Unlike Madonna habe ich offenbar einen eingebauten Anstandsfilter. Und so konnte ich zwar mit meinem Jesus 19jährigen Verehrer wunderbar reden und knutschen und rummachen, aber währenddessen kam ständig der Gedanke „Der wäre doch toll als Tanzpartner für mein Patenkind bei ihrem Tanzschulenball“ und dann kann ich ja schecht mit ihm ficken, das wäre so Baekeland irgendwie. Und alles in allem tragisch. Er 29 und ich würde sagen – das ist er. Oder ich 29. Aber so? Und nachdem er mir all seine Lieblingssängerinnen ans Herz gelegt hatte, lief beim Liebesspiel Kate Bush, nach der er sich auch prompt erkundigte, er hatte noch nie was von ihr gehört. Aber es gefiel. Und jetzt trink ich sein Becks Gold aus und geh schlafen. Und träumen. Und Gott verwünschen, mal wieder, für sein miserables Timing.
Und lese nochmal sein Tattoo. Und riech an meinen Fingern. Yes. They smell sweet.
Es gibt so eine Art Brustbehaarung, die ganz stark an Fell erinnert, also relativ glatt, eher lang. Ich glaube es ist eine ungarische Besonderheit. In der Verteilung nicht so wie Magnetfelder sondern flächig. Ziemlich scary.
Kleine Lily Allen also singt ein Lied über eine Dreißigjährige, die mit hungrigen Augen durch die Clubs zieht, in denen sich hübsch gestylte Welpenmädchen mit großen Brillen und teuren Täschchen amüsieren, immer noch hoffend und glaubend, dass da ein Kerl kommt, der sie, die Dreißigjährige, über die Schulter nimmt und nach Hause schleppt. Kleine Lily sieht da keine große Wahrscheinlichkeit. Ich mag ja Lily und kann mich noch gut an diese jungendliche Arroganz erinnern, als man selbst kein Bild von sich als Mensch über 36 hatte. Die selbe Arroganz, überhaupt nicht älter geworden, die ich jetzt gegenüber allen Fremden über 70 hege. Ich seh mich da nicht, hab da so ein Gefühl, dass ich das nicht erleben werde. Aber mit 15 war für mich auch ein Leben über 30 unvorstellbar.
Und jetzt seh ich grad wieder diese beiden Schildkröten vor mir, Mutti-Omi (95) und Tochter-Omi (75), die vor uns beim Ebstein-Konzert die Treppen zum Rang hochgehen, in Zeitlupe und völlig entspannt ohne jegliche sprichwörtliche Rücksicht die Treppe für alle nach ihnen schreitenden blockieren, Mutti-Omi die Hand auf dem linken Geländer, Tochter-Omi die ihre auf dem rechten, und dabei in ihren abgerundeten braunen Niedrigpumps und mit ihren braunen Handtaschen/ Röcken/ Blusen/ Westen langsam, zart und selbstüberzeugt vor sich hin tattern, ohne dass auch nur eine einzige festgesprühte Locke ihrer dauergewellten, nicht mehr ganz so dichten und entsprechend auftoupierten Haare vor sich hinwippen würde.
Und stehe so unter der Dusche und wasche den haarigen Körper und frage mich, was ein Jungmensch sich so dabei denkt, mich anzuchatten, um mich zu daten. Beim letzten (22) kann ich´s beantworten, ich bin dahinter gekommen, der suchte offenbar jemanden, der so altklug war wie er selbst. Ich habe ihn dann quasi in meiner Wohnung ausgesetzt und bin feiern gegangen, weil ich mich in seiner Umgebung so alt gefühlt habe, und zwar nicht wegen des Altersunterschieds sondern wegen seiner Floskeln und Allgemeinplätze. Oder kennen Sie noch jemanden, der sagen würde „Schönen Gruß von Getriebe“ wenn man sich mal verschaltet?
