Archiv des Autors: glamourdick

LINES COMPOSED UPON GURGLING WITH VODKA AND BRUSHING TEETH ALMOST MANICALLY

Es hätte so schön werden können – wenn man nach der Hochzeit von den Eltern gefragt wird „Und wo seid Ihr beiden Euch das erste Mal begegnet?“ zu antworten „Actually, hier. Als Ihr im Urlaub wart, hab ich ihn mir ins Kinderzimmer bestellt.“
Aber es sollte nicht sein, und weshalb nicht, das lesen Sie hier.

Was für ihn sprach – er war auch ein Reisender. Also hatte er weder schlechte Haare, noch Bedenken erregendes Übergewicht. Er war sehr gut im Messages schreiben. Seine Fotos versprachen viel und hielten es visuell auch ein. Er kam direkt aus dem Büro, schon sehr angegeilt. Und dann legten wir los, und bei einer dieser strategisch wichtigen Geschichten, die man so machen kann beim Sex, da stellte sich heraus, er war wirklich direkt aus dem Büro gekommen. Und hatte nicht, wie taktisch gewieftere Männer mit Vorhaut, feuchte Wegwerftücher im Schreibtisch. Und so hielt ich nicht um seine Hand an, und meinen Eltern bleibt eine weitere peinliche Anekdote, die mit ihrem Sohn und Sex im Harz zu tun hat, erspart. Aber mit Ihnen wollte ich sie dann doch teilen, sonst hätt ich womöglich noch in der Botschaft davon angefangen. Weiter mit „Veronica Mars“ und einem afrikanischen Sauvignon Blanc (kein Neid, der Kühlschrank hier kühlt nicht richtig – manchmal frag ich mich wirklich, ob ich nicht doch adoptiert bin.). Und der dringenden Empfehlung an alle geilen Männer mit Vorhaut – feuchte Tücher. God´s gift to the uncircumcised guy on the go.

GLAMME DILEMMEN MAL WIEDER

Ich mein, ich kann ja nicht mit Adidas-Schuhen in die Botschaft, auch wenn die noch so schön phosphorisieren (gibt´s das Wort?). Aber die Ponyfell-Guccis haben auch schon bessere Zeiten gesehen. So merkt man dann, dass die Wirtschaftskrise einen nicht nur eingeholt, sondern überholt hat, wenn man keine Anzugschuhe hat, aber sehr wohl noch Occasions, für die man sie bräuchte. Oder ich kaufe mir eine Nassrupfmaschine, dann könnte ich das Fell von den Guccis gänzlich removen und hätte Ponyleder-Schuhe. Aber dann kann Ich genau so gut ein neues Paar kaufen, Das fände häufiger Verwendung als eine Nassrupfmaschine, so schön es auch wäre, eine zu besitzen. Dann verzichte ich eben auf´s N97 und geh Schuhe kaufen. Und ärgere mich jetzt, dass ich von meinem Kultschuh damals nur zwei Paar gekauft habe. Das ist so die Art Schuh, von klassischer Schönheit und trotzdem einen Tick drüber, auf denen einen jeder anspricht. Einfach glam. Es ist wie mit gutem Wein – da muss man zuschlagen und die Lager leerkaufen.

KEIN NEID

Wenn Sie glauben, dass ich hier einen wohlverdienten Urlaub genieße, oh well. Ich stehe morgens um 8.00 auf und gehe mit dem hyperaktiven Hund Gassi. Dann ernte ich Walnüsse, bevor die Nachbarn sie klauen. Mit den Walnüssen kommt dieser glitschige Müll vom Baum, in dem sich die Walnüsse aufhalten, bevor sie reif sind. Also fege ich mindestens eimal am Tag Bürgersteig und Hof, damit die Walnussklauenden Passanten sich nicht beschweren können. Da das glitschige Walnussverpackungszeug sehr klebrig ist, spare ich mir durch das Fegen sämtlichen anderen Sport. (Es ist ein großer Baum, es ist ein langer und breiter Bürgersteig, es ist eine stark befahrene Straße.) Dreimal am Tag ruft mich das Presswerk an, weil mit der DVD, deren Herstellng ich leite, irgendwas noch nicht ganz stimmt. Dann telefoniere ich mit beispielsweise dem Grafiker, bis es an der Tür klingelt und ein Kurier mir das DVD-Checkmaster zur Endabnahme bringt. Leider ist der Regisseur, der die zweite Check-DVD checken sollte, telefonisch zur Zeit nicht erreichbar, also hängen die Entscheidungen an mir. Dann ist es auch schon wieder an der Zeit, den hyperaktiven Hund etwas auszutoben. Danach müssen Fische gefüttert, in zwei Haushalten Briefkästen geleert und Blumen gegossen werden. Ups, die GEMA-Anmeldung doch nicht ans Presswerk, sondern direkt an die GEMA. Jetzt nach dem Schlüssel zum Büro suchen, in dem das Faxgerät steht. Mails checken (dazu einmal übers Grundstück in die Nähe des Hauses, von dem das Wlan kommt.) Und jetzt ist es schon wieder an der Zeit, den Bürgersteig zu fegen, in der Hoffnung, dass ich danach den Regisseur erreiche, damit ich dem Masteringstudio grünes Licht geben kann. Immerhin scheint die Sonne.

