Archiv des Autors: glamourdick

DATE

Um 20.30 Uhr ist das Date vereinbart, um 20.50 Uhr hab ich immer noch nichts von ihm gehört. Um 23.00 denke ich, was für ein Arsch, um 23.05 habe ich ihm eine Message geschickt. Vier Buchstaben auf Englisch, die das weibliche Genital bezeichnen (nein, „pussy“ hat 5 Buchstaben. Das andere Wort.) Um 9.00 eine Message von ihm „hey, was denn los? hab ich was verpasst??“
Ja, sie oben.

WHERE DID YOU GET THOSE EYES?

Zerstörung, Rage, Pandämonium. Ich könnte es auf Clive Barker abschieben, aber der Alptraum von letzter Nacht war wohl lediglich der Ausdruck dieser creepy despair, die mich immer mal wieder von hinten anspringt. Dass Sachen zu Bruch gehen, Freundschaften, Lebenswege vom Ziel wegführen. Where´s a Faerie when you need one?

GESPENSTER AM SONNTAG

Vor ein paar Wochen ein Buch gekauft, weil – das Cover war so schön. Don´t. Hinten stand auch drauf, wenn Sie dieses Buch versehentlich im Zug liegen lassen, kaufen Sie sich im nächsten Bahnhof sofort eine neue Ausgabe. Wenn man nicht merkt, dass man etwas verlegt, ist es dann wirklich verlegen? So geschehen mit besagtem Buch. Als ich es wiederfand stellte ich fest, wie wenig ich es vermisst hatte.

Stattdessen also kein neues Buch gekauft, weil die Stimmung war so nach es-sich-ganz-bequem-machen und das beinhaltet ein Buch, in dem man sich aufgehoben weiß, da bleiben eigentlich fast nur zwei und ich entschied mich dann gegen „Eleanor Rigby“, weil zu zutreffend, und für „Coldheart Canyon“, weil ein trashig pornöser Hollywood-Gespenster-Roman so Glam-notwenig ist wie ein Debbie Harry T-Shirt. Dazu gab´s Prosecco Red Bull, weil Sonntag war, und Sonne und Hollywood-Schaukel.

Als ich vom Nachmittagsschlaf erwache sagt mein Telefon, dass ich eine Nachricht verschlafen habe. Ob ich Lust auf eine Schorle hätte. Ober er Lust auf Spargel, frage ich zurück. Und so verbringe ich den Abend außerhäusig, ohne das Gebäude zu verlassen, wir essen im Hinterhofgarten griechischen Spargel, was nur dem Hund nicht gefällt. Immer, wenn ich längere Zeit mit ihm verbringe frage ich mich, ob es nicht ein Fehler war, damals, voll im Koks-Depri Nein zu sagen, als er mich fragte. Irgendwann werde ich ihm das mal sagen. Jetzt kennen wir uns schon so lange, dass es keine Eile hat.

GLAM HOLT NACH: „SULLIVAN´S TRAVELS“

VeronicaLake

Weshalb ich die „Vanity Fair“ immer noch abonniert habe* – u.a. weil sie Geschichten bringt wie in der aktuellen Ausgabe über den Regisseur Preston Sturges, der in den 40ern ein halbes Dutzend Filme in Folge geschrieben und dirigiert hat, dann irgendwie weg vom Fenster war und auch nie wieder in die Nähe eines Fensters kam. Ein Magazin, das auch mal nach hinten schaut, nicht immer nur nach vorn, sehr sehr rar, sehr sehr löblich. Der Artikel jedenfalls machte neugierig auf diese Filme, Preston Sturges bislang eine weißer Fleck auf meiner Filmlandkarte, lediglich der eine Titel „Palm Beach Story“ klingt vertraut. Amazon.co.uk arbeitet mal wieder Hand in Hand und drei Tage nach Lektüre des VF-Artikels bin ich im Besitz der sieben Filme umfassenden Preston Sturges DVD-Sammlung. Wo anfangen? Entscheidung leicht: „Sullivan´s Travels“, da spielt Joel McCrea die Hauptrolle, der ist megasexy, und an seiner Seite eine der Schönsten überhaupt, die glasklare Veronica Lake. Alles, was im VF über diesen Film steht, stimmt. Der Film hat ein paar überzogen inszenierte Slapstick-Szenen, aber die braucht er. Erzählt wird die Geschichte des Komödien-Regisseurs Sullivan, der zum Entsetzen seiner Produzenten beschließt, einen sozialkritischen Film über die Abgründe und Slums des Amerika der 40er Jahre zu drehen. Um das Projekt realistisch zu gestalten beschließt er, sich als Hobo verkleidet unter die Ärmsten der Armen zu mischen und ein bisschen übel riechende Unterschichts-Luft zu schnuppern. The travels begin. Nach seiner ersten Nacht landet er hungrig und abgebrannt in einem Diner, wo ein goldschimmerndes Hollywood-Starlet deluxe ihr Frühstück zu sich nimmt. Noch im Abendkleid von der Party am Vorabend, ein mit Brillianten geschmückter Panther in einem Spätkauf, beginnt ein Schlagbabtausch zwischen ihm und ihr, wie ich ihn selten in einem Hollywoodfilm gesehen habe.

Cooooole Säue. Selten einen Film gesehen, in dem so viel so schnell geredet wird, und es sind wahnwitzig geniale Dialoge, es macht große Freude diesen beiden Figuren zuzuschauen und zuzuhören, es ist auch ein bisschen too much, aber egal, das ist Versace auch und trotzdem ist viel Schönes dabei. Ich will nicht zuviel verraten über die weiteren Reisestationen von Sullivan (außer, dass es einen symphonischen Moment komplett ohne Dialog gibt – überhaupt ist der Film eigentlich eine Ballade in Strophen und mit Chor), nur soviel – ich freue mich auf die nächsten sechs Sturges-Filme und habe mich completely in Veronica und Joel verknallt. So gönne ich mir fürderhin pro Abend einen Film nach Möglichkeit mit Joel und als Double-Feature-Zweiten einen, in dem niemand mitspielt, den ich kenne. Wochenende kann kommen.
Das Box-Set kriegen Sie in England für knapp 20 Euro, in Deutschland kostest es 80. You know what to do.

Deadpan drop dead gorgeous:

* Aber noch eine Ausgabe, in der der Name Tiger Wodds fällt, und ich überleg es mir nochmal.

TEACHER´S PETTING

Das Bizarre an dieser ganzen Kindesmissbrauchsdebatte ist doch, dass alle reden, als lägen die Fälle ausschließlich in der Vergangenheit, wobei an Schulen, in Internaten und Klöstern die Übergriffe weitergehen. Wenn es zu meiner Schulzeit für Lehrer noch üblich war, die Schädel von Erstklässlern auf den Tisch zu donnern oder Halbwüchsige sexuelle zu bedrängen und sich damals niemand gezwungen sah, zu handeln, und auch jetzt nur geahndet wird, was vor Jahrzehnten geschah, dann sollen die mal nicht so empört tun und stattdessen dafür sorgen, dass die aktuell Kinder-fickenden oder -prügelnden Täter nicht mehr mit einer Ohrfeige davon kommen.

Wie empathisch unsere Kultur mit den Opfern wirklich ist, merkt man ja auch daran, dass unbefangen mitgesummt wird, wenn ein Lied von Michael Jackson im Radio erklingt.