To Dexter and Debra!
Archiv des Autors: glamourdick
ZUM ENTSPANNEN ENTFERNT MAN DEN FROSCH
„Die Haare eines Steckfroschbogens sind an der Hinterseite einer Nut befestigt. Klemmt der Spieler den separaten Frosch zwischen Bogenstange und Bespannung ein, so wird das Haar unter Zugspannung gesetzt (oben). Zum Entspannen entfernt man der Frosch (unten).“
Quelle: Wikipedia
AUTOGLAM
I.s Textnachrichten bringen mich immer zum Grinsen.
„Kennst Du einen guten Laden für Autoersatzteile?“
„Weißt Du wo ich eine Garage anmieten kann?“
„Wo in Berlin kann ich eine alte Schreibmaschine auftreiben?“
Neue Freunde schätzen meine Kompetenzen ganz anders ein, und ich stelle fest, dass ich selbst mich bislang mitunter unterschätze.
GLAM MACHT DIE RECHNUNG
Ick hab nur grad son 2008-Flashback. The worst of. Teeth and Taxes. Nächste Woche die fiese Operation im Mund, damit verbunden die Notwendigkeit, das Rauchen zu unterlassen. Und bis Ende des Monats dann die Rückerstattung von Geld, das ich gar nicht habe. Und es ist so viel Geld, dass ich mich kürzlich in einer Bank wiederfand, nachdem dort die Frau, die mir immer so verführerische Briefe schreibt, in denen mir 15.000 Euro für ab ca 4% angeboten werden, mich beraten wollte. Stellte sich heraus, dass sie irrtümlich der Annahme war, ich befände mich in einem Angestelltenverhältnis. Als sie den Begriff „selbständig“ hörte erlosch ihr das ohnehin recht tapeziert wirkende Lächeln und ihre Mundwinkel bewegten sich dorthin, wohin auch ihre drei Kinne deuteten. Down down down. Diese Frau hatte plötzlich keinerlei Verständnis mehr für meinen Kreditwunsch und das lag wohl daran, dass sie keinen Hals hat, unter dem ganzen Kinnsammelsurium, um den es sich plötzlich eng anfühlen könnte.
In Canossa war ich noch nicht, aber zu diesem Zweck im Harz. Das Ergebnis war ein zinsfreier Kredit. Es will dennoch keine Freude aufkommen. Denn wenn ich so rechne, und auch wenn es den Anschein macht, dass ich ein Leben in überschäumendem Luxus führe – weit gefehlt, wenn ich jedenfalls bilanziere, dann kann ich es mir nicht leisten, zu arbeiten. Mir fehlt pro Jahr ein größerer Auftrag. Jedes Jahr rechne ich fest damit, dass ich ihn in diesem Jahr bekomme. Es ist ja nicht so, dass ich mich diesbezüglich nicht bemühen würde.
Privatinsolvenz ist für mich ein Begriff, der jeder Erotik entbehrt, das steht nicht zur Debatte. Nicht zu arbeiten kann ich mir aus Gründen der sozialen und emotionalen Hygiene nicht leisten. Auf meinen Vorschlag, mir die Steuern zu erlassen, weil ich mit meinem Weblog Deutschland gratis entertaine, von den Unkosten ganz zu schweigen, hat sich das Finanzamt bislang noch nicht geäußert. Auch meine Anregung der Dummensteuer wurde bislang ignoriert.
UNGLÄMMES WOCHENENDE
Ja. Geht mir doch genau so. Am Liebsten möchte ich in Felle gehüllt von einem Gespann mit sechs Pferden über einen zugefrorenen Fluss kutschiert werden, während jemand sich um den Samovar kümmert. Durch die Aviator auf das Weiß schauen und dann und wann ein paar Seiten in einem Spannungsroman lesen. Bloß nicht zu viel bewegen. Das Telefon gar nicht erst anstellen. Den Computer und das niedrige Pfund lediglich dazu nutzen, amerikanische Fernsehserien zu ordern und eine Kiste Rotwein, und am Abend das Bett nicht verlassen. Nichts erleben, was man nicht durch Druck auf die Taste einer Fernbedienung stoppen kann.
