Archiv des Autors: glamourdick

SONNENALLEE

Bizarre Events mit der Pornoqueen haben mir gefehlt, merke ich, während ich einem beiwohne. Eine begehrte Party der Pornoindustrie am Arsch der Welt am Ende der Sonnenallee. Wie immer wird sie bestaunt, und ich, als Begleiter, bekomme etwas vom Glanz ab. Anders als in Tschechien erkundigt sich bei ihr niemand sofort nach meiner Schwanzgröße. Sie wagen sich nicht an uns heran, außer denen, die sie eh schon kennen. Man geht mit der Königin durch den Raum, es ist schön, das mal erlebt zu haben und das mal wieder zu erleben.
Ein blonder Holländer mit noch blonderen Wimpern spricht uns an, während wir im Foyer ein Geburtstagsfoto für Michi machen. Allein dafür schon einen Punkt für Mut, angesichts der ansonsten vorherrschenden Berührungsängste. Er will auch auf die Party, hat aber keine Einladung. Er sieht aus, als sollte er in Eton rudern, also schleusen wir ihn ein. Ich kann mich noch erinnern, wie es ist, an Partytüren zu kratzen. Remeber The Wall, Lucky and Skailight? Wir Tanzmäuse durften nicht zur After Show Party und haben uns den Eintritt erschlichen. Bis zum Rausflug. Später standen dann Dutzende von Statisten und Tänzern vorm Promizelt und brüllten „Tear down the Wall! Tear down the Wall!“ Während Sinead O´Connor aus der ersten aller 0,5 Liter-Flaschen Becks nippte und böse dreinschaute. Böse. Nicht verstört.

Zeitgleich zum Pornopartydings findet ein Kongress statt, der dazu führt, dass lauter sekretärinnenartige Frauen Dr. Hauschka- und Vichy-Tüten transportieren. Es sind immer diese Mischungen, die Spaß machen. Die Pornoqueen setzt mich auf dem Weg ins Hotel am Kottbusser Tor ab, weil ich mich vor dem Heimkommen noch ein wenig flanierend erden muss. Ich brauche noch ein bisschen schmutzige Straße, Herbstlaub und in die Fenster neuer studentischer Café/Bars á la Friedrichshain schauen. Türkischen Männern begegnen, die keine Bodyguards sind.

DIE SELBSTMÖRDER oder CARA NOIA, COLA ROID

Wie sie da in Reihe stehen, sich aneinander entlang schieben, zögerlich. In ihren beigegraus, asphaltgraus, mit Kleidung, die ihnen anliegt wie eine zweite Haut, eine feine Kruste, wie Zeichentrickgestalten faltenfrei. Sie sind nur von hinten zu sehen, die müden Dutte der Frauen, die Männerhaare schroff, mehr barbiert als frisiert. Früher Tonfilm. Im nächsten Raum läuft ein Fragment, das aus einer Verfilmung der Dreigroschenoper sein könnte. Eine Frau tiriliert, soubrettiert, sieht aus wie ein weißer Kanarienvogel in der Grube einer Berliner Restauration, zu weiß für das Filmmaterial – ihre Oberfläche zerfasert. Von ihrem Gesicht ist nur das Aufgemalte erkenntlich. Mit einem Pfauenkopfschmuck schiebt sich Grustav Gründgens durchs Bild – immer an der Wand lang. „Ihrer wird man bald überdrüssig sein, aber die schönen Stimmen, die Sänger!, die holt man immer wieder.“
Es fällt ein Satz, der einen aufweckt den man notieren muss, damit er nicht vom Wiedereinschlafen gefressen wird. Später wird man feststellen, dass man das Aufschreiben auch nur geträumt hat, denn da liegt kein Notizbuch neben dem Bett. Doch warum ist der Füllfederhalter leer?, am nächsten Tag? Noch später wird man den Kalender öffnen und kopfüber auf den Adressseiten X-Z wird man, wenn auch schwer entzifferbar, den folgenden Satz vorfinden: „wer eher weiß, wie´s später ausschaut, war früher schon mal da.“ Das „a“ in „da“ kann man nur erahnen, es ist farblos mit der leeren Feder in das Papier geritzt.

BRIAN KINNEY

darf nicht sterben!

Wir haben Dich fünf Seasons lang so was von gehassliebt und begehrt, Du kannst uns jetzt nicht einfach im Stich lassen. Vor allem, wo Du gerade in die Wisteria Lane gezogen bist und wir uns schon so auf ein Wiedersehen gefreut haben. Werd wieder gesund, Gale Harold! Bitte Bitte Bitte.

NICHT SPRECHEN

Wenn man feststellt, dass man Gespräche meidet, weil alle Themen, die man gerade hat, die Laune runterziehen. Much less darüber schreiben. Aus Versehen dann am Kaffeetisch
„… ist es doch immerhin toll, dass es Dir emotional so gut geht!“
„Was? Mir? Gut?“
Stellt man fest, dass es doch besser ist, Gespräche zu führen, als es mangels glamouröser Themen zu unterlassen. Wenn man will, dass die Leute gerade wissen, wo man steht jedenfalls. Trotzdem. Schwierig.

