Hatte „Ship of Fools“ komplett falsch in Erinnerung*, mit einer Ausnahme, der Oskar Werner – Simone Signoret storyline. Es ging mir mit Oskar wie damals – herzeröffnend, und Simone tat mir in ihrer Rolle ein wenig leid und in ihrer Besetzung noch ein wenig mehr, denn was hätte Marilyn wohl aus diesem Part rausgeholt, 38jährig, had she lived to that age. Ist Oskar nicht ein Blutsbruder von Monty Clift? Hätten die beiden nicht zusammen glücklich werden können? Oder gar zu dritt?
Vampire sind seit „Twilight“ leider der Pferderoman/Comic des 21. Jahrhunderts. Pale Beauty. Früher sehnten sich Mädchen nach was Strammem zwischen den Schenkeln, heute nach was Feuchtem an der Kehle. Eine eigentlich spannende Entwicklung, bedenkt man, dass Vampire immerhin ein Jahrhundert lang für Sex ohne Liebe standen – jetzt stehen sie für Liebe ohne Sex, quasi. Vampire sind gemickeymouset worden. Schuld ist Anne Rice. Ja, Coppola auch. Und dennoch ist Coppola´s Dracula der Höhepunkt des Vampirs in unserer Kulturgeschichte. Believing the strangest thing.
*Ich hatte ihn mit einem anderern Oskar-Werner-Film, „Voyage of the Damned“, vermischt.
Ich geh dann von diesen Abenden nach Hause, kopfschüttelnd vor Wunder, wieder mal erfahren habend, wie privilegiert ich bin. Und weiterhin kopfschüttelnd über die Idiotie der Berliner Presse, zu schweigen, ganz zu schweigen von der selbstverschuldeten Lethargie so mancher, denen etwas, das man umsonst bekommt, als geringwertig erscheint, so dass man das Geschenk am End gar nicht annimmt. Ein bisschen wie ein Scheck in der Post, den man versehentlich mit der Werbung in den Müll schmeißt.
Weitere Geschenke: „Ship of Fools“ endlich auf DVD. Desweiteren „Boom“ und „Me and my Shadows“. Man muss halt doch manchmal zu Dussmann gehen, wenn man das Gefühl hat, Amazon leer gekauft zu haben.
Irgendwie hat es die Berliner Presse verachlässigt, das wunderbare Konzert des Michael von der Heide zu besprechen, schade, denn derlei Information kann man gar nicht weit genug spreaden. Und weil ich so schön geschrieben habe, verehrte man mir ein Freikartenkontingent für die heutige Vorstellung. So dass ein glamouröses Publikum den glamourösesten aller Schweizer erleben darf und es weitersagt. Also machen Sie sich schick, zuvor aber schicken Sie mir eine Mail an glamourdick at aol dot com, dann bekommen Sie von mir das Passwort! Eins A Serviceblog hier, n´est-ce pas?!
Und wir schauen so „Grey Gardens“ und Jessica Lange steht auf der Terrasse und verschränkt die Arme vor der Brust, und ich denk – Schau mal – dieser Archetyp Mutter-die-Kind-nicht-gehen-lassen-will, das gibt es wirklich nur wenn man so eine Mutter hat, oder eben als Archetyp, aber das, was in der Frau vorgeht da jetzt gerade, wie sie das Kind ziehen sieht und es zerreißt sie, das ist so ur-weiblich, das kann kein Mann, das muss was mit der Nabelschnur zu tun haben.
Und dann ist der Film vorbei, der Nachmittag fast rum, sein Flieger geht bald und wir sagen Tschüss und nehmen uns in dem Arm, und nehmen uns nochmal in den Arm und geben uns einen Kuss, und ich sag „Love you“, und er sagt „Love you too“, und dann drücken wir uns und irgendwo in mir hör ich den Ruf: „Edie? Eeeeedie?!“
Und dann mach ich die Tür hinter ihm zu und verschränke die Arme vor der Brust und fühle keine Zerrissenheit, keine Nabelschnur, weil mit ihm ist es so – wenn er weg ist, ist er weg, wenn er da ist, ist er da. Und man muss es zu schätzen wissen. Das Kind macht schon das Richtige. Er kommt schon klar. Er ist ja erwachsen und es geht ihm gut. Sein zuhause ist anderswo. Und gehe und mach den Schrank auf und nehme mir Cracker und Paté. Gar kein Sektglas mehr da? Ach, das Marmeladenglas tut´s auch.