GHOSTWRITING WITH GLAM

Ich war von mindestens drei Wochen konzentrierter Arbeitszeit ausgegangen. Einen Roman überarbeiten, den ich vor vier Jahren fertiggestellt hatte. Ihn soweit in shape zu bringen, dass meine Agentin ihn auf der Buchmesse anbieten kann. Sie findet ihn toll, aber an einigen Stellen sollte noch ein wenig mehr Glam reingebracht werden, und da es doch schon ein paar Jahre her war, dass ich ihn verfasst hatte, da ging ich nicht ganz angstfrei an diese Arbeit. Was, wenn ich mein Schreiben von vor fast 5 Jahren plötzlich ganz Scheiße finden würde? Und dann kam die Housesitting-Woche immer näher, plötzlich war sie da, und so habe ich, kaum in meiner Ex-Heimat angekommen, losgelegt. Am Samstag 100 Seiten. Die unangenehmen Plot- und Sprach-Überraschungen blieben aus. An einigen Dialogen musste ich noch feilen, einige Bilder noch ausschmücken. Am Sonntag weitere 100 Seiten – auch hier keine wirkliche Strukturarbeit erforderlich. Und bis vor einer halben Stunde dann die letzten100 Seiten. Hier hatte ich erwartet, dass die Handlung sich schleppen würde, dass es zäh wird, dass mir die Antiheldin, die ich vor 5 Jahren so liebte, vielleicht auf den Geist gehen würde. Nö. Ich liebe sie immer noch. So wie die anderen Damen und Herren, die das fiese fiese Spukhaus bevölkern/ heimsuchen oder in ihm verschwinden. Und dann das Finale – würde das so gehen oder musste ich es komplett neu schreiben? Nein. Es ging. Und es ging gut.

Ich musste bei der Arbeit oft grinsen. An drei Stellen hab ich geweint – und nicht, weil es so schlecht war, sondern weil mich die selbst geschrieben Geschichte so berührte, als habe sie jemand anderes geschrieben. Was sie ja gewissermaßen auch jemand anderes hat. Ein Geist, den ich rief, und mit dem ich mich sehr wohl fühle.

Was brabbelt der Blogger da nur, wird sich der uneingeweihte Leser jetzt vielleicht fragen. Aber, wenn meine Agentin das Werk an den Mann bringt, und das erscheint mir nach dieser Überarbeitung alles andere als unrealistisch, dann werden Sie bald zu den Eingeweihten zählen. Geduld. Die hatte auch ich.

Ich mach jetzt mal nen Champagner auf. Einen auf Laura! Einen auf Steerpike! Einen auf meinen Erstleser. Einen auf „Chris“, von der nicht mehr als ihr Vorname überliefert war (bis Glam kam.) Und einen auf die Agentin, ohne die das Buch noch in der Schublade vergilben würde!

SIEHSTE SIEHSTE SIEHSTE oder SEERÄUBER-GLAMMY

Der einzige Bezug, den ich noch zu dem Ort hier habe, meine Familie, ist verreist. Okay. Das Haus vielleicht noch. Ich habe die ersten Spaziergänge mit dem Hund absichtlich ins Feld und nicht ins Dorf gemacht, wo es niemandem gibt, dem ich gerne begegnen würde. Im Gegenteil. Ich hab keine Lust, der bösen L. oder ihrem Mann, dem Heuchler, über den Weg zu laufen. Heute aber dann doch die weite Runde genommen. Erst raus aus dem Dorf, um die Reithalle rum. Dann an diesem Schweinebauern vorbei – mörderischster Gestank, rechts den Friedhof liegengelassen, um die Kirche. Vorm Pfarrhaus standen Leute bei ner Art Stehempfang mit Kaffee und Kuchen. Der alte Pastor, der mich konfirmiert hat, stand auch rum, und weil mir mein eigener Ruf zwar egal ist, ich aber Rücksicht auf den meiner Familie nehme, bin ich zum Händeschütteln hin, dann haben wir uns die Hände geschüttel, er hat nen blöden Spruch gemacht „Ach Glam, hab ich Dich gleich erkannt, sogar unter Deiner riesigen Sonnenbrille“, dann hat er das Gespräch mit den anderen Arschlöchern wieder aufgenommen, die ich auch alle schon immer Scheiße fand, weil sie mich Scheiße fanden und außerdem überhaupt, die armen Dicks mit dem durchgeknallten Homo-Sohn, das ham sie wirklich nicht verdient. Und dann weiter durchs Dorf, vorbei am Haus, wo ich 1978 zum ersten Mal Kate Bush gehört habe, bei Katrin, nun auch schon tot, vorbei an noch nem Lokal mit dem Schild „zu vermieten“, an noch nem Kiosk mit dem Schild „zu verkaufen“ und an noch nem leerstehenden Haus mit dem Schild „zu vermieten oder zu verkaufen“. Und bei jedem Schild nur gedacht, siehe oben.

GLAM GOES NUTS

90 Seiten redigiert, zwei Spaziergänge mit Totos Ur-Ur-Ur-UrEnkel, ca 2kg Wallnüsse gesammelt, dabei ca. einmal fast vom Auto überfahren worden. Mit einer neugierigen ehemaligen Nachbarin in ein Gespräch verwickelt worden und ansonsten geschwiegen, außer wenn Toto nervte. Überlegt, ob ich lieber mit dem Rest der Familie in der Bretagne wäre. Antwort – Nö. Und nachher Brendan Fraser in 3D. Das fängt alles ganz schön gut an.

EIN KESSEL KLEINES

Wenn man schon morgens unter der Dusche plötzlich dasteht, das rechte Bein einseifend, und sich fragt – hab ich das linke eigentlich schon gewaschen?, weil man im Kopf schon in seinen actually four Jobs unterwegs ist, dann sollte man nach seinem 14stündigen Arbeitstag nachts keine Wäsche mehr waschen, in der sich eine Merinowollstrickjacke und ein Gucci-Seidenhemd befinden. Drum merke.