Aber in Ermangelung einer Kutsche und eines Samovars verbrachte ich das Wochenende mit sechs Filmen und einem zäh anlaufenden Horror-Roman. „Wanted“ und „The Happening“ kann ich empfehlen. Eine gut geschminkte Angelina, ein Mark Wahlberg als Biologielehrer und Opfer eines mysteriösen Naturereignisses (das sich in spontanen Massenselbstmorden auswirkt). Farblos wie immer: diese Deschanel-Frau mit dem stumpfen Blick. „Flawless“ geht auch, an einem matschigen Wintertag, kein Film, der den Abend füllt. Wie schon bei „Bobby“ macht es Vergnügen, der edel gealterten Demi Moore zuzuschauen, so dass man selbst über Michael Caine und seine ewig gleiche Rolle hinwegsehen kann. Sean Connery wäre eine coole Besetzung gewesen. „26 Dresses“ ist erstaunlich sweet. Eigentlich wollte ich mich über Katherine Heigl mokieren, die ihre Grey´s Anatomy-Rolle so langweilig findet, dass sie sich jetzt die Filme aussucht, für die sich Sandra Bullock zu schade ist, aber manchmal sind bei diesen Bullock-Filmen ja durchaus Treffer zu verzeichnen und so ist Frau Heigl wirklich nichts vorzuwerfen, in diesem Falle. „Shrek 3″ist genau so unterhaltsam wie 1 und 2. Den sechsten Film musste ich eben im Kalender nachschauen. So einprägsam. „Ruins“, ein kleiner Horrorfilm, nicht gut, nicht richtig schlecht. Am Lustigsten bei dieser Art von Film ist ja immer, wenn die „Hauptdarsteller“ in den Special Features zu Wort kommen und gefragt werden, wass denn so das Besondere an ihrem Part (oder gar dem Film) gewesen sei. Besonders schlechte Agenten, in der Regel. Es war also ein Wochenende, an dem ich die ganze Zeit hoffte, dass niemand anrufen würde, weil es doch irgendwie peinlich ist, wenn man so beim nichts-tun-außer-Glotzen ertappt wird, aber meine Hoffnung wurde erfüllt ud so wird niemand erfahren, wie das gestern und vorgestern so war. Anderthalb Stunden mit Lara Croft in einer Gebirgshöhle unterschlagend – sehr frustrierend, die Tastenbelegung bei Tomb Raider Anniversary. Alles in allem: tat gut. Aber ist auch gut, dass heute die Sonne wieder scheint.
GOD SAVE THE GLAM
Eigenhändig kurbele ich die britische Wirtschaft an! 30 Rock! Gossip Girl! Cashmere Mafia! Shop shop shop!!! (Solange das Pfund noch fürn Euro zu haben ist.)
Tipp: Wenn Sie Damages noch nicht gesehen haben, die gibt´s bei Amazon.co.uk grad für 7 Pfund Euro.
„MENSCHEN TRINKEN, PFERDE SAUFEN – HEUTE SOLL ES ANDERS LAUFEN“
Unter obigem Motto stand die Einladung meines Cousins J. zu seinem 40. Geburtstage. Es wäre das erste Mal seit seinem 7., dass ich mit ihm gemeinsam gefeiert hätte. Neugierig, wie es so gewesen ist, war ich trotzdem.
„Er wollte halt, dass es ist wie damals bei den Familienfeiern. Als wir Kinder uns zusammen gerottet hatten und da so rumgewuselt sind.“
„Bei Tante Lotte aufm Saal?“
„Genau.“
„Wo wir den Erwachsenen immer Schnaps ins Bier geschüttet haben und am Ende haben sich alle gestritten.“
„Und wenn man am Bollerofen saß, dann schwitzte man seinen Popelinjäckchen durch und am anderen Ende des Saals erfror man. Rate was es zu Essen gab.“
„Rinderbraten und Schweinebraten und gemischtes Gemüse – ganz weich.“
„Genau. Aber auch Kroketten.“
„Diese Industriekroketten hab ich geliebt. Tante Lotte stand immer in diesen kurzämeligen weißen Kittelschüren in der schmuddeligen Küche und sah fertig aus.“
„Sieht sie immer noch. Nur jetzt in alt.“
„Und die anderen so?“
„Die L. war nicht da, die hatte was am Fuß.“
„Drama-Queen!
„Aber ihr Sohn ist so unglaublich fett geworden, das kannst Du Dir nicht vorstellen.“
„Na, ist doch logisch. Jetzt hat er ne Alte, da kann er sich gehen lassen. Als nächstes landet er im Kirchenvorstand wie sein Vater, der Heuchler. Gab´s Streit?“
„Ich hab doch gesagt, dass die L. nicht da war.“
„Sind die Klos immer noch so ne Katastrophe?“
„Ich hab´s mir verkniffen. Ich bin bei Tante E. gegangen.“
„Auch mutig.“ (Tante E. ist messy.)
