Archiv des Autors: glamourdick

BACK FOR UNGOOD

Ich bin kein Fan von Michael K. und Dlisted, aber hier spricht er mir aus der Seele, zum geplanten Melrose Place-Remake:

„If Sydney came back from the dead and strolled into Melrose Place with Amanda Woodward on one arm and Kimberly Shaw on the other, this fuckery might have a chance.“

GLAM CHARMIERT

Und wenn Ihnen heute nacht noch, oder morgen tagsüber jemand über den Weg läuft, mit Kopfhörer, und so charmiert in sich hineingrinst, dann, weil er/sie/es vermutlich gerade dies hört:

Lächeln Sie doch einfach charmant zurück!

GLAMSOMNIA

Da wachst du auf, es ist 3.00 Uhr morgens, und du bist sehr sehr wach. Weil du versehentlich um 20.00 bereits eine Flasche Wein getrunken hattest und vorm Fernseher eingeschlafen bist. War das wirklich Julia Roberts da in dem Film? Was hatte sie dort verloren? Ebenso verloren wie die Rolle, die sie spielte, in der Handlung. Hätte sie mal den Sohn genommen und wäre abgehauen, dann hätte der Alte sie nicht totfahren können und der Sohn hätte nie ein Buch geschrieben, geschweige denn das Manuskript verbrennen müssen denkst du während du deine Cola light Lemon trinkst und dann gleich noch eine. So ist es mit richtigen Entscheidungen, man trifft sie zu selten. Was dazu führt, dass sich niemand traut, einen zu fragen „wie geht´s Dir?“, aus Angst vor einer ehrlichen Antwort. Man ruft ja selbst schon niemanden mehr an, weil man nichts Gutes mehr zu sagen hat, sondern alles immer noch noch schlimmer wird.
Der Versuch, wieder einzuschlafen scheitert, trotzdem will man nicht aufgeben und lässt das Licht aus. Wenn man die Augen schließt, sieht man dahinter Strukturen. Wie Haut. Menschenhaut, schuppige Menschenhaut – schieb die Gedanken ins Positive, Dickhead, sonst kommt wieder dieser Traum, wo du dich in dieses krebsartige Alien verwandelst und dir aus dem Rückgrat so meterhohe Stacheln sprießen. Denk an — Elefantenhaut.

Anstatt dass langsam innere Ruhe einkehrt, rasen die Gedanken auf mich zu und ich spiele mit ihnen Baseball, lande aber keinen einzigen Treffer. Und dann resigniere ich und mach das Licht an. Ein Film liegt noch vorm Player und so schau ich mir mitten in der Nacht „Tropic Thunder“ an und lache ein paarmal wirklich laut und nach dem Film bin ich auch nicht müder. „Du liegst hier schaflos in Berlin, Dickhead. Steh doch auf und geh raus! Da hat doch diese Bar aufgemacht , in der Nachbarschaft. Das wär doch jetzt DIE Gelegenheit!“ Aber dann kommen wieder die Gedanken und die Gewissheit, dass ich so nicht mehr leben will. Nicht dass ich sterben möchte, ich habe eine Scheißangst vorm Sterben, aber so will ich einfach nicht mehr weiter. Und dann, kurz vorm Einschlafen, denke ich an den verschwundenen Portugiesen, der in der Nachbarschaft gewohnt hat, dessen Gesicht auf Plakaten in der ganzen Stadt zu sehen ist, weil er eines Nachts nicht nach Hause kam und keiner weiß, was mit ihm geschehen ist. Verschwinden hat eine gewissen Eleganz, einen mythischen Nimbus. Aber man will doch nicht gleich weg sein, es reicht doch völlig, mal eine Weile woanders zu sein.

ES HAT NICHT FUNKTIONIERT

Täuschungen, insbesondere erfolgreiche Selbsttäuschungen, sind häufig zweckdienlich. Wenn wir uns einreden, wie Scheiße wir sind, dann bleiben wir eben zu Hause, so kann uns weniger passieren. Wenn wir uns einreden, es wird schon wieder, dann können wir einen Zeitraum der Misere leichter überbrücken und am Ende stellt sich heraus, es war gar keine Überbrückung, es hörte gar nicht auf, Scheiße zu sein, aber mit dem bisschen Hoffnung Selbsttäuschung war es wenigstens etwas leichter zu ertragen. Im Englischen heißt es deshalb auch disappointment. Eine Verabredung („es wird schon wieder“), die nicht eingehalten wird. Im Grunde ent-täuscht man sich, um festzustellen, dass das Versprechen leer war und dass man seinen Bonus aufgebraucht hat. Alles ein bisschen sehr Eden Lake.

