
Kränze waren gestern. Gänseschwanstoffpuppen. Ich sag´s Ihnen. Dit kommt. Gänseschwanstoffpuppen. Und das ist erst der Anfang.

Kränze waren gestern. Gänseschwanstoffpuppen. Ich sag´s Ihnen. Dit kommt. Gänseschwanstoffpuppen. Und das ist erst der Anfang.
Nachher schau ich bei der Frost vorbei und hol mir meinen nächstjährigen Jungbauernkalender ab. Dann steht noch ein nostalgischer Anruf an, PR PR. Im Lauf des Tages wird Prinz Platin eine seiner süßen Nachrichten texten, oder ich zuerst eine an ihn, was mir die berufliche Hochsaison und den damit verbundenen Stress erträglich macht. Sich am Arbeitsplatz beim Lächeln zu ertappen, was noch vor wenigen Tagen anlässlich einer Fotosession nicht so recht gelingen wollte. Berlin im November ist immer ein Tanz mit dem Tod. Und erstmalig und ungewöhnlich für diese Seite stellt das Beschriebene nur einen Bruchteil dessen dar, was der Schreiber gerade durchlebt. Und nicht aus Rücksicht auf den Leser. Dann, irgendwann im Lauf des Tages, werde ich die beiden Briefe aufmachen.
Es gibt wenige Filme aus Hitchcocks wichtigster Schaffensperiode – von 1935 (The 39 Steps) bis 1964 (Marnie) – die ich nicht mag. Vermutlich ist Hitchcock sogar der Regisseur, von dem ich die meisten Filme auf DVD besitze, was sich nicht durch die außergewöhnliche Länge seiner Schaffenszeit erklärt, sondern durch den unterliegenden Zynismus, mit dem er die Welt in Filmbilder packt. Der funktioniert heute noch. Hitchcocks Protagonisten müssen leiden, werden auf Quests geschickt, zum Außenseiter gemacht – eine Formel, die auch auf die meisten Disney-Filme zutrifft, wenn man vom Zynismus absieht. Es gibt allerdings einen Film, dessen Kultstatus ich nie verstand und den ich geradezu widerwärtig finde. Kim Novak, das No-Talent mit dem Gesicht einer Fleischtasche ist sicherlich ein Grund dafür, aber erklärt nicht vollständig meine Abneigung gegenüber „Vertigo“.
James Stewart läuft Kim Novak über den Weg. Sie trägt eine fiese brünette Perücke und absurde Augenbrauen. Er gestaltet sie um (als ob da noch was zu retten wäre), nach dem Vorbild der Frau, dessen Tod er glaubt mitverschuldet zu haben. Natürlich IST Kim Novak die ursprünglich umgekommene Blondine und muss ihr Leben ein zweites Mal lassen, so will es die Moral (und ich hätte dem knarzenden Holzstück auch kein Überleben gewährt). Das abgrundtief widerliche an diesem Film ist wohl, dass wir Alfred Hitchckock beim Seelen-Strip zusehen. Will man das? Nein. Ein Mann, der Frauen formt, stilisiert, denaturalisiert. Dessen Schauspielerinnen leiden müssen. Er spricht sie erst heilig, macht aus ihnen ein Kunstwerk, um sie dann zu zerstören. Dieses Thema durchzieht sein Werk wie ein roter Faden – wenn Doris Day mit strammem Lungegeneinsatz „Que sera“ BRÜLLEN muss, um ihr entführtes Kind davon in Kenntnis zu setzen, dass Hilfe naht und sich so gleichzeitig dem Publikum der Lächerlichkeit preisgibt bis zu den wirklich geschmacklos gefilmten Morden in „Frenzy“, die aussehen, als entstammten sie dem Wet Dream eines Sexualstraftäters.
Bei Hitchcock sind Männer Triebwesen. Selbst so kultivierte Gestalten wie Cary Grant werden gezwungen, die Kultur zurück zu lassen, und um ihr Leben zu laufen. Dem Familienvater-Star James Stewart gibt er eine Kamera zum Spannen oder lässt ihn per Kim Novak seine nekrophile Ader finden. Die Frauen sind Lichtgestalten, sie haben die Natur korrumpiert mit ihrer Schönheit aus der Tube und den auf den Leib geschneiderten Kostümchen. Sie sind lackiert und Hitchcock veranlasst, dass am Lack gekratzt wird. Dass ausgerechnet eine Transe Janet Leig in der Dusche attackiert – Sigmund Freud, analyze this.
Hitchcocks Frauen sind zum Teil so sark, dass man die männlichen Darsteller nicht mehr wahrnimmt. Aber es ist als ob man einen LKW neben einen Airbus stellt. Armer John Gavin.
Das Böseste was Hitchcock je tat war das, was er in „Vertigo“ ankündigt und in der Wirklichkeit mit Tippi Hedren umsetzte. Einen Menschen kreieren, emporheben, nach seinem Ideal gestalten. Zwei Filme mit ihr zu drehen und sie dann nicht aus dem langjährigen Vertrag zu entlassen, weil sie seine Besessenheit nicht erwidert. Sie drei Jahre kalt zu stellen. Doch wenn man sich anschaut was auf „Marnie“ noch an Filmen folgte – sein Oeuvre war ausgeschöpft. Er hatte seinen mörderischen Traum ausgelebt, sein Pulver verschossen. Danach kamen nur noch vier äußerst belanglose Filme, dann war Schluss.
My personal favourite. Danach hätte er aufhören können.
Das nette an der Mitbewohnerin: Sie hat den Schornsteinfeger reingelassen. Dazu wäre keiner der vorherigen Mitbewohner fähig gewesen. Zu einem verabredeten Zeitpunkt (zu dem sie normalerweise noch schläft) an einem abgestimmten Ort sein, um eine Pflicht zu erfüllen aus Freundlichkeit und Verantwortungsbewusstsein.
Das nicht so nette an der Mitbewohnerin: sie hat den Briefkasten geleert, den ich erfolgreich zwei Wochen ignoriert habe.
Was ganz anderes: die Frauen, die verschämt fragen „Sag mal Glam, weißt Du wo man so Kondome in XXL bekommt? Der Soundso hat son Riesending, uns platzen immer die Kondome“ sind auch meist die, die ihren Kerlen Nivea zum befeuchten reichen.
… is scho komisch, Moni“
„Komisch scho. Aber net zum Lachen.“