Nun. Ich kann das noch toppen. Ich bin von einem 19jährigen auf ein Date eingeladen. Gebildet, langhaarig, witzig. Mit Lippen, die Angelina J. neidisch werden ließen. Weiße Haut zu rotem irischem Haar. Und ich weiß jetzt schon, dass ich mich neben ihm alt fühlen werde, und mich fragen werde, warum er sich einen in meinem Alter aussucht. Aber egal. Bei dem freu ich mich aufs Knutschen. Und wenn gar kein Funke springt kann man immer noch „Zoolander“ anschauen oder sich Gedichte vorlesen. Rilke ich, Eliot er. Ich freu mich. Aber nervös bin ich natürlich auch. Aber so spürt man sich halt mal wieder jenseits von Kreislaufstörung, Porno-Orgasmus und Halsschmerzen.
Bein Annie Lennox hatte ich ja schon vor Jahren die Hoffnung aufgegeben, dass sie nochmal irgendwas Relevantes produzieren würde. Das ist gut, denn so konnte ich eines besseren belehrt werden. Also bleibt die Hoffnung, dass Morrissey irgendwann im Greisenalter etwas Schickes singen wird. Die aktuelle CD ist jedenfalls schon wieder runter vom Ipod. Boring shit.
Wundert es mich überhaupt nicht, dass so ne Mutti am Alex, konsumorientiert und modebewusst, möchte dass ihr kleener Racker auch so modisch frostblau aussieht. Und was liegt da näher als die Tiefkühltruhe? Nicht ohne Hintergedanken hat der studierte emphatische Schaufensterdekorateur dem kleinen Adolphin einen Rettungsring um die Füßlein gelegt, weiß er doch auch, dass die große Schwester Kesslien, die jetzt vielleicht noch mitgeht zum Kinderfasching der Arbeiterwohlfahrt Weißensee schon im Sommer mit einer Flasche Tannenzapfenbier und Pall Mall Lights quarzend vorm Alexa auf und ab tigern wird bis Kevin-Janik endlich mit dem neuesten Spice-Abklatsch auftaucht und die beiden sich im Buswartehäuschen verkriechen können.
Aber jetzt mal ganz realistisch betrachtet – würden Sie Ihr Kind als Aso-Delphin gehen lassen? Bei Karstadt-Hermannplatz habe ich superniedliche Hulk-Kostüme für 3-4jährige gesehen. Das passt doch auch viel besser.
Und nur wenige Stunden später machten sich die beiden erneut auf den Weg, Kultur zu goutieren. Dieses Mal im Rahmen der Berlinale und mit Lust auf viel Schwänze, wie es das Skailight besser nicht hätte formulieren können. Denn mit viel schönem Schwanz ist zu rechnen, wenn man sich einen Dokumentarfilm über den schönsten Mann der Welt, Joe Dallesandro, anschaut. Was soll ich sagen, wir wurden belohnt. Für das harte Erlebnis mit Katja im Konzerthaus wurden wir grandios entschädigt. „Little Joe“ erzählt selbst aus seinem Leben. Von den nicht so poshen Anfängen über kriminelle Experimente zur Karriere als Warhol-Superstar und darüber hinaus. Das Problem der Doku: es ist manchmal nicht leicht, Joes Worten zu lauschen, wenn man währenddessen Gelegenheit hat, sein Gesicht zu betrachten, seine Haare, seinen Oberkörper, seine Tattoo, seinen so unglaublich schönen Schwanz, der vielleicht nur noch von der Wohlformung seiner Arschbacken und Oberschenkel übertroffen wird. Seine Nippel, zwei Planeten, ach was – zwei strahlende Sonnen eines besseren Universums. Der Film ist eine visuelle Huldigung, eine Ode, aber begeistert auch durch Joes Bericht, seine Erzählstimme, den Mut, nur aus sich selbst heraus sich selbst zu bespiegeln, das krasse Gegenteil einer objektiven Berichterstattung und trotzdem bemerkenswert distanziert, weil hier jemand spricht, der sich nicht zu ernst nimmt. Auch der 61jährige Joe ist ein Mann, von dem man in den Arm genommen werden möchte, in dessen Haaren man ruwurschteln will. Man ärgert sich fast gar nicht über das Alter oder Altern, weil dieses Wesen da so integer und echt ist, dass seine Schönheit noch immer strahlt und niemals aufhören wird zu strahlen. Es ist exakt wie bei Louise Brooks. Nur eben mit dem schönsten Schwanz der Menschheit.
