Nur soviel – Neukoelln stank heut nach Kotze.
Archiv des Autors: glamourdick
GLIMMGLAM
Nicht einmal die Wohnung geputzt, so matschig war ich. Und drei Tage lang keine Raucher getroffen, was sich heute ändern wird. In den vergangenen Wochen habe ich mir die Zigarette wieder schlecht geredet, aber mit mäßigem Erfolg. Ich würde liebend gern jetzt sofort eine anstecken, aber „eine Zigarette rauchen“, das kann ich so gut wie „einen Kartoffelchip essen“. Es bleibt doch nicht dabei. Vom „nur abends rauchen“ bin ich schnell wieder zum „nur 6 Zigaretten auf den Tag verteilt“und dann war es bald wieder eine Schachtel.
Mir fehlt eine Formel, irgendwas zum auf-die-Schulter-klopfen. Oder vielleicht muss ich wieder Johanniskraut nehmen, aber diese zwei Stunden wachliegen mitten in der Nacht und innerlich kämpft es, wenn das so weitergeht, dann ist das keine gute Voraussicht.
BESONDERS PERFIDE…
… ist ja auch die Einfädelung, wie die Wiederkehr des Geruchssinns einhergeht mit der Wahnrnehmung, dass alle Textilien nach altem Rauch riechen.
KNOCHENARBEIT
Fühlt sich seltsam an, an einem Arbeitstag auf dem Bett zu liegen und beim Lesen fallen mir die Augen zu. Danach, beim DVD-Schauen das gleiche. Eine halbe Stunde und dann dämmere ich wieder weg. Die Narkose wirkt noch den halben Tag lang nach und danach kombiniere ich Rotwein mit Ibuprofen mit ähnlichen Resultaten. Je mehr ich dämmere, desto weniger mache ich mir das Nichtrauchen bewusst. Da sind selbst die Alpträume willkommen, in denen jemand mit einem Schraubenzieher über meinen Schädelknochen kratzt.
Einen Tag nicht geraucht. Einen Tag hat die Vernunft gesiegt. Für Nichtraucher dürfte es schwer vorstellbar sein, dass selbst mit einer Operationswunde im Mund der Verzicht auf die Zigarette alles andere als leicht fällt. Aber immerhin – einen Tag überstanden, etwas müder als sonst, etwas labiler als sonst (als Ewan McG nach der Weltumrundung in New York eintrifft muss ich heulen, auch schon als er seine Frau wieder trifft und dann auch noch sein Vater ihn mit einem Besuch überrascht) und etwas teerfreier. Wäre ja blöd, jetzt wieder anzufangen, oder? Aber das muss ich mit meiner Sucht ausmachen.
Heute gebe ich mir noch einen Tag Erholung und dann muss ich mich wohl langsam dem nächsten Horror-Thema zuwenden.
Und danke für die guten Wünsche hier, per Mail und per Fon!
LIKE PETER PAN OR SUPERMAN
Im Auto auf der Fahrt nach Hause dann doch irgendwie gemerkt, wie groß der Stress ist. Als Timothy sang „I am not afraid“ fingen die Tränen an zu laufen, was auch rote Ampeln nicht verhindern konnten. Because I am. Nicht dass ich mich schämen würde. Bei dem, was heute vor mir liegt, und in den nächsten Tagen, Wochen – da würden auch Sie winseln.
THIS GLAM´S IN LOVE oder FREEDOM, BEAUTY, TRUTH, LOVE AND JOY
In „Velvet Goldmine“ ist er mir beim ersten Anschauen irgendwie nicht so richtig aufgefallen, damals verknallte mich stattdessen in Jonathan Rhys Meyers, auch keine schlechte Wahl. In „A Life less ordinary“, wo er Cameron Diaz entführt und die ihm erstmal zeigt, wie man das richtig anstellt, fand ich ihn süß, aber umgehauen hat er mich auch nicht. Aber dann kam „Moulin Rouge“, wo Ewan McGregor leuchtete und schien und in gewisser Weise Wärme und Lebensfreude abstrahlte, die sich den Weg in mein Herz bahnte.
Er hat dieses Lächeln, das eigentlich ein Grinsen ist, eine Verschwörung – mit ihm möchte man über Dächer tanzen, weil man weiß, es wird SPASS machen.
Ebenso großartig mit einer Jungenseele ausgestattet stapft er frohen Mutes durch den großartigen „Big Fish“ von Tim Burton, der nicht nur Elefanten und Riesen hat, sondern auch Jessica Lange, siamesische Zwilinge und einen zu Tränen rührenden Albert Finney.
