Archiv des Autors: glamourdick

LOOK BACK IN GLAM

Um über meine erste große Liebe hinweg zu kommen brauchte ich ca drei Jahre. Fünf Jahre, nachdem ich ihn kennen gelernt hatte, gaben wir der Beziehung einen zweiten Versuch. Diese mal dauerte es ungefähr anderthalb Jahre, bis ich das Ende verwunden hatte. Einige Jahre später, beim Ende der zweiten großen Liebe verbrachte ich wieder anderthalb Jahre leidend. Eine dritte große Liebe gibt es noch nicht, möglicherweise wegen des nachhaltigen Nicht-drüber-Hinwegkommens, auf das ich keine Lust mehr habe. Immerhin. Anhand der Eins und der Zwei habe ich festgestellt, dass Zeit, die man mit Nachtrauern verbringt, gestohlene Lebenszeit ist. Vertan. Verheult. Verschissen.

In diesem Jahr, und – ja – das ist das nächstbeste, was Sie hier an Jahrerückblicksthematik serviert bekommen, habe ich es geschafft, einen Abschied von jemandem, den ich sehr lieb habe, so wuchtig konzentriert zu durchleben, dass es der Art und Weise der ursprünglichen Begegnung gerecht wurde. Mir war klar, dass dieser Mensch jemand ist, der da ist, wenn er da ist und fort, wenn weg. Wie ich, niemand, der gern telefoniert. Diese Gedanken und Gefühle erlebte ich ein paar Tage berauschend intensiv, und dann war es gut. Weil ich auch weiß, dass, wenn wir uns wiedersehen praktisch keine Zeit vergangen sein wird. Und das war das Schöne an diesem Jahr. Festgemacht und reich beschenkt gleich weiter verteilt an einem Wochenende im Juni. Die ganze Fickerei im Sommer war dann auch ganz nett, aber im Rückblick weniger bedeutungsvoll.

GRENZEN SETZEN MIT GLAM

„Jan-Jonas, eine Bitte. Du als Buddhist und Reiki-Meister hast doch ein ausgeprägtes Körpergefühl. Drum achte doch bitte in Zukunft mehr darauf, wie Du Dich hier durch den Raum bewegst und welche Auswirkungen das auf die Menschen in Deiner Umgebung hat. So wäre es sehr aufmerksam von Dir, wenn Du nicht immer mit der Hüfte gegen meine Stuhllehne prallst, wenn Du an mir vorbei eilst. Oder wenn Dein Handrücken nicht gegen meinen schabt, wenn wir aneinander vorbei gehen. Noch besser, wenn Du beim Anziehen Deines Anorkas mir nicht wieder die Strippen Deines Zuzuppel-Säumchens ins Gesicht schleuderst. Auch wenn Du vor mir stehst und mich um Hilfe ersuchend ansprichst – achte auf einen Mindestabstand von vierzig Zentimetern – bedenke, wenn schon nicht meine, dann doch aber den Bremsweg Deiner Aura. Sei so lieb: Mach in nächster Zeit einen großen Bogen um mich, wenn Du verhindern möchtest, dass meine Faust in einer zügigen Vorwärtsbewegung auf Dein Auge trifft. Danke, Jan-Jonas.“

BIG BROTHER, MY ASS

Gut, dass nur 900.000 Leute zugeschaut haben, als die blonde Alida im Nachtschrank des attraktiven 23jährigen Motorrad fahrenden Big Brother-Bewerbers stöberte und er mit dem Fundstück live im Studio konfrontiert wurde. Sowas pinkes, längliches, geriffelt, von der Größe einer Banane. Sie zeigten allerdings nur das Foto. Den Teddybären des anderen Bewerbers hatten sie ins Studio mitgebracht. Immerhin weiß im Haus niemand von seinem Dildo, so hat er ein paar Wochen oder Monate Ruhe, bis der Rest der Welt ihn fürderhin mit dem Spielzeug aufziehen kann.

WOLVERINETTE

Und jetzt bekommt sogar „Wetten dass“ mal ein paar positive Bewertungen, nur weil Hugh Jackmann die von der Leyen aus einer Mülltonne gehoben hat. Deckel drauf und abkarren wäre die bessere Unterhaltung gewesen.

EDEN LAKE

Junge Pärchen will es sich mal so richtig gut gehen lassen. Und weil Städtereisen was für Rentner sind, machen sie sich auf, am idyllischen Eden Lake zu campen, bevor der reizende Fleck Erde zum Bebauungsobjekt wird. An der Idylle nagt dann nur eine Clique Aso-Jugendlicher mit Rottweiler, die laut Musik hören, auf Billigdrogen sind und gar nicht einsehen, ihren Strand mit dem Yuppie-Pärchen zu teilen.