In diesem Farbfilm (und dem Lied) geht es übrigens um Analverkehr. Gainsbourg. Der Ganove. Joe sagt, dass bei den Dreharbeiten alle ständig hacke waren. Ich liebe Dokus, wenn sie solche Informationen liefern.
Und hier noch was aus dem Abspann. Ganz ganz reizend.
Wer keine Erwartungen hat kann auch nicht enttäuscht werden. Sehr wohl aber entsetzt. Und das, wo ich die besten Absichten hatte, einer deutschen Entertainerin Tribut zu zollen, wenn Bernadette Peters es einfach nicht gebacken kriegt, ihre Löckchen mal durch den Berliner Schnee zu schaukeln. Sind wir also zu Katja Ebstein, die hat auch rote Haare, und ins Konzerthaus wollte ich auch schon immer mal, nicht zuletzt, weil die Kassenkräfte einen legendären Ruf genießen.
Kaum, dass wir in den heiligen Hallen angekommen sind, schlägt uns der Duft des Alters entgegen. Franzbranntwein, Kölnisch Wasser und Haarspray, sowie eine Prise Muff aus den hinteren Bereichen des Wäschekorbs. Damen und Herren, hauptsächlich Damen, in allen Schattierungen der Vergreisung von gepflegt bis Pflegestufe. Man Frau drängelt sich vor der Kasse.
„Sind Sie Eltern der Kinderchorkinder?“ werden die Damen und der vereinzelte Herr hinter uns in der Schlange gefragt. Warum fragt mich das niemand? ärgere ich mich und schicke einen strafenden Blick.
„Sind Sie Gast von Frau Ebstein?“ Nein. Ich habe für das Vergnügen bezahlt. Die Fragenden können sich meine Anwesenheit hier ebenso wenig erklären wie ich mir selbst, aber das Skailight hat entschieden. Zwei kesse Ommis kennen so etwas wie eine Abkürzung und wollen sich in der Schlange nach vorne schummeln, haben aber die Rechnung ohne den Altenhasser Glam gemacht.
„Stellnse sich aber sofort wieder dahin wo sie herkommen!“
„Der junge Mann hat aufgepasst.“
Genau, Glam kennt keine Gnade für Fremde ab 70.
Die Kassiererin raunzt die Kartenabholervor uns an und ich schenke ihr ein breites Lächeln, das sie verschwörerisch erwidert. Zero tolerance. Insbesondere für „Anrechtsinhaber“ – Abonnent durfte man in der DDR nicht sagen, das war zu französisch. Dreistellige Anrechts-Kundennummern deuten auf eine ehemals hohe Funktion hin, aber ich lass mich nicht rumschubsen.
„Ich habe ein Anrecht!“
„Du hast kein Anrecht, Du hast einen Platz in der Schlange, Du alte Stasi!“
It´s dog eat dog an der Kasse vom Ebstein-Konzert. Die meisten Anstehenden haben sich schon lange nicht mehr so behende bewegt wie jetzt im Endspurt auf dem Weg zu Katja. All die Jahre, die sie fürs Fernsehen mittem Fahrrad durch den Osten geradelt ist haben sich bezahlt gemacht – in einer treuen, verschworenen Ost-Anhängerschar.