Sogar „Down with Love“ habe ich mir angeschaut, trotz Renee Zellweger. In der Rolle des Catcher Block setzt er Rock Hudson ein würdiges Denkmal – mit einer Eleganz und Verschmitztheit, die Hudson nie besaß. Trotzdem wäre mir bis dahin nicht aufgefallen dass Ewan McGregor mein Lieblingsschauspieler ist. Das geschah erst in den vergangenen Wochen, als ich mit meinem Vater zusammen „The Long Way Round“ ansah.
Hier spielt Ewan McGregor Ewan McGregor und das ist die Rolle, die mir am Besten von allen gefällt. Er IST jemand, der Spaß am Leben hat, mit einem wunderbaren Humor gesegnet ist und mal eben mit seinem Kumpel die Welt auf dem Motorrad umrundet. Und selbst jemand wie ich, der kein besonderes Interesse an Motorrädern oder beispielsweise der Mongolei hat, ist beeindruckt, gecharmt und angefixt. Bei aller Hochachtung vor Johnny Depp, Ewan is my main man! Und die Freude, sich alle Filme noch einmal anschauen zu können, so frisch verliebt!
EDIES IN LOVE
Absolutely adorable!
PARKPLATZPATRIOTISMUS oder WÄHREND SIE WEG WAR

Der in die Jahre gekommenen Vorstadtschönheit entgleitet es. Sie kriegt das nicht mehr so recht hin mit dem Haushalt. Spielzeug, die Sachen der Kinder – alles bleibt liegen oder fliegt durch die Gegend. Wenn ihr Mann nach Hause kommt, muss er erst einmal ein Machtwort sprechen oder mit der Faust ein Loch in die Rigipswand hauen. Della geht es nicht gut, das wird auch deutlich, wenn sie beinahe die Fassung verliert, auf der Suche nach einem Parkplatz , einen Tag vor Heligabend; durch die weihnachtlich übervölkerte Shopping Mall läuft, sich zwischen den Menschen verliert. Miss Monroe, eine alte Schulfreundin trifft, die es zu etwas gebracht hat, erleben muss, dass ihre Kreditarte gesperrt worden ist, oder – die ultimative Demütigung – beim Starbucks ihren Namen buchstabiert und die Schlampe von Kassiererin schreibt ihn dann doch falsch auf den Pappbecher.
Und als sie dann an dem Wagen vorbeikommt, an den sie zuvor einen bösen kleinen Zettel geklemmt hatte: „Jerk, 2 parking spaces? How selfish can you be?“, da kippt ihr der Boden unter dem Tag weg. Die Jungs, die zu dem Wagen gehören, sind nämlich nicht amüsiert. Einen Wachmann, der ihr zur Hilfe kommt, ereilt ein heftiges Schicksal und somit befindet sich Della jetzt auf der Flucht vor den vier postpubertären Kerlen, die ein schlechterer Drehbuchautor zu Meth-Heads gemacht hätte.
Die Brutalität, die sich jetzt entfaltet, mag an den brutal genialen „Eden Lake“ erinnern, aber auch nur erinnern. Denn wie diese schöne Frau durch den nassen Winterwald flüchet, ausgestattet mit einem flimsy Trenchcoat und einem Werkzeugkasten, das hat mythische Bezüge und wirkt zeitloser als in Eden Lake, der durchweg kontemporär wirkt, was den Großteil seines Schreckens ausmacht. „While she was out“ setzt den Terror der Vorstadt auf ein alptraumig märchenhaftes Level. Dellas blondes Haar leuchtet in der Dunkelheit, und ihr Werkzeugkoffer ist rotkäppchenrot. „While she was out“ bezeichnet auch den Zustand, in dem sich das finale Finale des Films abspielt, das zunächst überzogen und aufgesetzt wirkt, letztlich aber, völlig korrekt, den Zirkelschluss der Exkursion dieser amerikanischen Lucy Jordan liefert.