Sagen wir es so – es gibt Künstler (und davon stand einer auf der Bühne, unterstützt von drei virtuosen Musikern) und es gibt Kleinkünstler (davon wimmelte es im Publikum). „Kleinkünstler“ bemühen sich seit ehedem um eine neue Berufsbezeichnung. Manche fordern für sich den Begriff des Chanonniers oder der weiblichen Kleinkünstler-Sing-Gattung – der Saucière. Gestern saßen sie im Dunkeln des Zeltes und erblassten außer von mir unbeobachtet anlässlich des großartigen Pop-Künstlers Michael von der Heide, der Bühnenpräsenz aus dem Ärmel seiner eng geschnittenen Jäckchen schleudert, dass ich Kleinkünstler in Bühnennähe am Boden lecken sah, da ihnen so etwas in ihrer Mutter Milch und auch später nicht vorgekommen ist. Ich beschreib jetzt nicht weiter, Ihnen fällt sonst die Kinnlade, außer dass Freunde und Bekannte von mir und ich gestern in Gesprächen eines beschlossen (hier lieber Leser, aufgepasst!:) Dass wir jedem und jeder, der oder die die die Möglichkeit haben, Michael von der Heide in der Bar jeder Vernunft zwischen Dienstag und Sonntag nächster Woche zu besuchen und diesem grandiosen Abend voller Glamour, Herz und verschlagener Sexiness beizuwohnen und diese Chance/ Versprechung/ Reise ins Ich/ Du/ Er/ Sie/ Es NICHT wahrnehmen auch nicht mehr helfen können und schlicht die Freundschaft kündigen werden, selbstverschuldete Trauerklopse. So ist es.
Desweiteren anzumerken: die Humpe war straffer als ihr Kerl, der Plate kaum angesengt vom Burnout und gut gelaunt aber nach wie vor übel frisiert, der Großteil der Belegschaft alte Bekannte aus meinem alten Business, das sich zu vermissen nicht lohnt, das lernte ich auf ein Neues. Die guten Menschen der Chanson-Szene, die gestern anwesend waren, waren reizend und charmant wie damals, die Kleinkünstler der Branche und die, die sie kleinhalten, klein – es hat sich nichts geändert. Und was soll ich zur Bilitis-Mafia sagen, außer dass es keinen Club gibt, in dem ein Dick wie ich weniger gern Mitglied sein möchte? Wie geizig jemand mit seinen social skills auf einer Premiere umgeht ist seit mehr als zehn Jahren für mich eindeutiges Zeichen seines Werts. Dort messe ich die Ausschüttung von Armutszeugnissen und auch gestern flossen sie, wenn auch nicht in Strömen, dazu ist die BjV zu klein.
So – summing it up – Gehen Sie, denn schon ab Dienstag ist es keine Premiere mehr und Sie können sich das Ganze unbelastet von Entertainment-Industrie genießen, müssen dann aber Ihre Getränke fein selber zahlen.
Und hier nochmal, auf Bitten des mysteriösen Mädchens aus dem geheimen Internetz-Clip von Michael von der Heide:
Dann mit der ausgedruckten Email zu American Apparel und eine ganz entzückende Slim Slack in der Farbe einer frischen Olive erstanden, wäre ein 5-Minuten-Stunt gewesen, wenn nicht die unfreundliche Mitsouko hinterm Tresen zu verpeilt gewesen wäre, einen Rabatt in ihre Wundermaschinenkasse einzutippen und erst die Chefin (die ich sehr schätze) vorbeikommen musste, und nicht, dass Miss Mitsouko diese Verzögerung mit Freundlichkeit zu vertuschen versucht hätte, wie es inkompetentes Personal weltweit normalerweise tut, nein, sie blieb die Kotzkuh, die in die 24er Hosen passt, die dort in den Regalen schlafen, die sonst aber keine Freude hat, und die 20 % Rabatt, die ich bekam verrechneten sich 1 zu 1 mit dem Ticket für Parken im Halteverbot. Können Sie die Schlampe bitte in die Münzstraße versetzen – da sind alle Verkäufer gleichermaßen unfreundlich und ich kann wieder angenehme Einkäufe bei meiner Lieblings-Shoplady machen. Danke.
Und, ja. Ich lese sogar die Produktempfehlungsmails, die ich täglich von Amazon bekomme. Und deshalb hab ICH demnächst ne Platte von John Barrowman, also rümpfen SIE nur ruhig die Augenbrauen oder kräuseln Sie die Nase, I am what I am, siehe oben. Is doch wahr.
