Archiv des Autors: glamourdick
glam in art again

„wow, neffe, es ist ein ausgesprochen schoenes bild geworden, doch braeuchte ich etwas hilfe bei der deutung.“
„na is doch klar. Das bist du am brandenburger tor.“
„jetzt wo du’s sagst, logisch.“
HEADING WEST
Es ist genau an der Zeit für eine kleine Reise westwärts, wenn man nachts aufwacht und feststellt, dass man im Traum gerade eine Rechnung geschrieben und einer Kollegin beim Entgleisen zugeschaut hat.
Gekrönt waren die letzten Arbeitstage von Telefonaten mit einer psychisch kranken Kundin, der nicht verständlich zu machen war, dass man eine Lastschrift nicht zurückziehen sollte, wenn man die Ware zufrieden erhalten hat.
„Sie legen doch beim Bäcker auch nicht drei Euro auf den Tresen, packen ihr Brot ein und nehmen dann die drei Euro auch wieder mit.“
„Jetzt fangen Sie mir BITTE nicht mit Brot an! Ich habe die Ware ja auch gar nicht selbst gekauft, das war eine Freundin von mir.“
„Aber SIE haben das Geld zurück gezogen.“
„Ich wollte die Ware aber auch nicht.“
„Dann SCHICKEN SIE SIE ZURÜCK!“
„Nein das KANN KANN KANN ich nicht. Ich leg jetzt auf.“
Eine Stunde später. „Guten Tag, hier spricht eine Freundin von Frau J. Bin ich mit der Firma ABC verbunden?“
„Nein, hier ist die Firma XYZ.“
Klick.
Drei Kollegen später und mit Hilfe ihrer Nachbarin, die ihr den Sachverhalt das achte, neunte und zehnte Mal veranschaulicht, erklärt sie sich dann doch bereit, die Ware zurück zu senden. Angesichts von vier verschlissenen Kollegen beschließe ich, beim nächsten so gearteten Fall gleich den sozialpsychiatrischen Notdienst zu kontaktieren – wenn ich in der Vergangenheit mal diesem Impuls nachgegangen bin, dann waren die besagten Menschen dort in der Regel bereits aktenkundig. („Hat sie die Adresse Soundsostraße 12 angegeben? Da waren wir bereits. Das ist ein leerstehendes Haus.“)
Irrsinn, Stress und Tod – das ist die Woche vor Weihnachten. Ich pack jetzt meine Geschenke ein, den neuen Stephen King, die Unterhaltungs- und Telekommunikationselektronik and I´m heading west. Without a sad goodbye.
GIRL, INTERRUPTED
Rest in Peace, Brittany.
DEAD GIRL
Übrigens habe ich auf der Facebook-Seite von Laura Leighton darüber erfahren. Es hat mich nicht im gleichen Maße berührt wie der Tod von Heath Ledger oder das langsame Sterben von Farrah Fawcett, aber je mehr ich darüber nachdenke, desto schlimmer finde ich es.
Die Szenen in „Girl, interrupted“, diesem fast unerträglich schwermütigen, trostlosen Film; unerträglich fragil – Winona, unerträglich überchargierend – Angelina Jolie, und unerträglich echt in ihrer Qual, die in einem Suizid gipfelt – Brittany Murphy als Daisy, mit der Essstörung, die, so deutet es der Film an, auf Missbrauch durch den Vater zurück zu führen ist. Weshalb man damals nicht sie, sondern Jolie für den Oscar nominiert hat, ist mir bis heute ein Rätsel.
Wie clumsy und pummelig sie noch in „Clueless“ aussieht, selbst nach dem Makeover, und wie gemacht, überholt und plastiniert ihr Gesicht in den letzten Jahren aussah. Folgen einer ewig andauernden Optimierung. Streamlining. Sehnsucht nach Perfektion auf der einen, nach Betäubung von Schmerzen auf der anderen Seite. Wenn Du in so einem Zustand den richtigen Drogen-Buddy findest – dann tickt die Uhr.
Die Berichte, wie sie in ihrem letzten Film, aus dem sie gefeuert wurde, weil sie am Set eine Pest war – dasselbe erzählte man 1962 von Marilyn, ein Gerücht, das sich Jahrzehnte lang hielt. Im Falle Brittanys scheint es jedoch die Wahrheit zu sein. Oder nicht? Man beschreibt sie jetzt als „Starlet“, übersieht aber, dass sie längst ein Star war – vielleicht ein nur kurz aufglühender, dessen Karriere gerade am Austrudeln war, vielleicht aber auch nur eine Schauspielerin, die gerade Pech mit den Büchern hatte, die man ihr anbot. In dem ambitionierten Indie „Dead Girl“ ist sie brutal gut, doch auch dies ist wieder ein Film, der den Betrachter fordert, keine leichte Kost, folglich kein großes Publikum.
Aber die leichte Kost – Brittany war hinreißend in „Just married“ und „Uptown Girls“. Perfekte dizzy fuzzy bumbly Blonde, glucksende Stimme, eine Süßstoff-Putte, immer einen Zacken zu niedlich, zu putzig, zu gut für diese Welt. Aber so war Sandra Bullock auch eine Zeit lang, und jetzt, mit 45, hebt ihre Karriere noch einmal richtig ab. Das macht mich traurig – dass wir von Brittany Murphy nichts mehr sehen werden außer in ein paar Wochen die Berichte über die Ergebnisse der Obduktion ihrer Leiche. Die Fußnote der heutigen Schlagzeile. Dann Schweigen, während sich irgendwo in Hollywood eine neue 12-, 13- oder 14jährige willig vor den Karren der Hollywood-Karriere einspannen wird, nicht im Traum daran denkend, dass derselbe Karren sie ein Arbeitsleben lang später überrollen wird. That´s the Dark Side of Glamour. Ich würde mir wünschen, dass wir Zuschauer unseren Helden etwas zuverlässiger die Treue halten würden.
