahm und für ein paar Jahre zur Ikone des schwulen Pornos wurde. Seine Geschichte ist zu spannend für eine Fußnote. Demnächst mehr.
ALICE MAKES GLAM PARANOID oder BLOOD UNDER THE BRIDGE
Nachdem nun gestern die Internetverbindung stoppte, mit dem Warnhinweis „ein fremdes Programm hat Zugriff auf Ihre Internetverbindung genommen“ und vielen kleinen Popups „kein Zugriff auf den PPOE-Server“ up-popten werde ich mich wohl von der Pornoseite meines Vertrauens verabschieden. Oder wer hat da ein fantasievolles neues WEP-Kennwort eingerichtet?, was ich erst nach einem halbstündigen Techno-Gespräch mit zwei (übrigens freundlichen und kompetenten) Alice-Mitarbeitern diagnostizierte. Muss ich mir jetzt Sorgen machen? Hätte ich das Angebot annehmen sollen, für 2 Euro mehr im Monat einen Virus-Schutz zu erwerben oder ist das ganze gar eine Werbeaktion für den 2-Euro-Virus-Schutz gewesen? Und das ist nur Alice, man möchte nicht wissen, was einem mit Google alles so bevorsteht. Ich verzichte jedenfalls zunächst mal auf Chrome, was mir als Mac-User auch sehr leicht gemacht wird.
Es ist doch bestimmt von Gott nicht gewollt, dass Menschen wie Sie und ich Worte wie PPOE-Server im aktiven Wortschatz haben und einen kleinen schwarzen Kasten als Bridge bezeichnen. Ich checke jetzt mal mein TCP/IP und geh dann schnell meine Persönlichkeitsmatrix kalibrieren.