…der Mörder. (Und hatte 13 Folgen lang großartige Unterhaltung. Ein 9-Stündiger Slasher-Film mit Humor, Sex, Spannung. Und Blut Blut Blut. Ich hab mich sogar ein wenig an Katie Cassidy gewöhnt. Leichter fiel das bei Adam Campbell und Christopher Gorham.)
Den ersten Glamour-Event der Woche überstanden. Wacker. Als ich erfuhr, dass der Abend doch nicht in der Botschaft, sondern beim Gesandten und seiner Gattin zu Hause stattfinden wollte, da wurde ich doch etwas nervös. Bei so ´ner großen Einladung kann man ja immer unauffällig am Rand rumlungern oder sich im Großen Stil daneben benehmen, aber je familiärer, desto mehr Aufmerksamkeit ruht auf einem. Diese Sorge hatte wohl nicht nur ich. Als ich eintraf, waren bereits zwei Menschen da, die ich kannte – einen, den ich in der Vergangenheit schon verabschiedet hatte, und eine, die mir vor etwa einem Jahr vorgestellt wurde. Beide begrüßten mich stürmisch, bei ihm nicht verwunderlich – er hat kein Format und war genau so nervös wie ich auf diesem Terrain. Bei ihr überraschte es mich dann doch, denn sie hatte mich beim Kennenlernen noch mitten im Vorstellungssatz stehen lassen. Gestern hing sie an mir wie eine Klette, bis der Ehrengast erschien und sie nicht länger nur mich hatte. Förmlich unoffiziell verteilten sich ca 20 Menschen über die Charlottenburger Wohnräume, ganz zwanglos flog das fliegende Buffet, wie Monde kreisten die Gäste um mehrere Sonnen – Gesandter, dessen Gattin, Ehrengast. Irgendwann merkte ich, dass es nicht anders war als bei meinem Parties – schillernde Menschen aus allen Bereichen des Lebens, nur dass hier anteilig mehr Wirtschaft und Politik verteten war als bei meinem Parties und es ein klitzekleinwenig förmlicher zuging. Es gab Wein aus dem Land des Ehrengastes, ich hielt mich, wie der Ehrengast, allerdings an den Champagner. Nach ein paar Gläsern war es dann sehr angenehm, mit Fremden mit lustigen Akzenten ins Gespräch zu kommen, wobei ich zugegebenermaßen die meiste Zeit mit Ehrengast und Gatten verbracht habe. Und als es gerade richtig schön war und ich dachte, wunderbar die beiden mal wieder zu sehen, it´s been too long, und unsere Eskapaden der vergangenen zehn Jahre vorm inneren Auge vorbei zogen, da fiel mir ein, dass dies ja erst der Auftakt für zwei glamouröse Wochen ist, dass ich mit dem Auto da bin, und dass ich spätestens Mittwoch wieder in den Genuss der Gesellschaft kommen würde, also bedankte und verabschiedete mich, nahm mir meinen Dolce-Mantel, der für solche Anlässe geschaffen ist, setzte mich in den Wagen und fuhr durch den Nieselregen nach Hause, entlang an Schlössern und Botschaften, Parks, Flüssen und Kanälen, während Herbstlaub durch die milde Luft flog und die Scheibenwischer quietschten.
Mittag mit Star bei Gravis, Drucker gekauft und bei Espresso zwischen lauter Macs erkundigt sie sich nach „Ashby House“ und ich gewöhne mich langsam an die Interviewsituation, wenn jemand fragt, worum´s in dem Roman geht. Eigentlich über Ghostwriting. Praktiziertes Ghostwriting. Aber eigentlich ist es eben eine Soap Opera, die in einem Haus spielt, wo im Turmzimmer immer Menschen verschwinden, aber das Haus hat gar keinen Turm. Sie macht das gut mit dem Interview, ist mal ein Seitenwechsel für sie. Nach einem schmackhaften Americano, serviert von einem atemberaubenden Lockenkopf, der in einen Sandalenfilm gehört, sind wir dann doch beim „Du“, nach einem halben Jahr der Verweigerung. Nicht plötzlich, sondern ganz amtlich, mit förmlicher Anfrage „Glam, wir können jetzt aber wirklich „Du“ sagen, es sei denn Sie möchten das nicht.“
Am Nachmittag „Shutter Island“ weiter gelesen. Am Abend, nicht weniger begeistert, 4 Folgen „Harper´s Island“ angeschaut. Dazwischen ein Stündchen geschlafen und ein Stündchen mit einem Polen gepoppt.