Archiv des Autors: glamourdick

SEHR GEEHRTER ALI* oder DISINTEGRATION

Auf diesem Wege möchte ich dich auffordern, jeglichen Kontakt mit meinem Freund X. zu unterlassen. Deine Mischung aus Selbsthass, Narzißmus und Impertinenz lässt sich durch Deinen kulturell-religiösen Hintergund möglicherweise rechtfertigen, aber nicht entschuldigen. Deine Beklagung, dass es zu viele (in Deinen Augen böse) Menschen gibt, die promisk leben oder gelebt haben und das HIV-Virus tragen und achtlos übertragen ist nichts als eine Unterstellung, die im Zusammenhang mit X. fehl am Platz ist, da es sich bei ihm um einen hochgradig ehrenwerten, verantwortungbewussten und liebevollen Menschen handelt. Die Tatsache, dass Du mit einem HIV-Infizierten safen Sex praktizert hast macht Dich nicht zum Opferlamm, sondern stellt einen Teil des Erwachsenwerdens dar. Reality check? Weder hat X. Dich wissentlich oder unwissentlich einem erhöhten Risiko ausgesetzt, noch hat Dein Geschlechtsverkehr mit ihm zu einer Infektion geführt. Das Beste was man über Dich und Deine Beziehung zu X. sagen kann ist, dass sich X. aufgrund Deiner hypochondrischen Paranoia einem AIDS-Test unterzogen hat und so recht früh im Verlauf der Infektion von seinem Status positiv erfahren hat. An dieser Stelle wäre es an Dir gewesen, ihn zu unterstützen oder gleich ehrlich zu sein und ihn wegen Überforderung und Mangel an emotionalen Resourcen zu verlassen. Dazu mangelte es Dir an Ehrlichkeit und Größe. Stattdessen plagtest Du ihn wochenlang mit Deiner Angst vor einer Infektion, die sich ja nach dem ersten Test, der negativ ausfiel, als substanzlos erwiesen hat. Anstatt nun endlich Ruhe zu geben, spielst Du auch jetzt noch das Opferlamm, indem Du den zweiten Test, der den ersten bestätigen soll, vor Dir her schiebst, angeblich um sicher zu gehen, dass er verlässlich ausfällt. (Vom SMS-schreiben mit HIV-Infizierten hat sich noch niemand angesteckt, Dumbo.) Mir scheint eher, dass Du Deinen Status als kleiner armer über den Tisch gezogener Unschuldsengel auskostest, da Du damit Deinen homophoben Selbsthass bekräftigen kannst. Mach nur. Für die Zukunft empfehle ich Dir, es wie Deine Migrationsbrüder hier im Kiez zu tun: heirate eine Cousine und lass Dir einmal im Monat hinterm Imbisswagen den Schwanz von einem Kerl blasen. Dem kannst Du dann ja sogar Dein einwandfreies Sperma in den Hals spritzen, einpacken, und mit rotem Kopf nach Hause zu Mutti laufen und ein Hummusbrötchen essen.

*Name von der Redaktion geändert.

UND DANN AUCH NOCH DAS

Oh my God. No. Please!

Die Leiche, die zu Beginn der ersten Season Melrose Place 2.0 im Pool floatet soll angeblich die von SYDNEY sein. Da holen sie die tote Sydney in die Serie zurück, um sie in der ersten Episode zu killen?????

(Vielleicht kein dummer Schachzug von Laura Leighton, die damit rechnet, dass der Spin-off eh nicht länger als eine Season laufen wird und das Sydney-murder-mystery im Zentrum der Handlung stehen wird. So eine Storyline würde allerdings kaum Raum für Comedy lassen, and what would Syd be without her unique kind of logic?!)

But still. Bad bad. Sucks. Major bummer.

And fuck, she looks gorgeous.

FETCH ME THAT FLOWER!

Dann gestern Abend „Were the World Mine“ noch einmal angeschaut und noch einmal komplett in den Film verknallt. Überlegt, dass man für ein gutes Stück Kulturgut eben dahin muss, wo´s weh tut – die Kindheit und Pubertät. Fast jeder kann nachvollziehen, welche Mäche da toben und welche Weichen durch welche Ängste, Vermeidungen, Konfrontationen gestellt werden. Sinniere so und stelle fest, dass ich das diesbezügliche Werk schon geschrieben habe, vor ein paar Jahren, in Romanform, aber es war den Verlagen zu schwul. Ich hatte aber keine Lust, eine Heterofassung zu schreiben, weil ich es für eine Unverschämtheit halte, das so ein Vorschlag überhaupt unterbreitet wird. Wieder wurde nur markt-technisch gedacht – schwules Buch findet nur schwule Leser, das ist ein eingeschränkter Markt, und der wird von Kleinstverlagen bedient, die hauptächlich peinliche Wichsvorlagen aus dem Amerikanischen übersetzen lassen.