TWILIGTH oder COLD COLD COLD

Der erste war „Salem´s Lot“ von Stephen King. Kurz danach geriet ich an „Interview with the Vampire“ und der erwischte mich so richtig. Ich las alles von Anne Rice, bis sie irgendwann so reich und berühmt war, dass sie offenbar ein Lektorat für ihre Kunst ablehnte und ihre Bücher nur noch schwülstige Buchstabenverschwendung waren. Aber fast 20 Jahre lang faszinierte mich kein Genre so sehr wie die Vampirliteratur. Ein Highlight in dieser Zeit war natürlich Coppolas Dracula-Verfilmung und die Tatsache, dass mein Lieblingsvampir (Louis) in Neil Jordan´s Verfilmung von „Interview with the Vampire“ von Brad Pitt gespielt wurde, der damals wirklich zuckersüß und unübertrefflich war. Selbst Tom Cruise machte seinen Job als Lestat sehr gut.
Die blassen melodramatischen Untoten mit der Macht, die sonst nur Superhelden oder Halbgötter haben, verfluchte, getrieben Wesen, attraktiv und tödlich. Das passte alles in diese Jahre, in denen AIDS noch im Vordergrund unseres Bewusstseins war, in der der Tod kein Alter Mann mit Sichel, sonder ein junger Kerl ohne Kondom war.

Irgendwann war das Thema für mich erledigt. Ich vermute es lag an meiner Magisterarbeit „Metamorphosen des Vampirs von Stokers zu Coppolas Dracula“. Da hatte ich den Film ungefähr 70 mal gesehen und war thematisch saturiert. Aber es tat sich auch nichts Neues auf dem Vampirmarkt. Bis dann irgendwann Stephenie Meyer eine neue Vampir-Saga ersponn, die in den Staaten und jetzt auch hier einen Riesenerfolg feiern. Ich habe bislang nur den ersten Band gelesen und er hat mir sehr gefallen*. Ende November startet die Verfilmung und ich schreib das hier alles gerade auch nur, weil ich den folgenden Trailer ganz bezaubernd finde. Defintiv was für die große Leinwand, wenn die Vampire so durch die Bäume fliegen! Und wenn ich mir den männlichen Hauptdarsteller anschaue, dann verstehe ich wieder, was mich damals so faszinierte.

*Ne Spur zu harmlos war er mir allerdings.

GLAMMY BLUE ou IN FILMEN

ist das spontane Haare abschneiden vor dem Spiegel meist ein Wink mit dem Zaunpfahl. What´s next? Auge ausreißen? Hände abhacken und Reisigtentakeln basteln? Und wie, gefaelligst, macht man das ohne Hände? Apropos Extremitäten: Adieu, Guillaume.

lavini

LIKE A BROTHER/(IN LAW)/UNCLE

Mit fünf Familienmitgliedern, 30 Touris und einem moderierenden Bolleberliner die Museumsinsel umschippert. Rechts sehsne, schaunse links auf, und hier war früher mal. So dass sich die Heimat auf einmal fremd anfühlt, weil man sich wirklich nicht besonders gut in ihr auskennt, historisch.
Später zu sechst in der Küche gekocht, die eigentlich schon zu klein für drei ist and it felt like home again.

DAS SCHÖNE DARAN

Eigentlich wäre jetzt hier der Filmclip anhand dessen mich jeder kontaktieren könnte, den ich gestern beim Konzert und danach kennen gelernt habe und dem ich zwecks besseren Abgangs meine Nummer nicht gegeben habe, weil es ja viel cooler ist, wenn die Menschen erst einmal Recherche-Arbeit machen müssen, um an einen Kontakt zu kommen, als ob man sich derlei in meinem Alter und Abnutzungsgrad noch erlauben könnte. Den Film habe ich jedenfalls aus unerfindlichen Gründen auf meinem Handy in Querformat gedreht und er lässt sich nicht hochkant drehen, es ist also zu peinlich, den bei Youtube reinzustellen. Das kommt vom Ipod Touch. Man denkt, alles dreht mit. Und anyway – wer nicht dabei war verdient es nicht, per Youtube teil zu nehmen am coolsten, sexiesten Gig im Rahmen der Popkomm, bei Popkomm muss ich immer lachen, denn dort trifft man Promotionale und außer denen frisch gefärbte Mädchen, GZSZ-Schauspielerinnen, ohne es zu wissen und Männer, die einem als A&R vorgestellt werden, was ich in meinem Lebenslauf nie erwähnen würde, dass ich Georgette auch schon mal ne Mix-CD gebrannt habe. Das ist ja gar kein Beruf sondern nur etwas, was man aus Nettigkeit tut, nach oder während der Lizenzabrechnung. Im Grunde wär ich gern A&R, hauptberuflich, das könnte ich sogar noch vom Sofa aus dem Altenheim erledigen. Frage mich dennoch, wie die ihre Tätigkeit ihren Eltern erklären und was sie mal machen werden, wenn sie groß geworden sind. Frankieren? Telefonmemos?

Michi war toll, Maggie und Fritzi eine wunderbare Begleitung, Steffi eine schöne Wiederentdeckung und Daniel, der attraktivste Man im Publikum, googelt ja vielleicht Michael von der Heide Komma Kulturbrauerei und landet hier. Meine Telefonnummer liefere ich dann nach.

Das fünfte Taxi war dann sogar ein Kreditkartentaxi und weil die Verbindung in den Äther nicht funktionierte und ich absolut gar kein Cash außer dem Euro Trinkgeld hatte, weil ich alles Geld für´s trinken ausgegeben hatte, fuhr ich umsonst. Wenn der Fahrer mehr mein Typ gewesen wäre hätte ich mich anders revanchiert. So aber endete der Abend in der Nacht, völlig anständig. Mit genau dem Schlaf, von dem ich eben erwachte.

Und beinahe wär ich zu Hause geblieben, das muss man sich mal überlegen.

Edit
😉