Dank eines wunderbaren Bloggers bekam ich Gelegenheit, mir „Eden Lake“ anzuschauen. Und zittere. Das der Film brutal sein würde, das konnte ich bereits dem Trailer entnehmen. Dass der Film aber der härteste Film über eine Terrorisierung ist, den ich je gesehen habe, darauf war ich nicht gefasst. Wie es sich aber für einen guten Horrorfilm gehört, und diesem Genre würde ich ihn zuordnen, ungeachtet der Tatsache, dass der dargestellte Horror nicht überirdischen Ursprungs ist, sondern allzu irdisch, zeigt auch „Eden Lake“ eine Form von Wahrhaftigkeit. Den hässlichen Deutschen, beispielsweise, hier getarnt als hässlicher Brite. „Eden Lake“ könnte eben so gut an einem der charmanten Seen der Seenplatte spielen, oder in Brandenburg. Er zeigt, was aus den Kindern wird, die nicht nach der Geburt in die Tiefkühltruhe wandern, weil die Eltern zu besoffen sind, um die Leibesfrucht zu entsorgen.

TINTO TONTO

Man kennt ja die Nachwirkungen nelkigen Rotweins, so dass man, wenn die Gleichwirkung anschlägt, eigentlich schon weiß, was für einen Schädel man am nächsten Tag haben wird. Ich dachte, ich hätte gerade noch rechtzeitig gestoppt, aber heute stelle ich fest, ich hätte genau so gut weiterfeiern können – Schädel brummt eh.

ALL ABOUT GLAM, EXTENDED BONUS FEAURE: EVIL GLAM

„There are certain characteristics for which you are famous, on stage and off. I love you for some of them and in spite of others. I haven´t let those become too important. They´re part of your equipment in getting along in what is laughingly called our environment. You have to keep your teeth sharp, all right. But I won´t have you sharpen them on me.“

(Bill Sampson zu Margo Channing, „All about Eve“)

Ich verstehe, warum Margo Bill geheirtatet hat. Und was er da sagt, das ist eine gute Umschreibung dafür, wie ich einen mir nahe stehenden Menschen beurteile. Because of some of his qualities and in spite of those I don´t like. Das fiel mir jetzt anhand des Fehlerkataloges ein, den ich gerade bekommen habe. Dass sich jemand die Mühe macht, aufzulisten, was an mir unerträglich ist, hat ja auch was praktisches. Da kann man dann abhaken und sagen Yo – stimmt, oder Nö – so schon mal gar nicht. Mein Arschloch-Attest habe ich mir insofern selbst zu verdanken, denn wenn ein Mensch in meinem Umfeld auf einmal hauptsächlich die Qualitäten an den Tag legt, t r o t z derer ich ihn mag, dann gehe ich in Rückzug und warte bessere Zeiten ab. Das kann man natürlich auch als Liebesentzug deuten. Erspart Schlägereien aber brütet auch Vitriol. So hat einfach alles seine Schattenseiten. Sehen Sie – man wird alt wie ne Kuh und lernt immer noch dazu: Man kann nicht alles richtig machen.

IS THERE SO MUCH HATE FOR THE ONES WE LOVE

ist eine unpassende, schlecht gewählte Überschrift für einen Brief, in dem eine Freundschaft zu Grabe getragen wird. Denn von Liebe ist in dem Brief nichts zu spüren. Es ist eine Ansammlung von Vorwürfen, teils gerechtfertigt, teils an den Haaren herbeigezogen – und dies war genau der Grund, den Kontakt eine Weile auszusetzen. Ich werde nicht gerne beschuldigt, noch vor der Begrüßung. An einem Abend, in dem es darum geht, es sich gut gehen zu lassen, weil jemand, den man sehr lieb hat, das gerade ganz dringend braucht.
Es dauert eine Weile, bis ich für jemanden, der so etwas tut, wieder eine Wertschätzung bekomme. Die hatte sich auch Wochen später noch nicht wieder eingestellt, was sicher damit zu tun hatte dass wir uns zwischendurch über den Weg gelaufen sind und es Phasen gibt, in denen man sich defintiv nicht über den Weg laufen sollte; wenn man kein Pokerface hat, bzw nicht imstande ist, Freunde anzuheucheln. Insofern kam der Brief, der der bösartigste ist, den ich seit meinem 15. Lebensjahr bekommen habe, zum richtigen Zeitpunkt. Ich verstehe nur immer noch nicht, weshalb man in diesem Zusammenhang Kate Bush zitiert, höchstens insofern als dass er sich die Frage selbst beantwortet hat. Die Verwünschungen waren ein wenig too much, aber zeigen doch immerhin eine gewisse Antriebskraft, die ich so nicht von ihm kannte. Solche Boshaftigkeiten sind das Äquivalent zu jemandem in den Ausschnitt kotzen. Das braucht man nicht.