Archiv des Autors: glamourdick

IS IT A CRIME?

Lese gerade einen deutschen Kriminalroman, der auf Spon angepriesen wurde. Gefällig konstruiert. Sprachlich anspruchsarm. Alle Charaktere sprechen die gleiche Sprache, mit identischem Wortschatz. Außer der albanischen Jungs, die sprechen Albanisch, manchmal. Aber damit der Leser es verstehen kann sprechen sie auch manchmal deutsch. Und dann klappere ich so die Blogroll ab und erwäge langsam wirklich den mir unterbreiteten Vorschlag, dass wir hier alle so Paypal-Donation-Programme einbauen, denn unser Schreiben ist zackiger, idiosynkratischer, beschwingter, anspruchsvoller, sexier als dieser aus unerfindlichen Gründen gelobte Roman und es ist langsam wirklich nicht mehr einzusehen, dass Blogger als die besseren Autoren leer ausgehen.

Kopfschüttelnd setzte Dick den Punkt unter dem Beitrag, goss sich Tee nach und widmete sich der täglichen Büroarbeit.*

*Klassischer deutscher-Krimi-Satzbau.

WER NIX WIRD

Ich begrüße das ja, dass an jeder Ecke zwischen Schlesischer und Görlitzer Straße neue Cafés aufmachen, die alle irgendwie gleich aussehen – Sperrmüll und kahle Wände. Dort gibt es Gebäck, das auf nette Art und Weise selbstgemacht aussieht und bestenfalls auch so verursacht wurde und nicht einer Backmischung oder einem Genlabor entstammt. Es gibt dabei sehr gute Cafés mit fantastischem Kaffee und schmackhaftem Backwerk – dieses kleine, das man fast übersieht, in der Wrangelstraße kurz hinter der Skalitzer beispielsweise. Spanischer Name, der mir nicht einfällt. Aber gestern wollten wir auf Nummer sicher gehen, also in den Salon sucré – Kreuzbergs bester Konditor – aber der hatte zu, also sind wir die Görlitzer hoch, aber nicht so hoch, dass man an den Hühnchendämpfen erstickt, und in ein weiß gestrichenes Dings, eine Quiche bestellt.
„Was habt Ihr denn für Weißwein?“ Die Bedienungen schauen sich entnervt an.
„Wir haben welchen hinten, aber ich weiß nicht, ob wir den verkaufen dürfen.“
„?!“
„Der is auch warm.“
„?!. Dann hätt ich gern einen Sekt auf Eis zur Quiche.“
„Sekt ham wa nich.“
„Prosecco?“
Kopfschütteln.
„Dann bitte eine Cola light.“ Da möchte ich eigentlich schon gehen. Sekt auf Eis hätte für die Bedienung vermutlich bedeutet, einen einsamen Eiswürfel in einen Sektkelch zu werfen – ich hätte ihr erklären müssen, wie das geht, und dann hat sich ein Laden eigentlich schon disqualifiziert.

Herr Schmidt bekommt ein Glas Milch (Bio H-Milch!) mit einem Schuss Kaffee und ordert einen Espresso nach, um sich die Latte macchiato herzustellen, die er bestellt hat. Ich muss auf den Frust erstmal rauchen. Die Bedienung bringt unsere Speisen und lässst die Gelegenheit verstreichen, mir einen Aschenbecher auf den Tisch zu stellen. Ich hab aber auch kein Problem damit, den Boden zu benutzen oder eine Untertasse. Die Quiche ist wohl auch Bio. Arm an Geschmack und Gewürz. Die beiden Bediensteten unterhalten sich mit Gästen und allein für ihren Laberton möchte ich der Ische ein Bein stellen. Larmoyante weinerliche Fruststudentin, die glaubt, es mit ihrem Piefcafé geschafft zu haben. Ihr dicklicher Kollege ist auch kein Servicetalent.
Ich fühle mich an eine Episode mit dem Skailight erinnert. Schlesische Straße, dieses Kaffeehaus mit den arschigen Kellnern.
„Ich hätte gern eine Bloody Mary.“
„Ham wa nich.“
„Haben Sie Tomatensaft?“
„Ja.“
„Haben Sie Wodka?“
„Ja.“
„Dann bringen Sie.“

Der Gedanke des Nachbarschaftscafés ist doch eigentlich ein guter. Preiswert, nahe gelegen, symapthisch, heimelig. Selbst arrogante Bedienungen haben was (hochschwangere Frau im Morena: „Ich hätt gern einen Milchkaffee, könnten Sie etwas mehr Milch hineintun als üblich?“ Kellnerin: „Nö.) Aber wenn Inkompetenz auf Arroganz trifft, dann warte ich doch lieber, bis der Salon sucré wieder aufmacht, denn dort gibt es zur Quiche einen fantastischen französischen Chardonnay, und dann gibt es ja noch die unzähligen anderen neuen Cafés, die es zu testen gilt. Die Konkurrenz. Schläft nicht.