Endlich im zweiten Rang angekommen, geht das Konzert auch schon bald los und wir befinden, dass wir uns im falschen Saal befinden. Ein Kinderchor singt ein Lied, in dem es ungefähr heißt „Mit D-Mark auf zu Mahler geht“. Ich verstehe, warum die Karten so günstig waren. Weil man hier kein Wort versteht. Nach weiteren gefühlten 8 Kinderchorbeiträgen kommt dann endlich die straffe Katja auf die Bühne und steigt gleich mit einem Höhepunkt ein. Ein Lied von einem jungen brisanten Komponisten über eine Nationalheldin aus dem Süden Amerikas. „Wein nicht um mich Argentinien.“ Das macht sie sehr gut und man versteht fast jedes Wort. Dann kommen Hits aus der Feder Heinrich Heines und all ihrer Liedermacherfreunde von einst „die auch heute noch nichts an Brisanz verloren haben“. Na ja. Lieder für die Kinder dieser Welt. Und dann eine ganz verschärfte Rockfassung von „Was hat sie, das ich nicht habe“, leider versteht man kein Wort, wie auch schon bei den anderen „Songs“ (ja, sie bezeichnet ihre Lieder, ganz Kosmopolitin, als „Songs“. Bei „Was hat sie…“ werde ich sauer. Da ist dieser geile Satz drin, in dem sie über eine Frau berichtet, die f§
„für 20 Mark Schminke“ im Gesicht hat, den hab ich schon als Kind so geliebt. Und jetzt dürfen ihn nur die hören, die direkt vor der Katja sitzen. Ich meine, hab ich nicht auch ein Anrecht??“
Ich bin hin und hergerissen zwischen Langeweile, Lachanfällen, Angstschüben (Ist Alter ansteckend?) und Zynismus und Verzweiflung. Ich hatte mir so sehr vorgenommen, die Katja richitg toll zu finden, aber es will mir partout nicht gelingen. Nach einer knappen Stunde schließlich erhört Gott mein Gebet und die Katja macht eine Pause. Wir nehmen diese zum Anlass, dem Konzerthaus den Rücken zu kehren. Erst eine Stunde später haben wir Teile unserer Fassung zurück, die es uns ermöglicht, ein Gespräch zu führen. Immerhin – es ist kaum 13.00 Uhr und wir haben schon das Schlimmste des Tages überstanden.
Morgen um 11.00 Uhr Konzert* und um 15.30 Uhr Kino. Is doch doll, kommt man früher nach Hause und kann sich zu Rosamunde Pilcher mit Franzbranntwein einreiben.
*Ich trau mich kaum zu sagen, was. Vielleicht bring ich morgen den Mut auf.
Es freut mich sehr, bei Spon zu lesen, dass Michelle Pfeiffer in Berlin einen größeren Fanrummel ausgelöst hat als Kate Winslet, nicht, dass ich´s Kate Winslet nicht gönnen würde, ich mag sie sehr, aber Michelle Pfeiffer ist mit seit „Kopfüber in die Nacht“ (OMG, war das wirklich 1985???) eine Heldin – ich werde nie vergessen, wie sie dieses Treppe hinabjagt, in einer knappen roten Lederjacke und mit soooooolchen High Heels. Das hat tiefe Ehrfurcht in mir ausgelöst und eine anhaltende Auferksamkeit für diese Frau ud ihre Rollenwahl. Nicht nur ist sie noch immer eine der schönsten Schauspielerinnen Hollywoods, sie ist auch eine der talentiertesten, feingetunetesten.
Schaut mal (und das sind nur meine Favourites):
Into the Night, Ladyhawke, Married to the Mob, Dangerous Liaisons, Frankie und Johnny, Eat-your-Heart-out-Halle-Berry-Catwoman-in-Batman-returns
Notice the lovely „crazy hair“ at the end of the clip!
LOVE FIELD
(see why I love that, dontcha…)
The Age of Innocence, Dangerous Minds, One Fine Day, A Thousand Acres, What lies beneath
(einer der besten Thriller ever)
I am Sam
(SO heartbreakingly wonderful and tender. UND Sean Penn! UND Dakota! Und Michelle macht wieder dieses Ding mit den Augen, das mir direkt ins Herz schießt.)
Stardust und nun Chéri, neben der wunderbaren Kathy Bates, executive-produced by niemand anderem als Jessica Lange. Auch so symapthisch, dass diese Liga der außergewöhnlichen Screen-Queens zusammenhält. Und was mich noch froher stimmt: nach zwei Pfeiffer-Filmen, die straight-to-DVD gingen (eigentlich eine Garantie für das Leading-Lady-Karriere-Aus, der nächste Schritt wäre Grand Guignol Horror), obwohl beide auf ihre Art gut unterhalten (Personal Effects und I coud never be your Woman) hat sie mit Chéri nun wieder einen großen Kinofilm und legt, wenn man der Kritik Glauben schenken darf (wie gewohnt) eine schauspielerische Deluxe-Leistung hin.
Boy – is she GLAM. Und mit all dem nicht genug: Singen kannse ooch noch!
By the way, ich würde mit Michelle gern ein Interview führen, in dem es nicht um blöde Zahlen geht. Ich würde gern mit ihr über Zwergesel sprechen.