Das frustriert mich nach wie vor sehr – vor allem die Tatsache und Wahrheit, die dahinter steht. Dass nämlich ein heterosexuelles Publikum wirklich einen leichteren Bezug zu heterosexuellen Geschichten herstellen kann (oder dies annimmt), wobei ein Schwuler keinerlei Problem hat, Literatur von und über Heterosexuelle zu lesen. Denn für ein gutes Buch, einen berürenden Stoff ist es doch scheißegal, wer sein Ding in welche Körperöffnung steckt. Und jetzt kommt mir nicht mit „Ich habe aber „Brokeback Mountain“ gesehen! Im Kino!“

Auch wenn es für Schwule mittlerweile möglich ist, in der Großstadt ein angenehmes Leben inmitten der Peergroup und weitestgehend toleriert von der Masse zu führen: ich nehm Euch Eure „Akzeptanz“ nicht ab.

Und darum geht es im „Were the World Mine“ ja auch – try walking in my shoes. I´d love to Puck you, too.

DA STIRBT AUCH EIN STÜCK KINDHEIT

angels


Charlie’s Angels Tribute To SpellingThe top video clips of the week are here

Jill Munroe war natürlich der beste aller Engel. Kurz gefolgt von Kelly Garrett. Und wenn Farrah auch in den letzten fünfzehn Jahren sichtbar ihre Probleme mit dem Altern in den Vordergrund stellte und die guten Rollen ausblieben, so bleiben doch in der Film- und Fernsehgeschichte ein paar außerordentlich gute Performances erhalten. Selbst in Trash wie der „Barbara Hutton-Story“ konnte man die Augen nicht von ihr lassen. Und dann ist da natürlich noch „Extremeties“, wo sie die Zäheste von allen war. Genau so zäh ringt sie mit dem Sterben. Ich hoffe, dass sie bald Ruhe findet. So long, Angel. And Thank You.

FAIRYTALE INDEED

Der Grand Prix war dieses Jahr nicht weniger qualvoll durchzustehen als in den vergangenen Jahren, aber das ist ja auch Teil seiner perversen Qualität. Man schaut zu, ist abgestoßen und kriegt den Blick nicht abgewendet. Bei diesem Liederfestival treten also Länder gegeneinander an. Nicht Lieder. Dieses mal hat aber nicht ein Land gesiegt, sondern ein Lied. Und sein Sänger. Und dieses Lied, ein bisschen ethno, ein bisschen retro, ein bisschenFrieden simpel gestrickt, hat damit quasi den Betrieb lahmgelegt, in dem gewöhnlich fast ausnahmslos Nachbarsländer sich die Punkte zuschmeißen, denn beim Großen Länderwettbewerb zeigt man auf einmal Fahne für´s Nachbarland. Eine Ausnahme: Deutschland. Österreich, Schweiz, Holland etc würden eher auf die Teilnahme am Länderkampf verzichten, als nur einmal uns fiesen Möppen 12 Punkte zu geben. Dieses Jahr wäre das aber eh nicht verdient gewesen. Wie stark ist ein Lied, wenn Du eine Celebrity-Stripperin mit auf die Bühne nehmen musst, um vom Song abzulenken?? Da jagen wir jährlich GEZ-Millionen in den Länderwettbewerb (uns so die Singteilnahme sichernd, deren Besetzungscouch wir dann gar nicht in Anspruch nehmen) und sind bei unseren Nachbarn noch so verhasst wie vor 70 Jahren.

Man könnte sich den ganzen Trubel sparen mit der Singerei. Man könnte einfach vorspulen bis zur Stimmenabgabe und dann könnte Deutschland der Türkei ihre 12 Punkte geben, Zypern 12 für Griechenland, Belgien für Frankreich usw. Aber zwischen all dem Gejaule und Gehampele in nuttigen Kostümen war gestern ein Kerl dabei, nicht schön, die Stimme etwas schief, die Aussprache mit starkem russischen Akzent, der hatte Zuvertrauen in seinen Auftrtitt, Freude an seinem Lied, ignorierte die bekloppte Choreographie um sich herum und dem gelang es, zu punkten, aber deluxe. Da hagelte es Höchstpunktvergabe aus allen Ecken und Enden Europas und Asiens (oder ist Georgien noch Europa?). Der kleine Weißrusse aus Norwegen traf einen gemeinsamen Geschmack, von dem wir gar nicht wussten. Und das macht Hoffnung darauf, dass sich in Zukunft nicht mehr in trügerischen Gewinnformeln kalkuliert wird: 1) Hoompa Hoompa möglichst nackig (die Türkraine), 2) laut und tragisch und beeindruckend frisiert (dieses mal mit Celine Dion besetzt, ach nee, war ja Patricia Kaas), 3) bisschen ethnisch bisschen Hoompah (der Rest).