„Sie hatte aufgeräumt, weil sie ja die Düsseldorfer und den J. und seine Familie und die Peiner da hatte.“
„Hör mal – das sind ja dann 20 Leute, die sie untergebracht hat!“
„Und beim Aufräumen hat sie sich die Nähmaschine auf den Fuß geknallt, also ist sie den ganzen Abend gehumpelt und ist dann auch als eine der ersten weg.“
„Und sonst so?“
„Die Frau vom J. hat keinen Finger gerührt. Die hat nicht mal ne Torte mitgebracht. Die E. hat mich angerufen ob ich meim Tischdecken helfe. Der Neue von der S. hat den ganzen Abend keine drei Worte gesagt und die G. wird nächsten Monat 50.“
„50! Die G!“
„Sieht aber sehr gut aus, die hat sich ja aber auch immer gut gepflegt.“
„Und ihr Alter?“
„Ganz nett.“
„Mit 49 noch geheiratet. Das macht sie schon wieder sympathisch.“
„Es ist total viel Torte übrig geblieben. Und ich hab grad so nen Zuckerjieper und wünschte, wir hätten nen Tortenteller mitgenommen.“
„Wie? Ihr habt keinen Tortenteller mitbekommen??“
„Nee. Weil die E. schon weg war. Wenn die E. noch dagewesen wäre, dann hätte sie uns nicht ohne Torte nach Hause gelassen. Ader die Frau vom J. – die hat ja nicht mal beim Tischdecken geholfen.“
„Hätte die man die Nähmaschine weggeräumt, die blöde Ische.“
Und nach diesem Gespräch habe ich einen langen Spaziergang durch Kreuzberg und Neukoelln gemacht und mich an jedem Menschen erfreut, der mir begegnete und mit dem ich nicht verwandt war.
KISS THE GLAM
Dass die Lippen drei Tage später immer noch ganz aufgerauht vom Knutschen sind nehm ich mal als gutes Omen für 09.
WEGEN WIRTSCHAFTSKRISE UND SO
„Tach´chen. Kurzstrecke nach – ach wissense, schaltense man auf normal. Is ja Neujahr.“
(…)
„Stimmt so, Danke.“
„Nein, nehmen Sie zurück. Sie waren so faire Fahrgäste, da nehm ich kein Trinkgeld.“
Und um 15 Uhr aufgewacht, so Telefon Butterfiel 8-mäßig mit Waschbärenaugen und keinem Whiskey da für zum Zähneputzen. Dann á la Baby Jane ein Pfund Makeup auf die ungewaschenen Gesichtsreste geschmiert und Zigaretten eingekauft. Derweil in Frankfurt am Main das Skailight schon ein Beauty-Programm in einer Badewanne voller Cosmo mit Sekt Red Bull absolviert. Seit er bei Sonya Kraus gesehen hat, dass man Alkohol auch über die Haut aufnehmen kann, findet er auch immer neue Wege und Möglichkeiten, Schmuck zu tragen. I love my friends.

WERE THE YEAR MINE oder PUCK YOU!
„We fairies that do run from the presence of the sun, we follow darkness like a dream.“
Der Herr Caliban aus München veröffentlichte vor einiger Zeit einen Clip, der meine Aufmerksamkeit erregte.
Es dauerte ungefähr so lang wie dreimal mit den Hacken klacken, da hatte ich mir auch schon den Soundtrack besorgt, denn der Film läuft bislang nur auf Festivals, wo er soviele Preise absahnt, dass man vermutlich schon einen eigenen Trophäen-Truck anschaffen musste. Statt eines Jahresrückblicks mache ich einen Jahresvorblick. Denn meine Lieblings-CD wird auch in den nächsten Monaten „Were the World mine“ bleiben, auch ungeachtet der Tatsache, dass sich Darling Rufus Wainwright in Kürze Shakespeare annehmen und unter der Regie von Robert Wilson gemeinsam mit Darling Georgette Dee und einigen anderen Kumpanen auf die Bretter des Berliner Ensembles zaubern wird.
„Were the World mine“ gelingt es, Shakespeares Worte in einen aktuellen Bezug zu setzen und sie in ein Tongewand zu kleiden, das bewegt, amüsiert und auf der Klaviatur meiner Gefühle herumspielt.
Ich wünsche mir und Ihnen für das Jahr 2009 Imagination und Zauber. Etwas mehr Glanz als eigentlich notwendig. Mut und Leidenschaft und Mut zur Leidenschaft. Belohnungen. Jede Menge Feelgood, ein bisschen Bidgood und eine Prise Pierre & Gilles. And most of all, when snowflakes fall – I wish you Love. (Und ganz doll wünsche ich mir auch, dass Pro Fun Media schnellstmöglich die „Were the world mine“-DVD herausbringt!)