DEM GAUL INS MAUL GESCHAUT oder PIMPING HILDE

Ich finde Heike ganz fantastisch. Ich mag, wie sie „Stand by your man“ singt, ich mag sie in Filmen. In dem Biopic über Margarete Steiff hat sie mir das Herz gebrochen mit ihrem Spiel. Ohne Heike wäre Charlotte Roche nicht möglich, aber Heike musste sich nie für sowas wie das Muschisaftbuch hergeben und hat stattdessen Filme gedreht.
Ganz unberührt bin ich allerdings von ihrem Drehbuchdebut „Schwesterherz“ gewesen. Und wenn ich den folgenden Trailer sehe, dann bin ich hin- und hergerissen: in einigen Sätzen trifft sie den Ton, dass ich eine Gänsehaut bekomme, in anderen lieg sie haarscharf daneben. Den „Geschenkten Gaul“ zu verfilmen ist keine kluge Idee, weil das Buch offenbar vor Übertreibungen und Unterstellungen strotzt, wie ein Knef-Biograf herausgefunden haben will. Außerdem dürfte es schwer sein, eine filmische Umsetzung für den Schreib-Ton zu treffen, die klare harte unlarmoyante Sprache, das Knef´sche Stakkato – eine konsonantische Atmosphäre. Das Geklackere von Schreibmaschinentasten, auf die Asche fällt. In den Trailerbildern sieht mir das alles zu angepinselt und eingefärbt aus. Ich fange erst gar nicht mit den Perücken an – bei so einem Budget sollte es doch möglich sein? Oder? Bei den Wimpern hat man ja wohl schon einiges eingespaart. Der Trailer erinnert auf bestürzende Art und Weise an den widerwärtigen Marlene-Film von Vilsmaier. Der starb auch an Drehbuch und Farbe, was allerdings Katja Flints Leistung keinen Abbruch tat. Seien wir also gespannt.

KOMASAUFEN ;-)

„Und – was habt Ihr heute gemacht?“
„Wein verköstigt. Für die Party.“
„Und – was gibt´s?“
„Ach – Buffet mit Braten, Salaten und so.“
„Nein, ich meine was für Wein.“
„Ach so, rot. Weiß. Und —„
„Rosé?“
„Was jeder noch so mitbringt.“

THE THINGS THEY LEAVE BEHIND

VLudewig27

Alle meine Mitbewohner lassen Gegenstände zurück, alle. Wirklich ausnahmslos. Von Gabriel ist es die süße kleine grüne Kommode mit den Diamantknaufs aus Plastik, ein ebenfalls grünes Küchenregal und eine Tasse mit Marlene Dietrich drauf, die benutze ich allerdings nie, weil mir meine anderen Tassen besser gefallen. Sein Vorgänger, der Zombie, hat zwei so Vorhang-aufzieh-Stäbe zurückgelassen, mich schaudert bei dem Gedanken, was er damit vorgehabt hatte. Der kurzzeitige irritierte Israelit ließ einen Berliner U-Bahn-Plan zurück und einen Notizzettel. Meine indische Amerikanin hinterließ mir ein kleines Selbstbildnis in Öl auf Leinwand. Die Australierin, die zum Glück nur einen Monat blieb und die währenddessen häufig auf Reisen war, etwas Menstruationsblut und einen Schlafsack. Die georgische Miniaturtestosteronfabrik eine Lichterkette für außen, die ein Licht gleißender Intensität herstellt, so dass man sie eigentlich gar nicht einsetzen kann. Von meinem kleinen mexikanischen Weekend-stand Couchsurfer blieb ein dunkelblaues Polo-Shirt, Georgette ließ mir ihren Kühlschrank.

Nee, wartemal. Meine beiden Lieblingsspanier, die zwei Mal die Wohnung für sich allein hatten, die haben nichts hinterlassen. Die waren auch hervorragend unkompliziert und ein schöner Anblick noch dazu, die haben nichts dagelassen, die waren aufgeräumt und charmant. Und das einzige, was von denen zurück blieb, war ein Heteroporno (nach dem sie lange gesucht haben müssen in der Wohnung, denn so wahnsinnig viele Heteropornos gibt es hier nicht), den ich im Videorecorder vorfand.