Für die Zukunft des abgetakelten Glamourdramas würde ich mir folgendes wünschen: dass 26 Gesangsspektakel auf die Bühne gehen, ohne dass deren Nationalität verraten wird. So müssten sich alle ein wenig mehr ins Zeug legen.

The winner is: Alexander Rybak.

(Das ist so ein Sound wie früher im Radio. Alexandra. Adamo. Süß. Beachten Sie auch bitte die zwei schockierten Elfen bei 2.59, denen sieht man an, dass sie gerade einem märchenhaften Ereignis beiwohnen.)

UMSONST SCHREIBEN

Das Blöde ist ja, dass über das Bloggen immer abwertig geschrieben wird. Weil es in Opposition mit dem Journalismus und der Belletristik gesetzt wird. Weil die sich fürchten? Oder weil´s umsonst ist? Auf VOX kann ja auch nichts Vernünftiges laufen, wenn´s umsonst ist. Ich glaube ja, weiß ja, dass die sich täuschen. Aber selbst die Blogger begreifen das teilweise nicht. Die blöde Buschheuser oder wie se heißt, sagt ja auch indirekt, indem sie ihr Blog einstellt, um wieder Romane zu schreiben, dass das Blog an sich minderwertig ist. Aber nur im materialistischen Sinn minderwertig. Ich würde auch lieber wieder für Geld schreiben, aber dennoch würde ich meine hier betriebene Informationskunst nicht abwerten.

Die Rewards beim Bloggen sind idealistischer Natur. Ein Tagebuch zum Nachblättern. Ein interaktives Modell. Mit seinen Sachen nicht allein sein. Mit Wahrheiten schonungslos umgehen, Schönheiten beschönigen und dafür ein „Danke“ bekommen, dann und wann.

THEATER, THEATER

„Du Glammy, Du kannst doch so gut englisch. Was heißt denn „open dress rehearsal“?
„Na dass alle mit offenen Kleidern proben. Sowas wie casual Friday, nur eben bohemien.“
„Ach so.“

DOGS, DUCKS AND DICKS oder ALLES WEGEN LARS VON TRIER

Dogville
Dogma
Dogtown Boys
Hooch Cassidy & the Sundance Kid
Das Land des Hechelns
Hunde wollt Ihr ewig leben?
Colliewood Babylon
Amores Perros

Duckville
Duckma
Ducktown Boys
Butch Cassidy & the Sundance Duck
Ducks on a plane
Enten, wollt Ihr ewig fliegen?
Hollywood Daisylon
Amores Turkey

Dickville
Dickma
Dicktown Dicks
Cooch Cassidy and the Sundance Dick
Das Land des Fächelns
Pfunde, wollt Ihr ewig kleben?
Ballywood Babylon
Amores PhallusPorree

IRONBOY

Wieder so eine bestätigende Begegnung. Er ist wie er schreibt. Schnell, pointiert, gefährlich. Gefährlich gut. Gefährlich gutmütig. Mutig. Spricht mit einer Kinderstimme, schaut einen aus Kinderaugen an, eigentlich gehört er auf die Kinderschokoladentafel. Im Innern der Schachtel sollte man dann seine Texte abdrucken (oder als graphic novel abbilden), um Kinder gezielt zu verderben, die sonst nur plan- und ziellos verdorben würden. Die Schokolade müsste allerdings mit etwas stärkerem gefüllt sein als Milchcreme. Wodka Red Bull oder Ketamin. Ketamin würde farblich besser mit der Schokohülle harmonieren.
Er löst eine Art Beschützerinstinkt in mir aus, einerseits. Andererseits könnte ich es mir auch schön vorstellen, eine Runde mit ihm zu brennen. Wenn nur um das Drogennehmen rum nicht das ganze Geclubbe wäre, für das mein Gen verkümmert ist. Ich lasse ihn dann doch allein in die Nacht entschwinden und die Vernunft siegen. Nicht ohne ihn mehrfach in den Arm genommen zu haben und mit ihm vom Bett gefallen zu sein, aber nicht sexuell sondern kinderschokoladentafelesk, Alter.