Lukas Haas Lukas Haas Lukas Haas. Einer der wenigen Kinderschauspieler, der auch als Erwachsener noch fasziniert. Heirate mich! Kim Basinger Kim Basinger Kim Basinger. Vor 20 Jahren hätte niemand geglaubt, wie lange Du es aushalten wirst. Und gerade erst jetzt, ca. seit „Cellular“ und „Door in the Floor“, bist Du richtig gut und wahrlich schön. Dass „While she was out“ in den Staaten ein schlimmeres Schicksal ereilte als straight to DVD – nämlich „startet nur in Texas“, ist bedauerlich, aber auch nachvollziehbar. Der Film ist in seinen Farben zu dänisch und in seiner Moral zu unamerikanisch. Dabei setzt er dem Kampf gegen den Terror ein Denkmal und verkündet auf eine bizarre Art und Weise auch das Ende der Ära Bush. In England soeben auf DVD erschienen und Sie wissen ja, dass wir die englische Wirtschaft ankurbeln müssen, ich kann das schließlich nicht eigenhändig bewerkstelligen. Und ich würde ja gerne den Trailer präsentieren aber irgend ein Vollidiot hat da einen massiven Spoiler reingeschnitten.
SEXSYMBOL FÜR BRILLENTRÄGER
Für Michael C. Hall, Sally Field und Kyra Sedgwick tut´s mir Leid. Für Kate freut´s mich und natürlich für Heath. Alec Baldwin hat ihn auch verdient und die gute Tina Fey hat so hart und zielstrebig daran gearbeitet, lustig zu sein, erfolgreich zu sein, der amerikanische Traum zu sein, dass die Globe-Juroren nicht daran vorbei kamen. Ihr gönn ich den. Aber nach Lektüre der eigentlich recht wohlwollenden Titelstory des aktuellen Vanity Fair aus irgendeinem Grund bin ich überzeugt davon, dass die Dame hochgradig unsympathisch ist und so ehrgeizig, dass sie sich über einen Preis nicht einmal freuen kann, sondern ihn nur als bedrohliche Herausforderung für die berufliche Zukunf sieht. Aber vielleicht bin ich auch nur sozialneidisch. (Komme jedoch nicht umhin festzustellen, dass die anderen Nominierten in der Kategorie beste Schauspielerin in einer TV-Komödie auch nur so Wasserschlücke ware.)
DEER AUDREY
Kaum ebbt der berufsbedingte Saisonstress ab, da kommen wieder Gedanken. Ich will nicht sagen kreative Schübe, davon bin ich noch weit entfernt. Aber ich mache Notizen. Erlebe bewilderment. Wundere mich über Bäume beispielsweise. So ne 1000 Jahre alte Eiche würde ja lachen angesichts einer Biografie wie meiner. Andererseits hat so ne 1000 Jahre alte Eiche auch wenig Erlebnisspielraum. Also vielleicht viel Erlebnis, aber eben wenig Spielraum.
Oder Marilyn. Schaust Du Dir eines der Milton Greene-Fotos von ihr an, wo sie das zu kleine Tutu trägt und dieses Gesicht ist von solch atemberaubender Schönheit, ist die Definition von Schönheit. Eine 30jährige, deren Erleben in ganz krassem Missverhältnis zu ihrer visuellen Präsenz steht. Das ist doch auch nicht schön, wenn man es so weit bringt, und es nicht genießen kann, und so furchtbar traurig ist. Dann gäbe es noch die Geschichte eines psychisch kranken Mannes, der glaubt, viel zu tun, um Marilyns Andenken zu schützen und stattdessen alles zertrümmert. Kein Mensch, dem man helfen kann, und das ist vielleicht die einzige Parallele zwischen ihr und ihm. Eben auch schade. Aber, um auf das Foto zurück zu kommen. Mehr Liebe kann man nicht festhalten, fotografisch, als Milton für Marilyn hatte. Und es war vermutlich ein blöder Zufall, dass Milton glücklich verheiratet war, als er Marilyn kennenlernte. Auf den wenigen Bildern, die die beiden gemeinsam zeigen, sieht man, wie gut aufgehoben sie sich bei ihm gefühlt hat.
Oder Fotografien von Audrey (nicht von Milton) mit dem Reh. Auf dem Sofa und beim Einkaufen. Ich meine – AUDREY! REH! Ich meine, eins reicht doch. Mehr geht doch nicht. Das ist doch ein Oxymoron par excellence und dennoch ist es geschehen. Sie hatte ein Reh als quasi-Haustier, weil sie in dem Film „Green Mansions“ (den niemand, den ich kenne, je gesehen hat) ein zahmes Reh brauchten. Also zog das Kitz bei den Hepburns ein und wurde Hausreh. Bambi Golightly.
Momente, Monumente größtmöglicher Schönheit. Auch das hat es auf diesem Planeten.