FIND A CIRCUS RING WITH A FLYING TRAPEZE

Sex and the City 1980. Emma, Britin, schlägt in New York auf und versucht sich zurecht zu finden und als Hutdesignerin zu etablieren. Doch da kommt ein Mann nach dem anderen dazwischen und sie singt uns eins davon, wie Liebe kommt und Liebe geht, und wie sich das anfühlt. Die Texte von Don Black werten die angekitschte Komposition von Andrew Lloyd Webber auf.

Die beste Fassung der One-Woman-Show ist die mit Bernadette Peters – damals war „Tell me on a Sunday“ noch Bestandteil des Musicals „Song and Dance“ – in späteren Jahren kappte man gerne den Dance-Teil und beschränkte sich auf die wirklich amüsante Erzählung Emmas. Ein Lied mit dem Titel „Take that look off your face“, beaaaaatch – möchte man hinzufügen, das hat Glamour! Die deutsche Fassung von Gitte, hervorragend ins Deutsche übertragen*, ist übrigens auch sehr empfehlenswert („Bleib noch bis zum Sonntag“).

*Abgesehen von:

„Ich glaube du irrst dich,
weil´s hier in der Stadt, noch mehr Autos hat mit Stickers dran.
Und mancher läuft hier in Cordhosen rum,
ausserdem lügt er mich nicht an.“

Cordhosen. In Musik. Nein nein. Geht gar nicht.

SORGEN AN SICH, per se, als solches.

Und wenn ich reingehe, um mir was zu trinken zu holen, und das Macbook auf der Terrasse lasse, da bekomme ich immer eine schreckliche Sorge – dass ein Vogel auf die Tastatur scheißt. Aber das könnte ja genau so passieren, während ich auf der Terrasse bin! Sorgen. Blöde Sorgen.

ZWILLING, ASZENDENT WAAGE

Gestern das erste Mal seit vier Jahren auf einer Waage gestanden. Ich habe so ein Gerät nie besessen, es war irgendwie auch nicht nötig. Vor vier Jahren waren es 65 kg bei 1,80m, das waren immerhin 7 kg mehr als ich 20jährig mit nach Berlin brachte, aber damals war ich wirklich knochig. Gestern nun, im Bad bei einer guten Freundin eine Waage sichtend, wollte ich ganz stolz meine Trennkost-Erfolge überprüfen, denn der Gürtel lässt sichein Loch enger schließen, die Zigarettenhose sitzt nicht mehr prall, sondern schlackert um den Oberschenkel, der Ring, der sonst im Sommer kaum vom Finger zu kriegen ist, hat Spielraum und das Gesicht, das mich auf einem Snapshot so erschrocken hat, weil fat fat fat, das kommt auch langsam wieder in Form. Dies Waage nun bescherte mir die Erkenntnis, 5 kg über meinem Gewicht von 2004 zu liegen. Und das NACH drei Wochen Trennkost, in denen ich geschätzte 3 kg verloren habe. Bevor ich nun also das Schnellrestaurant meiner Wahl wieder besuchen werde, sollte ich in Erfahrung bringen, ob es sich bei dem dort verwendeten Käse um Rohmilchkäse handelt. Ansonsten bye bye Käsespätzle.

BERICHT VOM BODEN DES SOMMERLOCHS

Was wohl aus Sandra Dee geworden ist, frage ich mich, Sandra Dee, dem schecklichen Teenager mit Pausbacken, dem Mädchen, das man schütteln wollte, damit die puttige Fassade reißt und in der Tat hat sie irgendwann keine Angebote mehr bekommen und eine lebenslange Anorexie gepflegt. Zum Kotzen. Und bis 2005 durchgehalten. Auch nicht schön, wenn man erinnerungswürdig ist, aber die Erinnerungen so mit Ekel verbunden sind. Sandra Dee. Ürgs. Kollege Strike hat übrigens in einer seiner investigativen Unternehmungen das wahre Sommerloch aufgespürt.

Und ich geh jetzt mal Nokia fragen, ob sie einem Starblogger wie mir den Wechsel von Sony Ericsson ermöglichen möchten. Ich will nämlich kein Iphone, weil es was viel viel Schickeres gibt.

ALIEN NATION

Dass es im Kopf stattfindet, oder in der Seele, bedeutet nicht, dass es einfach wegrationalisiert werden kann. Ein „wird schon“ ist keine Hilfe, wenn man noch mitten drin steckt. States of mind are real enough.