Bye Brittany. Glammy will miss you.
I MISS THOSE KIDS
THE TROUBLE WITH GLASS
Ein zu Unrecht übersehener Film*, in dem es vordergründig um den Journalisten-Skandal um Stephen Glass geht, den Überflieger-Jung-Reporter, der einfach immer die besten Polit-Reportagen hatte. Erst langsam stellt sich heraus, dass ein Drittel davon allein seiner Fantasie entsprang.
Was Drehbuchautor/ Regisseur Billy Ray tatsächlich zeigt, ist das feinsinniges Psychogramm eines Soziopathen, der alle Sympathien auf seiner Seite braucht, um zu überstehen. Kam mir sehr sehr sehr sehr sehr bekannt vor.
Hayden Christensen macht das ganz fantastisch. Ich wollte ihn die ganze Zeit schütteln oder schlagen.
* Übersehen vermutlich, weil er schwer einem Genre zuzuordnen ist. Die Storyline liest sich erst einmal nicht besonders spektakulär, aber die Regie und Hayden C. machen aus „Shattered Glass“ ein kleines böses Meisterwerk.
BLUE IN THE FACE oder KEINE DISKUSSIONEN
Und irgendwann am Dienstag war der Zeitpunkt gekommen, wo ich mir sagte, morgen machstes wie alle anderen auch, einen Tag blau. It´s too fucking much. Nur alle anderen, die blau machen, sind angestellt und bekommen auch für nichtstun Geld. Da kuriert man schon mal seinen Rausch aus oder geht Christmas-Shopping machen oder so. Aber am Mittwoch sah es schon wieder ganz anders aus, was vielleicht auch an dem netten Schornsteinfeger lag, und ich habe auch so eine Art Verantwortungsbewusstsein – wenn einer ausfällt müssen die anderen seinen Job miterledigen und momentan ist Höchstsaison*, da ist es schon in normaler Besetzung anstrengend, also will man das niemandem zumuten. Andererseits, so on edge, ist man in verantwortungsvoller Position auch eine unleidliche Pest.
Diese drei Tage krieg ich noch rum. If you don´t fuck with me. If you do gibt´s ganz unweihnachtlich eins auf die Fresse.
* Nein, ich bin keine Weihnachtselfe. Aber wenn, dann wär ich die mit der Peitsche und den schwarzen Flügeln.
KATEWALK, ANYONE?
STRUKTURANALYSE
Und du wartest, erwartest das Eine,
das dein Leben unendlich vermehrt;
das Mächtige, Ungemeine,
das Erwachen der Steine,
Tiefen, dir zugekehrt.
Es dämmern im Bücherständer
die Bände in Gold und Braun;
und du denkst an durchfahrene Länder,
an Bilder, an die Gewänder
wiederverlorener Fraun.
Und da weißt du auf einmal: das war es.
Du erhebst dich, und vor dir steht
eines vergangenen Jahres
Angst und Gestalt und Gebet.
(Rilke: Erinnerung)
Es gab beim besten Willen nichts zu berichten, im Job herrscht Hochsaison, da habe ich nach nem Arbeitstag noch Energie für Nahrungsaufnahme, einen Film und dann schlafen gehen. Uninspiriert reise ich dann an den Vormittagen Internetseiten ab, auf der Suche nach etwas zu suchen. Darüber schreiben? Ach nö. Und so vergehen dann paar Tage, an denen ich nichts zu Papier bringe und letzte Nacht wache ich auf aus einem Alptraum voller Strukturen und Räumungsarbeiten. Wie wenn Stephen King eine Horrorstory über ein Emailfach schreibt. Tatsächlich werde ich im ersten Teil des Traumes irre darüber, mein Emailfach zu ordnen. Und im zweiten Teil dieser Auftritt, den ich vorzubereiten habe, wo alle um mich herum völlig durchdrehen und rumschreien. Außer meinem Ex, dem Tierarzt, der sich ganz freundlich bereit erklärt mir zu helfen, ein Angebot das ich gern annehme, zu gerne, denke ich noch. Dann trage ich einen Stapel Kleidung die Treppe hoch und mein Ex trägt einen Stapel in die andere Richtung und ich wache verwirrt und genervt auf, jetzt auch mit Halsschmerzen, und mir wird klar, weshalb ich selbst Schreiben muss, wenn ich es nicht will oder für nötig halte – weil die Denkstrukturen, die ich für´s Formulieren verwende, mir Halt geben. Eine ähnliche Erkenntnis erlangte ich einst, als ich aus abgründigstem Schmerz heraus vor mehr als zehn Jahren mit der Schreibphase begann, in der ich mich jetzt noch befinde, allerdings weitestgehend schmerzfrei. Es geht immer noch darum, die Gefühle in Bahnen zu lenken, wo sie einem möglichst wenig anhaben können. Einerseits beunruhigend. Andererseits beruhigend. Also. Weiterschreiben.