Archiv des Autors: glamourdick

WHEN SUNNY GETS BLUE

Reversal of Fortune, at last.

Eine der besten Gerichtsfilme seit „Witness for the Prosecution“ und das stimmungsvollste Portrait einer dysfunktionalen Familie der 90er Jahre. Mit einer herausragenden Kälte dargestellt von Glenn Close und Jeremy Irons, der sich für seine Darbietung sowohl Golden Globe als auch Oscar abholen durfte.

VOLVER

Der Beweis dafür, dass es keinen Gott gibt, liegt auf der Hand: Wenn es einen gäbe, dann hätte der ja gemacht, dass alle Menschen singen können, damit die Welt etwas mehr wie Bollywood oder Broadway wäre und nicht wie Bergmann, Ibsen und Bret Easton Ellis.

Eine Beichte vorweg: ich bin unmusikalisch. Gelinde gesagt. Ich habe das Gegenteil vom musikalischen Gehör. Ich kann nicht singen und noch weniger beherrsche ich ein Instrument. Vielleicht kommt daher meine Wertschätzung für die Musik, meine Bewunderung für alle, die singen können, komponieren und das auch noch kunstvoll darzubieten vermögen. Music overwhelms me. Ich werde nie vergessen, das erste Mal „Moulin Rouge“ im Kino gesehen zu haben und so erwischt zu werden, dass ich nonstop heulen musste, ergriffen von der Schönheit. Ich hab sogar bei „Mamma Mia“ geweint. Oder erst gestern Abend, als ich das erste Mal den Soundtrack von „Were the world mine“ anhörte. Dies nur vorweg. Jetzt bewegen wir uns ein wenig zurück in der Zeit, als meine Liebe zur Musik noch mein Beruf war. Folgen Sie mir!

Der Gedanke drängte sich geradezu auf. Jetzt haben wir auf dem kleinen feinen Label die Elite des deutschprachigen Chansons (plus eine Französin) versammelt, da müsste man doch einen Event veranstalten! Und so setzten sich vier Damen und ein musikalischer Leiter zusammen und brainstormten, dass es krachte.
Ich hielt mich aus den Proben raus, weil ich mich auf die Produktion und Promotion der Promo-CD kümmern musste und Sponsoren akquirierte, aber teilte mein Büro mit dem Produktionsleiter. Der gigantische Stoffbahnen organisierte, eines Tages ein riesiges Aquarium in Auftrag gab, einen Herd und jede Menge roten Samt. Ich hörte die ersten Aufnahmen und mir liefen die Tränen, so großartig waren die Ergebnisse. Russisches Volkslied, Kunstliedoper, Dramolettenchanson, Großstadtballade, Durchhaltehymne. Erpresserbriefe! Bärenjagden! Und irgendwann wurden auch die Goldfische geliefert. Die Chefin und die Technik arbeiteten tage- und nächtelang nonstop – am Tag der Premiere gab es zwar einen Beleuchtungsplan aber die Scheinwerfer waren noch nicht programmiert und mussten quasi von Hand gefahren werden. Alle Beteiligten hatten sich bis aufs Äußerste überstrapaziert, um termingerecht bereit zu sein, den multimedial angepriesenen Divengipfel aus der Taufe zu heben.

Die Premiere sollte für mich zu einer Sternstunde meiner damaligen Karriere werden. Wurde sie aber nicht. Ich hatte den Künstlerinnen kleine Kärtchen geschrieben, die in der Garderobe auf sie warteten, in der ich jeder beschrieb, warum es mich glücklich machte, dass gerade sie dabei war.
Am Morgen der Uraufführung musste sich meine Mutter einer kleineren Operation unterziehen. Als sie aus der Narkose erwachte, teilte man ihr mit, dass ihr Krebs eine der aggressivsten Formen war und dass man ihr die Brust amputiert hatte. Da stand ich im Foyer des Hebbel-Theaters, als habe mich jemand zusammen geschlagen. Eine Premiere erscheint einem mit einem Mal recht unwirklich und surreal, wenn man daran denkt, wie die eigene Mutter aus der Narkose erwacht, an sich herab schaut, und. Und man ist nicht bei ihr, sondern im Foyer des Hebbel-Theaters. Meine Deplatziertheit legte sich auch in den folgenden Stunden nicht. Dann kam der Pressesprecher des Coproduzenten mir auch noch blöd (Lucky, jetzt verstehst Du vielleicht, wie tief meine Abneigung gegen den Herrn zementiert ist), und zwanzig Minuten bevor die Vorhänge sich öffneten schnappte ich mir meinen Mantel, gerade fuhr ein Taxi vor, aus dem eine der giftigsten Stalkerinnen der Szene entstieg, ich entriss ihr den Wagen und fuhr in den Wedding zu meinem Boyfriend und ließ mich in den Arm nehmen.

Die Premiere von „Diva gut“ habe ich also nicht miterlebt. Aber mehrere Male in den folgenden Wochen hatte ich noch Gelegenheit, das Programm anzuschauen. Emotionalisiert wie ich war, erwischte mich die Show tief im Herzen. Es war auch mit mein Baby, das dort unter großem Beifall wochenlang für ein ausverkauftes Haus sorgte. Ich war dankbar, Teil gewesen zu sein, stolz, ein paar Ideen geliefert zu haben und empfand es als Geschenk, an etwas so Großartigem mitgewirkt zu haben, mit diesen wunderbaren, anstrengenden, weisen, schönen, verletzlichen und starken Menschen – den „Singnutten“. Und den Goldfischen. Und nicht zu vergessen: den klagenden Keksen.

Der 4. Dezember 1998 ist heute genau 10 Jahre her. Let me take a bow to Georgette Dee, Cora Frost, Susanne Betancor, Mouron und Terry Truck. Aber wichtiger als der Jahrestag dieses Chanson-Happenings ist, dass meine Mutter seit zehn Jahren krebsfrei ist. Diva gut. Diva besser.

Edit: Und zum Thema Musik gibt´s heute von mir auch noch was hier in Nilzens undebattierbaren Top 100.

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Mein Pflegehund, den ich 4 Jahre nicht gesehen habe, hat einen bestürzend traurigen Blick jetzt, mit 5. Dass ich in seinen Besitzer verliebt war kann ich angesichts seiner Fotos nachvollziehen, aber nicht nachempfinden.